Die Vuelta a España 2022 war die 77. Austragung der Rundfahrt durch Spanien und fand vom 19. August bis zum 11. September 2022 im Rahmen von 21 Etappen statt. Die Grand Tour war Teil der UCI WorldTour 2022 und führte über etwa 3280 Kilometer. Das Etappenrennen wurde im niederländischen Utrecht gestartet und ging in der spanischen Hauptstadt Madrid zu Ende.
Gesamtsieger wurde der erst 22-jährige Belgier Remco Evenepoel, der für das Quick-Step Alpha Vinyl Team an den Start ging. Neben zwei Etappensiegen sicherte er sich zudem auch die Nachwuchswertung. Remco Evenepoel übernahm das Rote Trikot des Gesamtführenden auf der 6. Etappe und verteidigte dieses bis zum Ende der Rundfahrt. Platz zwei ging an den Spanier Enric Mas (Movistar Team), der einen Rückstand von zwei Minuten und zwei Sekunden aufwies. Mit dem erst 19-jährigen Juan Ayuso (UAE Team Emirates) fuhr ein weiterer Spanier auf das Podest. Sein Rückstand auf Remco Evenepoel betrug vier Minuten und 57 Sekunden.
Die Punktewertung ging an den Dänen Mads Pedersen (Trek-Segafredo), der sich souverän mit 409 Punkten durchsetzte und doppelt so viele Punkte sammelte wie sein erster Verfolger. In der Bergwertung setzte sich der Ecuadorianer Richard Carapaz (Ineos Grenadiers) durch, der jedoch vom Ausscheiden des Australiers Jay Vine profitierte. Dieser war auf der 17. Etappe zu Sturz gekommen und musste die Rundfahrt mit einem großen Vorsprung in der Sonderwertung beenden. Sowohl Mads Pedersen als auch Richard Carapaz waren mit drei Etappensiegen die erfolgreichsten Fahrer der 77. Austragung. Die Auszeichnung des kämpferischsten Fahrers erhielt Marc Soler, dessen Mannschaft UAE Team Emirates die Mannschaftswertung gewann.
Teilnehmer Teams und Fahrer
Über ein automatisches Startrecht und eine Startpflicht verfügten gemäß den Statuten der UCI die 18 WorldTeams. Dazu lud der Veranstalter drei spanische ProTeams zur Teilnahme an der Spanien-Rundfahrt ein. Zudem qualifizierten sich automatisch die beiden besten UCI ProTeams des Vorjahres: Alpecin-Deceuninck (unter dem damaligen Teamnamen Alpecin-Fenix) und Arkéa-Samsic. Insgesamt sind 183 Fahrer aus 23 Radsportteams an den Start gegangen.
Die Aufstellungen der Teams wurden am 18. August im Zentrum von Utrecht präsentiert. Mit Ausnahme der Mannschaft Arkéa-Samsic entsendete jede Mannschaft acht Fahrer zur Spanien-Rundfahrt:
Favoriten Als Topfavorit auf den Gesamtsieg galt der Slowene Primož Roglič (Jumbo-Visma), der die letzten drei Austragungen der Vuelta a España für sich entscheiden und im Jahr 2022 mit Roberto Heras gleichziehen konnte, der als bisher einziger Fahrer die Spanien-Rundfahrt 4 mal gewinnen konnte. Nachdem er die Tour de France verletzungsbedingt vorzeitig hatte beenden müssen, kehrte Primož Roglič bei der Vuelta a España ins Renngeschehen zurück. Anders als bei der Tour de France war die Mannschaft um den Slowenen aufgebaut, wobei er auf bekannte Fahrer wie Sepp Kuss und Rohan Dennis bauen konnte. Sein Teamkollege Jonas Vingegaard, der die Tour de France 2022 gewann, stand nicht im Aufgebot der Jumbo-Visma-Mannschaft. Herausforderer gab es bei der 77. Austragung der Spanien-Rundfahrt gleich mehrere. Mit Jai Hindley (Bora-Hansgrohe) stand der einzige Sieger einer Grand Tour des Jahres 2022 am Start. Der Australier hatte im Frühjahr überraschend den Giro d’Italia gewonnen und nahm nun eine weitere dreiwöchige Rundfahrt in Angriff. In der Vorbereitung auf die Vuelta a España bestritt er die Burgos-Rundfahrt, die er auf dem 7. Gesamtplatz beendete. Unterstützung bekam Jai Hindley von Wilco Kelderman und Sergio Higuita, die ebenfalls eine Rolle in der Gesamtwertung spielen konnten. Der