mini|Dürre in Europa (Stand Anfang August 2022) mini|Temperaturanomalien (°C) in Europa für Juni 2022 (NOAA)

Die Dürre und Hitze in Europa 2022 war ein Wetterphänomen des Jahres 2022, das von unterdurchschnittlichen Regenmengen (Dürre) und überdurchschnittlichen Temperaturen (auch Hitzewellen) geprägt wurde. Betroffen waren weite Teile Europas, insbesondere Süd-, West- und Mitteleuropa. Bereits Mitte Juli galt auf der Hälfte der Fläche der EU eine Dürrewarnung, für 15 % der EU-Fläche galt die rote Alarmstufe. Anschließend verschlechterte sich die Situation weiter.„Jedes Zehntelgrad zählt“. Europa trocknet aus – Hitze und Dürren werden Normalität. In: n-tv.de, 11. August 2022. Abgerufen am 12. August 2022.

Der Sommer 2022 war der heißeste in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Er war geprägt von mehreren sehr starken Hitzewellen und großer Trockenheit in vielen Regionen Europas.2022: Wärmster Sommer in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen. In: Süddeutsche Zeitung, 8. September 2022. Abgerufen am 9. September 2022. In zahlreichen Regionen wurden neue Hitzerekorde aufgestellt. Infolge der Hitze und Dürre kam es zu zahlreichen negativen Auswirkungen unter anderem auf die menschliche Gesundheit, Energieversorgung, Landwirtschaft und die Wasserversorgung von Kommunen usw., wodurch z. B. der Anstieg von Energie- und Nahrungsmittelpreisen insbesondere infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine noch weiter verstärkt wurde.Dominik L. Schumacher et al.: High temperatures exacerbated by climate change made 2022 Northern Hemisphere soil moisture droughts more likely. World Weather Attribution. Abgerufen am 16. Oktober 2022. Es kam zu erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen. Eine 2023 publizierte Studie ermittelte in den 35 europäischen Staaten für den Zeitraum 30. Mai bis 4. September 2022 rund 61.700 hitzebedingte Todesfälle. Besonders betroffen waren Italien (ca. 18.000 Todesfälle), Spanien (ca. 13.400) und Deutschland (ca. 8.200).

In verschiedenen Staaten kam es zu schweren Waldbränden, u. a. in Portugal, Frankreich, Italien, Deutschland und Tschechien, besonders aber in Spanien. Bereits Mitte August waren in Europa 660.000 Hektar Fläche verbrannt (6600 km²), die höchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2006.Rekordfläche von 660.000 Hektar Land heuer in Europa verbrannt. In: Der Standard, 14. August 2022. Abgerufen am 14. August 2022. Bis zum 15. Oktober stieg die Fläche auf mehr als 772.500 Hektar (7500 km²) an.European Forest Fire Information System / Saisontrend für EU-Länder. Copernicus, 15. Oktober 2022, abgerufen am 16. Oktober 2022. Dies ist mehr als drei mal so viel wie der Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2021 (ca. 260.000 ha). Dabei wurden in der EU und Großbritannien zwischen Juni und August 2022 ca. 6,4 Mio. Tonnen Kohlenstoffdioxid freigesetzt, der höchste Wert seit 2007.Europe’s summer wildfire emissions highest in 15 years. Copernicus, 6. September 2022. Abgerufen am 7. September 2022.

Die auftretende Dürre wurde durch den menschengemachten Klimawandel verstärkt. Abhängig davon, ob Wurzelzone oder Oberflächen-Bodenfeuchte betrachtet wird, erhöhte der menschengemachte Klimawandel die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Dürre wie 2022 in West-Zentraleuropa um den Faktor 3–4 bzw. Faktor 5–6.

Meteorologie und klimatologischer Kontext Meteorologie Der Sommer 2022 war der heißeste Sommer in Europa seit mindestens 500 Jahren und vor den Sommern 2021, 2018, 2010 und 2003 der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen.Stefan Rahmstorf: Was 100.000 Tote zusätzlich mit dem Klimawandel zu tun haben. In: Spiegel Online, 13. Oktober 2022. Abgerufen am 16. Oktober 2022.

mini|Lufttemperaturen in Europa, Afrika und Asien am 13. Juli 2022 (NASA)

Global waren die Temperaturen im Juni etwa um 0,32 °C höher als im Durchschnitt 1991–2020; es war der drittwärmste Juni (nach 2019 und 2020) seit Messbeginn. Nur Europa betrachtet waren die Temperaturen sogar um 1,6 °C über dem Durchschnitt, was dem zweitwärmsten Juni seit Messbeginn entspricht. Der wärmste Juni in Europa war der Juni 2019, der wegen einer durch das langanhaltende Hoch Vera verursachten Hitzewelle noch 0,3 °C wärmer war. Besonders betroffen war im Juni 2022 der Süden Europas in Portugal, in Spanien, in Frankreich und in Italien.

