Johann und Pfiffikus (frz. Johan et Pirlouit, in älteren deutschen Publikationen des Comicverlegers Rolf Kauka auch übersetzt als Prinz Edelhart und Kukuruz) sind die Titelhelden einer im Mittelalter spielenden Comic-Reihe des belgischen Zeichners Peyo (Pierre Culliford, 1928–1992). In Erinnerung blieb die Reihe nicht zuletzt durch die Einführung der Schlümpfe, zunächst als Nebenfiguren.
Veröffentlichungsgeschichte in Belgien und Frankreich Seinen ersten Auftritt hatte Johann am 11. April 1946 in einem wortlosen Strip in der belgischen Zeitung La Dernière Heure. Es folgten weitere Strips und im Jahr 1947 zwei kürzere Fortsetzungsgeschichten. Für die Zeitung Le Soir entstanden 1951/52 zwei weitere kurze Fortsetzungen, die erste davon ein Remake der zweiten aus La Dernière Heure.Johann und Pfiffikus Classic 1, Hamburg (Carlsen Verlag) 1998, S. 2. Mit einer albenlangen und erstmals kolorierten Fortsetzungsgeschichte debütierte die Serie schließlich am 11. September 1952 im Magazin Spirou. Ab 1954 erschienen die Abenteuer auch im Albumformat, zunächst als Une Aventure de Johan, Band 4 als Une Aventure de Johan et Pirlouit, ab Band 5 als Johan et Pirlouit. Nach dem großen Erfolg der Nebenfiguren Die Schlümpfe (frz.Les Schtroumpfs) schuf Peyo deren eigene Serie und stellte 1970 die Arbeit an Johann und Pfiffikus ein (1977 folgte noch ein Dreiseiter mit Pfiffikus). Erst seit Peyos Tod († 1992) wird die Reihe von Peyos Sohn Thierry Culliford (* 1955) mit Yvan Delporte (1927–2007), Alain Maury (* 1958) und Luc Parthoens (* 1964) im Studio Peyo fortgeführt.
Hauptfiguren Die Handlung spielt an einem Königshof in einer romantisierten Fantasy-Ritterzeit. In dieser Welt sind Magie und Zauberei nichts Ungewöhnliches; die mittelalterliche Welt wird durch reale Elemente wie Wikinger, Mongolen und Kreuzfahrer abgerundet.
Johann (frz. Johan, bei Kauka: Prinz Edelhart) ist ein Edelknabe (frz. Page) am Hofe eines Königs. In La Dernière Heure hatte sein Aussehen noch nichts mit dem späteren Helden gemein, in Le Soir kam er ihm in puncto Frisur und Statur schon weit näher, aber erst in Spirou erhielt er seine schwarze Haarfarbe. Johann steht im Dienste eines namentlich nicht näher gekennzeichneten Königs (frz. Le Roi), der schon in einigen der frühesten Gags von 1946 sein Herr und Gebieter gewesen war. Für ihn übernimmt er viele Aufgaben: Spion in feindlicher Burg, Königsbote, Begleiter von Eskorten – nichts schreckt den furchtlosen Abenteurer mit dem ritterlichen Herzen ab. Wiederkehrende Nebenfiguren, die ebenfalls am Hofe des Königs leben, sind Graf Friedburg, der Haushofmeister und die meist etwas griesgrämige Hofdame Frau Amanda. Über Johanns familiären Hintergründe erfährt der Leser nichts. Einen treuen Freund und Begleiter findet er 1954 in der dritten albenlangen Geschichte (Le Lutin du bois aux roches, dt. Der Kobold vom Felsenwald) in Pfiffikus. Als Page und Schildknappe ist Johann kampferfahren, geübt im Umgang mit Schwertern und ein geschickter Reiter. Sein Ideenreichtum rettet ihn und seine Begleiter aus manch schwieriger Lage. Er ist stets hilfsbereit, hat eine gute Intuition und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, was sie, zu Pfiffikus’ Leidwesen, nicht selten in Abenteuer führt.
