mini|Moola Bulla Station (ca. 1951) Die Moola Bulla Station (in der Sprache der lokalen Aborigines Reichlich-Fleisch-Station)Aborigines, vom 15. Nov. 1911. In: Western Mail. S. 51 war eine von der Regierung von Western Australia errichtete und in ihrer Verantwortung geführte Native Cattle Station (Indigene Viehstation) in der Kimberley-Region. Diese Native Cattle Station sollte laut der Regierung die indigene Bevölkerung unterstützen, in der „zivilisierten Welt“ anzukommen, die Methoden der „europäischen Viehwirtschaft“ zu erlernen, sich sesshaft zu machen, für ihre Arbeit entlohnt zu werden und vor allem kein Vieh von Viehzüchtern mehr zu jagen.
Es gab weitere ähnliche Viehstationen in Western Australia, die auch als Government run station bezeichnet wurden: neben der Moola Bulla Station war dies insbesondere die Munja Station. Die kleineren Stationen wurden als Feeding Station bezeichnet; dies waren die Violet Valley Station, La Grange Station und Lombadina Station.
Lage Die Größe der Moola Bulla Station, die im Outback liegt, betrug im Jahr 2011 etwa 6600 km².Aja Styles: The curse of Moola Bulla station strikes again, vom 7. Juli 2011. In: WAtoday Sie befand sich bei Wyndham in der östlichen Kimberley-Region, etwa 20 Kilometer westlich von Halls Creek und 150 Kilometer südlich von Warmun. Das Gebiet von Moola Bulla wurde in der Gründungsphase zu einem Native Reservate (Aborigines-Reservat), ein für die Aborigines geschützter Raum, erklärt und ein 750 ha großes Camp für die lokalen Aborigines ausgewiesen.
Geschichte Vorgeschichte Die britische Kolonisierung im Norden von Western Australia, vor allem in der Kimberley-Region, unterschied sich von der im Südwesten von Western Australia, denn die Anzahl der weißen Siedler war lange Zeit im Norden geringer als die der Aborigines. Erst ab 1862 migrierten erste weiße Siedler in den Norden und in die östlichen Kimberleys ab dem Jahr 1880. Die späte Migrationsbewegung hatte seinen Grund darin, dass der spätere erste Premierminister von West Australia (1890–1901) John Forrest nach einer Expeditionsreise von dem guten Graswuchs berichtete, der sich für die Viehwirtschaft eigne. Weitere 2.000 Europäer drangen zwar ab 1885 in den Norden ein, als am Elvire Creek Gold gefunden wurde. Der Goldrausch endete bald und die Goldgräber verließen den Norden Richtung der Goldfelder Yilgarn oder Coolgardie. Ende des Jahres 1886 lebten in Western Australia insgesamt 39.584 weiße Personen. 1913 lebten weniger als 200 Weiße in den östlichen Kimberleys. Die genaue Anzahl der Aborigines ist zwar nicht bekannt, aber ihre Mehrheit ist unbestritten.
Die wenigen weißen Siedler im Norden waren auf der Suche nach neuem Land, waren bodenständig, kamen zumeist aus New South Wales, Victoria oder Queensland und waren in der Viehwirtschaft erfahren, teilweise erweiterten sie auch ihre bisher vorhandenen Unternehmen. Die Siedler im Süden waren Auswanderer aus Europa und unerfahren in der Landwirtschaft, setzten Risikokapital ein und erwarteten schnelle und hohe Profite.Derrick Tomlinson: Too White to be regardet as a Aborigines, von 2008. In: University of Notre Dame Australia. S. 91–92
Rechtslage Nach dem Land Act 1898 konnten Aborigines im Norden zwar keinen Anspruch auf ihr traditionelles Land erheben, aber sie konnten nicht von ihrem traditionellen Stammesgebieten vertrieben werden, die für die Viehzucht gepachtet wurden. Sie hatten damit das Recht, auf ihrem Land zu leben und ihren Lebensunterhalt „in gewohnter Weise“ zu bestreiten.
