mini|Das ehem. Hotel Sonnenhof mit der Dependance Sonnenheim auf einer Ansichtskarte von 1907 (im Mittelgrund die ehem. Villa Wendlandt) mini|Neuer Plan von Bozen und Gries mit Hotel Sonnenhof und seinen Dependancen, ca. 1907 mini|Hauptfassade des ehem. Hotels Sonnenhof mini|Südwestseite des Gebäudes mini|Der Balkontrakt an der Südostseite Das ehemalige Hotel Sonnenhof, heute ein Schülerheim, ist ein historisches Gebäude in Bozens Stadtteil Gries-Quirein (Südtirol), das 1887/88 nach Entwurf von Josef Adam Irschara und auf Initiative von Minna Ottilie Scholvien-Wendlandt im historistischen Stil errichtet und 1931 zum Internat umfunktioniert wurde. Das vier Stockwerke umfassende Haus ist das letzte, baulich weitgehend unverändert erhalten gebliebene Hotelgebäude des früheren Kurorts Gries.
Gelegen an der Ecke Fagenstraße (ehemals Habsburgerstraße) zur Egger-Lienz-Straße (ehemals Wendlandtstraße), schräg gegenüber dem Weinhof Schmid-Oberrautner, war das ehemalige Hotel und SanatoriumAls solches bezeichnet im Tiroler Allgemeinen Anzeiger vom 20. Januar 1917, S. 6, anlässlich des Kuraufenthalts des aus Graz gebürtigen Generalmajors Paul von Fraß. mittels der Bozen-Grieser Kleinbahn an den Bahnhof Bozen angeschlossen. Das Haus bildete – gemeinsam mit dem ehemaligen Hotel Germania (an der Guntschnapromenade) und dem (abgerissenen) Hotel Austria – das Dreigestirn der gehobenen Beherbergungsbetriebe des Kurorts Gries, der 1925 nach Bozen eingemeindet wurde und seither seine touristischen Funktionen weitgehend eingebüßt hat. Zum Hotel gehörten neben der Dependance Sonnenheim, die heute als umgebautes Wohnhaus in der Egger-Lienz-Straße fortbesteht, die nördlich entlang der Fagenstraße angrenzenden Nebengebäude Wilhelma und Loreley (dieses mit einer öffentlich zugänglichen Kur- und Badeanstalt), die in den 1930er Jahren abgerissen bzw. umgebaut wurden. Zu den Gästen des Hauses zählten auch Angehörige des europäischen Hochadels, wie etwa die Familie von Egidy.Notiz der Bozner Nachrichten vom 16. Januar 1901, S. 4. Im Januar 1896 fand in den Räumlichkeiten des Sonnenhofs eine Gedächtnißfeier (!) der Gründung des deutschen Reiches in Gries statt, die an das 25-jährige Jubiläum der Deutschen Reichsgründung von 1871 erinnerte.Die Gedächtnißfeier der Gründung des deutschen Reiches in Gries. Bericht der Bozner Nachrichten vom 21. Januar 1896, S. 3–4 (Digitalisat der Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann).
Das Haus wurde zunächst von Conrad Gilbert, dem Direktor des Kurhauses in Tarasp, geführt. Erste Gastwirtin war Therese Archauer.Der Fremdenzufluß in Gries. Bericht der Bozner Zeitung vom 1. Oktober 1895, S. 3 (Digitalisat der Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann). Auf sie folgten Dr. Ludwig NazarkiewiczKur- und Fremden-Liste des Kurortes Gries. 28. 1908/09, Nr. 7, S. 5 (Digitalisat) und Nr. 9, S. 6 (Digitalisat). und sodann Josef Eidenberger, letzterer als Besitzer, der 1923 auch Mitglied des Fremdenverkehrskomitees des Bezirks Bozen wurde.Das neue Fremdenverkehrskomitee, Bezirk Bozen. Bericht der Bozner Nachrichten vom 19. Dezember 1923, S. 4.
Nach der Annexion Südtirols an Italien 1919/20 und der nachfolgenden Machtergreifung des Faschismus im Jahr 1922 wurde das Hotel, das zunächst zu Hotel Regina umbenannt wurde, in den Spätzwanzigern enteignet und – im Kontext der Italianisierung Südtirols – als Schülerheim (Convitto nazionale Damiano Chiesa) adaptiert, das ab dem Schuljahr 1931/32 40 Knaben Aufnahme bot. Das Heim wurde am 30. April 1932 durch Herzog Emanuele Filiberto von Savoyen und dessen Frau, die Herzogin von Pistoia, feierlich eröffnet.Eröffnung des Nationalkonvikts in Gries. Bericht der Dolomiten vom 30. April 1932, S. 3 (Digitalisat der Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann). In der Zeit der deutschen Besetzung Südtirols 1943–1945 wurde das Heim geschlossen und das Haus von der Wehrmacht als Militärlazarett verwendet. Nach der Befreiung vom Nazifaschismus im Mai 1945 diente das Gebäude kurzzeitig als Sitz der britischen Militärs, ehe im Oktober 1946 wieder der Heim- und Schulbetrieb (letzterer nur bis 1996) starten konnte. In den 1960er Jahren wurde in der Fagenstraße, nordseitig an den Sonnenhof angrenzend, die italienischsprachige Grundschule Antonio Rosmini (scuola elementare) samt Mensa angebaut, die den Pausenhof mit dem Schülerheim teilt.
Im Jahr 2001 ging das Gebäude im Zuge der Autonomiebestimmungen an das Land Südtirol über, das es weiterhin als Schülerheim und Bildungseinrichtung nutzt. Es bietet Platz für ca. 70 Oberschüler, verfügt über eine Mensa und wird auch für Weiterbildungsveranstaltungen genutzt.Schülerheim „Damiano Chiesa“ in Bozen begeht 80-jähriges Bestehen. Mitteilung des Landespresseamtes vom 10. Mai 2012, abgerufen am 14. Juli 2022.
Ostseitig grenzt der Sonnenhof bzw. sein Schulhof an das Gelände des Herzogsparks, der noch aus der Zeit der Villa Wendlandt stammt und heute neben Tennisplätzen und einem Kinderspielplatz das Regierungskommissariat beherbergt.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1880er Jahren Sonnenhof Bozen Kategorie:Bauwerk in Bozen Kategorie:Hotelbau in Italien