Die Autokraft GmbH ist ein Omnibus-Verkehrsunternehmen in Schleswig-Holstein. Sie ist eine Tochtergesellschaft von DB Regio und gehört innerhalb des DB-Konzerns zum Geschäftsfeld DB Regio Bus Nord. Die Autokraft betreibt im Auftrag des jeweiligen ÖSPV-Aufgabenträgers den Regionalbusverkehr in Schleswig-Holstein und in einigen Städten auch den örtlichen Stadtbusverkehr. Weiterhin betreibt die Autokraft, mit mehreren Partnern, das ÖPNV-Modellprojekt SMILE24 an Schlei und Ostsee.
Geschichte mini|Logo der Autokraft in den 2000er Jahren Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Autokraft am 15. Juli 1945 vom aus Danzig geflüchteten Kurt Löwenthal in Kiel als Privatunternehmen (wieder) gegründet. Mit zwei Fahrzeugen und der Genehmigung der britischen Besatzungsmacht bediente er die Linie Kiel–Schilksee. Bereits 1945 konnten fünf weitere gebrauchte Busse organisiert und in der eigenen Werkstatt aufgearbeitet werden. Es kamen eigene Überlandlinien nach Ostholstein bis zur Fehmarnsundfähre hinzu. Im Jahr 1946 hatte die Autokraft GmbH zehn Busse und einen Busanhänger, 30 Personen waren beschäftigt. Ende der 1940er Jahre konnten erste Neufahrzeuge (hauptsächlich von Büssing) beschafft werden. Es gab Ausflugsfahrten zu den Badeorten an der Lübecker Bucht und nach Bad Harzburg, auf denen ein Bus mit Steward eingesetzt wurde, der Getränke reichte. Für Amerikaner wurden Europa-Rundreisen durchgeführt.
Im Jahr 1948 beteiligte sich die Autokraft GmbH mit 30 % an der ebenfalls von einem Flüchtling in Kiel gegründeten Verkehrs-Union GmbH, die Linienverkehr nach Flintbek und Schierensee sowie eine Fernlinie zur „Viermächte“-Stadt Berlin betrieb. Da die Konzessionen von Buslinien in Schleswig-Holstein bevorzugt an Privatunternehmen vergeben wurden, hatte die erst 1949 neu gegründete Deutsche Bundesbahn nur wenige davon. Diesen Mangel versuchte sie durch den Aufkauf dieser Privatunternehmen zu beheben. So übernahm sie 1951 die Autokraft GmbH, die Verkehrs-Union GmbH und die ebenfalls nach dem Krieg von einem Flüchtling gegründete Segeberger Verkehrsbetriebe GmbH (SVB), die als privatrechtlich geführte Tochterunternehmen weitergeführt wurden. Die Autokraft übernahm dabei die unternehmerische Führung. Die Lackierung der Busse änderte sich bei den beteiligten Betrieben in einen cremefarbenen Grundton mit zwei Grüntönen, der das vorherige leuchtende Rot mit Beige ersetzte.
Bereits 1952 übernahm die Autokraft die restlichen 70 % der Verkehrs-Union in Kiel. In der Von-der-Tann-Straße wurde ein größerer Betriebshof bezogen, der bis 1983 auch als Firmensitz diente.
