mini|Nationale Sommerspiele von Special Olympics Deutschland, 2022, Tribüne am Brandenburger Tor Special Olympics Deutschland e. V. (SOD) ist der deutsche Bundesverband von Special Olympics International. SOD wurde am 3. Oktober 1991 als gemeinsame Initiative der großen deutschen Verbände (u. a. Diakonie, Bundesvereinigung Lebenshilfe, Caritas) ins Leben gerufen, um das sportliche Engagement geistig beeinträchtigter Menschen zu fördern. Seit 2007 ist der eingetragene Verein als Verband mit besonderen Aufgaben ein Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), seit Dezember 2018 gehört er dort zur Gruppe der Spitzensportverbände.
Organisation mini|Daniela Schadt (2017), ehemalige Schirmherrin von Special Olympics Deutschland
Special Olympics richtet sich an der Philosophie von Special Olympics aus, die in den USA entwickelt wurde (general rules). In der Satzung wird der Vereinszweck so formuliert:
Auf der Ebene der Bundesländer existieren 16 Landesverbände.
Mehr als 1.100 Organisationen sind Mitglieder von SOD, darunter Verbände für Behindertensport, Behinderteneinrichtungen und Behindertenverbände. Über 40.000 Menschen trainieren heute in Deutschland nach dem Special Olympics Regelwerk.
Der Verein wird von einem ehrenamtlichen Präsidium geleitet, das aus der Präsidentin, mehreren Vizepräsidenten und dem Bundesgeschäftsführer besteht. Präsidentin ist seit 2014 Christiane Krajewski. Ehrenpräsidenten sind der ehemalige Staatsminister Gernot Mittler und der Sportpädagoge und ehemalige Professor an der Universität Würzburg Peter Kapustin. Anlässlich der Nationalen Spiele in Garmisch-Partenkirchen im Januar 2013 gab Daniela Schadt, Journalistin und Lebensgefährtin des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck, bekannt, dass sie die Rolle der Schirmherrin von Special Olympics Deutschland für die Dauer der Präsidentschaft von Joachim Gauck übernehmen werde.Bernhard Conrads: Die UN-Behindertenrechtskonvention, ihre Bedeutung für den Sport und das Bild von Menschen, die wir leichtfertig 'geistig behindert' nennen. In: Reinhild Kemper, Dieter Teipel: Behindertensport: Inklusion, Rehabilitation, Special Olympics, Paralympics. Sportverlag Strauß, Köln 2014, S. 63–71, S. 71, ISBN 978-3-86884-025-4.
Die Geschäftsstelle befindet sich in Berlin.
Geschichte Special Olympics Deutschland (SOD) wurde 1991 als eingetragener Verein gegründet. Zu diesem Zeitpunkt waren fast 150 nationale Special-Olympics-Organisationen weltweit Mitglieder von Special Olympics. Damit war Deutschland eines der letzten entwickelten Länder, die sich anschlossen. Gernot Buhrt: Rehabilitationszentrum Berlin Ost - Vorreiter von Special Olympics Deutschland. In: Klaus-Peter Becker (Hrsg.): Die Entwicklung des Rehabilitationszentraums Berlin-Ost in Theorie und Praxis. Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin Ost Verlag, Berlin 2011, S. 146–153, ISBN 978-3-9814923-0-9, S. 146 Der Grund hierfür liegt in dem niedrigen Stellenwert, der sportlicher Betätigung von geistig beeinträchtigten Menschen bis dahin eingeräumt wurde:
Vorgeschichte: Teilhabe von geistig beeinträchtigten Menschen am Sport in BRD und DDR Weder in der DDR noch in der BRD hatten geistig Beeinträchtigte dieselben Chancen auf Teilhabe an sportlicher Betätigung wie nichtbeeinträchtigte Menschen. Gernot Buhrt: Rehabilitationszentrum Berlin Ost - Vorreiter von Special Olympics Deutschland. In: Klaus-Peter Becker (Hrsg.): Die Entwicklung des Rehabilitationszentraums Berlin-Ost in Theorie und Praxis. Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin Ost Verlag, Berlin 2011, S. 146–153, ISBN 978-3-9814923-0-9, S. 149 Menschen mit geistiger Beeinträchtigung wurden in der BRD bis in die 1970er Jahre in Deutschland keine organisierten Sportangebote gemacht. Der Deutsche Behindertensportverband DBS verstand sich als Verband von körperbeeinträchtigten Sportlern, war gegenüber weiteren Zielgruppen sehr zurückhaltend und befürchtete, dass durch eine Gründung einer deutschen Organisation von Special Olympics eine Konkurrenzorganisation entstehen könnte. Schließlich gründeten engagierte Persönlichkeiten und familiär Betroffene auf Vereinsbasis Sportgruppen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Beeinträchtigung, doch eine Integration in die allgemeinen Sportvereine fand nicht statt. Auch die Behinderten-Sportvereine schotteten sich ab, da ihre Mitglieder vor allem Kriegsversehrte und körperbeschädigte Zivilgeschädigte mit einem deutlichen Eliteanspruch waren. Die Teilnahme von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung an Wettkämpfen wurde noch Ende der 1970er und bis in die 1980er Jahre grundsätzlich abgelehnt. Angeblich würde diese Personengruppe das Wesen des Wettkampfes nicht verstehen und so könne dieser auch nicht als pädagogische Aufgabe gesehen werden. Außerdem war man besorgt, dass die beeinträchtigten Sportler in den Wettkämpfen zur Schau gestellt würden.
