mini|IAA Berlin 1907, Kaiser Wilhelm II. besichtigt das neue Panzerautomobil mini|IAA Berlin 1907 Blick auf den Stand von NAMAG (Norddeutsche Automobil- und Motorenwerke AG) mini|Automobil-Ausstellung 1924 am Berliner Kaiserdamm: Blick auf den Maybach-Stand mini|Automobil-Ausstellung 1924: Blick in die Nutzfahrzeug-Halle

Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) ist eine der größten und international bedeutendsten Automobil-Fachmessen. Bis 1939 fand sie überwiegend in Berlin statt. Nach der kriegsbedingten Unterbrechung fand sie von 1951 bis 2019 alle zwei Jahre in Frankfurt am Main und 2021 erstmals als Mobilitätsplattform IAA Mobility in München statt. Von der PKW-Ausstellung wurde 1992 die IAA Nutzfahrzeuge entkoppelt, sie wird seither in allen geraden Jahren in Hannover durchgeführt. Terminlich werden Fachbesucher-, Presse- und Publikumstage unterschieden. Ausgerichtet wird die IAA vom Verband der Automobilindustrie (VDA).

Geschichte Anfänge: 1897–1911 Am 30. September 1897 fand im Berliner Hotel Bristol die Gründungsveranstaltung des Mitteleuropäischen Motorwagenvereins MMV statt. Dabei waren acht „Motorwagen“ der Gründungsmitglieder zu sehen: vier Benz, zwei Lutzmann, ein Kühlstein sowie ein Daimler.Manfred Riedel: Friedrich Lutzmann – Ein Pionier des Automobilbaus. Anhaltische Verlagsgesellschaft, Dessau 1999, ISBN 978-3-910192-61-4. Entsprechend der Zählung des Veranstalters der IAA wird dies als erste Automobilausstellung in Deutschland gewertet.

Die zweite Motorwagen-Ausstellung fand am 24. Mai 1898 im Berliner Landesausstellungs-Park statt. Dabei wurden 13 Fahrzeuge vorgestellt, darunter erstmals auch ein Lastkraftwagen.

Vom 3. bis 28. September 1899 fand eine Internationale Motorwagen-Ausstellung im Exerzierhaus und auf dem Kasernenhof des II. Garderegiments zu Fuß in der Karlstraße in Berlin statt, an der sich bereits über 100 Aussteller, darunter 13 aus Frankreich, beteiligten. Bei der Eröffnungsveranstaltung mit Staatssekretär von Podbielski als Redner wurden fünftausend Besucher gezählt.Berliner Tageblatt, 4. September 1899, S. 2; DFG-Viewer. Die gezeigten MotorwagenAbbildung Automobil-Grafik auf Werbung für diese Ausstellung. ähnelten im Aufbau noch weitgehend den Pferdekutschen. Der Berliner Künstler Max von Kawaczynski (1860–1912) gestaltete für diese Ausstellung eine Medaille aus Bronze mit einem Durchmesser von 65 Millimetern und einem Gewicht von 50 Gramm.Abbildung bei Martin Heidmann: Medaillenkunst in Deutschland von 1845 bis 1914. (Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst. In Verbindung mit den Staatlichen Museen zu Berlin, Münzkabinett). Berlin 1998, Abb. 906, S. 289 Spalte 1; ISBN 3-7861-1416-1. Eine weibliche Gestalt hielt Avers beziehungsweise auf der Vorderseite einen Lorbeerzweig über ihren Kopf. Darüber befand sich in Großbuchstaben der Name des Stifters MITTLEUROPAEISCHER MOTORWAGEN-VEREIN. Die Räder eines Gefährts rollten über eine Landkarte (Globus-Ausschnitt) mit den Umrissen des kaiserlichen Deutschlands und seinen angrenzenden damaligen Staaten. Je drei Blitze an den Abschlussklappen der Radachse symbolisierten die Geschwindigkeit des Gefährts. Eine Art Raubkatze krallte sich mit ihren Vorderpforten um die Achsenstange. Auf der Rückseite der Prämien-Medaille stand an einem Eichenbaum der Hinweis: FÜR GUTE LEISTUNGEN. Rund um den Medaillenrand Revers wurde vom Berliner Künstler festgehalten: INTERNATIONALE MOTORWAGEN-AUSSTELLUNG BERLIN 1899.Größenangabe bei Lutz Ruffert: Medaillen Berlin 1709–2009. Edition M&S Münzen und Sammeln, 1. Auflage 2009, S. 7; ISBN 978-3-86646-805-4. Unter den Gewinnern der Goldenen Medaille befand sich ein Wiener Automobilhersteller. Sein Exponat „Mylord/Coupé“ vom System Egger-Lohner „C 14“ war kein „Benzin-Motorfahrzeug“, sondern ein mithilfe von Akkus angetriebenes Elektrofahrzeug, wie es „zur Zeit“ nur einige Wenige gab.Vossische Zeitung, 13. Oktober 1899, Morgen-Ausgabe, S. 13, Spalte 3 [Nachbetrachtung zur Ausstellung].

