mini|282px|Oberköblitz (2021) mini|282px|Oberköblitz (2021) Oberköblitz ist ein Ortsteil der oberpfälzischen Marktgemeinde Wernberg-Köblitz im Landkreis Schwandorf des Regierungsbezirks Oberpfalz im Freistaat Bayern.

Geographie Der nordostbayerische Ort Oberköblitz liegt etwa vier Kilometer nördlich vom Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald und knapp 1 km nördlich der Burg Wernberg. Der Gemeindeteil bildet gemeinsam mit Wernberg und 24 weiteren Gemeindeteilen den Markt Wernberg-Köblitz.

Etymologie Der Name Köblitz zeigt eindeutig auf slawische Wurzeln. Die im Slavischen bzw. im Tschechischen vorkommende Bedeutung „großer Hammer“Wolf Armin v. Reitzenstein, Lexikon bayerischer Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung, Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, München 2006, ISBN 978-3-406-55206-9, ISBN 3-406-55206-4, S. 302; Ines Häusler, Der Beitrag des slavischen Siedlungsträgers zur Raumerschließung in der Oberpfalz – eine historisch-geographische Analyse, in RBRR 9/1, Kallmünz 2004, S. 62. ist aufgrund des deutlich nach der Erstsiedlung gegründeten Hammerwerkes auszuschließen.Die Gründung des Hammerwerkes in Oberköblitz-Diebrunn ist in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zu setzen. Damit verbleibt nach Schuster-ŠewcSchuster-Šewc Historisch-etymologisches Wörterbuch der ober- und niedersorbischen Sprache, Band 2, Leipzig.1984, BSB-ID: 2109876. Kobla ‚Stute‘, dialektisch und älter auch kobola. Ableitung: koblarnja, ‚Gestüt‘. Diese Namenswurzel findet sich auch in Ortsnamen wie Koblicy=Coblenz, Kreis Bautzen (1222 Cobuliz, 1245 Kobliz); Koblica = „Köblitz, Kreis Löbau“.

Ines Häusler leitet den Namen Köblitz ebenfalls vom slavischen Namen Kobylica zu kobyla „Stute, Gestüt“ ab, schließt aber einen slavischen Personennamen Kobyla nicht aus.Ines Häusler, Der Beitrag des slavischen Siedlungsträgers zur Raumerschließung in der Oberpfalz – eine historisch-geographische Analyse, in RBRR 9/1, Kallmünz 2004, S. 50.

Zu berücksichtigen ist auch das niederösterreichische Kiblitz, ein Dorf der Gemeinde Ziersdorf, GB Ravelsbach, das 1129/37 in einer Kopie des 12. Jahrhunderts unter dem Namen „Chubilizi dictur in orientali plaga situm“ erscheint. Nach den dortigen Etymologen ist dort vermutlich ebenfalls von einem slawischen Ortsnamen *Kobylica zu slawisch *kobyla „Stute“ auszugehen.Elisabeth Schuster, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, Reihe B, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Wein 1989–1994, Nr. K109.

Namen mit dem Bezug auf Tiere sind im Gebiet nicht selten, wie z. B. die östlich von Köblitz liegenden Orte wie Roßtränk oder Eslarn belegen. Vorstellbar wäre also im frühen Köblitz ein Gestüt oder eine Pferdewechselstation, kurz nach dem Naabübergang und vor dem Anstieg über den Feistelberg weiter nach Norden oder hinauf auf die Höhen des Oberpfälzer Waldes nach Osten.

Die Siedlungsbezeichnungen „Oberköblitz“ und „Unterköblitz“ waren eindeutig Lagebezeichnungen, wie noch Anfang des 18. Jahrhunderts aus den Kirchenrechnungen der Pfarrei St. Emmeram eindeutig hervorgeht. Die Namenszusätze „ober“ und „unter“ sind dort jeweils als Präposition klein geschrieben.StAAm (Fürstentum Obere Pfalz, Regierung, Kirchendeputation Rechnungen St. Emmeram in Köblitz), Rechnungsjahre 1700–1720. Der Ort wurde 1277 mit „Cunradus de Kobilz“ erstmals urkundlich erwähntStAAm, Kloster Waldsassen, Urk. 78., taucht 1279 als „chobolst“ aufIllumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Kallmünz 1952–1956, Band 1, S. 43f., wurde 1280 zu "Cho(e)bliczStAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg, U1., und war 1318 ChobilczBayHStAM, Regensburg Hochstift 233.. Die Unterscheidung in „Nidern Kolbicz“ und „obern Köblicz“ findet sich erstmals 1351 in einer Kopie des 17. JahrhundertsStAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg U38.. Die Bezeichnung Mitterköblitz bürgerte sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Besiedelung des Auengeländes am Rande von Wernberg, zwischen Ober- und Unterköblitz ein. Der Kartograph Christoph Vogl (1554–1608) unterschied bei der Landaufnahme im Landrichteramt Parkstein noch zwischen den Ortsbezeichnungen „Kebliz oder Althamer“ (für Diebrunn) und „Kirchen Kebliz“ für Oberköblitz.

