Schiltern ist ein Ortsteil der Marktgemeinde Wernberg-Köblitz im Landkreis Schwandorf des Regierungsbezirks Oberpfalz im Freistaat Bayern.

Geografie Das landwirtschaftlich geprägte Dorf Schiltern liegt etwa auf halber Strecke Wernberg-Losau Gewässeraufwärts am Schilternbach, ca. 3 km östlich von Wernberg, unmittelbar an der Autobahn, 3 Kilometer östlich des Autobahnkreuzes Oberpfälzer Wald. An der ostseitigen Dorfgrenze liegt der Prügelhof. Etwas abgesetzt, ca. 0,5 km westlich des Ortes liegt ein alleinstehendes Anwesen (heute Westseite der Autobahn). Hierbei handelt es sich um eine der Ziegeleien in der Landwirtschaft, die auf Basis der „Degel“-Vorkommen Steine und wohl auch Dachziegel für das weitere Umfeld herstellten.

Etymologie Der Name Schiltern findet sich vielfach alleine in Bayern namensverwandt zum Teil in historischen Formen z. B. in SchiltornSchiltorn/Plattling, Landkreis Deggendorf, Niederbayern., OberschilternOberschiltern, Weiler in der Gemeinde Dorfen, Landkreis Erding, Oberbayern. UnterschildingUnterschilding, Weiler, Gemeinde Palling, Landkreis Traunstein, Oberbayern., UnterschilternUnterschiltern, Weiler, Gemeinde Dorfen, Landkreis Erding, Oberbayern., SchaldingSchalding an der Donau, kreisfreie Stadt Passau, Niederbayern., SchildornSchildorn, Weiler, Gemeinde Griesbach, Landkreis Passau, Niederbayern., SchildthurnSchildthurn, Gemeinde Zeilarn, Landkreis Rottal-Inn, Niederbayern., SchildingSchilding, Dorf, Gemeinde Samerberg, Landkreis Rosenheim, Oberbayern., OberschilternSchiltern, Oberschiltern, Gemeinde Dorfen, Landkreis Erding, Oberbayern;

Schiltern, Oberschiltern, St. Koloman von Schwindkirchen, Bayern. und SchildingSchilding, Weiler, Gemeinde Aicha vorm Wald, Landkreis Passau, Niederbayern. Vergleichbare Orte sind z. B. in der Schweiz SchilthornSchilthorn/Lauterbrunnen, Schweiz;

Schilthorn, Piz Gloria Mürren, Schweiz., in Österreich SchilternSchiltern, Gemeinde Langenlois, Niederösterreich;

Schiltern Gemeinde Seebenstein, Niederösterreich. oder in Tschechien ŠtítaryŠtítary, Okres Znojmo, Tschechien.. Der Ortsname legt ähnlich wie bei z. B. Zeitlarn – Zeiteln, Honiggewinnung oder Schäftlarn – Schäftemacher, Speermacher, ein frühes Handwerk oder eine Gewerbesiedlung nahe. Damit käme sprechenderweise „bei den Schildmachern“ also wohl ein Handwerkerdorf auf grundherrschaftlicher Basis infrage. Nach Reitzenstein ist die häufigste Handwerkerbezeichnung mit dem Suffix „-er“, die sich beim Schildmacher im mittelhochdeutschen „Schiltaere“ wiederfindet. Basis dieses Wortes ist „Schilt“ (Schild).Wolf-Armin von Reitzenstein, Ortsnamen als Zeugnisse für mittelalterliche Handwerkersiedlungen in Bayern, in Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, München, Band 78, Heft 2, S. 371.zit. nach Lexter, Handwerkerbuch I, Sp 737, 739.