Gesamtzweite des Giro d’Italia 2022, Richard Carapaz (Ineos Grenadiers), startete ebenfalls bei der Spanien-Rundfahrt. Im Jahr 2019 belegte der Ecuadorianer hinter Primož Roglič Platz zwei und musste sich nur mit wenigen Sekunden Rückstand geschlagen geben. Seit dem Giro d’Italia bestritt Richard Carapaz nur die flachere Polen-Rundfahrt, bei der er jedoch keine Top-Platzierung belegte. Ob er die alleinige Kapitänsrolle innehaben würde, war noch unklar, da mit Pavel Sivakov, der Sieger der Burgos-Rundfahrt 2022 in seiner Mannschaft startet. Weiters sendeten die Ineos Grenadiers mit Tao Geoghegan Hart und Carlos Rodríguez zwei weitere Gesamtklassement-Fahrer zu der Rundfahrt. Mit Simon Yates (BikeExchange-Jayco) und João Almeida (UAE Team Emirates) starteten zudem zwei Fahrer, die nach einem enttäuschenden Giro d’Italia nun einen zweiten Anlauf nahmen. Simon Yates gewann im Vorfeld der Spanien-Rundfahrt ein Eintagesrennen in Spanien sowie die Vuelta a Castilla y León. João Almeida belegte Platz zwei bei der Burgos-Rundfahrt und gewann die einzige Bergankunft. Mit Remco Evenepoel startete einer der stärksten aktuellen Fahrer. Bei der 3 Wochen vor der Vuelta stattfindenden Clásica San Sebastián konnte er die starke Konkurrenz deutlich distanzieren. Trotz vieler gewonnener kleiner Rundfahrten, fehlte dem Sieger von Lüttich–Bastogne–Lüttich 2022 bislang jedoch ein Top-Ergebnis bei einer Grand Tour. Bei seinem bislang einzigen Start in einer Grand Tour, beim Giro d’Italia 2021, musste er nach einem Sturz vorzeitig aussteigen.
Die Hoffnungen der Spanier lag vor allem bei dem Dritten des Giro d’Italia 2022, Mikel Landa (Bahrain Victorious), und Enric Mas (Movistar), der bei der Vuelta a España 2021 den zweiten Platz belegt hatte. Dazu kam Alejandro Valverde (Movistar), der im Alter von 42 Jahren seine 32. und letzte Grand Tour in seiner Heimat bestritt. Aufstrebende spanische Talente waren der bereits erwähnte Carlos Rodríguez und Juan Ayuso (UAE Team Emirates). Zudem starteten der kolumbianische Bergspezialist Miguel Ángel López (Astana Qazaqstan), Gino Mäder (Bahrain Victorious), Louis Meintjes, Jan Hirt, Domenico Pozzovivo (alle Intermarché-Wanty-Gobert Matériaux), Ben O’Connor (AG2R Citroën), Thymen Arensman (DSM), Hugh Carthy, Rigoberto Urán und Esteban Chaves (alle EF Education-EasyPost).
Sprinter Wie bereits in den vergangenen Jahren war das Feld der Sprinter bei der 77. Austragung der Spanien-Rundfahrt erneut überschaubar. Mit Sam Bennett (Bora-hansgrohe), Tim Merlier (Deceuninck-Alpecin), Mads Pedersen (Trek-Segafredo), Pascal Ackermann (UAE Team Emirates) und Bryan Coquard (Cofidis) starten nur wenige ausgewiesene Top-Sprinter. Dazu kamen Mike Teunissen (Jumbo-Visma), John Degenkolb (DSM), Kaden Groves (BikeExchange-Jayco), Gerben Thijssen (Intermarché-Wanty-Gobert Matériaux), Daniel McLay (Arkéa-Samsic) und Andrea Vendrame (AG2R Citroën), die auf einer der Flachetappen ebenfalls Chancen auf einen Etappensieg hatten. Besonders im hügeligeren Terrain war auch mit dem endschnellen Ethan Hayter (Ineos Grenadiers) zu rechnen.
Bergfahrer Die Bergwertung sicherte sich in den vorherigen Jahren meist ein Fahrer, der in der Gesamtwertung keine Rolle spielte. Zuletzt gelang es David Moncoutié im Jahr 2008 im Bergtrikot in die Top 10 der Gesamtwertung vorzustoßen. Welche Fahrer im Jahr 2022 um die Bergwertung kämpfen würden, ließ sich im Vorfeld der Rundfahrt nicht sagen. Es war jedoch damit zu rechnen, dass primär spanische Fahrer und Fahrer aus spanischen Teams Interesse an dem Trikot bekunden würden. Der Titelverteidiger Michael Storer (Groupama-FDJ) stand bei der 77. Austragung nicht am Start.