Special Olympics widerlegte durch Praxiserfahrungen und Erfolge die Argumente gegen eine Teilnahme an Sportwettkämpfen. So wurde Normalisierung zum Leitbild und das Bedürfnis, die Möglichkeiten sportlicher Teilhabe zu vergrößern, wuchs. Anfang der 1980er Jahre widmete die Lebenshilfe sich zusammen mit Fachleuten auf Symposien den Themen Spiel, Bewegung, Sport und Wettkampfsport für geistig beeinträchtigte Menschen. Zu diesen Veranstaltungen wurde auch Special Olympics eingeladen und die Organisation erstmals einem größeren Fachpublikum vorgestellt. Von 1981 bis 1987 konnten dann kleine westdeutsche Teams ohne offiziellen Status an Weltspielen und europäischen Spielen von Special Olympics teilnehmen. Unter dem Namen Mein Olympia wurde daraufhin in Unterfranken mit Unterstützung des bayerischen Kultusministeriums die erste zentrale Wettkampfveranstaltung für geistig beeinträchtigte Menschen ins Leben gerufen. Initiator war Peter Kapustin, Leiter des Sportinstituts an der Universität Würzburg und Mitbegründer des Sportkreises innerhalb der Lebenshilfe. Nach wenigen Jahren nahmen bereits bis zu 3000 Schüler teil. Mein Olympia war zwar die größte Behindertensportveranstaltung nach dem Konzept von Special Olympics in der Bundesrepublik, doch wegen der fehlenden Einbindung in die Strukturen des organisierten Sports und des Widerstandes des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) erlangte sie keine weitreichendere Bedeutung. Gernot Buhrt: Rehabilitationszentrum Berlin Ost - Vorreiter von Special Olympics Deutschland. In: Klaus-Peter Becker (Hrsg.): Die Entwicklung des Rehabilitationszentraums Berlin-Ost in Theorie und Praxis. Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin Ost Verlag, Berlin 2011, S. 146–153, ISBN 978-3-9814923-0-9, S. 148
In der damaligen DDR fand eine ähnliche Entwicklung statt. In Berlin-Lichtenberg war ab 1985 auf Initiative von Helmut Siebert, dem Leiter des damaligen kommunalen Stadtbezirksrehabilitationszentrums Berlin-Lichtenberg, eine ähnliche Veranstaltung entstanden: ein Sport- und Spielfest für alle Berliner Tagesförderstätten für geistig Beeinträchtigte. Als 1988 die ersten Nationalen Spiele von Special Olympics in Polen stattfanden, waren auch ostdeutsche Teilnehmer eingeladen. Sieberts Bitte an den DTSB um Unterstützung beim Aufbau einer Special-Olympics-Organisation in der DDR wurde mit der formal richtigen Begründung abgelehnt, dass in der DDR die Betreuung geistig beeinträchtigter Menschen über das Gesundheitswesen organisiert sei und der DTSB nicht Teil dieses Systems sei.