Pfiffikus (frz. Pirlouit, Kauka: Kukuruz) ist ein kleinwüchsiger Kerl, der nach schwerer Kindheit und vielem Schabernack durch Johann eine feste Bleibe im Königsschloss und eine Beschäftigung als Hofnarr findet. Er ist ein Genussmensch: Gerne schläft er lange, isst unmäßig viel, säuft bis zur Trunkenheit und glaubt an seine Begabung als Musiker. Immer wieder versucht er sich auch als Zauberlehrling, wobei ihm sogar die Herstellung eines Steins der Weisen gelingt, der Gold in Blei verwandeln kann (Le Sortilège du Maltrochu, dt. „Der Zauber von Schwarzenfels“). Auch wenn seine Musik alle Umstehenden nervt und bisweilen sogar das Wetter beeinflusst, zeigt er sich im Abenteuer als mutiger Recke, der seinem Freund beisteht und ihn im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützt. Dabei zeigt sich nicht selten, dass in ihm enorme Kräfte und zuweilen auch cholerische Züge stecken. Pfiffikus trägt als Kopfbedeckung meist einen roten Fez ohne Quaste, der seinen exotischen Hintergrund unterstreicht. Im Grunde befürwortet Pfiffikus die gleichen moralischen Prinzipien wie Johann, doch da die daraus resultierenden Abenteuer die Freunde nicht selten langen unbequemen Reisen, gefährlichen Situationen und Anfeindungen aussetzen ist er meist nicht begeistert, wenn Johann sich, seiner Meinung nach, in fremde Angelegenheiten einmischt.
Pfiffikus hat in der schwarzen Ziege Ricki bzw. Lottemie (frz. Biquette; Kauka: Ricki) ein ausgefallenes Reittier und eine starke Kampfgefährtin, die immer wieder Bösewichter auf die Hörner nimmt.
Etwas abgelegen vom Königsschloss (Oliver erwähnt in seinem ersten Auftritt, dass er und sein Meister in der Nähe des Ortes Weißenfels leben.) lebt in einem allein stehenden Haus der Zauberer Omnibus (frz. Homnibus) mit seinem Gehilfen Oliver (frz. Olivier). Johann und Pfiffikus lernen ihn 1955 in der vierten albenlangen Geschichte La Pierre de Lune (dt. Der Stein der Weisen) als weltfremden, cholerischen Gelehrten kennen, schätzen ihn aber später als wichtigen Ratgeber in Fragen der Zauberei. Omnibus stellt für die beiden Abenteurer 1958 in La Flute à six trous die Verbindung ins Verwünschte Land her, um das Geheimnis der Zauberflöte zu lüften.
Im Verwünschten Land treffen Johann und Pfiffikus 1958 im neunten langen Abenteuer auf eine Gruppe kleiner blauer Wichtel in weißen Strumpfhosen mit weißen Zipfelmützen, die eine ungewöhnliche Sprache sprechen: Die hilfsbereiten Schlümpfe (frz. Les Schtroumpfs) leben in einem Dorf mit Häusern aus Pilzen. Ihr väterlicher Anführer ist der Große Schlumpf, der als einziger rote Kleidung trägt und mit einem wallenden Bart erscheint. Die Schlümpfe reisen auf Störchen in die Ritterwelt von Johann und Pfiffikus, um ihnen bei einigen Abenteuern hilfreich zur Seite zu stehen. Von Anfang an waren die kleinen Wichtel so beliebt, dass sie schnell ihre eigene Mini-Serie erhielten, während die Abenteuer von Johann und Pfiffikus schließlich nicht weitergeführt wurden.
Veröffentlichungen in Deutschland
In Deutschland erschien die Reihe erstmals ab 1968 unter dem Titel Prinz Edelhart und Kukuruz in den Fix-und-Foxi-Heften sowie anderen Publikationen des Kauka-Verlags.
