mini|300px|Zusammensetzung: Regierung (336): Opposition (315): Die britische Unterhauswahl 1992 fand am 9. April 1992 statt. Gewählt wurde in 651 Wahlkreisen (vorher 650) nach dem relativen Mehrheitswahlrecht. Die Konservative Partei unter John Major errang einen von den Prognosen nicht vorausgesagten Sieg gegen Labour unter Neil Kinnock und stellte bis zum Labour-Sieg am 1. Mai 1997 die Regierung. Es war der vierte Wahlsieg der Konservativen in Folge, nach den Wahlsiegen 1979, 1983 und 1987 mit Margaret Thatcher als Spitzenkandidatin. Die Konservativen gewannen mit 14.093.007 Stimmen, mehr Stimmen, als jemals eine andere Partei in der Geschichte der britischen Unterhauswahlen bis heute (Stand 2023) erlangen konnte. Die Partei erhielt mit 41,9 Prozent der Stimmen 336 von 651 Unterhaussitzen (51,6 %).

Vorgeschichte Margaret Thatcher war 1979 Premierministerin geworden. Sie und ihre Partei (Conservative Party) hatten die Unterhauswahlen 1983 und 1987 mit großem Vorsprung vor Labour gewonnen. Thatcher und ihr Kabinett führten 1989 in Schottland sowie am 1. April 1990 in England und Wales eine Poll-Tax ein. Diese war in großen Teilen der Bevölkerung sehr unpopulär. Thatcher bildete ihr Kabinett mehrmals um und trat schließlich am 28. November 1990 zurück.

Schatzkanzler John Major wurde am gleichen Tag von Elisabeth II. zum Premierminister ernannt und formierte das Kabinett Major I. Thatcher hatte 1990 schlechte Umfragewerte gehabt; Major betrieb einen volksnahen Wahlkampf und die Umfragewerte der Conservative Party wurden ähnlich gut wie die von Labour. Er reiste mit einer Soapbox in verschiedene Wahlkreise und hielt mitten in Fußgängerzonen Reden, die einerseits beklatscht und anderseits gestört wurden. Meistens verschaffte er sich Gehör mit einem Megaphon oder einem Mikrofon.

Wichtige Parteiführer

Wahlergebnisse mini|Ergebnisse nach Wahlkreisen. Die Farben entsprechen der nebenstehenden Tabelle. Partei Stimmen Mandate Anzahl % +/− Anzahl +/− Conservative Party 14.093.007 41,9 −0,3 336 −40 Labour Party 11.560.484 34,4 +3,6 271 +42 Liberal Democrats 5.999.384 17,8 −4,8 20 −2 Scottish National Party 629.564 1,9 +0,6 3 − Ulster Unionist Party 271.049 0,8 − 9 − Social Democratic and Labour Party 184.445 0,5 − 4 +1 Green Party of England and Wales 171.927 0,5 +0,2 − − Plaid Cymru 148.232 0,5 +0,1 4 +1 Democratic Unionist Party 103.039 0,3 − 3 − Sinn Féin 78.291 0,2 −0,1 − −1 Alliance Party of Northern Ireland 68.665 0,2 − − − Liberal Party 64.744 0,2 − − − Natural Law Party 62.888 0,2 +0,2 − − Social Democratic Party 35.248 0,1 +0,1 − −   Unabhängige Labour 33.072 0,1 − − − Ulster Popular Unionist Party 19.305 0,1 − 1 − Unabhängige 18.577 0,1 − − − Sonstige 72.153 0,2 − − − Gesamt 33.614.074 100,0 651 Wahlberechtigte 43.275.316 Wahlbeteiligung 77,67 % Quelle:

Nachwahlen Wahlkreis Datum Ausgeschiedene Nachgerückte Name Partei Name Partei Newbury 06.05.1993 Judith Chaplin Cons David Rendel LD Christchurch 29.07.1993 Robert Adley Cons Diana Maddock LD Rotherham 05.05.1994 Jimmy Boyce Labour Denis MacShane Labour Barking 09.06.1994 Jo Richardson Labour Margaret Hodge Labour Bradford South 09.06.1994 Bob Cryer Labour Gerry Sutcliffe Labour Dagenham 09.06.1994 Bryan Gould Labour Judith Church Labour Eastleigh 09.06.1994 Stephen Milligan Cons David Chidgey LD Newham North East 09.06.1994 Ron Leighton Labour Stephen Timms Labour Monklands East 30.06.1994 John Smith Labour Helen Liddell Labour Dudley West 15.12.1994 John Blackburn Cons Ian Pearson Labour Islwyn 16.02.1995 Neil Kinnock Labour Don Touhig Labour Perth and Kinross 25.05.1995 Nicholas Fairbairn Cons Roseanna Cunningham SNP North Down 15.06.1995 James Kilfedder UPUP Robert McCartney UK Unionist Littleborough and Saddleworth 27.07.1995 Geoffrey Dickens Cons Chris Davies LD Hemsworth 01.02.1996 Derek Enright Labour Jon Trickett Labour South East Staffordshire 11.04.1996 David Lightbown Cons Brian Jenkins Labour Barnsley East 12.12.1996 Terry Patchett Labour Jeff Ennis Labour Wirral South 27.02.1997 Barry Porter Cons Ben Chapman Labour Quelle: House of Commons Information Office Factsheets

Nach der Wahl Während des Wahlkampfes wurde oft ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Labour-Partei und der Konservativen vorausgesagt. Allerdings gaben viele konservative Wähler in Umfragen nicht zu, dass sie die Tories wählen würden. Dieses Phänomen nannte man Shy Tory Effect, zu dem es 2015 erneut kam. So konnte die Conservative Party zum vierten und bis 2015 letzten Mal eine knappe absolute Mehrheit gewinnen. John Major blieb Regierungschef und bildete seine zweite Regierung. Neil Kinnock trat als Parteivorsitzender der Labour-Partei zurück, um Platz für John Smith zu machen. Nach dessen Tod wurde Tony Blair neuer Vorsitzender. Die zweite Regierungszeit Majors war geprägt durch interne Streitigkeiten in Partei und Regierung und führten dazu, dass seine knappe Mehrheit im Unterhaus 1996 durch verlorene Nachwahlen und Austritte endgültig verloren ging. Die letzten Monate im Amt war er von der Unterstützung der Ulster Unionists abhängig und verlor die folgenden Wahlen 1997 haushoch gegen Labour.

Siehe auch Politisches System des Vereinigten Königreichs

Einzelnachweise

1992 Vereinigtes Konigreich Unterhauswahlen