Im Süden gab es eine andere Rechtslage, weil Kronland durch Zahlung einer Gebühr einen vorhandenen Native Title löschen konnte. Das bedeutete, dass die Aborigines im Süden rechtlich von ihrem angestammten Land vertrieben werden konnten. Dies hatte zur Folge, dass sich die Anzahl der im Südwesten lebenden Aborigines in dieser Zeit durch die Kolonisierung drastisch und rasant reduzierte.Derrick Tomlinson: Too White to be regardet as a Aborigines, von 2008. In: University of Notre Dame Australia. S. 91–93
In dem Konzept der Native Cattle Stations in den Kimberleys hatten die lokalen Aborigines die Möglichkeit ihr täglich gewohntes Leben entsprechend ihrer kulturellen Zyklen und saisonalen Muster zu leben. Diejenigen, die in dem Camp von Moola Bulla lebten oder Familienmitglieder hatten, die in der Viehstation arbeiteten, konnten Anteil an den zur Verfügung gestellten Lebensmittelrationen nehmen. Dies galt auch für die alten Menschen, die nach Aborigines Law und ihren Gebräuchen leben wollten.Derrick Tomlinson: Too White to be regardet as a Aborigines, von 2008. In: University of Notre Dame Australia. S. 94
Anfang 1900er Jahre war für die Aborigines in den östlichen Kimberleys von Western Australia eine Situation entstanden, in der sie durch die expansive Landnahme der Viehzüchter immer weiter aus ihren ursprünglichen Lebensräumen verdrängt wurden. Sie sahen sich deshalb nicht mehr in der Lage, ihren Nahrungsbedarf an Fleisch durch die Jagd auf Wildtiere zu decken, die ebenfalls durch die Siedler verdrängt worden waren. Deswegen blieb ihnen nur die Möglichkeit, ihren Fleischbedarf durch Jagd des Viehs der Siedler zu decken. Damit waren Konflikte vorprogrammiert. Die Polizei sollte das Vieh der Siedler schützen und mit Patrouillen die Jagd unterbinden. Polizeikräfte drangen aber auch in die Aborigines-Camps ein, zerbrachen die Speere und erschossen die Hunde der Aborigines.Hilary Rumley, Sandy Toussaint: For their own bennefit? A critical Overwiew of Aboriginal Policy and Practice at Moola Bulla, East Kimberley, 1910–1955 (PDF), von 1990. In: Aborigines History. Volume fourteen 1990, hrsg. v. d. Australian National University. S. 89 Jagderfolge dieser Art stellten Eigentumsdelikte dar, die mit Strafen belegt waren, anfänglich mit zwei Jahren und später mit einem bis zu sechs Monaten Haft. Für die Regierung war diese Bestrafung ein weiteres Problem, weil eine Haft staatliche Kosten nach sich zieht, dies verschärft vor dem Hintergrund geringer Gefängniskapazitäten und angesichts überfüllter Gefängnisse im Norden von Western Australia. Außerdem hatten Viehzüchter einen Anspruch auf Schadensersatz von £ 2 je erlegten Nutztier, den sie bei der Regierung von Western Australia geltend machen konnten.Derrick Tomlinson: Too White to be regardet as a Aborigines, von 2008. In: University of Notre Dame Australia. S. 96
Daraufhin entstand ein neues Konzept, maßgeblich vom damaligen Chief Protector of Aborigines Henry Charles Prinsep initiiert, das die Regierung in die Pflicht nahm. Diese war für die Welfare of Aborigines (Wohlfahrt der Aborigines) zuständig und sollte eine Viehstation in einem geeigneten Gebiet aufbauen. Eingesetzt werden sollte ein Verwalter mit drei oder vier weißen Angestellten. Auf dem Gelände sollten Pferde, Rinder und Angoraziegen gezüchtet werden. Diese von der Regierung installierte Viehstation hätte sich durch den Verkauf von gezüchtetem Vieh nach einigen Jahren selbst finanzieren sollen. Aborigines sollten dort arbeiten und als Gegenleistung ihren Fleischbedarf aus dem Vieh der Station decken können.Hilary Rumley, Sandy Toussaint: For their own bennefit? A critical Overwiew of Aboriginal Policy and Practice at Moola Bulla, East Kimberley, 1910–1955 (PDF), von 1990. In: Aborigines History. Volume fourteen 1990, hrsg. v. d. Australian National University. S. 82