Anfänge von Special Olympics Deutschland 1991 wurde Special Olympics Deutschland als Kooperationsprojekt der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V., des Diakonischen Werk der evangelischen Kirche Deutschlands, des Deutschen Caritasverband e. V. und des DBS gegründet. Dies markierte einen Neuanfang. Es gab nun zum einen, einen gemeinnütziger Verein mit Sitz in Würzburg, zum anderen eine bundesweite Dachorganisation, in der alle Träger und Anbieter von Sportmöglichkeiten für geistig beeinträchtigte Menschen Mitglied werden und sich beteiligen konnten. Gernot Buhrt: Rehabilitationszentrum Berlin Ost - Vorreiter von Special Olympics Deutschland. In: Klaus-Peter Becker (Hrsg.): Die Entwicklung des Rehabilitationszentraums Berlin-Ost in Theorie und Praxis. Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin Ost Verlag, Berlin 2011, S. 146–153, ISBN 978-3-9814923-0-9, S. 151 Bei der Gründungsversammlung des Vereins stellte sich Gernot Buhr erfolgreich für das Amt des ersten Vorsitzenden zur Wahl und übte es bis 2005 aus. Gernot Buhrt: Rehabilitationszentrum Berlin Ost - Vorreiter von Special Olympics Deutschland. In: Klaus-Peter Becker (Hrsg.): Die Entwicklung des Rehabilitationszentraums Berlin-Ost in Theorie und Praxis. Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin Ost Verlag, Berlin 2011, S. 146–153, ISBN 978-3-9814923-0-9, S. 151 Erster Präsident wurde Peter Kapustin. Im Sportinstitut der Universität Würzburg, wo Kapustin eine Professur hatte, wurde eine Bundesgeschäftsstelle eingerichtet.
In den 1990er Jahren kooperierten die vier großen Behindertenverbände Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V., Diakonisches Werk der evangelischen Kirche Deutschlands, Deutscher Caritasverband e. V. und Verband anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und Soziale Arbeit e. V. immer stärker mit den Behindertensportvereinen und mit Special Olympics Deutschland. Im Frühjahr 1999 organisierten diese vier großen Behindertenverbände erstmals eine Tagung mit dem Deutschen Sportbund, dem Deutschen Behindertensportverband, Special Olympics Deutschland sowie Organisationen, die eigenständige Konzepte zum Sport geistig beeinträchtigter Menschen entwickelten. Das Thema lautete Bewegung, Spiel und Sport von Menschen mit geistiger Behinderung. Erstmals wurde eine Bestandsaufnahme des Sports von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung gemacht. Außerdem wurden Perspektiven für den Sport im 21. Jahrhundert in Theorie und Praxis entwickelt. Wichtigstes Ergebnis der Tagung war die nunmehr stärkere Zusammenarbeit der unterschiedlichen Organisationen. Die vier Fachverbände der Behindertenhilfe, der DBS und SOD treffen sich seitdem regelmäßig einmal im Jahr zu einem Austausch (Runder Tisch – Bewegung, Spiel und Sport von Menschen mit geistiger Behinderung), um gemeinsam das Ziel Sport für alle auch für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung zu erreichen. Zu diesem Runden Tisch stieß als weiterer Sportanbieter das Forum Integrationssport hinzu.
Special Olympics Berlin fand als erste Veranstaltungsreihe regelmäßig unter dem Namen Special Olympics statt. Die ersten nationalen Spiele wurden 1998 in Stuttgart ausgerichtet.
2005 erlebte Special Olympics Deutschland eine Führungskrise, die zur Schließung der Würzburger Geschäftsstelle führte. Kurzfristig gelang es, eine neue Bundesgeschäftsstelle in Berlin zu eröffnen.
Nach einer Satzungsänderung von 2006 untergliederte sich der Verein in Landesverbände, etwa den Special Olympics Deutschland in Berlin e. V. Gernot Buhrt: Rehabilitationszentrum Berlin Ost - Vorreiter von Special Olympics Deutschland. In: Klaus-Peter Becker (Hrsg.): Die Entwicklung des Rehabilitationszentraums Berlin-Ost in Theorie und Praxis. Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin Ost Verlag, Berlin 2011, S. 146–153, ISBN 978-3-9814923-0-9, S. 152
Seit 2007 ist der eingetragene Verein als Verband mit besonderen Aufgaben ein Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), seit Dezember 2018 gehört er dort zur Gruppe der Spitzensportverbände.
Resonanz in der Öffentlichkeit Das öffentliche Interesse am Sport geistig beeinträchtigter Menschen generell und den Special Olympics im Besonderen ist in Deutschland weit geringer als etwa in den USA oder in Österreich.