Zeitfahren und weitere interessante Fahrer Im Einzelzeitfahren galten Remco Evenepoel, der Olympiasieger Primož Roglič, Rohan Dennis, Edoardo Affini (beide Jumbo-Visma), Ethan Hayter und Brandon McNulty (UAE Team Emirates) zu den Favoriten. Im Mannschaftszeitfahren konnten sich die Teams Jumbo-Visma, Quick-Step Alpha Vinyl und die Ineos Grenadiers Chancen auf einen Sieg ausrechnen. Weitere interessante Fahrer waren der Vuelta-a-España-Sieger des Jahres 2017, Chris Froome und sein Teamkollege Michael Woods (Israel-Premier Tech), wobei bei beiden Fahrern nicht klar war, ob sie die Gesamtwertung oder Etappensiege als Ziel hatten. Dasselbe galt für Thibaut Pinot, der im Aufgebot der Groupama-FDJ-Mannschaft stand. Mit Vincenzo Nibali (Astana Qazaqstan) stand ein weiterer ehemaliger Sieger der Spanien-Rundfahrt am Start. Der Italiener bestritt seine letzte Grand Tour, ehe er am Ende der Saison seine Karriere beendete. Mit Alexei Luzenko hatte seine Mannschaft jedoch einen weiteren möglichen Kandidaten für das Gesamtklassement, falls Miguel Ángel López nicht in der Lage wäre, im Kampf um das Rote Trikot mitzumischen. Ein weiterer prominenter Fahrer war Dylan Van Baarle (Ineos Grenadiers) der in diesem Jahr Paris–Roubaix für sich entscheiden konnte. Neben den oben bereits erwähnten Spaniern Carlos Rodríguez und Juan Ayuso, gaben mit Lucas Plapp (Ineos Grenadiers) und Marco Brenner (DSM) zwei weitere aufstrebende Talente ihr Grand Tour-Debüt.
Strecke Insgesamt mussten die Fahrer im Rahmen der 77. Austragung der Spanien-Rundfahrt 3280,5 Kilometer in 21 Etappen zurücklegen. Die Organisation unterteilte die einzelnen Abschnitte in Flachetappen (6×), Flachetappen, die in der Höhe enden (2×), hügelige Etappen (4×), Bergetappen (7×) sowie Einzelzeitfahren (1×) und Mannschaftszeitfahren (1×). Von den 21 Etappen endeten acht am Ende einer kategorisierten Steigung, von denen sieben eine Seehöhe von 1000 Metern überschritten. 2022 wurden aufgrund des Auslandstarts in den Niederlanden drei Ruhetage abgehalten.
Auslandsstart in den Niederlanden Ursprünglich hätte der Start der Vuelta a España bereits im Jahr 2020 in Utrecht stattfinden sollen. Aufgrund der COVID-19-Pandemie mussten die Etappen im Ausland jedoch verworfen werden und die Spanien-Rundfahrt führte nur über achtzehn Etappen. 2022 griff die Organisation die Etappenpläne erneut auf und führte diese nun mit zwei Jahren Verspätung zum Beginn der Rundfahrt durch. Die erste Etappe wurde wie zuletzt 2019 als Mannschaftszeitfahren ausgetragen, das über einen 23,3 Kilometer langen Rundkurs durch die Stadt Utrecht führte. Die zweite und dritte Etappe verliefen auf flachem Terrain und beinhalten die Städte ’s-Hertogenbosch und Breda. Auf der dritten Etappe wurde auch die belgische Enklave Baarle-Hertog durchfahren, womit die Vuelta a España 2022 durch insgesamt drei Länder führte.
Erste Woche: Erste Bergankünfte an der Nordküste Nach dem ersten Ruhetag, auf dem der Transfer ins Heimatland der Rundfahrt ansteht, wurde das Rennen im Baskenland fortgesetzt. Die Etappen vier und fünf, führten über hügeliges Terrain durch das Umland der Städte Vitoria-Gasteiz und Bilbao. Bereits am sechsten Tagesabschnitt stand die erste Bergankunft auf dem Programm, die Nähe der Pico Jano auf einer Höhe von 1134 Metern endete. Anschließend ging es ins spanische Hochland (Iberische Meseta), ehe die erste Woche mit zwei Bergankünften auf dem Colláu Fancuaya (1088 m) und in Les Praeres (750 m) zu Ende ging.
Zweite Woche: Einzelzeitfahren und das „Dach der Rundfahrt“ in Andalusien