Das Breviarium extravagantium (auch Compilatio I) ist eine Kanones-Sammlung, die von Bernhard von Pavia 1187 oder kurz danach angelegt worden ist.
Quellen, Inhalt und Struktur Das Breviarium enthält ungefähr 900 Kanones, von denen über 500 den Dekretalen Alexanders III. entnommen sind. Weitere von Bernhard verwendete Rechtsquellen sind Dekretalen anderer Päpste, Beschlüsse von Konzilien und das römische Recht. Im Vergleich zu anderen Dekretalensammlungen enthält die Sammlung viel römisches Recht und viel vorgratianisches (d. h. vor dem Decretum Gratiani in Sammlungen aufgenommenes) Kirchenrecht. Besonders viele Kanones stammen aus dem Registrum epistolarum Gregorii; das Breviarium ist damit die letzte große Sammlung, die die Briefe Gregors des Großen als wichtige Rechtsquelle behandelt.
Das Breviarium ist in fünf Bücher eingeteilt, die jeweils unterschiedlichen Rechtsmaterien gewidmet sind: kirchliches Verfassungsrecht, römisch-kanonischer Prozess, das Recht des Klerus (Weihe, Kirchenbesitz, Benefizien), Eherecht und Strafrecht. Als Merkhilfe für die Gliederung sind seit dem Mittelalter die Stichworte iudex – iudicium – clerus – connubium – crimen üblich. Die Sammlung wurde von der zeitgenössischen Rechtswissenschaft stark benutzt und daher auch glossiert. Das Breviarium diente als Modell für jüngere Dekretalensammlungen, die insbesondere die Gliederung in fünf Bücher übernahmen. Zusammen mit vier weiteren Sammlungen gehört es zu den Quinque compilationes antiquae und wurde als älteste derselben bereits im Mittelalter auch Compilatio prima (Compilatio I) genannt.
Edition Breviarium extravagantium. In:
Übersetzung
In: [Bernhards Vorwort]
Literatur
Weblinks Die Datenbank Clavis canonum erschließt den Inhalt der Sammlung nach Incipit, Explicit, Rubrik, Inskription und anderen Kriterien: https://beta.mgh.de/databases/clavis/db/
Kategorie:Rechtsquelle des Mittelalters Kategorie:Kanones-Sammlung Kategorie:Christentum (12. Jahrhundert) Kategorie:Rechtsquelle (12. Jahrhundert)