Geschichte und Entwicklung

Slawische Wurzeln Archäologische Funde belegen eine frühe Siedlungskontinuität im Raum Pfreimd/Iffelsdorf – Wernberg/Köblitz – Luhe seit der Zeit vor Christus. In diesem Zusammenhang dürften auch die Hallstattzeitlichen Funde aus dem Jahr 1975 in Oberköblitz zu sehen sein.Elisabeth Müller-Luckner: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Heft 50: Nabburg. München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 14. Es ist zu vermuten, dass den Raum von Süden kommend, eine Altstraße entlang der Naab, die sog. „Bernsteinstraße“ durchquerte.Dietrich Jürgen Manske, Altstraßen/Altwegeforschung in Ostbayern und angrenzenden Räumen. Stand und Aufgaben – ein Beitrag zur Kulturlandschaftsanalyse, S. 93 in Staré Stezky, Staré Stezky, František Kubů, Marek Parkman, Sborník příspěvků z konference o výzkumu starých komunikací Prachatice 9.–11. 6. 2010, Prachatice 2015. Seit dem Ende des 6./Anfang des 7. Jahrhunderts sickerten wohl über die Passwege nach Böhmen Slawen bis in die landschaftlich fruchtbareren, siedlungsgünstigeren Gebiete der Naab ein. Im näheren Umfeld kommt dafür ein wichtiger Transitweg aus dem böhmischen Becken, die Waidhaus-Eslarner Pforte infrage.Hans Losert, Bajuwaren und Slawen im frühen Mittelalter in der mittleren und nördlichen Oberpfalz, in Sulzbach und das Land zwischen Naab und Vils im frühen Mittelalter, Tagung vom 13.–14. Juni 2002 in Sulzbach-Rosenberg, Band 19 der Schriftenreihe des Stadtmuseums und Stadtarchivs Sulzbach-Rosenberg 2003, S. 159; Jürgen Dietrich Manske, Jüngere Forschungen zur frühen Besiedelung der Oberpfalz – Eine Zusammenschau archäologischer, historischer, sprachgeschichtlicher und kultur-geographischer Forschungsergebnisse, S. 14, 16 in Der Erdstall, Beiträge zur Erforschung künstlicher Höhlen, Roding 2003; Jürgen Dietrich Manske, Frühmittelalterliche Fernwege durch Ostbayern nach Böhmen, eine interdisziplinäre Zusammenschau historischer, archäologischer, geobotanischer, sprachgeschichtlicher und siedlungsgeographischer Forschungsergebnisse der vergangenen 20 Jahre, S. 205–211 und 277–286 in Die Oberpfalz, Monatsschrift für Geschichte, Schrifttum, Volks- und Heimatkunde, Heimatzeitschrift für den ehemaligen Bayerischen Nordgau, Kallmünz 2016; Ines Häusler, Der Beitrag des slavischen Siedlungsträgers zur Raumerschließung in der Oberpfalz – eine historisch-geographische Analyse, in Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung, Band 9/1, Kallmünz 2004, S. 127. Im bayerischen Vordringen von Süden und dem parallelen Vordringen von Westen, wurde zu Beginn des 10. Jahrhunderts das Gebiet Pfreimd-Luhe erreicht. Eine wichtige Urkunde stellt dabei um 905 die Urkunde dar. König Ludwig das Kind verschenkte eine Hufe an der Luhe, auf der ehemals der Slave Gruonkin besaß.MGD Ludwig d. Kind Nr. 42. Lange Zeit muss von einer Zweisprachigkeit des Gebietes ausgegangen werden. Für die Lage der Siedlung Köblitz war sicher die Lage an der Furt über die Naab auf der Route vom Amberg-Sulzbacher Raum weiter nach Böhmen und deren Kreuzung mit der uralten Naabtalstraße entscheidend. Wie die Urkunde aus dem Jahr 905 zeigt, war das Gebiet Teil eines ursprünglich königlichen Forstbezirkes, der sich im Ausdruck „Luher Forst“ im Begriff noch erhalten hat. Später gehörte das Gebiet zum Einflussbereich der Landgrafen von Leuchtenberg.

