mini|400px|Animierte Darstellung des Verlaufs der russischen Invasion in der Ukraine ab dem 24. Februar 2022 Diese Chronik stellt eine Übersicht zur Chronologie des russischen Überfalls auf die Ukraine von Anfang Mai 2022 bis Ende Juni 2022 dar.

Mai 1. Mai mini|Lagebild in einer Veröffentlichung des britischen Verteidigungsministeriums am 1. Mai Der Chef des russischen Generalstabs, Waleri Gerassimow, der laut des ukrainischen Defense Express vor wenigen Tagen das Kommando über die russische Front bei Isjum übernommen hatte, war laut UNIAN nach einem ukrainischen Artillerieangriff verwundet worden; mehrere Offiziere wurden getötet. Etwa 100 Zivilisten konnten aus dem von russischen Kräften belagerten Asowstahl-Stahlwerk in Mariupol evakuiert werden. An der Grenze zur Ukraine, bei Konopelka (Oblast Kursk), wurde eine Schienenbrücke, die als Nachschubweg für russische Truppen in der Ostukraine fungierte, gesprengt. In der Nacht gaben ukrainische Sicherheitsbehörden bekannt, einen Ring russischer Agenten in den eigenen Reihen (darunter ein Spion im ukrainischen Generalstab) enttarnt zu haben. Ihr Ziel sei unter anderem gewesen, ein Passagierflugzeug über Russland oder Belarus mit ukrainischen Waffen abzuschießen.

Die Lagedarstellung des britischen Verteidigungsministeriums hob auf die Bemühungen der russischen Seite ab, im besetzten Cherson eine prorussische Verwaltung zu etablieren, da der erzielte Status nun von Dauer sei und die Verwendung des Rubels als Zahlungsmittel erfolgen solle. Die Briten leiteten daraus den Charakter Chersons als Schlüsselgelände weiterer russischer Operationen im Nordwesten und die Absicherung der Krim ab.UK MoD Defence Intelligence, Intelligence Update 01 May 2022. In: Twitter, abgerufen am 1. Mai 2022.

In einem Interview mit dem italienischen Sender Rete 4 relativierte der russische Außenminister Sergei Lawrow das auf die seine Kriegsbegründung („Denazifizierung der Ukraine“) folgende Gegenargument, nach dem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Jude sei und daher kein Nazi sein könne, durch die wissenschaftlich unhaltbare Frankenberger-These zu entkräften: „Adolf Hitler hatte auch jüdisches Blut“. Israel bestellte daraufhin den russischen Botschafter ein und verlangte eine Entschuldigung zu den antisemitischen Behauptungen. In der Folge doppelte Russland nach und nannte die Äußerungen des israelischen Außenministers Jair Lapid „ahistorisch“; diese würden Israels Unterstützung für das „neonazistische Regime in Kiew“ erklären.Russia doubles down on foreign minister's Hitler remarks, accuses Israel of supporting „neo-Nazis“ in Ukraine, cbs, 3. Mai 2022 Diese weitere Eskalation führte zu einer Neubewertung der bislang äußerst neutralen Aussagen der israelischen Politiker zu Russland; der Premier hatte Wochen zuvor nicht einmal Russland beim Namen genannt, als der den Krieg verurteilte; nun stand eine klarere Parteinahme für die Ukraine zur Debatte.Lavrov's antisemitism means Israel no longer neutral on Ukraine-Russia – analysis, Jerusalem Post, 2. Mai 2022 Laut israelischen Angaben entschuldigte sich daraufhin Präsident Putin.МИД хайль!Novayagazeta.eu, 6. Mai 2022Nach Lawrow-Äußerungen: Putin entschuldigt sich bei Israel, Euronews, 6. Mai 2022

Laut Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen können etwa 4,5 Millionen Tonnen Getreide in ukrainischen Häfen wegen der Seeblockade Russlands nicht verschifft werden.

