mini|Stammwappen der Buchner, Siebmachers Wappenbuch 1884

mini|1554 vermehrtes Wappen der Buchner, Siebmacher 1884

Die Buchner oder Bucher (Pucher)Ernst Schmiedel: Die Buchner oder Bucher aus Coburg. In: Blätter für fränkische Familienkunde, Nr. 1 (1966), S. 22–24 waren eine fränkisch-sächsische Familie frühkapitalistischer Großkaufleute, die ab dem 15. Jahrhundert zunächst von Eisleben, später auch von Leipzig aus den Saigerhandel im Mansfelder Raum kontrollierten. Ein Zweig dieser Familie ist auch in Nürnberg belegt.Vgl. Siebmachers Wappenbuch, das die Familie 1605 unter der Rubrik „Nürnbergische Erbare Geschlecht“ und 1772 unter „Nürnbergische Adeliche Geschlecht“ führt.

Die Familie ist nicht zu verwechseln mit der aus Nürnberg stammenden, später in Dresden und Darmstadt ansässigen Familie Buchner.

Herkunft Die im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg erhaltene Geschlechtsgeschichte der Lindner, Buchner … (Handschrift, um 1674) nennt als Urahnen Josias Buchner, der um 1340 „in Franckreich“ (lies: „Franken“) gelebt habe.Geschlechtsgeschichte der Lindner, Buchner …, Handschrift, um 1674, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Sign. Hs 16659. Abgerufen am 15. Juli 2022. Friedrich Buchner, den diese Quelle als Josias’ Sohn bezeichnet, wird ab 1395 mehrmals im Coburger Stadtbuch erwähnt, 1408 zudem als „burger“.Vgl. Das älteste Coburger Stadtbuch 1388–1453, S. 70 u. S. 346. Auch das Totenbuch des Franziskanerklosters führt ihn und seine Ehefrau Elisabeth geb. Eyban als Eltern Heinrich Buchners an, der 1441 das Bürgerrecht in Coburg erhielt.Klaus v. Andrian-Werburg: Das Totenbuch des Franziskanerklosters in Coburg, S. 13.

Geschichte Heinrich Buchner (1420–1492) war Münzmeister, wurde 1462 durch Conrad von Pappenheim mit dem Eisenhammerwerk Gräfenthal belehntVgl. Urkundenbuch zur Geschichte des Mansfeldischen Saigerhandels, S. 1. und erbaute um 1464 ein heute als Prinzenpalais bekanntes repräsentatives Bürgerhaus in der Coburger Steingasse 18. Er war mit Kunigunde Pfaffendörfer (1425/30–1483), einer Tochter von Hans Pfaffendörfer, verheiratet und gründete das bis ins späte 16. Jahrhundert im Saigerhandel tätige Familienunternehmen. Heinrich Buchner erhielt 1470 einen Wappenbrief durch Kaiser Friedrich III. Das in die Urkunde gemalte Wappen zeigt im von Silber und Schwarz gespaltenen Schild einen Widder in verwechselten Farben, der wegen der längeren Hörner auf späteren Wappenabbildungen auch als Steinbock interpretiert wurde.Wappenbrief Kaiser Friedrichs III. für den Coburger Bürger Heinrich Buchner. Germanisches Nationalmuseum, Pergamenturkunde. Abgerufen am 15. Juli 2022. Die Urkunde bietet beide Schreibweisen des Familiennamens: „Bucher“ und „Buchner“, die bis ins 17. Jahrhundert hinein nebeneinander belegbar sind. In Tyroffs Geschlechts- und Wappenbeschreibungen (1791, S. 17) wird — offenbar in Unkenntnis der Quellenlage — behauptet: „Nicht Bucher, wie sie auch bisweilen irrig geschrieben wurden“. Das Wappen wird bei Siebmacher, 1605, gespiegelt abgebildet.