Entgegen den Erklärungen der Regierung beziehungsweise des amtierenden Chief Protector of Aborigines Frederick Charles Gale, der nach Henry Charles Prinsep in dieses Amt kam, standen keineswegs die Interessen der Aborigines, sondern für ihn vor allem finanzielle Aspekte im Vordergrund. Bereits zwei Jahre nach Errichtung der Moola Bulla Station gab die Regierung bekannt, dass nachdem die Aborigines genügend Fleisch erhalten hatten und man ihnen ein Zuhause gegeben und ihnen erlaubt hatte, zu gehen und zu kommen, wann sie wollten, sie auch kein Vieh der Farmer mehr bejagten.Derrick Tomlinson: Too White to be regardet as a Aborigines, von 2008. In: University of Notre Dame Australia. S. 90
Aborigines Act 1905 Nach der Verabschiedung des Aborigines Act 1905, ein Gesetz in Western Australia, das in ähnlicher Form auch in anderen Bundesstaaten verabschiedet wurde, sollten die jährlichen Kosten im Regierungshaushalt für die Welfare of Aborigines £ 10.000 betragen. Nach einer genaueren Berechnung von 1910 bis 1911 kam man allerdings auf £ 16.515. Nicht berücksichtigt waren die Kosten für den Betrieb der Lock Hospitals auf Bernier und Dorre Island, die Kosten für die sieben Aborigines-Missionsstationen mit den seinerzeit 249 deportierten Aborigines-Kindern und die Kaufsumme für die Moola Bulla Station mit £ 18.061. Die Gesamtsumme belief sich damit auf etwa £ 44.500.
Der nach der Amtsenthebung von Gale ins Amt getretene Chief Protector of Aborigines, A. O. Neville, war ein engagierter Verfechter der Entfernung der Aborigines-Kinder von ihren Familien und Aborigine-Traditionen. Auf diesem Weg sollten sie besser in das „zivilisierte Leben der Weißen“ integriert werden, so seine Vorstellung. Neville begriff die von der Regierung betriebenen Viehstationen als ein Modellprojekt in seinem Sinne. Er erweiterte die Aufgaben der Viehstation, denn er wollte die Aborigines-Missionsstationen im Nordwesten von Western Australia, in die Aborigines-Kindern aufgrund seiner Weisungen deportiert waren, in die Viehstationen umsiedeln, um Kosten zu senken. Um diese Überlegungen zu realisieren, sollte ein Leiter der Viehstationen neben seinen fachlichen Aufgaben für die Viehzucht und als Arbeitgeber der dort arbeitenden Aborigines auch die Erziehungsverantwortung der Aborigines-Kinder übernehmen, Die Regierung hatte mit dem Aborigines Act 1905 dem jeweils amtierenden Chief Protector die Kompetenz zugewiesen, über den Aufenthalt der Aborigines-Kinder und der sogenannten Half caste (Halb-Aborigine und Halb-Weiß) zu verfügen. Des Weiteren sollten nach A. O. Neville Aborigines-Familien gegen ihren Willen auf den Viehstationen zwangsweise auf Dauer deportiert und damit sesshaft gemacht werden.Moola Station, ohne Datum, In: National Centre for Indigenous Genomics A. O. Neville gilt als einer der Väter der Gestohlenen Generation, einer Generation von Aborigines, die ihren Eltern entrissen wurden.
1910er Jahre Ende Juni 1912 wurde auf Moola Bulla Station 13.000 Nutztiere gezählt, das waren 140 Tiere mehr als Jahr 1910, dem Jahr der Gründung. Im Vergleich hierzu wurden Ende Juni 1913 ebenfalls 13.000 Tiere gezählt, allerdings wurden im Verlauf des Jahres 1913 650 Tiere verkauft und 400 für den Eigenverbrauch an der Station geschlachtet. 40 Pferde waren 1913 vorhanden und auch damit eine Steigerung erzielt worden, denn im Zeitraum 1910 bis 1913 waren 40 Pferde verkauft worden.Treatment of Aborigines, vom 13. Mai 1913. In: Western Argus
1916 wurde die Nutzfläche von Moola Bulla um 2000 km² erweitert. Im gleichen Jahr konnten 13.000 Nutztiere und 500 Pferde gezählt werden.A trip through Kimberley, vom 8. August 1916. In: West Australian