I due Figaro o sia Il soggetto di una commedia ist eine Oper in zwei Akten von Michele Carafa (Musik) mit einem Libretto von Felice Romani nach dem Theaterstück Les deux Figaro von Honoré-Francois Richaud („Martelly“). Sie wurde am 6. Juni 1820 im Teatro alla Scala in Mailand uraufgeführt.

Handlung

Die Oper spielt zwölf Jahre nach Figaros Hochzeit mit Susanna. Die handelnden Personen haben sich mittlerweile charakterlich deutlich verändert. Die Gräfin ist mit der Tochter Inez aus dem Schloss ihres Mannes ausgezogen, und auch Figaro und Susanna zeigen keine Liebe mehr füreinander. Figaro ist völlig skrupellos geworden und interessiert sich nur noch für Geld. Cherubino dagegen ist nach seiner Militärzeit zu einem selbstbewussten Mann herangewachsen. Er liebt Inez. Um unerkannt in ihre Nähe zu kommen und ihr beistehen zu können, bewirbt er sich unter dem Namen Figaro mit einem angeblichen Empfehlungsschreiben Cherubinos beim Grafen um eine Stellung. Der echte Figaro hat den Grafen allerdings davon überzeugt, Inez einem gewissen Don Alvaro zur Frau zu geben. Dieser ist in Wirklichkeit nur ein einfacher Stallknecht namens Torribio und hat Figaro als Gegenleistung für seine Vermittlung die Hälfte der Mitgift versprochen. Eine weitere neue Gestalt ist der Dichter Plagio (‚Plagiat‘), dem Figaro versichert hat, er werde hier ein gutes Sujet für seine neue Komödie finden. Damit ist natürlich der Betrug an dem Grafen und dessen Tochter gemeint, den Figaro mit Plagios Hilfe literarisch verewigen will. Susanna und die Gräfin unterstützen Inez bei ihren Bemühungen, die unerwünschte Zwangsheirat zu verhindern.

Erster Akt

Park vor dem Schloss des Grafen von Almaviva; auf einer Seite eine große Tür mit dem mit Blumen umkränzten gräflichen Wappen; auf der anderen Seite ein großer Bogen, der zu einer mit Girlanden geschmückten Allee führt

Szene 1. Während einige Dorfbewohner letzte Hand an den Schmuck legen, feiern die Vasallen des Grafen zusammen mit Bauernmädchen die Rückkehr der Gräfin und ihrer Tochter Inez, deren Hochzeit mit Don Alvaro bevorsteht (Chor: „Compagni, al suon dei pifferi“).

Szene 2. Don Alvaro und der Dichter Plagio treffen ein. Während die beiden auf Figaro warten, erläutern sie in Selbstgesprächen ihre Pläne und Absichten.

Szene 3. Figaro begrüßt seine Freunde (Aria d’Introduzione: „Bravi amici, va benone“) und prahlt mit seinem Einfallsreichtum.

Szene 4. Figaro erklärt Plagio, worauf er zu achten habe.

Szene 5. Der Graf kommt mit einem Brief, in dem er aufmerksam liest, aus dem Schloss. Er vertraut darauf, dass Figaro den richtigen Bräutigam für seine Tochter gefunden hat. Kurze Zweifel, ob Inez diesen auch akzeptieren werde, wischt er beiseite, da sich Gefühle sowieso im Lauf der Zeit ändern. Er erinnert sich in diesem Zusammenhang an seine längst vergangene Liebe zu Rosina, der Gräfin (Cavatine: „Che mai giova al nostro bene“). Figaro lässt sich von ihm noch einmal versichern, dass er bei seiner Entscheidung bleibe. Er weist den Grafen geschickt auf ein „Laster“ Don Alvaros hin: er sei zu großzügig. Das nimmt Almaviva nur noch mehr für ihn ein.

Szene 6. Figaro macht sich über die Leichtgläubigkeit des Grafen lustig.

Szene 7. Die Gräfin, Inez und Susanna treffen ein und werden vom Chor fröhlich willkommen geheißen (Chor: „Benvenuto le nostre padronee“). Die drei haben untereinander längst beschlossen, die Hochzeit zu verhindern (Terzett: „Esser tratto nel castello“). Sie erwarten in Kürze die Ankunft von Inez’ Geliebtem Cherubino.

Szene 8. Figaro versucht, Susanna zur Begrüßung zu umarmen. Sie weist ihn zurück. Inez’ erklärt, dass sie lieber sterben wolle als einen unbekannten Mann, den sie nicht liebe, zu heiraten. Der Graf beharrt jedoch auf seiner Entscheidung.

Szene 9. Ein Diener führt den verkleideten Cherubino herein, der dem Grafen ein Empfehlungsschreiben seiner selbst überreicht und um eine Anstellung als Diener bittet (Cavatine: „Un gentile colonello“). Er nennt sich Figaro, was dem echten Figaro gar nicht gefällt. Trotzdem nimmt ihn der Graf in seine Dienste.

Szene 10. Figaro triumphiert erneut, und Plagio freut sich über den schon fast fertig konzipierten ersten Akt seiner Komödie. Der Stoff erscheint ihm aber noch zu dürftig. Vor dem zweiten Akt muss irgendetwas Spannendes geschehen.

Innenhof des Schlosses

Szene 11. Cherubino ist erleichtert, dass Figaro ihn nach seiner langen Abwesenheit nicht wiedererkannt hat. Inez kommt hinzu, und die beiden können sich in die Arme schließen (Duett: „Sei troppo facile a spaventarti“). Inez sorgt sich über ihre Zukunft.