Das wohl älteste Anwesen, der Schilter-Hof oder die Schilter-MühleHelmut Reis, Häuserbuch. Die Altanwesen und ihre Besitzer im Bereich des Marktes Wernberg-Köblitz, Pfreimd 1993, S. 322., dürfte seinen Namen auf das Gewässer zwischen Schiltern und Wernberg übertragen haben, das sich nahezu unverändert als „Schilterbach“ in leuchtenbergischen Grenzbeschreibungen 1361/62Hans Wagner, Regesten der Stadt Weiden (1936), Urk. Nr. 90. bis zur Vermessungsuraufnahme 1836 und dem Marktplan 1974Marktarchiv Wernberg-Köblitz, Ortsplan Markt Wernberg Ldkr. Nabburg/Opf., erstellt von Kartograph Axthammer (1974). in diversen Unterlagen findet. Erst in jüngster Zeit, nach der Gebietsreform, setzte sich seit ca. 2000 zunehmend der Name „Schilternbach“ durch.

Der Name Ketzereuth, Kotzenreuth, als mögliche Vorgängersiedlung von Schiltern, ist mit der Wortendung „-reuth“ ein Rodungsname. Denkbar ist hier durch die nahen slawischen Ortsnamen (Losau, Kötschdorf, Köblitz) ebenfalls ein slawischer Einfluss (vergl. den Ort Kotzen-Brandenburg).

Geschichte Abgeleitet aus dem Ortsnamen dürfte es sich bei Schiltern um eine frühe Ausbau-, Handwerker- oder Gewerbesiedlung im Rahmen der systematischen Landeserschließung des 9. bzw. 10. Jahrhunderts handeln. Diese mittelalterlichen Handwerker aus unterschiedlichen Branchen dürften vornehmlich im Dienst der jeweiligen Grundherrschaft, in der Nähe des betreffenden Hauptortes gewesen sein. Das hergestellte Produkt findet sich immer wieder in entsprechenden Ortsnamen. Auffallend ist, dass Schiltern zu jener Gruppe von Ortsnamen gehört, die mit gleichen oder ähnlichen Namen sowohl um Nabburg als auch um Krems im Wald-/Weinviertel (Niederösterreich) vorkommen.

Die in älteren Forschungen angegebene Erstnennung für das Jahr 1040Nab-Burg, heimatkundliche Beilage zum Nabburger Volksboten, 15. August 1930, zitiert nach Monumenta Boica 4, 20ff.

Robert Kuhnle, Der Landkreis Nabburg 1967, S. 112;

Helmut Reis, Häuserchronik der ehemaligen Gemeinde Losau, erschienen in Blätter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde, 41, Jahrgang 1978, Band XIII, Heft 8, Regensburg 1978, S. 314. Widerspruch mit Aribo de Sciltarina, ca. 1130: Armin von Reitzenstein ordnete diese Urkunden nicht dem Ort Schiltern im ehemaligen Landkreis Nabburg zu. sowie die Folgeurkunde von 1160 für das Schiltern im ehemaligen Landkreis Nabburg wird in jüngeren Forschungen dem Weiler Oberschiltern, Gemeinde Dorfen im Landkreis Erding zugewiesen. Damit ergibt sich die früheste gesicherte Nennung für Schiltern im Marktes Wernberg-Köblitz mit dem Jahr 1351. Damals erwarben die Nothaft von Wernberg ein Lehen in Schiltern.StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg U38 vom 25. Januar 1351. Dieses Lehen zu Schiltern war Teil der Aussteuer der Anna Nothaft, als sie mit Konrad dem Sattelboger von Neuhaus verheiratet wurde. Am 25. Januar 1352 jedoch schon kauften ihr Bruder Heinrich Nothaft und dessen Ehefrau Elisabeth dieses Gut wieder zurück.Illumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Kallmünz 1952–1956, Band 2, S. 53. Das Lehen blieb dann jahrzehntelang im Besitz der Nothaft und wurde auch im Teilbrief zur Herrschaft Wernberg im Jahr 1470 beschrieben.Illumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Kallmünz 1952–1956, Band 3, S. 148ff. Inhaber dieses Lehens war Jacob Dickl.

