Adolf Georg Otto Bruno Fricke (* 7. November 1900 in Halberstadt; † 26. Mai 1985 in Santa Anita bei Santa Cruz, Bolivien"Suicidio de nazis en Bolivia", in: El Pais vom 30. Mai 1985.) war ein deutscher politischer Aktivist (NSDAP, Schwarze Front). Fricke war u. a. neben Martin Bormann und Rudolf Höß einer der Angeklagten im Parchimer Fememordprozess von 1923, führender Funktionär in der NSDAP in den Jahren 1929 und 1930 sowie Bundesgeschäftsführer der Deutschen Sozialen Partei (DSP) in den 1950er Jahren.

Leben und Tätigkeit

Frühe Jahre Bruno Fricke war ein Sohn des Bankangestellten Adolf Fricke und dessen Ehefrau Alma, geb. Hertel. Ein Jahr nach seiner Geburt zog die Familie nach Berlin. Der Vater arbeitete dort weiterhin als Bankangestellter, um sich schließlich als selbständiger Bankier zu etablieren.

Im Juni 1917, während des Ersten Weltkriegs, verließ Fricke mit der Sekundarreife das Gymnasium. Er meldete sich zur Marine-Landflieger-Abteilung. Da ihm die Pilotenausbildung verwehrt wurde, meldete er sich zur Front und kämpfte anschließend – obwohl formal Angehöriger der Marine – bis zum Kriegsende mit der preußischen Armee im Herbst 1918 in Flandern. Das Kriegsende im November 1918 erlebte er in einem Lazarett in Berlin.

Freikorpszeit (1919 bis 1921) Nach der deutschen Kriegsniederlage im Herbst 1918 und dem revolutionären Umsturz in Deutschland, der auf die Kriegsniederlage folgte, trat Fricke Ende 1918 in das von dem Oberleutnant Gerhard Roßbach aufgestellte Freikorps Roßbach ein. Hierbei handelte es sich um einen militärischen Freiwilligenverband, der sich, wie diverse ähnliche Verbände, die zu dieser Zeit aufgestellt wurde, den Aufgaben verschrieb, die Revolution im Innern zurückzudrängen sowie die deutschen Grenzen im Osten gegen Gebietsansprüche der neu entstandenen osteuropäischen Staaten zu sichern.

Im Freikorps Roßbach lernte Fricke den gleichaltrigen Martin Bormann kennen, dessen frühes politisches Denken er prägte.

Von 1919 bis 1921 absolvierte Fricke eine landwirtschaftliche Lehre im Braunschweiger Gebiet. Unterbrochen wurde diese 1919 einige Monate lang dadurch, dass er mit der Eisernen Division im Baltikum kämpfte. Von diesem Abenteuer kehrte er im Dezember 1919 in die Heimat zurück. Bereits im März 1920 nahm er am Kapp-Putsch in Berlin teil.

Nach dem Ende seiner Lehre wurde Fricke an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin fortgebildet. Im selben Jahr trat er erstmals in die NSDAP ein. Er schrieb zu seinen Gründen, sich dieser Partei anzuschließen, später, er sei der NSDAP beigetreten, „weil sie sich als einzige die Annullierung des sogenannten Friedensvertrags von Versailles zum Ziele gesetzt hatte und weiterhin deshalb, weil sie uns die Weltanschauung predigte, welche der Mentalität der Frontsoldaten am meisten entspricht: den nationalen Sozialismus.“

Während des 3. Oberschlesischen Aufstandes im Frühjahr 1921 beteiligte Fricke sich mit weiteren Angehörigen der Roßbach-Organisation an den deutsch-polnischen Grenzkämpfen um die zukünftige staatliche Zugehörigkeit der Provinz Oberschlesien: Im Auftrag Roßbachs beschaffte Fricke bei Einwohnerwehren in Süddeutschland Waffen zur Ausrüstung der Roßbach-Truppe. Er berichtete später, dass er einen Waggon mit Gewehren und Maschinengewehren, die als Maschinenteile getarnt waren, von Bayern durch Sachsen nach Schlesien gelotst habe, wo die Waffen bei den Kämpfen am St. Annaberg zum Einsatz gekommen seien.

Nach dem Ende der Kämpfe in Schlesien schickte Roßbach Fricke als seinen Bezirksbeauftragten nach Mecklenburg. Später übernahm er die Leitung des Gaus Südwestmecklenburg der Deutsch-Völkischen Freiheitspartei (DVFP).