Die Temperaturen im Juli lagen global fast 0,38 °C über dem Durchschnitt von 1991 bis 2020. Es war somit einer der drei bisher heißesten Juli-Monate. Überdurchschnittlich fielen die Temperaturen vor allem in der nördlichen Hemisphäre und dort in Nordamerika, in weiten Teilen Asiens und im Südwesten und Westen Europas aus, wo es ab Mitte Juli zu einer intensiven Hitzewelle kam. In Europa unterdurchschnittlich warm war es dagegen in einem Streifen von Island über Skandinavien und die baltischen Staaten bis zum Kaspischen Meer, Georgien und der Türkei. Insgesamt fiel der Juli in Europa um 0,72 °C wärmer aus als der Durchschnitt von 1991 bis 2020. Damit war es zusammen mit dem Juli 2006 der bisher sechstwärmste Juli. Der wärmste Juli in Europa war 2010, der um 1,0 °C wärmer ausfiel als 2022.

Beitrag des menschengemachten Klimawandels Eine Attributionsstudie der Initiative World Weather Attribution kam zu dem Ergebnis, dass die „sehr niedrige sommerliche Bodenfeuchte an der Oberfläche und in der Wurzelzone Bodenfeuchtigkeit“, wie in West-Zentraleuropa zwischen Juni und August 2022 beobachtet, bei gegenwärtigem Klima statistisch nur etwa einmal alle 20 Jahre auftritt und solche Trockenheitsbedingungen in allen untersuchten Regionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts weniger wahrscheinlich gewesen wären. In West-Zentraleuropa habe „der menschengemachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit einer Dürre in der Wurzelzone 2022 um das 3–4-fache und die Bodenfeuchtigkeit an der Oberfläche um das 5–6-fache erhöht“. Die Studie prognostizierte, mit fortschreitender Erderwärmung werde sich die Bodendürrelage weiter verstärken.

Durch den menschengemachten Klimawandel werden viele Extremwetterereignisse, allen voran Hitzewellen, stärker und häufiger. Durch den globalen Temperaturanstieg werden heiße Tage insgesamt wahrscheinlicher, dazu verschieben sich auch die Temperaturen heißerer Tage nach oben. Da bei den extremsten Temperaturen die Wahrscheinlichkeit am stärksten zunimmt, werden Hitzewellen bei einem globalen Temperaturanstieg von 1 °C mehr als 1 °C wärmer. Gleichzeitig treten neue, vorher nicht gekannte Hitzeextreme auf, während Hitze, die vor der globalen Erwärmung extrem war, heute nur noch ungewöhnlich ist. Auch die Häufigkeit von Hitzewellen steigt. Hitzewellen, die vor der Industrialisierung einmal pro Jahrzehnt auftraten, kommen bei heutigem Klima bereits 2,8 Mal pro Jahrzehnt vor und sind auch 1,2 °C heißer, während Hitzewellen, die vor der Industrialisierung einmal pro 50 Jahre auftraten, 4,8-mal in 50 Jahren auftreten und 1,2 °C heißer sind. Extreme Hitzewellen können aufgrund des Klimawandels an manchen Orten mehrere hundert Mal wahrscheinlicher sein als in vorindustriellem Klima. Mit weiterer Erderwärmung steigt die Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen weiter an. Auch Dürren werden durch den Klimawandel in verschiedenen Teilen der Welt, unter anderem auch in Teilen Europas, wahrscheinlicher und schwerer, genauso wie Kombinationen aus Hitze und Dürre. Auch führt die Kombination von stärkerer Verdunstung, selteneren, dafür aber stärkeren Regenfällen und einer geringeren durchschnittlichen Niederschlagsmenge dazu, dass Dürren in Regionen oder Jahreszeiten häufiger werden, die ohnehin bereits durch Dürren gefährdet sind.Ben Clarke, Friederike Otto: Über Extremwetter und den Klimawandel berichten: Ein Leitfaden für Medien. World Weather Attribution 2022. Abgerufen am 19. Juli 2022.