Das Exerzierhaus des II. Garde-Regiments zu Fuß befand sich in der damaligen Berliner Karlstraße 12, ab 1947 Reinhardtstraße 29 in Berlin-Mitte. Das unter Denkmalschutz stehende PortalErläuterung in der Berliner Denkmaldatenbank. ist noch erhalten.

Vom 14. bis 25. Mai 1902 richtete erstmals der Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller, die Vorgängerorganisation des heutigen Veranstalters VDA, eine Ausstellung aus. Sie wurde zum ersten Mal Automobil-Ausstellung statt wie bisher Motorwagen-Ausstellung genannt. Die Fahrzeuge wurden in den Stadtbahnbögen des Bahnhofs Friedrichstraße gezeigt.

Mit Kaiser Wilhelm II. eröffnete 1905 zum ersten Mal ein Staatsoberhaupt eine Automobilausstellung in Deutschland. Dies war bereits die 7. IAA. Schirmherr der Ausstellung war Prinz Heinrich von Preußen.

Bis 1911 fanden noch sechs weitere Ausstellungen statt.

Jahre 1921–1931 Bedingt durch den Ersten Weltkrieg und dessen Folgen gab es bis 1920 keine Fahrzeug-Ausstellung in Deutschland; die erste Automesse nach dem Krieg fand 1921 statt. Veranstalterwebseite. Abgerufen am 2. Juli 2016. Auf dieser vom 23. September bis 2. Oktober durchgeführten 14. Automobil-Ausstellung wurden nur deutsche Produkte gezeigt. Besonderes Aufsehen fanden der aerodynamisch geformte Rumpler-Tropfenwagen sowie eine als Bosch-Horn bezeichnete Hupe mit elektro-akustischem Signalgeber, die wenige Monate später in Serie ging und das traditionelle Horn mit Blasebalg ersetzte.Johannes Bähr: Bosch: Geschichte eines Weltunternehmens. C. H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-63983-8. Als Veranstaltungsort diente bis 1939 eine während des Krieges neu geschaffene, repräsentative Ausstellungshalle am Berliner Kaiserdamm.Christoph Maria Merki: Der holprige Siegeszug des Automobils 1895–1930: Zur Motorisierung des Straßenverkehrs in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Böhlau Verlag, Wien 2002, ISBN 3-205-99479-5, S. 301. Zugleich Habilitationsschrift, Universität Bern, 2001. Waren 1921 noch 67 Hersteller mit rund 150 Fahrzeugen vertreten, so stellten bei der 15. Ausstellung im Februar 1923 bereits 653 Aussteller ihre Produkte aus. Internetarchiv der IAA. Abgerufen am 7. September 2014.

mini|21. Automobil-Ausstellung 1928 in Berlin: Stand von Brennabor mini|Der Opel „Regent“ auf der 21. IAA mini|22. IAA 1931 in Berlin: Blick auf den Stand der Wanderer-Werke aus Schönau bei Chemnitz mini|23. Internationale Automobil- und Motorrad-Ausstellung IAMA im Februar 1933

Die 16. Deutsche Automobilausstellung vom 10. bis 18. Dezember 1924 stand ganz im Zeichen neuartiger Kleinwagen. Galt das Automobil bisher als Luxusobjekt der vermögenden Oberschicht, so wurden nunmehr zumindest für den selbstständigen Mittelstand bezahlbare Fahrzeugtypen vorgestellt. Hierzu gehörten Automobile wie der „Kommissbrot“ genannte Hanomag 2/10 PS und der als „Laubfrosch“ bekannt gewordene Opel 4 PS.In Berlin wird die Automobilausstellung mit dem ersten Auto für alle eröffnet Sendung im Deutschlandfunk vom 10. Dezember 2004. Abgerufen am 7. September 2014.

Die 19. IAA fand vom 20. bis 31. Mai 1927 unter politischem Druck des seinerzeitigen Oberbürgermeisters Konrad Adenauer auf dem Messegelände in Köln statt. Es wurden ausschließlich Nutzfahrzeuge gezeigt.IAA 1927 in Köln Kurzfilm auf YouTube vom 17. Juli 2014. Abgerufen am 13. September 2014. Ziel war es, den wirtschaftlichen Einfluss Kölns zu steigern. Es blieb jedoch die einzige Automobilausstellung der Stadt. Eine ebensolche Episode war die 20. Ausstellung vom 4. bis 14. März 1928 auf der Leipziger Messe.