Tätigkeit in der geheimen Roßbachorganisation (1921 bis 1924) Nach der offiziellen Auflösung des Freikorps Roßbach Ende 1921 war Fricke im Verein für landwirtschaftliche Berufsausbildung aktiv, einer Tarnorganisation, unter deren Namen das Freikorps Roßbach nach seinem offiziell Verbot heimlich weiterexistierte. 1922 war er Angestellter in der Zentrale der sogenannten „Deutschen Auskunft“ in Berlin-Wannsee, einem von Gerhard Roßbach gegründeten Detektivbüro das zugleich als heimliches Hauptquartier der Führung des Landwirtschaftsvereins und anderer Organisationen diente, in denen die Angehörigen des Freikorps Roßbach in getarnter Weise in den Jahren 1922 und 1923 weiterhin zusammengehalten wurden.

Im April 1922 nahm die Berliner Polizei Bruno Fricke zusammen mit dem Direktor des Vereins für landwirtschaftliche Berufsausbildung, Arthur Weber, auf dem Lehrter Bahnhof fest. Die Polizei argwöhnte zurecht, dass einige Männer, die die beiden begleiteten, ehemalige Freikorpsleute waren, die illegal zusammengehalten und versteckt werden sollten. Aus einem bei Fricke sichergestellten Notizbuch ging den Sicherheitsbehörden zufolge hervor, dass er „in lebhafter Verbindung mit den verschiedensten rechtsgerichteten Organisationen“ stehe.

Wenige Wochen später Fricke erneut in den Fokus der Behörden: Nach der Ermordung des Reichsaußenministers Walther Rathenau am 24. Juni 1922 wurde er erneut festgenommen. Er bestritt in der polizeilichen Vernehmung mit der Tat in irgendeiner Beziehung zu stehen. Die Ermittlungen ergaben, dass er sich zum Tatzeitpunkt wahrscheinlich in der Roßbach-Zentrale in Berlin-Wannsee aufgehalten hatte. Da das bei ihm gefundene Material als Beweismittel zur Sache Rathenau nicht in Frage kam, wurde Fricke daher am 29. Juni 1922 wieder aus dem Gewahrsam entlassen. Allerdings wurde eine Schusswaffe, die in seinem Pensionszimmer entdeckt worden war (er behauptete, dass ein Kamerad, der bei ihm genächtigt habe, die Waffen liegen gelassen habe), ohne dass er über einen Waffenschein verfügte, beschlagnahmt.

Verwicklung in der Parchimer Fememord und Haft (1923/1924)

Anfang 1923 war Fricke in den sogenannten Parchimer Fememord verstrickt, bei dem Angehörige des Vereins für landwirtschaftliche Berufsbildung einen angeblichen Verräter innerhalb ihrer Organisation töteten. Als direkte Tatbeteiligte wurden von den Behörden schließlich Bormann und Rudolf Höß angeklagt und verurteilt. Fricke wurde, da er zwei der an der Tat Beteiligten zur Flucht verholfen hatte, wegen „Begünstigung“ dieser Mittäter angeklagt und zu einer Haftstrafe von zehn Monaten verurteilt, wobei ihm vier Monate als durch die Untersuchungshaft angerechnet wurden.

Während seiner Haftzeit beschäftigte Fricke sich intensiv mit den Schriften von Oswald Spengler und Friedrich Nietzsche („Nietzsche wurde der Philosoph meines Lebens!“), wobei er sich insbesondere Nietzsches Konzept vom „Willen zur Macht“ und dessen Elitetheorie zu eigen machte und als wichtige Bestandteile in seine eigene Ideologie integrierte. Die Idee einer Elite als herrschender Klasse, die dazu berufen sei, die Masse der Bevölkerung zu führen sowie die Idee der Notwendigkeit einer Überwindung der dekadenten bürgerlichen Gesellschaft waren für Fricke politisch fortan leitend. Beide Vorstellungen fügten sich nahtlos mit der entschiedenen Ablehnung von Demokratie und Parlamentarismus, die er bereits seit der Umbruchszeit der Jahre 1919 und 1920 in sich trug, zusammen. Überwölbt wurde Frickes strukturierte Ideologie von irrational-idealistischen Vorstellungen eines martialischen Heroismus, die er sich, wie viele seiner Generation im Krieg und Nachkrieg angeeignet hatte. Er war durchdrungen von der sozialdarwinistischen Idee des Lebens als einer Aneinanderreihung von gewaltsamen Zusammenstößen, als einem ewigen Kampf, der bis zum Ende des irdischen Daseins ausgefochten und mit Haltung erduldet werden müsse. Selbst und gerade im tragischen Untergang müsse der streitbare Mann noch aufrecht standhalten.

