Grete (Margarete) Kmentt-Montandon, geb. Montandon (* 13. Juni 1893 in Lilienfeld; † 9. Februar 1986 in Wien) war eine österreichische Malerin und Grafikerin. Von 1944 bis 1968 stand sie als Präsidentin der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) vor.
Leben Grete Montandon begann ihre künstlerische Ausbildung im Alter von 15 Jahren. Vor dem Ersten Weltkrieg war sie eine Schülerin von Ludwig Michalek und besuchte die École des Beaux-Arts in Paris. 1922 nahm sie ein Studium an der Wiener Akademie auf. Dort war sie in der Meisterklasse von Ferdinand Schmutzer.Sabine Plakolm-Forsthuber: Künstlerinnen in Österreich 1897–1938. Malerei – Plastik – Architektur. Picus-Verlag, Wien 1994, S. 271.
Kmentt-Montandon unternahm Studienreisen innerhalb Europas (u. a. München, Italien, Portugal) und reiste 1945 nach Süd- und Nordamerika, wo sie Indianerreservate besichtigte. Ansonsten lebte sie als freie Künstlerin in Wien. Zu ihrem Freundeskreis gehörte die Malerin Stephanie Hollenstein.Hollenstein Stephanie. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 1. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 1351. Ab den 1920er Jahren stellte Kmentt-Montandon regelmäßig in Wien aus, so beschickte sie 1926 die Ausstellung der Wiener Secession mit einer Alter Mann betitelten Radierung. Einen breiteren Überblick über ihr Schaffen vermittelte 1930 eine Sonderausstellung im Theseustempel, auf der ihre Landschaften, Bildnisse, eine Radierung mit religiösem Motiv und der Entwurf eines großflächigen Wandbildes zu sehen waren.
In der Zeit des Nationalsozialismus gehörte Kmentt-Montandon zu den Künstlerinnen, deren Ausstellungsbeteiligungen lobend kommentiert wurden.Sabine Plakolm-Forsthuber: Künstlerinnen in Österreich 1897–1938. Malerei – Plastik – Architektur. Picus-Verlag, Wien 1994, S. 203. Auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1942 präsentierte sie eine Radierung und zwei Zeichnungen.Große Berliner Kunstausstellung im Kriegsjahr 1942. Nationalgalerie. Katalog, S. 23 (online). Neben Berta Alberta-Enno und Hedwig Wachner gehörte sie zu den Leiterinnen des 1942 gegründeten, kurzlebigen Vereins der Reichsgemeinschaft Deutscher Künstlerinnen und Kunstfreundinnen.Sabine Plakolm-Forsthuber: Künstlerinnen in Österreich 1897–1938. Malerei – Plastik – Architektur. Picus-Verlag, Wien 1994, S. 84. Von 1944 bis 1968 war Kmentt-Montandon die fünfte Präsidentin der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs. In: vbkoe.org. Abgerufen am 9. Juli 2022.
Grete Kmentt-Montandon war mit Maximilian Kmentt verheiratet und Mutter des Opernsängers Waldemar Kmentt.Kmentt, Waldemar. In: Who’s who in the world. 1971-1972 Marquis Who’s Who, Chicago 1970, S. 525. Sie starb im Alter von 92 Jahren in Wien. Ein Teilnachlass befindet sich im Archiv der VBKÖ.Bestandsverzeichnis (PDF). S. 157, 186. In: vbkoe.org. Abgerufen am 9. Juli 2022.
Werk Grete Kmentt-Montandon wirkte als Malerin, Radiererin und Zeichnerin. Sie malte in Pastell, Aquarell und Öl. Zum Teil setzte sie bei ihren Gemälden die Spachteltechnik ein. Der zeitgenössische Kunsthistoriker Hans Ankwicz-Kleehoven sprach ihr eine besondere Eignung für das Porträtfach zu. Kmentt-Montandon porträtierte sowohl prominente Persönlichkeiten als auch anonyme Frauen und Kinder. Daneben schuf sie Landschaften im impressionistisch gehaltenen Stil, die unter anderem Motive aus Kärnten, Salzburg, Venezuela, Italien und von der portugiesischen Atlantikküste zeigen. Auch einige Aktbilder gehören zu ihrem Gesamtwerk. Für die von den Oblaten des hl. Franz von Sales herausgegebene Zeitschrift Licht trug sie Illustrationen bei.
