Trothe Optik ist ein 1817 gegründetes Augenoptik-Unternehmen aus Halle (Saale) und zählt zu den ältesten Augenoptik-Betrieben weltweit.

Geschichte 1817–1889: Familienunternehmen Der 1785 geborene Johann Wilhelm Trothe war der erste Brillenmacher der Familie, Gründer des in Halle-Glaucha gelegenen Familienunternehmens. Möglicherweise erlernte Johann Wilhelm Trothe an der damals noch zu den Franckeschen Stiftungen gehörenden Schule von Glaucha Fähigkeiten im Drechseln und Schleifen von Glaslinsen und erlangte Grundkenntnisse zur Anfertigung von Mikroskopen und Brillen.August Hermann Francke: Kurzer Bericht Von der Gegenwärtigen Verfassung Des Paedagogii Regii Zu Glaucha vor Halle / Aus der vormals schon edirten, nunmehro aber in vielen Stücken nach und nach verbesserten Ordnung und Lehrart herausgezogen und wiederholet, Halle 1713, S. 48 f., 29. 1817 ist er erstmals in der Gewerbesteuerrolle als Mechanikus in den Franckeschen Stiftungen nachweisbar. Außerdem erwarb er gegen Leistung von Abgaben an die städtische Kämmerei das Bürgerrecht. Erst dieser Status ermöglichte den Betrieb von Werkstatt und Laden, den Kauf eines Hauses sowie einen weiteren wirtschaftlichen Aufstieg. Am 14. Juni 1817 eröffnete er ein Geschäft in der Rannischen Straße Nr. 504 in der Altstadt. Kurz darauf erwarb Trothe für 360 Reichstaler das Haus Nr. 1686 am Steinweg in Glaucha und zog 1818 dorthin um.StaH H C 6,3 S. 10 Besitzveränderungen und dabei gezahlter Kaufschoß 1817–1823, HPW, 43. Stück, 24. Oktober 1818, S. 772.

Im Jahr 1817 wurde zudem sein Sohn Johann Andreas Wilhelm Carl Louis geboren,Kirchenbuch St. Ulrich Halle, Taufregister 1817, S. 25, Nr. 504. nach dem das Unternehmen später benannt wurde. Zwei Jahrzehnte später war dieser Gehilfe und neben dem Lehrling auch ein Handarbeiter beim Mechanicus Trothe angestellt.StaH Urbevölkerungsliste 1840, Lfd. Nr. 214. Trothe hatte anschließend Kontakte zur Leitung des klinischen Instituts für Chirurgie und Augenheilkunde der halleschen Universität.Hallisches Patriotisches Wochenblatt, 13. Februar 1827.

1845 starb der Firmengründer, Mechanicus Trothe, im 62. Lebensjahr.Todesangabe in Hallisches patriotisches Wochenblatt vom 13. September 1845, S. 1182. Zudem erschien ein preisendes Gedicht am 23. September, S. 1225f. Dessen Sohn, Carl Trothe, übernahm im Alter von 28 Jahren das Geschäft und führte es ab 1847 im Haus Nr. 232 in der Rathausgasse fort.Anzeige in Hallisches patriotisches Wochenblatt vom 4. Dezember 1847, S. 1668. 1851 erwarb er das Bürgerrecht und – aufgrund einer Einzahlung von mehr als 21 Talern in die städtischen Kassen – das Haus Nr. 492 in der Schmeerstraße (später Nr. 23), eines der ältesten der Stadt.Schmeerstraße 492 nach Straßennummerierung 1855 zunächst Nr. 23, nach 1893 Nr. 11. Er wurde am 23. September 1880 zum „Hofopticus“ ernannt.Hallesche Zeitung, Nr. 224, 2. Beilage, 24. September 1880 o. S. 1883 verstarb Carl Trothe in Teplitz, wahrscheinlich während eines Kuraufenthalts.Laut Auskunft des Thüringischen Staatsarchivs Meiningen am 9. August 1883.

Sohn Rudolf folgte nach dem Tod des Vaters im Geschäft. Am 20. August 1883 wurde ihm durch Dekret das ehrenvolle Prädikat verliehen.Hallesches Tageblatt Nr. 195, 23. August 1883. So bezeichnete er sich fortan im Adressbuch als „Hofoptikus Sr. Hoheit des Herzogs von Sachsen-Meiningen in Fa. C. W. Trothe“.Adreß-Buch für Halle und Giebichenstein 1884, S. 170.StaH A 2.4 Schmeerstraße 11. Mit dem Tod von Rudolf Trothe 1889 endete die Ära der Mechaniker und Optiker der Familie Trothe.