Heinrichs Sohn Moritz (I.) Buchner (1451–1518) übernahm 1490/91 die Leitung des Unternehmens, in das 1491 der Nürnberger Patrizier Sigmund (II.) Fürer (1436–1501) als Partner eintrat. Moritz war in erster Ehe mit Anna Friedberger, einer Tochter des Eislebener Stadtvogts Lorenz Friedberger (Fredeberg),Friedberger war zwischen 1449 und 1473 mehrmals Stadtvogt von Eisleben. Vgl. Hermann Größler: Das Werder- und Acht-Buch der Stadt Eisleben aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Eisleben, 1890, S. VII. verheiratet und lebte mit seiner Familie in Eisleben. 1506 übergab er die Geschäfte an Lorenz (1481/82–1534),Lorenz (I.) Buchner war mit Euphemia Drachstedt, einer Tochter Philipp Drachstedts, verheiratet, in dessen Haus in Eisleben Luther 1546 verstarb. seinen ältesten Sohn, und zog mit seiner zweiten Frau, Regina geb. Müller, und den noch minderjährigen Kindern nach Leipzig, wo er am Markt den Vorgängerbau der Kaufhalle errichtete. 1518 stiftete er in der Thomaskirche eine Familienkapelle, die nicht mehr erhalten ist. mini|Moritz II. Buchner (1491/92–1544), Porträt von Lucas Cranach d. Ä., um 1520 Nach dem Tod seines Vaters führte Moritz (II.) (1491/92–1544) ab 1519 von Leipzig aus die Geschäfte weiter, während seine Brüder Lorenz und Wolf (1497–1566) dies von Eisleben aus taten. mini|Wolf Bucher (1497–1566), Porträt von Heinrich Peters (Ausschnitt aus dem Eisleber „Bucher-Epitaph“) 1537 verließ Moritz (II.) Buchner Leipzig und ließ sich dauerhaft in der Reichsstadt Nürnberg nieder. Sein Bruder Marx († 1551) führte fortan die Leipziger Vertretung des Familienunternehmens. Erfolgreiche Geschäftsbeziehungen unterhielt Wolf, der zudem Stadtvogt in Eisleben war, zu den Grafen von Mansfeld. 1554 stellten die Buchner aufgrund der einsetzenden Absatzkrise auf dem europäischen Kupfermarkt ihre Geschäftstätigkeit vorübergehend ein.Martin Litzinger: Das Montanunternehmer- und Saigerhandelsgeschlecht Buchner in Coburg, Eisleben und Leipzig. In: Martin Luther und der Bergbau im Mansfelder Land., S. 95.

Am 4. Mai 1554 wurden die Brüder Wolf und Andreas, Moritz’ (II.) Söhne Ulrich, Moritz (III.) und Peter sowie Sebald Buchner (1517–1592), ein Coburger Vetter Wolfs und Moritz’ (II.), durch Kaiser Karl V. in Brüssel in den erblichen Adelsstand erhoben und erhielten ein vermehrtes Wappen.Die Buchner oder Puchner. In: Geschlechts- und Wappenbeschreibungen zu dem Tyroffischen neuen adelichen Wappenwerk. Bd. 1, Heft 1. Nürnberg, 1791, S. 21–22. . Abgerufen am 17. Juli 2022

Ab 1556 führte Moritz’ (II.) Sohn Peter zusammen mit Wolfs Söhnen Sigmund (1530–1595) und Hieronymus Buchner (1538–1589) das Unternehmen.Ab 1560 firmierte es unter dem Namen „Peter und Hieronymus Buchner, Vettern, samt ihren mitverwandten Gesellschaftern des Saigerhandels zu Gräfenthal“ (Wagenbreth, S. 3). Im Oktober 1579 verkauften die Buchner die Saigerhütte Gräfenthal und lösten ihr Familienunternehmen nach 117 Jahren auf.Martin Litzinger: Das Montanunternehmer- und Saigerhandelsgeschlecht Buchner in Coburg, Eisleben und Leipzig. In: Martin Luther und der Bergbau im Mansfelder Land., S. 96.

1561 erhielten Peter und Hieronymus Buchner für eine beträchtliche Geldleihe an Graf Christoph von Mansfeld dessen Schloss Seeburg verpfändet. Die tatsächliche Einsetzung der Buchners in das Pfand Seeburg mit dem Vorwerk Wormsleben erfolgte 1563.

Fortleben Linie Leipzig-Nürnberg-Speyer Moritz (II.) Buchner hatte mehrere prominente Nachkommen in Leipzig (z. B. Peter Buchner, Bürgermeister), in Nürnberg (z. B. Moritz (III.) Buchner, Jurist und Offizier, und Moritz (VII.) Buchner, Jurist, Stadtgerichts-Assessor in Nürnberg), wo sie dem Patriziat der Reichsstadt angehörten,Katalog der graphischen Porträts in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel 1500–1850, Band 30, Biographische und bibliographische Beschreibungen mit Künstlerregister, bearbeitet von Peter Mortzfeld, München 1997, S. 33–38. und in Speyer (z. B. Sigismund (II.) Buchner, Assessor des Reichskammergerichts).In der Porträtsammlung der Herzog-August-Bibliothek, die Kupferstiche von ihm und seinem Sohn enthält, werden diese fälschlich als Sigismund I. bzw. Sigismund II. bezeichnet. Die Geschlechtsgeschichte der Lindner, Buchner ... verzeichnet als ältesten Namensträger aber Sigismund (I.) Buchner (1530–1595), einen Sohn Wolf Buchners aus der Eislebener Linie der Familie. Mit dem Tod des Nürnberger Apothekers und Ratsherrn Friedrich (II.) Buchner (1604–1673) — eines Urenkels von Moritz (II.) —, der seinen kinderlos gebliebenen Sohn Friedrich (1647–1665) überlebte, erlosch die Leipzig-Nürnberger Linie der Buchner im Mannesstamm im Jahre 1673. Über ein Fortleben weiterer Zweige dieser Linie ist bisher nichts bekannt geworden.