Am 18. Mai 1952 gab es folgende Buslinien der Autokraft:Blitzo-Kursbuch mit sämtlichen Autobus-Linien. Gültig ab 18. Mai 1952, Verlag Christian Wolff, Flensburg 1952; S. 77–132 Fernlinie: Kiel Hbf – Preetz, Markt – Plön, Markt – (Malente) – Eutin, Markt – Süseler Baum – Lübeck Hbf – Schwerin – Ludwigslust – Perleberg – Kyritz – West-Berlin, Stuttgarter Platz (Einzelfahrt, mo, mi, fr ab Kiel, di, do, sa ab Berlin) Fernlinie: Flensburg ZOB – Flensburg Bf – Schleswig – Eckernförde Bf – Kiel Hbf – Plön Bf – Eutin Bf – Lübeck Hbf – Ratzeburg – Mölln Bf – Schwarzenbek Bf – Lauenburg – Hohnstorf – Lüneburg Bf – Uelzen – Gifhorn – Braunschweig Hbf – Wolfenbüttel – Bad Harzburg (Einzelfahrt im Auftrag der Bundesbahn) Kiel Hbf – Neuwittenbek – Schinkel – Königsförde Kiel Hbf – Molfsee – Flintbek Kiel Hbf – Wellsee – Rönne – Honigsee Kiel Hbf – Mielkendorf – Rodenbek – Hohenhude Kiel – Molfsee – Rumohr – Schierensee Kiel Hbf – Raisdorf Bf – Selent – Lütjenburg, Markt – Oldenburg, Markt – Heiligenhafen – Lütjenbrode – Großenbrode, Fähre Kiel Hbf – (Elmschenhagen – Raisdorf Bedienungsverbot von/bis Kiel –) Preetz – Plön Bf Casinobus: Kiel Hbf – Preetz, Markt – Plön, Markt – Malente Bf – Lübeck-Travemünde, Casino (nur Einzelfahrt mi, sa, so, nachmittags hin, nachts zurück) Kaköhl – Hansühn − Harmsdorf − Lensahn − Oldenburg – Neukirchen Bf Die Segeberger Verkehrsbetrieb GmbH, die ab 1965 als Autokraft weitergeführt wurde, betrieb 1952 folgende Linien: Bad Segeberg – Neumünster, Großflecken – Kiel Hbf (nur Einzelfahrt di und fr, morgens hin, 15 Uhr zurück) Bornhöved – Trappenkamp – Rickling – Schackendorf – Bad Segeberg (nur werktags tagsüber) Schlamersdorf – Berlin – Gnissau – Wensin – Warder – Bad Segeberg (nur werktags) Ascheberg Bf – Dersau – Stocksee – Schlamersdorf – Krems II – Warder – Bad Segeberg (nur werktags) Strenglin – Pronstorf – Goldenbek – Westerrade – Geschendorf – Söhren – Weede – Bad Segeberg (nur werktags) Bad Segeberg – Fahrenkrug – Wahlstedt – Wahlstedt, Arsenal Seth – Groß-Niendorf – Leezen – Neversdorf – Schwissel – Klein-Gladebrügge – Bad Segeberg (nur werktags)
Die Rendsburger Omnibus-Verkehrsgesellschaft mbH Auto Peifer (ROVG) betrieb 1952 folgende Buslinien:Blitzo-Kursbuch mit sämtlichen Autobus-Linien. Gültig ab 18. Mai 1952, Verlag Christian Wolff, Flensburg 1952; S. 117/118 Rendsburg – Fockbek – Hohn – Friedrichsholm – Christiansholm – Erfde Rendsburg – Fockbek – Elsdorf – Hamdorf – Breiholz, Kanalfähre Rendsburg – Jevenstedt – Legan – Embühren – Haale – Lütjenwestedt – Gokels – Schenefeld Rendsburg – Jevenstedt – Legan – Barlohe – Todenbüttel – Gokels – Hademarschen – Bendorf – Holstenniendorf – Wacken – Vaale 1957 wurde die Rendsburger Omnibus-Verkehrsgesellschaft von der Deutschen Bundesbahn (DB) und der Deutschen Bundespost (DBP) übernommen. Sechs der Überlandlinien gingen an die DBP, den Rest betrieb die DB unter der Führung der Autokraft weiter.