1890–1927 mini|Zeitstrahl der 200-jährigen Geschichte der Firma Trothe-Optik Wohl im Hinblick auf bestehende Geschäftsbeziehungen übergab die Witwe des verstorbenen Rudolf Trothe das Geschäft mit Lager und Werkstatt für optische und physikalische Instrumente an Carl Bohnstedt aus Rathenow. Dieser bekundete, die Firma C. W. Trothe in unveränderter Weise fortzuführen. Bohnstedt bezog sicher Gläser und Fassungen aus einer der Rathenowschen Werke und fertigte daraus individuell für seine Kunden Brillen an. Er starb im November 1893 im Alter von nur 38 Jahren. Die Witwe Marie führte das Geschäft in der Schmeerstraße zunächst weiter und verkaufte es schließlich 1894 an den Optiker Karl Michaelis, der es unter gleicher Firma weiterführte.Saale-Zeitung Nr. 542, 2. Beiblatt, 18. November 1894, o. S. Er war wie schon sein Vorgänger Bohnstedt vorher in Rathenow, also in der Optischen Industrie-Anstalt Emil Busch tätig. Darüber hinaus stammte er möglicherweise aus der Familie des 1859 ebenfalls in Rathenow gegründeten Optikunternehmens Michaelis & Co.

1896 ist Michaelis in der Poststraße 11 (heute Hansering) zu finden.Adreß-Buch für Halle a. S., Giebichenstein, Trotha und Cröllwitz 1897, S. 276.

Neben den optischen Artikeln wurden z. B. Anfertigungen mechanischer Arbeiten, Lehrmittel aller Art und fotografische Gegenstände wie Hand- und Stativkameras, Objektive, Blitzlampen und anderes Zubehör angeboten.StaH Grundsteuerakten Poststraße 11. Der Optiker Karl Seewald führte von 1900 bis 1901 als Inhaber das Geschäft. Dieser starb im Juni 1901. Im Februar 1902 war Karl Michaelis als Inhaber verzeichnet.StaH Sterberegister 1087/1901 Halle-Süd; Saale-Zeitung Nr. 298, 28. Juni 1901 sowie Nr. 436, 17. September 1901; Wiederholung in Nr. 438 vom 18. September 1901 und Nr. 440, 19. September 1901.Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Merseburg: C 110 Nr. 1354 Eintrag A 10. Laut Adressbuch ist er ab 1903 an der Ecke zur Leipziger Straße und gegenüber vom Leipziger Turm zu finden.Adreß-Buch für Halle a. S. nebst Ammendorf (…) 1903, S. 431.

Unter dieser Warenfülle entdeckt der Betrachter eher beiläufig den Hinweis auf die in dieser Zeit wirkenden Inhaber Karl Michaelis und Erich Norgall. Seit 1905 arbeitete der Optiker Erich Norgall mit kurzzeitiger Unterbrechung bei C. W. Trothe. Wie das Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts Halle ausweist, trat er am 1. Januar 1916 in die neu gegründete offene Handelsgesellschaft der Firma als persönlich haftender Gesellschafter ein.Mitteilung des Königlichen Amtsgerichts, Abt. 19, Handelsregister Abt. A Nr. 10; vgl. Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abt. Merseburg: C 110 Nr. 1354 Eintrag A 10. Während Karl Michaelis seit Norgalls Mitwirkung sich nur noch als Kaufmann betätigte, übernahm jener die Aufgaben des Optikers.Karl Michaelis im Adressbuch Halle geführt: 1903 und 1904 als Optiker, 1905 als Kaufmann und Optiker, ab 1906 als Kaufmann. 1917 erfolgte ein Umzug der Geschäftsräume in die Große Steinstraße 16. Neben zahlreichen Geschäften, Hotels, Gaststätten und Banken hatten dort mehrere Augenärzte ihre Praxis.Siegmar von Schultze-Gallera: Topographie der Stadt Halle, Bd. 1, Halle 1920, S. 107.

Am 29. Oktober 1913 wurden bei Trothe erstmalig von Moritz von Rohr entwickelte Zeiss-Punktalgläser verkauft, welche das Gesichtsfeld des Brillenträgers im Vergleich zu herkömmlichen Gläsern wesentlich vergrößerten. mini|Geschäftsfassade in der Großen Steinstraße (1928)

Schutzbrillen sollten die Arbeiter in den Fabriken vor Funken, Splitter und Staub schützen und standen nun oft in den Auftragsbüchern. Die Kundenbücher weisen dabei besonders viele Kassenbrillen aus. Durch das 1883 in Deutschland in Kraft getretene Gesetz zur Krankenversicherung erhielten die in Handwerk und Industrie Beschäftigten freie ärztliche Behandlung und konnten sich auch unentgeltliche Sehhilfen verordnen lassen, deren Kosten von den Krankenkassen übernommen wurden.