Linie Eisleben-Taucha-Zabeltitz Neueste Forschungsergebnisse legen nahe, dass es sich bei Hans Bucher († 1559) – dem Eislebener Urahn von Samuel Friedrich Bucher (1692–1765) wie auch Lothar Bucher (1817–1892) – um einen Sohn von Lorenz I. (1481/82–1534) handelt und dass sich dessen Nachfahren wiederum „vorzüglich in Meissen fortpflanzten“.Vgl. Tyroffs Geschlechts- und Wappenbeschreibungen, S. 20, der dies fälschlicherweise auf Wolf Buchers Söhne bezog, für die sich aber keinerlei Nachkommen belegen lassen. Hans’ Sohn Martin war Stadtrichter sowie Kirchvater der St.-Annen-Kirche in der Neustadt Eislebens, und seine Nachkommen waren über mehrere Generationen hinweg protestantische Pfarrer in Sachsen (u. a. in Taucha und Zabeltitz). Sie führten, anders als die anderen Linien, den Familiennamen in der Schreibweise Bucher weiter (vgl. Bucher (sächsische Familie)).Vgl. Ingo Držečnik, Neues zur fränkisch-sächsischen Familie Bucher (Buchner). In: Familie und Geschichte, Band XI, 32. Jahrgang, Heft 1–2, Januar–Juni 2024, S. 385–418.

Namensträger anderer Herkunft Die 1791 in Tyroffs Geschlechts- und Wappenbeschreibungen formulierte Behauptung, der aus Nürnberg stammende Dresdner Baumeister Paul Buchner (1531–1607) und dessen Sohn, der Dichter August Buchner (1591–1661) „gehört[en] unstreitig diesem Geschlechte zu“,Johann Christian Siebenkees: Geschlechts- und Wappenbeschreibungen, Nürnberg : Tyroff, 1808, S. 20. Online-Ressource. Abgerufen am 18. Juli 2022 die bis ins späte 19. Jahrhundert ungeprüft wiederholt wurde,So z. B. schreibt Byrn ohne Quellenbezug, Georg Buchner, Pauls Vater, sei „aus altem 1470 mit Wappenbrief begnadeten Geschlecht, als kaiserlicher Oberst vom Kaiser Karl V. 1554 geadelt worden“ (Freiherr ô Byrn: Wolf Kaspar von Klenge. In: Mittheilungen des Königlich Sächsischen Alterthumvereins. 22. Heft. Dresden 1872, S. 29). kann durch Vergleich der Wappen leicht widerlegt werden: Das Wappen dieser Familie Buchner zeigt im Schild einen gelben Sparren von Weiß und Blau geteilt, oben einen schreitenden gelben Löwen, unten aus gelbem Dreiberg wachsend eine Buche.Georg Buchner (1508–1573) erhielt seinen Wappenbrief am 11. Januar 1556 in Brüssel, sein Sohn Paul wurde von Kaiser Rudolf II. 1596 mit Wappenbesserung geadelt. Vgl. Siebmachers Wappenbuch, 1890, S. 53 und Tafel 61. Online-Ressource. Abgerufen am 17. Juli 2022. Vgl. auch die 2019 veröffentlichten Hinweise auf eine dritte, ebenfalls durch anderes Wappen belegte Nürnberger Familie gleichen Namens: Omer Steeno / Theodoor Goddeeris / Maurits Biesbrouck: Georg Buchner (1536–1598), Andreas Vesalius‘ final companion. In: Vesalius. Journal of the International Society for the History of Medicine, Bd. 25, Nr. 2, Dezember 2019, S. 18–44. Online-Ressource. Abgerufen am 17. Juli 2022.

Eine Reminiszenz an das Wappen der Buchner erfolgte, als Wilhelm Heinrich Christian von Buchner, königlich bayerischer Regierungs-Sekretär in der Pfalz zu Speyer, am 25. November 1838 bei der Adelsklasse der Adelsmatrikel des Königreichs Bayern immatrikuliert wurde: Wilhelm Heinrich Buchner, ein älterer Bruder des Bayreuther Buchhändlers und Verlegers Christian Carl Buchner (1817–1886), war am 7. November 1838 von König Ludwig I. von Bayern in den erblichen Adelstand erhoben worden.Gustav A. Seyler: Adelsbuch des Königreichs Bayern: (1820-1875), Nürnberg 1877, S. 11. Das dabei verliehene Wappen: Von Gold (statt Silber) und Schwarz gespalten mit einem halben Bock in verwechselten Farben (also mit Vorderläufen). Auf dem Helm der Bock wachsend.Otto Titan von Hefner: Der Adel des Königreichs Bayern, Nürnberg 1856, S. 71 und Tafel 79.

Ehemaliger Besitz mini|Das heute noch als „Prinzenpalais“ bekannte, von Heinrich Buchner in Coburg 1468 erbaute Haus. In Buchner’schem Besitz befand es sich bis 1604. mini|Die heutige Bebauung am Markt 12–14 Ecke Marktgasse (ehem. Krumme Puchergasse) in Eisleben, deren Häuser die Familie zwischen ca. 1478 und 1601 besaß. mini|Das von Moritz (I.) Buchner 1506 errichtete Durchhaus (Bildmitte) am Leipziger Markt (heute Nr. 10) stand an der Ecke zum Barfußgässchen.