1960 wurde die Firma Wilhelm Langbehn in Timmendorfer Strand mit neun Bussen und 16 Beschäftigten und u. a. der Linie Niendorf – Timmendorfer Strand – Hemmelsdorf / Pansdorf – Ratekau – (Schwartau) – Lübeck Hbf übernommen. Sie wurde in die Verkehrs-Union GmbH überführt, die zu diesem Zweck von der Autokraft reaktiviert wurde. Aufgrund der Geltendmachung der Namensrechte von einer anderen Firma wurde der Name in Ostsee Omnibus GmbH & Co. (OOG) geändert. In die OOG wurden auch der Bahnbusverkehr im Raum Lübeck und die Firma Oldesloer Verkehrsbetriebe H. Guske in Bad Oldesloe einbezogen. Die Oldesloer Verkehrsbetriebe H. Guske betrieben bereits 1952 folgende Buslinien im Bereich des Kreises Stormarn:Blitzo-Kursbuch mit sämtlichen Autobus-Linien. Gültig ab 18. Mai 1952, Verlag Christian Wolff, Flensburg 1952; S. 155–157 Bad Oldesloe, Markt – Kreiskrankenhaus – Wolkenwehe – Tralau – Nütschau – Wolkenwehe – Kreiskrankenhaus – Bad Oldesloe, Markt (nur 3 Fahrten mo/mi/sa) Bad Oldesloe, Markt – Friedhof – Blumendorf – Neritz – Elmenhorst – Bargteheide – Delingsdorf – Ahrensburg Bf Bad Oldesloe – Bargteheide – Hammoor – Todendorf – Hoisdorf – Siek – Papendorf – Langelohe – Stemwarde – Neuschönningstedt, Heidkrug – Glinde – Schönningstedt – Reinbek Bf (nur Einzelfahrten mo–fr) Bad Oldesloe, Markt – Pölitz – Barkhorst – Lasbek – Tremsbüttel – Bargteheide – Delingsdorf – Ahrensburg Bf Bad Oldesloe, Markt – Kneeden – Steinfelder Hude – Benstaben – Meddewade – Sehmsdorf – Bad Oldesloe, Markt (nur 3 Fahrten di/do/sa) Rehhorst – Zarpen – Heilshoop – Lang Niendorf – Mönkhagen – Eckhorst – Lübeck (nur werktags) Rehhorst – Zarpen – Fliegenfelde – Dahmsdorf – Badendorf – Groß Steinrade – Mori – Lübeck (nur werktags) Rehhorst – Zarpen – Reinfeld Bf – Lokfeld-Barnitz – (Trendhorst – Wulmenau – Ahrensfelde) – Westerau – Rethwischdorf – Bad Oldesloe, Markt (nur werktags) Bad Oldesloe, Markt – Friedhof – Blumendorf – Neritz – Elmenhorst – (Nienwohld) – Bargfeld – Kayhude, Heidkrug – Puckaff – Glashütte – Hamburg-Langenhorn, Ochsenzoll Bf Wilstedt – Tangstedt – Puckaff – Glashütte – Hamburg-Langenhorn, Ochsenzoll Bf (wurde von der VHH übernommen)
Weitere Entwicklung Jahr bzw. Jahre Ereignis1963 Die Kiel-Hamburger Autobus-Fernfahrt GmbH wurde von der Bundesbahn erworben, die unternehmerische Führung wurde ebenfalls der Autokraft übergeben.1965 Die bisher unter eigenem Namen aufgetretenen Tochterunternehmen Kiel-Hamburger Autobus-Fernfahrt GmbH, Ostsee Omnibus GmbH (OOG), Rendsburger Omnibus-Verkehrsgesellschaft mbH (ROVG) und Segeberger Verkehrsbetrieb GmbH (SVB) wurden in die Autokraft integriert.1970 Die Autokraft hatte rund 300 Beschäftigte. Dabei wurden 110 Busse auf 64 Linien eingesetzt. Durch die Neuordnung des Schulsystems mit der Auflösung der weiterführenden Schulen in den kleinen Orten entstand ein größerer Bedarf an Schulverkehren.1975 bis 1980 Die Bundesregierung beschloss, die Buslinien der Deutschen Bundespost und der Deutschen Bundesbahn in privatrechtlich geführte regionale Verkehrsgesellschaften zu überführen. Hierfür wurden zunächst einige