Die Baureihe 270 der Deutschen Reichsbahn war eine Serie elektrischer S-Bahn-Triebzüge der Berliner S-Bahn, die ab 1979 entwickelt wurde, um Fahrzeuge zu ersetzen, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Dienst gestellt worden waren. Ab 1992 wurden die Züge als Baureihe 485 bezeichnet. Ende 2023 wurde die Baureihe ausgemustert.

Geschichte Der Auftrag zur Entwicklung der S-Bahn-Triebzüge der Baureihe 270 wurde dem VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke „Hans Beimler“ (LEW) Hennigsdorf Ende der 1970er Jahre erteilt. Das Design entwarfen Johannes Langenhagen, Georg Böttcher (* 1940) und Hartmut Voigt (* 1950) an der Hochschule für industrielle Formgestaltung. Die Züge dieser Baureihe wurden zunächst mit etwas größerer Fahrzeughöhe entworfen, dann aber für die freizügige Einsetzbarkeit dem Lichtraumprofil des – damals aufgrund der deutschen Teilung von der Reichsbahn betriebenen, aber nicht von Ost-Berliner Linien befahrenen – Nord-Süd-Tunnels angepasst.

Die Fahrzeuge wurden vollkommen neu entwickelt, wobei man sich in den Außenmaßen an den Altfahrzeugen orientierte, um Probleme bei der Befahrung existierender Strecken und bei der Unterbringung in den Werkstätten zu vermeiden.

Statt der bis dato bei der Berliner S-Bahn üblichen Taschen- wurden nun Außenschiebetüren vorgesehen, was mehr Platz für Fenster ermöglichte und durch Wegfall der Türtaschen die Wartung und Reinigung erleichterte. Durch die Leichtbauweise in Aluminium, die neue elektrodynamische Bremse und die Möglichkeit zur Rückspeisung der Bremsenergie ins Netz konnte eine Energieersparnis von im Mittel etwa 30 Prozent im Vergleich zu den Altbauzügen erreicht werden. Dazu mussten alle Stromabnehmer des gesamten Zuges über eine durchgehende Starkstromleitung verbunden werden, was im Einsatz zur Überbrückung von Stromschienentrennstellen und damit oft zu automatischen Schutzabschaltungen führte. Deshalb mussten vor Aufnahme des Regelbetriebes auf den dafür vorgesehenen Strecken Übergangstrennstellen eingebaut werden. Da diese nicht im Gesamtnetz vorhanden sind, ist der Einsatz der Baureihe 485 schon aus Gründen der Stromversorgung nicht überall möglich. Die Fahrgeschwindigkeit ist stufenlos wählbar, muss allerdings bei jeder Anfahrt erneut eingestellt werden, da nur ein Fahrhebel für Brems-, Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsvorwahl existiert.

Später wurde jeder Triebwagen mit einer transportablen Rampe ausgestattet, die vom Lokführer angelegt werden konnte, um einen barrierefreien Zugang bzw. Ausstieg zu ermöglichen. Die Fahrzeuge hatten zudem eine optisch-akustische Türschließwarnanlage, wobei ein Dreiklang den bisher üblichen Klingelton der Reko-Baureihen ablöste, der später auch in jene übernommen wurde.

mini|links|270 005 auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1980

Als Musterfahrzeuge wurden vier Viertelzüge aus je einem Triebwagen (ET) und Beiwagen (EB) gebaut, wobei die kleinste betrieblich mögliche Zugeinheit aus zwei Viertelzügen bestand. Diese unterschieden sich in zahlreichen Details von den späteren Serienfahrzeugen. Die Prototypen/Musterfahrzeuge erhielten den klassischen Berliner S-Bahn-Lackierung, allerdings mit geänderten Farbtönen Hellelfenbein und Bordeauxrot. Sie wurden 1980 auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellt.

Die Spitzen- und Rücklichter der Musterfahrzeuge waren rund und nicht wie später zusammen in Rechtecken untergebracht, dazu wurden die Türen noch durch Griffe mit mechanischen Schlössern und nicht durch Tasten geöffnet. Dieser Musterzug wurde 1990 abgestellt, da er äußerst störanfällig war und überdies dessen Viertelzüge nicht mit den Serienfahrzeugen kuppelbar waren. Ein Triebwagen ist nicht betriebsfähig erhalten geblieben und wird vom Verein Historische S-Bahn aufbewahrt.

mini|Zug in rot-schwarzer Originallackierung

Die Baureihe wurde nach umfangreichen Änderungen ab 1987 mit acht Viertelzügen als Nullserie produziert und war Anfang 1988 erstmals im Fahrgasteinsatz.Neue S-Bahn-Wagen bieten den Reisenden mehr Komfort. In einigen Tagen Start auf der Strecke Ostkreuz – Pankow. In: Neues Deutschland. Neues Deutschland Druckerei und Verlags GmbH, 23/24. Januar 1988, S. 8. Die Farbgebung erfolgte zunächst in weinrot-elfenbeinfarbener Hauptstadtlackierung mit zusätzlichem Absetzstreifen über dem Bodenrahmen. Die vom Hersteller vorgeschlagene rot-schwarze Lackierung, die letztlich für die Serienfahrzeuge übernommen wurde – ein so lackierter Halbzug wurde erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1987 vorgestellt –, brachte den Fahrzeugen in den 1990er Jahren den Spitznamen „Coladosen“ ein.