2. Mai Ukrainische Streitkräfte wehrten nach eigener Darstellung eine Reihe russischer Angriffe in Richtung der Großstadt Saporischschja im Süden des Landes ab und stabilisierten die Fronten südöstlich der Stadt. Russland beschoss nach ukrainischen Angaben mehrmals eine an der Mündung des Dnister liegende Brücke (die einzige Straßen- und Eisenbahnverbindung) zu einem großen Bereich im Süden der Oblast Odessa, sie wurde jedoch nicht zerstört. Mittels einer Kampfdrohne zerstörten die ukrainischen Streitkräfte nach eigener Meldung zwei russische Patrouillenboote der Raptor-Klasse. Bei einem Raketenangriff auf Odessa starben nach Angaben des Gouverneurs Maksym Martschenko mehrere Menschen. In einer Munitionsfabrik in der russischen Stadt Perm brach ein Feuer aus.

mini|Lagebild in einer Veröffentlichung des britischen Verteidigungsministeriums am 2. Mai In der Lagebeurteilung des 2. Mai ging das britische Verteidigungsministerium davon aus, dass Russland zu Kriegsbeginn mit 120 taktischen Bataillonskampfgruppen etwa zwei Drittel seiner gesamten Landstreitkräfte eingesetzt habe. Ein Viertel davon sei nun kampfunfähig, wobei Spezialkräfte wie die Luftlandetruppen die höchsten Verluste erlitten hätten. Es würde Jahre dauern, diese Verbände wieder aufzubauen.United Kingdom Ministry of Defence Defence Intelligence, Intelligence Update 2 May 2022, abgerufen am 2. Mai 2022 Ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags kam zu dem Ergebnis, dass die Ausbildung ukrainischer Soldaten an westlichen Waffen (wie dies bereits in Deutschland durch US-Amerikaner vorgenommen wird), die ins Kampfgebiet geliefert werden, völkerrechtlich eine Kriegsbeteiligung durch den Westen darstellen kann.

Der russische Friedensnobelpreisträger und Journalist Dmitri Muratow beschrieb anlässlich des bevorstehenden Tages der Pressefreiheit die Propaganda der Russischen Föderation als der eigentliche Krieg selbst. Die aktuelle Propaganda sei zudem eine Vorab-Gewöhnung der Bevölkerung für einen Atomwaffeneinsatz gegen den Westen.

3. Mai mini|Lagebild in einer Veröffentlichung des britischen Verteidigungsministeriums am 3. Mai Trotz gescheiterter weiterer Evakuierungen von Zivilisten aus dem belagerten Stahlwerk Asowstahl haben russische Truppen die Beschießung des Geländes und Erstürmung wieder aufgenommen. Russland hat nach eigenen Angaben ein Logistikzentrum auf einem Militärflugplatz bei Odessa mit Raketen beschossen und dabei Hangars mit westlichen Waffenlieferungen zerstört.

Frankreichs Präsident Macron forderte den russischen Präsidenten Putin in einem langen Telefonat auf, „seiner internationalen Verantwortung als Mitglied des UN-Sicherheitsrates gerecht zu werden“ und den „verheerenden Angriff“ zu beenden. CDU-Partei- und Fraktionschef Friedrich Merz traf in Kiew den ukrainischen Präsidenten. Großbritannien sagte der Ukraine weitere Waffenlieferungen in Höhe 300 Millionen £ zu. Neben Drohnen, Radfahrzeugen und Radargeräten sollen auch Präzisionsflugkörper Brimstone mit einer Reichweite von ca. 50 km bereitgestellt werden.I Newspaper, ‘Ukraine will win’: UK declares £300 million military aid to Ukrainian parliament, abgerufen am 5. Mai 2022

4. Mai mini|Lagebild in einer Veröffentlichung des britischen Verteidigungsministeriums am 4. Mai Die USA halfen der Ukraine laut einem Bericht der New York Times bei der Tötung russischer Generäle. Die ukrainische Armee hatte nach eigenen Angaben 12 russische Generäle getötet. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, bestätigte allgemein, dass die USA der Ukraine Informationen lieferten. Dementiert wurde aber, dass Informationen über einen Frontbesuch General Gerassimows, des Chefs des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation, weitergegeben wurden, die zu seiner Verletzung am 1. Mai führten.U.S. Intelligence Is Helping Ukraine Kill Russian Generals, Officials Say, NYT, 4. Mai 2022

In der täglichen Lagemitteilung des britischen Verteidigungsministeriums wurde ein Einsatz von 22 russischen Bataillonen im Raum Isjum so bewertet, dass auf Kramatorsk und Sjewjerodonezk vorgestoßen werden solle. So könne die Kontrolle über den Nordosten des Donbass konsolidiert und ein Zwischenziel zur Einkesselung ukrainischer Truppen gewonnen werden.UK MoD Defence Intelligence, Intelligence Update 04 May 2022, abgerufen am 4. Mai 2022 Obwohl diese Operationen im Osten nicht Raum griffen, setzte Russland seine Angriffe mit Raketen im Westen der Ukraine fort, um die Nachversorgung der ukrainischen Truppen zu stören. Ebenso würden zivile Ziele wie Schulen, Krankenhäuser und Wohnbereiche angegriffen mit dem Ziel, den ukrainischen Widerstandswillen zu brechen. Die weiteren russischen Angriffe auf Odessa, Cherson und Mariupol unterstrichen die russische Absicht, die vollständige Kontrolle über die Zugänge zum Schwarzen Meer zu gewinnen, um die ukrainischen Versorgungswege zu unterbrechen und die Wirtschaft nachhaltig zu schädigen.MoD UK, Intelligence Update 4 May 2022, abgerufen am 5. Mai 2022