Auch das Azorenhoch wurde wegen der menschengemachten globalen Erwärmung so groß wie seit 1200 Jahren nicht mehr und hielt damit Regen fern.Das Azoren-Hoch wird immer öfter viel zu groß In: Die Presse, 6. Juli 2022, abgerufen am 16. Juli 2022

Südeuropa Die Iberische Halbinsel wurde im Jahr 2022 so trocken wie seit mindestens dem 1. Jahrhundert nicht. Die Oberflächentemperatur des Mittelmeeres war Ende Juli mit teils 28 °C bis zu sechs Grad wärmer als im Durchschnitt in der Vergleichsperiode zwischen 1982 und 2011. Bis Mitte August stiegen die Temperaturen auf teils 30 °C und damit auf Werte, wie sie sonst z. B. in der Karibik erreicht werden. Höhere Temperaturen bedeutet mehr Verdunstung und größere Luftfeuchtigkeit. Damit steigt die Gefahr für Unwetter und schwere, zerstörerische Stürme wie Medicanes, bei denen binnen kurzer Zeit Hunderte Liter Niederschlag pro Quadratmeter fallen können. Ökologisch bedeutet der Temperaturanstieg eine Ausbreitung von tropischen Arten bei Verdrängung und ggf. Aussterben der an die ursprünglichen Bedingungen angepassten Arten.Mittelmeer heizt sich auf. Der Hotspot des Klimawandels. In: Tagesschau.de, 17. August 2022. Abgerufen am 18. August 2022.

Portugal mini|Waldbrände in Portugal zum Stand 11. Juli 2022

In Portugal kam es zur schlimmsten Dürre seit 20 Jahren. Am 13. Juli wurden zudem Temperaturen von 45 °C erreicht.Rationierung könnte auch Touristen treffen In: ORF.at, 14. Juli 2022, abgerufen am 14. Juli 2022 Bis zum 18. Juli starben laut der portugiesischen Gesundheitsbehörde 1063 Menschen aufgrund der Hitzewelle.Erstmals über 40 Grad in Großbritannien, Autobahn in Friaul wegen Großbrandes teilweise gesperrt. In: Der Standard, 19. Juli 2022. Abgerufen am 20. Juli 2022.

Im Juli kam es zu mindestens 25 Waldbränden, die laut dem nationalen Kommandeur des Zivilschutzes Andre Fernandes mit der „beispiellosen meteorologischen Situation“ im Zusammenhang stehen.Hitzewelle und zahlreiche Waldbrände in Portugal In: ORF.at, 10. Juli 2022, abgerufen am 16. Juli 2022 Beim Absturz eines Löschflugzeugs am 15. Juli kam der Pilot ums Leben.Pilot von Löschflugzeug bei Absturz in Portugal getötet In: ORF.at, 16. Juli 2022, abgerufen am 16. Juli 2022 Alleine innerhalb von etwa einer Woche gingen im Juli 30.000 Hektar Wald verloren. Durch die Waldbrände wurden zudem mindestens 130 Menschen verletzt. Bis zum 14. August verbrannten 2022 insgesamt 75.000 Hektar Wald in Portugal.

Spanien mini|Wettervorhersage der Maximaltemperaturen für den 12. Juni in Spanien mini|Pyrocumulus Mitte Juli nahe Salamanca

Das Jahr 2022 war in Spanien das heißeste und dritttrockenste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Jahresdurchschnittstemperatur lag bei fast 15,5 °C und damit erstmals überhaupt über 15 °C.Spanien erlebte 2022 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In: Spiegel Online, 2. Januar 2023. Abgerufen am 3. Januar 2023. Mit Ausnahme von März und April waren alle Monate zu warm. Nachdem bereits am 21. Mai der Temperaturrekord für den Mai gebrochen wurde, kam es kurz darauf zu einer sehr frühen Hitzewelle, anschließend traten bis in den Oktober hinein immer wieder Werte über 40 °C auf. In den Sommermonaten traten zudem insgesamt 42 Tage lang und damit fast den halben Sommer lang Tropische Nächte auf.Spanien erlebt das wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. Januar 2023. Abgerufen am 3. Januar 2023.

Im Juni die schlimmste Hitzewelle seit 1950 in diesem Monat, am 17. Juni wurden in Andújar Temperaturen von über 44 °C gemessen.Hitzewelle erreicht Österreich In: ORF.at, 18. Juni 2022, abgerufen am 16. Juli 2022 In der Sierra de la Culebra kam es bereits im Juni zu Waldbränden.