Durch die relativ späte Nennung des Ortes gewinnt der Hinweis aus dem Häuserbuch Wernberg-Köblitz an Bedeutung, wo der Besitzer des Hauses Nr. 10 Ulrich Philipp 1421 den „Zehent auf der Öde zu Kotzereuth unter dem Dort, das man jetzt Schiltern nennt“ an Bedeutung.Helmut Reis, Häuserbuch. Die Altanwesen von Wernberg-Köblitz und ihre Besitzer, Pfreimd 1993, S. 320, Haus Nr. 10. Möglicherweise existierte der Ort Schiltern früher unter anderem Namen, oder es gab eine Zweitsiedlung unterhalb des Ortes, die Anfang des 14. Jahrhunderts eingegangen war. Selbst 1650 wurde noch der Zehent von „Kotzenreuth“ erhoben. Letzter Zehentinhaber war Andreas Ulmann im Jahr 1713.Helmut Reis, Häuserbuch. Die Altanwesen von Wernberg-Köblitz und ihre Besitzer, Pfreimd 1993, S. 313.

Kirchlich war Schiltern Teil der auf Reichsgut errichteten Urkirche und Großpfarrei Luhe. Noch im 16. Jahrhundert machte die Pfarrei Luhe Ansprüche daraus geltend.J. B. Lehner, Wie der Markt Luhe in der Oberpfalz im Jahre 1617 kalvinisch werden sollte, erschienen im 5. Jahresbericht des Vereins zur Erforschung der Regensburger Diözesangeschichte, Deggendorf 1930, S. 32. Schiltern stellte dabei sicherlich die südlichste Grenze dieses Gebietes dar. Im 13. Jahrhundert dürfte das Gebiet zur Landgrafschaft Leuchtenberg gekommen sein.

Für einen etwas herausgehobenen Personenkreis spricht der Lehenbesitz der Familie Steiner zu Schiltern die 1380 Güter und Rechte in FriedersdorfNab-Burg, heimatkundliche Beilage zum Nabburger Volksboten, Jahrgang 1930, S. 14: Der Hof des Meinrich Maier von Friedersdorf ging am 22. November 1380 von Heinrich Steiner zu Schiltern zu Lehen. Noch am 23. Juni 1355 war dieses Lehen im Besitz der familie Zenger von Nabburg. und 1399 in OberköblitzNab-Burg, heimatkundliche Beilage zum Nabburger Volksboten, Jahrgang 1930, S. 13, zitiert nach Gerichtsurkunden 28: Am 16. Oktober 1399 verkaufte Michl Steiner zu Schiltern ein Lehen in Oberköblitz an Hans den Artnberger, Bürger zu Luhe. hatten. Zu diesem herausgehobenen Personenkreis ist auch die Familie Ulmann zu nennen, die sowohl in Losau als auch in Schiltern Besitzungen hatte und Lehensträger der Paulsdorfer auf den Zehent zu Schiltern waren.Helmut Reis, Häuserbuch. Die Altanwesen von Wernberg-Köblitz und ihre Besitzer, Pfreimd 1993, S. 300, 320, zitiert nach BayHStAM, Ob Lehnhof, Nr. 2317. 1676 war Andreas Ulmann, der nun in Schiltern auf Haus Nr. 3, Hausname „Wirth“ saß, Bürgermeister im Markt Wernberg.Helmut Reis, Häuserbuch. Die Altanwesen von Wernberg-Köblitz und ihre Besitzer, Pfreimd 1993, S. 313.