Modellregionen ausgewählt, in denen die Regionalisierung getestet werden sollte. Im Rahmen dieses Modellversuches übernahm die Autokraft am 1. Januar 1976 den landesweiten Postreisedienst der Deutschen Bundespost in Schleswig-Holstein (OPD Kiel). Durch die Übernahme des Bundespost-Personals gab es Schwierigkeiten mit dem Dienstrecht zu bewältigen. Durch die Übernahme kamen 94 Postbusse zur Autokraft, die die Wagennummern der 400er Gruppe bekamen und teilweise in die Autokraft-Farben umlackiert wurden. 1978 bekam die Autokraft eine neue Muttergesellschaft, die Vereinigte Bundesverkehrsbetriebe GmbH (VBG), die zu 52,85 % von der Deutschen Bundesbahn und zu 47,15 % von der Deutschen Bundespost gehalten wurde.1982 bis 1983 Die Autokraft übernahm auch den Postbus-Stützpunkt in Hamburg-Bergedorf mit seinen neun Postbussen und sieben Regionalbuslinien zum Kreis Herzogtum Lauenburg. Am 1. November 1982 wurden schließlich die letzten vier Bahnbuslinien in Schleswig-Holstein, die bisher von der Bahnbus-Verkehrsstelle Hamburg Hbf geleistet wurden, an die Autokraft übergeben. Dadurch wurde die Autokraft das landesweit größte Omnibusunternehmen. Am 10. September 1983 wurde in Kiel-Wellsee ein neuer Betriebshof für die im Kieler Raum eingesetzten Busse mit Zentralwerkstatt eingeweiht.1996 Im Rahmen der Bahnreform wurde zum 1. Januar 1996 die DB ZugBus Schleswig-Holstein gegründet, eine 100%ige Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG. Zu ihr gehörten die Autokraft (Bus) und die Regionalbahn Schleswig-Holstein (Zug). Diese Organisationsform wurde mittlerweile aufgegeben, die Autokraft kam zur DB Regio AG. Das Unternehmen war Mitglied im Verbund der Berlin Linien Bus.2001 Der Touristik-Reiseverkehr wurde am 1. April 2001 an die Firma Minicar in Kiel verkauft, die dabei mit der Firma Neubauer-Reisen in Flensburg und weiterhin mit der Autokraft zusammenarbeitete, bis sie Anfang 2003 dieses Touristik-Geschäft wieder abgab.Vineta – Über 40 Jahre Mobilität im Norden – Expansion im Busgeschäft (2001–2003) vineta.net, abgerufen am 18. September 20252004 Die Autokraft übernahm das in Husum für den örtlichen Stadtbusverkehr zuständige Busunternehmen Husumer Verkehrsbetriebe Grunert.2006 Die Autokraft übernahm das in Eutin für den örtlichen Stadtbusverkehr zuständige Busunternehmen Omnibusbetrieb Otto Nölte. 2022 Die Autokraft erhielt sechs Neoplan Skyliner-Doppeldeck-Reisebusse, diese werden im Auftrag der DB Regio Schleswig-Holstein auf der X85 Expressbuslinie Lübeck – Puttgarden eingesetzt. Die Autokraft erhielt die ersten Elektrobusse vom Hersteller BYD. Die Fahrzeuge sollen an den Standorten Bad Segeberg, Eutin, Heide/Meldorf und St. Peter Ording stationiert werden.2023 Seit Februar werden vom Standort Eutin drei Elektrobusse vom Hersteller BYD eingesetzt. Seit März werden vom Standort Bad Segeberg 10 Elektrobusse vom Hersteller BYD eingesetzt. Seit Juni werden im Kreis Nordfriesland Elektrobusse eingesetzt. Mehrere Fahrzeuge im Kreis Ostholstein, Standort Neustadt in Holstein, werden fortan mit klimafreundlichem HVO-Biokraftstoff betrieben.