Die acht Monate später vom 8. bis 18. November 1928 wieder in Berlin stattfindende 21. Automobilausstellung zeigte den technischen Fortschritt im Automobilbau: So wurde mit dem Röhr 8 erstmals ein deutsches Auto mit Zahnstangenlenkung und Einzelradaufhängung der Öffentlichkeit gezeigt. FHFO Ober-Ramstadt vom 30. Juni 2013. Abgerufen am 17. August 2014. Als erster Opel mit Achtzylindermotor war der Luxuswagen Opel 24/110 PS „Regent“ zu sehen. Besondere Aufmerksamkeit erregte auch der von dem Metallwerk Max Brose & Co., heute Brose Fahrzeugteile, entwickelte erste Kurbelfensterheber. Brose, Pressemitteilung, 2008; abgerufen am 24. August 2014. Wegen der Weltwirtschaftskrise fand 1929, 1930 und 1932 keine IAA statt.

Noch mitten in der globalen Rezession fand in Berlin unter großen Schwierigkeiten vom 19. Februar bis 1. März 1931 die 22. IAA statt, die rund 295.000 Besucher zählte. Erstmals wurden Fahrzeuge mit dem bis dahin unüblichen Frontantrieb vorgestellt: Als preisgünstigstes Automobil und zugleich eines der ersten Serienfahrzeuge mit Frontantrieb galt der „DKW Frontwagen“.DKW Front F 1 Roadster, 1931 Audi-Website; abgerufen am 3. August 2014. Bei Nutzfahrzeugen zeigte sich ein zunehmender Trend zu Dieselmotoren. Im Folgejahr fiel die IAA erneut aus.

Zeit des Nationalsozialismus Kurz nach der Machtergreifung der NSDAP fand vom 11. bis 23. Februar 1933 in Berlin die 23. Internationale Automobil- und Motorrad-Ausstellung unter dem Motto „Vollgas Voraus“ statt. Da auf den Ausstellungen 1933 bis 1939 auch Motorräder, seinerzeit weiter verbreitet als Autos,Das Motorrad – Volksfahrzeug Nr. 1. Medieninformation Nr. 141/2013, Technische Universität Berlin. Abgerufen am 8. März 2017. gezeigt wurden, hießen diese nun IAMA. Erst ab 1951 wurde wieder die Bezeichnung IAA verwendet. In der Eröffnungsrede kündigte der erst kurz zuvor ernannte Reichskanzler Adolf Hitler steuerliche Entlastungen für Autobesitzer und großzügige Straßenbaupläne an. Damit ging er auf die von der Automobilindustrie seit der Weimarer Republik beklagten Hindernisse für eine allgemeine Verbreitung des Automobils ein. Auch kündigte er die staatliche Subvention des Motorsports an. Zu den technischen Messeneuheiten gehörten u. a. der Ford Köln und der Standard Superior als zwei der ersten Fließhecklimousinen; als teuerstes Auto deutscher Produktion wurde der Maybach Zeppelin DS 8 vorgestellt. mini|Auf der 24. IAMA 1934 erläutert Hans Ledwinka Adolf Hitler das Fahrgestell des neuen Tatra 77

Die Automobil- und Motorrad-Ausstellungen in den Folgejahren gerieten mehr und mehr unter den Einfluss des von Joseph Goebbels geführten Propagandaministeriums, das teilweise unmittelbar in die Gestaltung der Messe intervenierte: So wurde vorgegeben, deutsche Messestände in einem gleichartigen Design zu gestalten, um so den Eindruck deutscher Einheit zu vermitteln. Eine weitere Vorgabe bestand im Aufbau einer temporären Ruhmeshalle, in der als „Arbeiter der Stirn und der Faust“ sowohl deutsche Ingenieure wie etwa Gottlieb Daimler und Carl Benz als auch Fabrikarbeiter als nationale Helden geehrt wurden.

Auch wurde die Medienpräsenz erheblich erweitert, unter anderem durch die zunehmende Verbreitung des Volksempfängers. Die IAA bzw. IAMA wandelte sich von einer Veranstaltung für wenige Vermögende hin zu einer Massenveranstaltung: So verzeichnete die Ausstellung vom 8. bis 18. März 1934 bereits 600.000 Besucher. Möglich wurde dies durch deutschlandweite Werbung auf Litfaßsäulen, kurze Werbefilme in den Ufa-Kinos und die Bereitstellung von Sonderzügen und -bussen. Das Plakat dieser Ausstellung, die unter dem Motto „Wille wirkt Wunder“ stand, war das erste und einzige mit einem Hakenkreuz versehene IAA-Plakat. In typischer NS-Propagandapose reckte ein Arm mit Hakenkreuzbinde über rauchenden Fabrikschloten ein Pkw-Fahrgestell zum Himmel.Internationale Motorrad- und Automobil-Ausstellung (PDF; 7,7 MB) Veröffentlichung des Deutschen Museums 1998, S. 49. Abgerufen am 21. September 2014.