mini|Zug der Baureihe 485 in Berlin-Grünau

In den Jahren 1990 bis 1992 wurden je 158 Trieb- und Beiwagen beschafft. Ursprünglich war die Beschaffung von 300 Viertelzügen vorgesehen. Nach dem Viertelzug 485/885 170 wurde die Lieferung allerdings abgebrochen und stattdessen 40 weitere Doppeltriebwagen der BVG-Baureihe 480 bestellt.

2000/2001 erhielten die Fahrzeuge ein Leistungspaket (LP2), das Detailverbesserungen brachte. Ab 2002 wurde begonnen, die Fahrzeuge bei Hauptuntersuchungen in den traditionellen S-Bahn-Farben Bordeauxrot-Ockergelb zu lackieren, dass allerdings etwas heller ausfiel.

Einsatz und Beheimatung Mit Stand 15. Oktober 2022 war die Baureihe nur noch im Betriebswerk Grünau beheimatet und nur noch auf der Linie S 85 (Grünau–) Schöneweide – Pankow im Einsatz. Auf den über die Stadtbahn führenden Linien sind die Züge wegen fehlendem Zugbeeinflussungssystem S-Bahn Berlin nicht mehr einsetzbar. Ein Einsatz im Nord-Süd-Tunnel erfolgte nur äußerst selten, da die Tunnelradien im Bereich Potsdamer Platz teilweise zu eng sind und die Fahrt nur über bestimmte Fahrstraßen möglich war.

Stand März 2024 sind die Züge nicht mehr im Einsatz. Am 12. November 2023 wurde die Baureihe offiziell von der S-Bahn Berlin verabschiedet, aber die Züge wurden noch bis zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2023 als Reserve erhalten, ein Einsatz erfolgte nicht.

Vorgesehenes Einsatzende und Ertüchtigung mini|Innenraum

Ab Herbst 2003 wurden nach Fristablauf erste Fahrzeuge abgestellt, die bis dahin hauptuntersuchten und solche mit Leistungspaket 2 als Reserve. Ein Verkauf kam mangels Einsatzmöglichkeiten und Käuferinteresse nicht zustande. Auch ein Redesign (wie beispielsweise bei der Baureihe 420/421) wurde nicht befürwortet, deshalb wurden ab 2005 alle schadhaften Züge der Baureihe 485 sofort und alle anderen bei Fristablauf abgestellt. Die zum Fahrplanwechsel 2006 abgestellten 485 kamen teilweise während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nochmals zum Einsatz. Abgestellte Fahrzeuge, die nicht modernisiert wurden, haben das zweite Leistungspaket nicht erhalten. Einige Fahrzeuge wurden wegen Unfällen vorher ausgemustert und verschrottet, beispielsweise der Wagen 485 009. Vom 25. Juli 2007 bis im Januar 2008 wurden 50 von 65 damals abgestellten Viertelzügen in Königs Wusterhausen verschrottet. Im Juni 2007 beschloss die Geschäftsführung der S-Bahn, die noch nicht in Bordeauxrot-Ockergelb lackierten 485 (30 Stück) bis Mitte 2008 umzulackieren.

Dennoch konnte auf die Baureihe 485 auch weiterhin nicht verzichtet werden. Die Berechnungen zeigten, dass etwa 50 Viertelzüge weiterhin im Einsatz bleiben müssten, zunächst bis voraussichtlich 2017. Deshalb wurden ab 2009 wieder 485er hauptuntersucht und erhielten eine sogenannte Auslauffrist. Ab 2013 sollte die endgültige Ausmusterung der Baureihe beginnen. Nach Problemen mit den Wagen der Baureihe 481 im Sommer 2009 wurden jedoch wieder vermehrt 485 reaktiviert. Zum Jahreswechsel 2009/10 waren mindestens zehn Viertelzüge wieder im Einsatz.

Mitten in der ab Mai 2009 akut gewordenen Berliner S-Bahn-Krise infolge Wartungsmängeln der Baureihe 481 wurde im März 2010 bekannt, dass sämtliche S-Bahn-Züge der Baureihe 485 wegen nicht zulässiger Radsätze bereits seit etwa fünf Jahren ohne Zulassung unterwegs waren. Ihr Betrieb wurde vom Eisenbahn-Bundesamt bis zur erneuten Zulassung mit sofortiger Wirkung untersagt.