1916 hatte die Medizinalabteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums die Einführung einer einheitlichen Militärbrille angeordnet, um die Tauglichkeitsgrenze für Männer mit Augenfehlern heraufsetzen zu können. Sehbehinderte Männer wurden nach Verordnung einer solchen Brille verstärkt zum Kriegsdienst eingezogen. Ebenso gab es spezielle Brillenfassungen, die als Maskenbrillen mit einfachen Stoffschlaufen am Ohr befestigt und unter der Gasmaske getragen werden konnten.

Wie auch für andere Firmen brachte die Inflation eine maßgebliche Beeinträchtigung des Geschäftslebens.Saale-Zeitung Nr. 208, 11. Juli 1922, o. S. Eine Brille für eigentlich 10 Mark kostete unter Beachtung des Tageskurses am 30. Oktober 1923 über 59 Milliarden Mark.Auftragsbuch der Firma Trothe 1919–1925, Eintrag vom 11. und 30. Oktober 1923. Bestellt wurden in dieser Zeit nur Brillen und Schutzbrillen durch Kranken- und Betriebskrankenkassen, während private Kunden ausblieben. Nicht unbedingt notwendige Artikel wie Operngläser und Barometer fanden in dieser Zeit keinen Absatz.

Neuer Inhaber (1928–1945) Im Januar 1928 trat Karl Michaelis aus der Firma aus. Damit wurde der bisherige Mitgesellschafter Erich Norgall Alleininhaber der Firma und übernahm nun die Geschäftsführung.Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abt. Merseburg: C 110 Nr. 1354 Eintrag A 10. Mit ihm trat ein Mann voller Enthusiasmus und mit der nötigen Erfahrung an die Spitze, der das Geschäft mit Weitblick und Tatkraft durch Höhen und Tiefen, durch Kriegs- und Nachkriegszeit und Jahrzehnte der DDR führte.

Der 1886 in Königsberg geborene Norgall erhielt in seinem Heimatort eine Ausbildung bei der Firma J. C. Schloesser, dem 1825 gegründeten „Ersten und ältesten optisch-mechanischen Institut in Königsberg“.Reklame der Firma J. C. Schloesser vor 1922. Nach vierjähriger Lehrzeit und einjähriger Arbeit im Geschäft kam Erich Norgall 1905 nach Halle. Abgesehen von einem kürzeren Aufenthalt bei dem Hofoptiker Grünwald in Frankfurt am Main arbeitete er seitdem ununterbrochen bei C. W. Trothe und legte 1909 als erster Optiker Mitteldeutschlands vor der Meisterprüfungskommission in Halle die Meisterprüfung ab.LDZ 1. Juli 1955 Nr. 151 Seit 1. Januar 1916 war er zudem Teilhaber bei C. W. Trothe. Besonders für die fachmännische Anpassung der neuen, durch den von Carl Zeiss beauftragten wissenschaftlichen Mitarbeiter Moritz von Rohr entwickelten Punktal-Brillengläser erwies sich die qualifizierte und erweiterte Ausbildung der Optiker als zwingend notwendig. So besuchte Erich Norgall 1921 und 1923 die ersten Brillen- und Instrumentenkurse an der Staatlichen Optikerschule in Jena. Zum Unterricht gehörten wissenschaftliche, technische und kaufmännische Fächer. Neben theoretischen Grundlagen zum Auge und den optischen Instrumenten wurden Techniken bei der Bearbeitung von Brillengläsern und Herstellung von Fassungen vermittelt.Otto Henker: Die Optikerschule in Jena, 1918, S. 56–60. Am 4. November 1921 bestand Erich Norgall die Abschlussprüfung als Diplom-Optiker. Fünf Jahre später, 1926, wurde er erster Obermeister in der gerade gegründeten Zwangsinnung für das Optiker-Handwerk im Regierungsbezirk Merseburg. Neue Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der Firma eröffneten sich für Erich Norgall ab 1928 mit Übernahme der Geschäftsführung. Bereits im Mai/Juni 1928 ließ er in kürzester Zeit das Geschäft umbauen und durchgehend modernisieren. Entsprechend der Erfordernisse des ständig wachsenden Betriebes war der frühere Laden um mehr als das Doppelte vergrößert worden.Saale-Zeitung Nr. 130, 5. Juni 1928. Neben Erich Norgall waren fünf Mitarbeiter im Verkauf und der Werkstatt tätig, um den Wünschen der Kunden gerecht zu werden.Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abt. Merseburg: C 110 Nr. 927 B. 351–352. Die Kunstgewerbliche Anstalt Richard Scheibe befestigte schließlich ein neues Werbeschild mit dem heute noch gebräuchlichen abstrakten wie zeitlosen Logo.Akte zum Umbau des Geschäfts, Bauzeichnungen, Privatbesitz. Die von Scheibe signierte legt nahe, dass der Entwurf von ihm, nicht von Lindner stammt. Die Kombination eines waagerechten und senkrechten Balkens mit zwei Kreisen weist auf den Anfangsbuchstaben des Firmennamens und assoziiert gleichzeitig eine Brille.