Werke (Auswahl) Alter Mann, Radierung, 1926 ausgestellt auf der 88. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener SecessionKatalog zur LXXXVIII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession. Golgatha (Christus am Kreuz), Radierung, 1930 ausgestellt im Theseustempel Zwei Mütter (stillende Mutter und alte Frau im Hintergrund), Ölbild, 1930 ausgestellt im Theseustempel Wandbild im Speisesaal der Heilanstalt Grimmenstein (Figuren vor Tempel), 32 m², Entwurfsskizze in Tempera (1930 ausgestellt im Theseustempel), beauftragt von Stefan Licht Bildnis Dr. Licht, Porträt von Stefan Licht, Präsident der Hauptanstalt der Angestelltenversicherung, Radierung, 43,8 × 53,8, signiert „Montandon Kmentt“. 1932 in der 17. Jahresausstellung der VBKÖ ausgestellt, Werksammlung VBKÖ Porträt des Malers Walter Russell, 1940 ausgestellt, Künstlerisches Frauenschaffen Mutter und Kind, um 1941 Perugia, Radierung, 1942 Große Berliner Kunstausstellung Eselstudien, Zeichnung, 1942 Große Berliner Kunstausstellung Weiblicher Rückenakt, Zeichnung, 1942 Große Berliner Kunstausstellung Studien des Malers Hohenberger, 1948 ausgestellt, VBKÖ, Zedlitzhalle Armenierin, Porträt, 1950 ausgestellt Die Brandung, Ausfahrt der Fischer von Cascais, Fischversteigerung in Estorü, Pastelle, 1950 ausgestellt Porträt der Schauspielerin Auguste Wilbrandt-Baudius Die Playa Grande bei la Guaira, Venezuela, Pastell, 32 × 48,5, signiert „Montandon Kmentt“, Werksammlung VBKÖ Frühlingssonntag im Prater, Aquarell, 36 × 48, signiert „Montandon Kmentt“, Werksammlung VBKÖ Mira Kumar, Pastell, 63 × 51,7, signiert „G. Kmentt-Montandon“, Werksammlung VBKÖ
Ausstellungen (Auswahl) 1925: Vereinigung der donauländischen Künstler, Theseustempel, Wien 1926: Wiener Secession 1927: Ausstellung des Aquarellistenclubs der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens, Wiener Künstlerhaus 1929, 1932, 1933: Künstlervereinigung Theseustempel 1930: Sonderausstellung im Theseustempel, Wien 1930, 1932, 1942, 1945, 1948, 1950: VBKÖ (meist Zedlitzhalle, Wien) 1940: Künstlerisches Frauenschaffen, NS-Frauenschaft/Deutsches Frauenwerk, Gaustelle Wien, Sezession, Wien 1942: Große Berliner Kunstausstellung, Nationalgalerie 1947: Erste grosse österreichische Kunstausstellung: Malerei, Plastik, Graphik, angewandte Kunst, Wiener Künstlerhaus 1950: Villa von Frederic Sillett, Fürfanggasse 5, Wien 1988: Galerie Peithner-Lichtenfels, Wien
Literatur Sabine Plakolm-Forsthuber: Künstlerinnen in Österreich 1897–1938. Malerei – Plastik – Architektur. Picus-Verlag, Wien 1994, ISBN 3-85452-122-7, S. 84, 203, 271. Grete Kmentt-Montandon. In: Ingrid von der Dollen: Malerinnen im 20. Jahrhundert: Bildkunst der „verschollenen Generation“. Geburtsjahrgänge 1890–1910. Hirmer, München 2000, ISBN 3-7774-8700-7, S. 323. Kmentt-Montandon, Grete. In: Mortimer G. Davidson: Kunst in Deutschland, 1933–1945. Grabert, Tübingen 1992, ISBN 3-87847-096-7, S. 337.
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