Für die Landgrafen von Leuchtenberg waren die Einkünfte aus Schiltern immer wieder Teil frommer Stiftungen. Nachdem Landgraf Leopold von Leuchtenberg bereits einen Hof an die Pfarrkirche Pfreimd gegeben hatte, stiftete er im Jahr 1411 einen zweiten Hof zu Schiltern.Illumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Kallmünz 1952–1956, Band 3, S. 16;

Nab-Burg, heimatkundliche Beilage zum Nabburger Volksboten, vom 24. April 1926. Dort wird präzisiert: Die Stiftung vom 24. Juni 1411 beinhaltete den Hof des Hans Rauch zu Schiltern, der jährlich 1 fl 54 kr. 2 Pfg. trug. 1413 gab Landgraf Leopold von Leuchtenberg dann nochmals 2 Höfe in Schiltern zum Gotteshaus Pfreimd.StAAm, Staatseigene Urkunden 1084 vom 19. Februar 1413. Beim Aussterben der Landgrafen im Jahr 1646 wurde in der Zusammenstellung des Nachlasses der böhmischen Lehen, Besitz in Schiltern mit 4 Höfen ausgewiesen.Georg Brunner, Geschichte von Leuchtenberg und der ehemaligen Landgrafen von Leuchtenberg, Amberg 1863, S. 31f. Zehentrechte hatten jedoch auch die Pfarreien Köblitz und Trausnitz.Helmut Reis, Häuserbuch. Die Altanwesen von Wernberg-Köblitz und ihre Besitzer, Pfreimd 1993, S. 311ff.

Abgrenzungen

Im Jahr 1783 erschien „Schiltern das Dorf“ und „Schiltern-Einöd“ (Prüglhof) als Ortschaften in der Landgrafschaft Leuchtenberg.Josef Eimer, Mariahilfbilder hinter Glas, Schiltern bis 1817, Landgrafschaft Leuchtenberg, in Stadtturm Pfreimd, Jahrgang 2018, S. 61, zitiert nach Ignatz Biechl, vollständige Beschreibung der Oberen Pfalz, München 1783, S. 103.

Die Schiltermühle wurde zeitweise separat erfasst und dem Prüglhof als zugehörig bezeichnet. Sie ist aber Teil des Dorfes Schiltern. 1838 wurde sie als „Schönmühle“ bezeichnet.Josef Lipf, Matrikel des Bistums Regensburg, Regensburg 1838, S. 164f. Auch das Schilterner Anwesen die „Ziegelhütte“ wurde wohl aus der vom Dorf abgesetzten Lage immer wieder separat aufgeführt, ist aber Teil der Ortschaft Schiltern.

Ortsgröße

1413 sind drei Wohngebäude/Höfe ausgewiesen.StAAm, Staatseigene Urkunden 1084 vom 19. Februar 1413. Der Ort war im Aufbau. 1510 sind bereits 5 AnwesenHelmut Reis, Häuserbuch. Die Altanwesen von Wernberg-Köblitz und ihre Besitzer, Pfreimd 1993, S. 311 f. um 1550 achtDieter Bernd: Vohenstrauß. In: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Reihe I, Heft 39. Komm. für Bayerische Landesgeschichte, München 1977, ISBN 3-7696-9900-9 (Digitalisat), S. 160. und bis 1555 neun Gehöfte feststellbar.Helmut Reis, Häuserbuch. Die Altanwesen von Wernberg-Köblitz und ihre Besitzer, Pfreimd 1993, S. 311 ff. Ab ca. 1692 war der Anwesen-Bestand über längere Zeit mit ca. 12 Anwesen bis 1860 weitgehend stabil.Helmut Reis, Häuserbuch. Die Altanwesen von Wernberg-Köblitz und ihre Besitzer, Pfreimd 1993, S. 311 ff. Der Ort hatte damals 75 Einwohner/Seelen.Matrikel des Bisthums Regensburg nach der allgemeinen Pfarr- und Kirchen-Beschreibung von 1860, S. 224. Zur Zeit der Eingemeindung in den Markt Wernberg hatte er noch 62 Einwohner.Statistisches Landesamt Bayern, Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns, München 1973, S. 138f.

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