Das ukrainische Agrarministerium gab bekannt, Russland habe aus den besetzten Gebieten 400.000 Tonnen Getreide abtransportieren lassen und damit ein Drittel der Vorräte in den Regionen Cherson, Saporischschja, Donezk und Luhansk. Werde der Getreidebestand weiter reduziert, drohe eine Hungersnot;spiegel.de: Meldung von 3:30 Uhr in Mariupol herrsche sie bereits seit März.

Gegenüber dem Wall Street Journal erklärte der ukrainische Präsident, dass er kein Waffenstillstandsabkommen akzeptieren werde, das den russischen Streitkräften erlauben würde, in besetzten Gebieten zu bleiben. Sein Land werde „keinen eingefrorenen Konflikt akzeptieren“.

Nach Schätzungen des Center for Strategic and International Studies (CSIS) starteten die Streitkräfte Russlands seit Beginn des Überfalls über 1950 ballistische Raketen und Marschflugkörper gegen Ziele in der Ukraine.

Bei einer Übung „simulierten“ rund 100 russische Soldaten in Kaliningrad nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums einen „elektronischen Start“ von nuklearwaffenfähigen Iskander-Raketen sowie Angriffe und eine Reaktion auf einen Gegenschlag.

Belarus übte in einem unangekündigten Militärmanöver mit seiner schnellen Eingreiftruppe die Abwehr von Boden- und Luftangriffen. Die Militärübung berge „keine Gefahr, weder für die europäische Gesellschaft im Ganzen noch für die Nachbarländer im Besonderen“, betonte die belarussische Führung.

5. Mai mini|Lagebild in einer Veröffentlichung des britischen Verteidigungsministeriums am 5. Mai Nach Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums bildeten die am Vortag begonnenen belarussischen Manöver normale Aktivitäten, die aber für Russland vorteilhaft seien, da sie ukrainische Kräfte im Norden binden würden.UK Ministry of Defence, Intelligence Update 5 May 2022, abgerufen am 5. Mai 2022 Der belarussische De-facto-Präsident und Diktator Aljaksandr Lukaschenka erklärte gegenüber Associated Press, dass Belarus alles tue, um den Krieg in der Ukraine zu beenden, und dass er selbst mit einem schnellen Sieg Russlands gerechnet habe.

In der Nacht zum 5. Mai hatte das russische Militär nach eigenen Angaben bei Artillerieangriffen 600 ukrainische Kämpfer getötet. Ebenso seien ein Militärflughafen nahe Kirowohrad bekämpft, in Mykolajiw ein Munitionsdepot vernichtet und ein Treibstofflager zerstört worden. Ukrainische Stellen meldeten nach russischem Beschuss in Kramatorsk, Tschassiw Jar, Marjinka und Awdijiwka die Beschädigung von Gebäuden; mindestens ein Toter und 25 Verletzte seien zu beklagen. Der ukrainische Generalstab meldete, dass die russische Armee erfolglos versucht habe, in den Regionen Charkiw und Donezk vorzurücken. Die Russen würden außerdem weiter mit Raketen auf Transportinfrastruktur feuern, um die Lieferung von Hilfsgütern und Waffen zu verhindern.

Bei einem Gespräch des britischen Premierministers Johnson mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj wurden Lieferungen mit Waffen höherer Reichweite erörtert, um es russischen Kräften zu erschweren, zivile Ziele aus der Entfernung anzugreifen.BBC News, 05 May 2022, UK discusses sending long-range weapons to Ukraine, abgerufen am 5. Mai 2022

Nachdem Lawrows als antisemitisch kritisierte Äußerung vom 1. Mai international Empörung ausgelöst hatte, hat nach Angaben Israels Russlands Präsident Putin in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Bennett um Verzeihung gebeten.

6. Mai mini|Lagebild in einer Veröffentlichung des britischen Verteidigungsministeriums am 6. Mai