Frühe Geschichte Bei der Erstnennung von Köblitz im Jahr 1277 ging es um einen Vergleich zwischen dem Kloster Waldsassen und Gottfried von Mitterteich in Gegenwart des Landgrafen Friedrich II. von Leuchtenberg. Der unter den Zeugen auftretende Konrad von Köblitz dürfte als ein leuchtenbergischer Lehensmann anzusehen sein.Dieter Bernd: Vohenstrauß. In: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Reihe I, Heft 39. Komm. für Bayerische Landesgeschichte, München 1977, ISBN 3-7696-9900-9 (Digitalisat), S. 55. Aus einer weiteren Urkunde von 1279 lassen sich Rückschlüsse auf die damalige Ortsgröße schließen. Es waren vier Höfe und eine Mühle, die die Landgrafen in Köblitz bisher an Ulrich von Pfreimd zu Lehen gegeben hatten. Diese kamen nun ans Kloster Waldsassen.StAAm, Urk. Waldsassen, Nr. 80.

In Oberköblitz bestand vom 14. bis zum 16. Jahrhundert ein Eisenhammer, der vom Wasser der Naab betrieben wurde.Franz Michael Ress: Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung der oberpfälzischen Eisenindustrie von den Anfängen bis zur Zeit des 30-jährigen Krieges. Verl. d. Histor. Vereins von Oberpfalz u. Regensburg, Regensburg 1950, S. 175. Der Hammer war 1387 Mitglied der Oberpfälzer Hammereinigung.Johannes Laschinger: Transkription der Großen Hammereinung. In: Hirschmann, Norbert, Fleißer, Hannelore, Mahler, Fred: Die Oberpfalz, ein europäisches Eisenzentrum – 600 Jahre Große Hammereinung, Band 12/1 der Schriftenreihe des Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern, Theuern 1987, S. 141. In der Bayerischen Uraufnahme finden sich noch die Flurbezeichnungen Hammertrath und Hammertratwiesen, die auf einen Drahthammer hinweisen.

Für die frühe Verkehrsführung für die Strecke von Amberg über Hirschau nach Böhmen über den Kirchort Köblitz und die dortige Kreuzung mit der von Regensburg kommenden Magdeburger Straße spricht, dass sich 1351 trotz der geringen Ortsgröße bereits 2 Herbergen in Oberköblitz nachweisen lassen.StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg, U38 vom 25. Januar 1351. Sichtbare Zeichen der Altstraßen-Trassenführungen sind der tief ausgefahrene Hohlweg zwischen Kirche und Pfarrweg, den steilen/feisten Berg hinauf über Feistelberg über Luhe weiter nach Norden und die uralten Streckenmarkierungen „Rote Marter“ (an der Kreuzung des Weges von Burg Wernberg zur Burg Leuchtenberg) sowie die Feldkapelle bei Alletshof (dort traf der Weg auf die Strecke von Luhe nach Böhmen).

Ortsentwicklung Die Größe der Ortschaft war lange Zeit überschaubar. Im Wesentlichen handelte es sich bei Köblitz um eine Streusiedlung, die von Diebrunn bis Unterköblitz reichte. 1406 wurde Oberköblitz mit der Ausprägung einer vollständigen Herrschaft durch die Hochgerichtsverleihung an Heinrich Nothaft der Herrschaft Wernberg zugeordnet.StAAm, Staatseigene Urkunden 1088 vom 23. August 1406. 1470 wurden bei der Teilung der Herrschaft Wernberg in Ober- bzw. Kirchenköblitz neun Anwesen genannt.BayHStAM, Nothaft-Urk. U 504 v. 24. Januar 1470 und U 505 vom 24. Januar 1470, BayHStAM, Regensburg Hochstift, 23. Januar 1470.

Um 1530, der Zeit des Übergangs der Herrschaft Wernberg an die Landgrafen von Leuchtenberg, gehörten zum eigentlichen Herrschaftsbereich der Leuchtenberger nur noch 5 Haushaltungen in OberköblitzVerhandlungen des Historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg, Band 84, S. 133f. während im Häuserbuch Wernberg-Köblitz für den gleichen Zeitraum und Ort 17 Anwesen zuzüglich Kirche und Pfarrhof verzeichnet waren.Helmut Reis, Häuserbuch. Die Altanwesen von Wernberg-Köblitz und ihre Besitzer, Pfreimd 1993, S. 153ff.

Nach dem Kauf der Herrschaft Wernberg und der Neubelehnung durch den König beantragte Landgraf Georg im Jahr 1634 einen Brückenzoll zu Oberköblitz um vom Durchgangsverkehr zu profitieren.Illumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Kallmünz 1952–1956, Band 4, S. 114.; Wittmann, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, erschienen in den Abhandlungen der Historischen Classe der königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 6. Band, München 1852, S. 475f; Die Oberpfalz, Jahrgang 1916, Seite 49ff, Fr. Lommer, Geschichtliche Nachrichten über das ehemals böhmische Landsassengut Wernberg. Dieser Zoll konnte sich jedoch nicht durchsetzen, entweder weil er nicht bewilligt wurde, oder weil die Reisenden auf die Furt zwischen Unterköblitz und Schütthütten auswichen.