1979 begann der Carlsen Verlag die Publikation der Serie unter dem Titel Johann und Pfiffikus in handgeletterten Alben. Der Verlag veröffentlichte nacheinander zwei Albenreihen, die nicht nummerngleich sind. Von 1979 bis 1987 wurden elf Bände publiziert, von 1994 bis 2002 die vollständige Reihe als 13 Alben und vier Classic-Bände. Zur zweiten Reihe existiert abgesehen von den letzten beiden Alben neben der Softcoverausgabe eine Hardcoverausgabe, namentlich für Bibliotheken.
In den Jahren 2011/12 veröffentlichte der Toonfish-Verlag alle albenlangen Abenteuer und Kurzgeschichten in einer fünfbändigen Gesamtausgabe.
Ersterscheinung Dupuis /LeLombard Original-Titel Kauka(Fix und Foxi) Deutscher Titel(Kauka) Carlsen(1. Reihe) Carlsen(2. Reihe) Deutscher Titel(Carlsen) Toonfish Sammelband-Titel(Toonfish)Extras Reihe Johan et Pirlouit Prinz Edelhart und Kukuruz Johann und Pfiffikus Johann und Pfiffikus 1954 1 Le châtiment de Basenhau – – – C1 Basenbergs Racheschwur SB1 Der Page des Königs– 1954 2 Le Maître de Roucybeuf – – – C2 Der Herrscher von Burg Eckstein 1955 3 Le Lutin du Bois aux Roches Extra 6 Sturm auf die Eulenburg 11 C3 Der Kobold vom Felsenwald 1956 4 La Pierre de Lune 1968:17–25(+ Extra 28) Der Stein der Weisen(Jagd auf Drachenzahn) 10 C4 Der Stein der Weisen SB2 Hexerei und ZaubersprücheK1–5 1957 5 Le Serment des Vikings 1970:18–25(+ Album 17) Der Schwur der Wikinger(Schwur der Wikinger) 9 10 Der Schwur der Wikinger 1957 6 La Source des Dieux Super 39 Die Gruselgrotte 7 11 Die Quelle der Götter 1959 7 La Flèche noire Super 44 Der schwarze Pfeil 8 8 Das Rätsel der schwarzen Pfeile SB3 Räuber und PlündererK6–8 1960 8 Le Sire de Montrésor 1968:38–45 Der Gefangene von Güldenburg 6 9 Der Baron von Schatzstein 1960 9 La Flûte à six Schtroumpfs 1969:14–24 Prinz Edelhart und die Schlümpfe 1 1 Die Schlümpfe und die Zauberflöte 1961 10 La Guerre des sept Fontaines – – 2 2 Der Streit um die sieben Quellen SB4 Die SchlumpfjahreK9–11 1962 11 L’Anneau des Castellac Super 54 Falle für den Verräter 5 3 Der Ring von Burg Hohenfels 1964 12 Le Pays maudit 1969:46–1970:3 Das verwunschene Land 3 4 Im verwünschten Land 1970 13 Le Sortilège de Maltrochu Extra 20 Der Zaubertrank 4 5 Der Zauber von Schwarzenfels 1994 14 La Horde du Corbeau – – – 6 Der Rabe des Khans SB5 Magie und fremde Länder– 1995 15 Les Troubadours de Roc-à-Pic – – – 7 Die Troubadoure vom Schmetterhorn 1998 16 La Nuit des Sorciers – – – 12 Die Nacht der Zauberer 2001 17 La Rose des Sables – – – 13 Die Wüstenrose
Titelübersicht (Originalreihenfolge des Erscheinens) Die Seitenzahl der Geschichten wird mit p angegeben. Alben erhalten eine Vollnummer, Kurzgeschichten werden mit K gezählt.