Ab März 2011 wurden im Werk Wittenberge die noch vorhandenen abgestellten S-Bahn-Züge der Baureihe 485 schrittweise überarbeitet und reaktiviert. 60 Viertelzüge bekamen eine Wagenkastensanierung, dabei wurden die Bodenbleche verstärkt und die Verkabelung erneuert. 20 weitere Viertelzüge bekamen nur ein Redesign. Die Hauptuntersuchung und der Einbau der neuen Radsätze wurde im Werk Dessau durchgeführt.

mini|hochkant|Reaktivierter Zug Nr. 11 mit einem Schwesterfahrzeug

Ab Oktober 2016 konnten die Züge nicht mehr auf der Stadtbahn eingesetzt werden, da auf ihr fortan nur noch Züge mit dem Zugbeeinflussungssystem ZBS eingesetzt werden durften, das in der Baureihe 485 nicht mehr nachgerüstet wurde. Während für die Baureihe 480 die Nachrüstung mit ZBS als leicht machbar gilt, ist es für diese Baureihe nicht mehr vorgesehen, sodass sie ab 2023 ausgemustert werden sollen, wenn der Betrieb der neuen S-Bahn-Baureihe 483/484 stabil läuft.

Um die Züge (ebenso wie die der Baureihe 480) über das ursprünglich für 2017 geplante Einsatzende hinaus bis zum Jahr 2023 einsetzen zu können, begann Ende 2015 ein Ertüchtigungsprogramm mit über 50 Einzelmaßnahmen. Unter anderem waren der Einbau von GSM-R-Zugfunk, die Ausrüstung mit neuen Fahrgastinformationssystemen, eine Stabilisierung der Unterflurgeräte und Bremswiderstandscontainer sowie ein Umbau der E-Kupplung vorgesehen. Die Überholung der Bremswiderstandscontainer wurde bis 2018 abgeschlossen, die weiteren Arbeiten (wie der Federpakettausch in den Drehgestellrahmen) sollten 2019 abgeschlossen sein. Als Kosten wurden etwa 30 Millionen Euro angegeben. Im Jahr 2020 waren alle Ertüchtigungsmaßnahmen umgesetzt, sodass die Fahrzeuge bis Ende 2023 stabil weiterbetrieben werden können.

Da die Fahrzeugmasse infolge des Einbaus diverser technischer Systeme (FASSI, ZAT-FM) insbesondere im Bereich des ersten Drehgestells immer weiter zunahm, wurde eine Reduzierung der Fahrzeugmasse bzw. der Zuladung erforderlich. Daher begann Anfang 2018 ein Umbau der ehemaligen Dienstabteile dahingehend, dass der Durchgang zum übrigen Fahrgastraum aufgeweitet sowie die Längssitze in Richtung Wagenmitte verschoben wurden, um die nutzbare Stehplatzfläche zu reduzieren.

Am 20. Dezember 2020 wurde der letzte Zug der Baureihe 485 hauptuntersucht. Die folgenden Einheiten sollten bei Fristablauf abgestellt werden.

Auf der Linie S 46 (Westend – Königs Wusterhausen) erfolgte der letzte Einsatz am 26. Juni 2022, auf der S 8 (Birkenwerder – Zeuthen) wurde am 13. Oktober 2022 zuletzt ein Zug der Baureihe eingesetzt. Der letzte Einsatz war dann auf der S 85 (Pankow – Grünau) für April 2023 geplant. Dies wurde aufgrund laufender Ertüchtigungen der Baureihen 480 und 481 widerrufen, die letzten Einheiten wurden bis zum 11. November 2023 auf der Linie S 85 eingesetzt. Am 12. November 2023 wurden die Züge auf einer Sternfahrt zum letzten Mal planmäßig auf den Linien S 47 und S 8 eingesetzt. Bis zum regulären Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2023 wurden die Züge noch als Reserve bereitgehalten. Die zuletzt 30 Viertelzüge kamen danach nicht mehr auf der letzten verbliebenen Linie S85 zum Einsatz.

Alle verbliebenen Einheiten wurden nach Niedergörsdorf zum Wurzelfestival im Jahr 2024 gebracht, wo diese nun für Workshops und zum Tanzen weiter benutzt wird.

Duo S-Bahn mini|Duo-S-Bahn-Linie S 19 in Oranienburg

Um kostengünstig und schnell das bestehende Streckennetz zu erweitern, schlug 1993 der Hersteller AEG Schienenfahrzeuge Hennigsdorf den Bau einer Duo-S-Bahn vor. Für den dieselbetriebenen S-Bahn-Vorlaufbetrieb sollten Triebfahrzeuge der Baureihe 485 mit zusätzlichem Dieselantrieb ausgerüstet werden. Der Einsatz sollte zunächst auf der Strecke Oranienburg – Birkenwerder – Hohen Neuendorf West – Hennigsdorf (ehemals S 19) erfolgen. Von dieser 17 Kilometer langen Strecke waren etwa acht Kilometer mit Stromschiene ausgerüstet. Die Fahrzeit betrug rund 23 Minuten.