In einem Aufsatz der 1920er Jahre brachte er den „heroischen“ – militaristischen und Gewalt idealisierenden – Bestandteil seines Gedankenlebens bzw. das aus diesem Denken resultierende Selbstverständnis in verherrlichenden Formulierungen zum Ausdruck:

„Uns ist das Kämpfen blutbestimmte Notwendigkeit […]. In den Materialschlachten des großen Krieges wurde die Kämpferauslese unserer Generatione geboren. Ob auch die Schlachten verrauschten und sogenannter Friede herrscht, wir werden Krieger bleiben, wo wir auch stehen, welchen Beruf wir ergriffen, was uns ernährt ist belanglos. Wir sind Soldaten. Unser Blut wurde wach […] und wir wissen heute, dass wir das härteste Element, die eiserne Auslese unseres Volkes darstellen.“

Als Fricke Ende 1924 das Gefängnis verließ, erreichte ihn die Mitteilung des Oberreichsanwalts, dass gegen ihn ein Verfahren wegen Waffenschiebung und Geheimbündelei aufgrund von Taten aus dem Jahr 1921 eingeleitet werden würde. Um sich der Gefahr einer erneuten Inhaftierung zu entziehen, beschloss er, ins Ausland zu gehen. Er wählte schließlich Südamerika als Ort der Emigration aus. Später schrieb er über diese Entscheidung: „Es ist verständlich, dass ich mich dem [der erneuten Inhaftnahme] zu entziehen und auszuwandern beschloss, und so gelangte ich zum ersten Male nach Amerika - auf der Flucht.“

Erster Aufenthalt in Südamerika und politische Betätigung in Deutschland und Südamerika (1925 bis 1929)

Im November 1925 reiste Fricke von Hamburg mit einem Dampfer nach Brasilien. Dort arbeitete er auf einer Estancia als Mayordomo (Verwalter). Bereits 1926 konnte er aufgrund einer Amnestie nach Deutschland zurückkehren, wo er zunächst erneut in Berlin lebte.

1927 arbeitete Fricke an der von Ernst Jünger herausgegebenen Zeitschrift Arminius mit. Im Verlag des Arminius wurde Fricke jedoch verdächtigt, sich als Informant für Hitler und Joseph Goebbels innerhalb der Zeitschrift zu betätigen.

Als der Arminius-Verlag später im Jahr 1927 in andere Hände überging, verließ Fricke diesen. Er entschied sich nach einer Rücksprache mit Hitler, fortan in Südamerika für den Nationalsozialismus zu wirken.

1928 landete er wieder in Brasilien. Im brasilianischen Estancia arbeitete er als Mayordomo (Verwalter). Ebenfalls 1928 lernte Fricke während eines Aufenthaltes in Paraguay seine spätere Ehefrau Anna Käthe Schade kennen. Sie war in Mecklenburg geboren, aber in Paraguay aufgewachsen, wo ihr Vater einen großen Landbesitz verwaltete.

Er ließ sich in Paraguay nieder, wo er in der Colonia Independencia südamerikanische Nationalsozialisten um sich sammelte und den Kern der ersten NS-Landesgruppe in Südamerika („Gruppe Paraguay“) schuf. In seiner Aufbauarbeit in Südamerika ritt er, versehen mit einem Ausweis des Organisationsleiters der Partei, von Siedlung zu Siedlung in Brasilien, Argentinien und Paraguay, um Stützpunkte für die Partei zu gründen und Vertrauensleute zu gewinnen. Fricke verfasste Berichte und Zeitungsartikel aus Südamerika, die im Völkischen Beobachter erschienen. Fricke behauptete auch, dass diese bewirkt hätten, dass man in München die Zweckmäßigkeit einer Tätigkeit im Ausland erkannte. In der Kleinstadt Villarica gründete Fricke eine Ortsgruppe der NSDAP. Sein nach München übersandter Vorschlag eine Auslandsorganisation der Partei ins Leben zu rufen, wurde hingegen abgelehnt. Wie der stellvertretender Propagandachef der Partei, Heinrich Himmler, ihm mitteilte, fehlte der Partei hierfür das Geld.

Mitte 1929 kehrte Fricke nach einer Amnestie nach Deutschland zurück.

Die von ihm in der Folgezeit vertretenen politischen Ideen waren ständestaatlich, völkisch und national-revolutionär sowie heroistisch-idealistisch. Sein Ziel erblickte er in der Sammlung revolutionärer Kämpfer.

Betätigung in Deutschland (1929 bis 1931) Bezirksleiter der NSDAP im Freistaat Lippe (1929)

Im Spätsommer 1929 brachte Heinrich Himmler Fricke als Bezirksleiter der NSDAP für den Freistaat Lippe, in dem die Parteiorganisation sich in einem kläglichen Zustand befand, in Vorschlag. Fricke wurde im August 1929 von Berlin zum Reichsparteitag der NSDAP, der damals in Nürnberg stattfand, gerufen und mit der Stellung in Lippe betraut.