Une Aventure de Johan 1. Le Châtiment de Basenhau (43 p) Text (Scénario) und Zeichnungen (Dessin): Peyo Frz. Magazinveröffentlichung in Spirou 752 (11. September 1952) bis 794 (2. Juli 1953) Frz. Albumausgabe bei Dupuis, Marcinelle als Album 1 (Januar 1954), ISBN 2-8001-0095-8 Dt. Albumausgabe: Basenbergs Racheschwur bei Carlsen, Hamburg, als Johann und Pfiffikus Classic 1 (Februar 1998), Verlagsnummer 01911, ISBN 3-551-01911-8 (roter Buchrücken) Dt. Albumausgabe: Basenbergs Racheschwur bei Carlsen, Hamburg, als Johann und Pfiffikus Classic 1 (Februar 1998) als Hardcover-Ausgabe, Verlagsnummer 71017, ISBN 3-551-71017-1 Dt. Gesamtausgabe Band 1: Bösenbergs Racheschwur, Toonfish, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-86869-995-1
2. Le Maître de Roucybeuf (44 p) Text (Scénario) und Zeichnungen (Dessin): Peyo Frz. Magazinveröffentlichung in Spirou 804 (10. September 1953) bis 831 (18. März 1954) Frz. Albumausgabe bei Dupuis, Marcinelle als Album 2 (Januar 1954), ISBN 2-8001-0096-6 Dt. Albumausgabe: Der Herrscher von Burg Eckstein bei Carlsen, Hamburg, als Johann und Pfiffikus Classic 2 (Mai 1998), Verlagsnummer 01912, ISBN 3-551-01912-6 (roter Buchrücken) Dt. Albumausgabe: Der Herrscher von Burg Eckstein bei Carlsen, Hamburg, als Johann und Pfiffikus Classic 2 (Mai 1998) als Hardcover-Ausgabe, Verlagsnummer 71018, ISBN 3-551-71018-X Dt. Gesamtausgabe Band 1: Der Herr von Burg Eckstein, Toonfish, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-86869-995-1
3. Le Lutin du Bois aux Roches (44 p) Text (Scénario) und Zeichnungen (Dessin): Peyo Frz. Magazinveröffentlichung in Spirou 845 (24. Juni 1954) bis 858 (23. September 1954) Frz. Albumausgabe bei Dupuis, Marcinelle als Album 3 (Januar 1956), ISBN 2-8001-0097-4 Dt. Taschenbuchausgabe: Sturm auf die Eulenburg in Fix und Foxi Extra 6 (1970) Dt. Albumausgabe: Der Kobold vom Felsenwald bei Carlsen, Reinbek bei Hamburg 1987, als Johann und Pfiffikus 11 (erste Reihe), ISBN 3-551-02041-8 (grüner Buchrücken) – Johann und Pfiffikus 11 enthält außerdem vier Kurzgeschichten (s. u.) Dt. Albumausgabe: Der Kobold vom Felsenwald bei Carlsen, Hamburg, als Johann und Pfiffikus Classic 3 (1999), Verlagsnummer 01913, ISBN 3-551-01913-4 (roter Buchrücken; enthält auch mehrere der Kurzgeschichten) Dt. Albumausgabe: Der Kobold vom Felsenwald bei Carlsen, Hamburg, als Johann und Pfiffikus Classic 3 (1999) als Hardcover-Ausgabe, Verlagsnummer 71018, ISBN 3-551-71018-X Dt. Gesamtausgabe Band 1: Der Kobold aus dem Felsenwald, Toonfish, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-86869-995-1 Une Aventure de Johan et Pirlouit 4. La Pierre de Lune (44 p) Text (Scénario) und Zeichnungen (Dessin): Peyo Frz. Magazinveröffentlichung in Spirou 891 (12. Mai 1955) bis 912 (6. Oktober 1955) Frz. Albumausgabe bei Dupuis, Marcinelle als Album 4 (Januar 1956), ISBN 2-8001-0098-2 Dt. Magazinausgabe: Der Stein der Weisen in Fix und Foxi 17–25 / 16. Jahrgang (1968)