Szene 12. Figaro belauscht die beiden und erfährt, dass Cherubino ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen will. Er eilt fort, um den Grafen zu informieren. Inez bemerkt das. Sie befürchtet, jetzt sei alles verloren. Cherubino beruhigt sie: Solange Figaro seine Identität nicht kennt, können sie die Situation noch retten.

Szene 13. Als er Figaro und den Grafen kommen sieht, tut Cherubino so, als würde er Inez von der Richtigkeit der Pläne ihres Vaters überzeugen wollen (Quartett: „No, signore: chiaro e tondo“). Der Graf glaubt dies, lobt Cherubino für seine Treue und fordert Figaro auf, sich daran ein Beispiel zu nehmen.

Szene 14. Figaro fragt sich, wer hinter seinem neuen Kontrahenten stecken könnte (Rezitativ: „Figaro!… Ti risveglia“). Plagio informiert ihn darüber, dass der Notar eingetroffen sei und erfährt bei dieser Gelegenheit erfreut von den neuen Komplikationen. Er glaubt, dass der neue Diener ein Liebhaber Inez’ sein könnte.

Garten im Schloss des Grafen mit Lauben

Szene 15. Inez trifft sich mit Susanna, um ihr weiteres Vorgehen gegen Figaro zu besprechen (Finale: „Né Susanna!… Né il mio bene!“).

Szene 16. Figaro erzählt dem Grafen von seinem Verdacht. Die beiden gehen in eine der Lauben, um die Lage zu beobachten.

Szene 17. Cherubino und Susanna machen sich über Figaro und den Grafen lustig, ohne zu bemerken, dass sie von den beiden belauscht werden. Der Graf ruft seine Leute herbei, während Figaro Cherubino festhält.

Szene 18. Zusammen mit den Dienern erscheinen auch die Gräfin und Inez. Als der Graf Cherubino öffentlich zur Rede stellen will, erklärt dieser, er habe sich mit Susanna getroffen, um ihr seine Liebe zu erklären. Figaro ist gedemütigt. Nach einem Augenblick der Bestürzung fangen die anderen an, ihn auszulachen.

Zweiter Akt

Park wie im ersten Akt

Szene 1. Die Dorfbewohner und Bauernmädchen schwatzen eifrig über das Geschehen (Chor: „L’avventura è singolare“). Einige befürchten Ärger, falls der Graf das mitbekommen sollte. Sie streiten.

Szene 2. Plagio hört den Leuten begeistert zu, um noch mehr Theaterstoff zu finden. Er spricht einige von ihnen an, bis sie davonlaufen.

Szene 3. Susanna macht es nichts aus, dass die anderen über sie lachen. Für sie zählt nur der glückliche Ausgang der Geschichte.

Szene 4. Figaro versucht mit verschiedenen Tricks, seine Frau dazu zu bringen, ihm den wahren Namen des anderen Figaro zu nennen. Die Auseinandersetzung eskaliert immer mehr (Duett/Terzett: „In quegli occhi, o bricconcella“), …

Szene 5. … bis Plagio hereinplatzt und Figaro mit seinem Enthusiasmus ganz aus dem Konzept bringt. Susanna lacht auf, und Figaro richtet seinen Zorn nun gegen Plagio.

Szene 6. Plagio beruhigt sich nach diesem Schrecken schnell wieder.

Als Garderobe dienendes Vorzimmer zu Susannas Gemächern; Wandschränke zu beiden Seiten; in einem davon ein Kleiderständer mit einem Mantel und einem Hut

Szene 7. Susanna und Inez treten zügig ein und schließen die Tür hinter sich. Wenig später erscheint auch Cherubino. Das konspirative Treffen wird jedoch schnell durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen. Es ist Figaro. Nach einem Augenblick der Verwirrung verstecken sich Inez und Cherubino in den Schränken, und Susanna legt Cherubino den Mantel und den Hut an.

Szene 8. Wütend darüber, dass das Zimmer verschlossen war, betritt Figaro das Zimmer und verlangt seinen Mantel, weil er den Notar holen will. Susanna versucht, ihn aufzuhalten. Kurz darauf treffen auch Graf und Gräfin ein (Sextett: „E così? Con chi ho parlato?“). Figaro ergreift den Mantel und den Hut und entdeckt erst Cherubino und dann auch Inez. Der Graf will von Cherubino endlich die Wahrheit erfahren, und so bleibt diesem nichts anderes übrig, also zu versichern, dass er geschworen habe, eine Unschuldige vor den Machenschaften eines Gauners zu schützen. Erst wenn dieses Ziel erreicht sei, könne er mehr sagen. Der Graf will davon nichts hören. Er wirft Cherubino und dessen Komplizin Susanna hinaus. Figaro ist begeistert, die drei Frauen aber verlieren den Mut.

Szene 9. Der Graf spricht Figaro sein volles Vertrauen aus und bittet ihn, schnellstmöglich den Notar zu holen.

Szene 10. Als Susanna mit ihrem gepackten Koffer das Schloss verlassen will, erinnert sich der Graf an seine einstigen Gefühle für sie und drückt ihr einen Beutel Geld in die Hand. Den weist sie zwar zurück, doch gibt sie vor, seine Leidenschaft zu erwidern. Sie kann daher als seine Geliebte im Schloss bleiben (Duett: „Tu lo volesti, ingrata“).

Galerie

mini|Galerie – Bühnenbild von Alessandro Sanquirico

Szene 11. Bedienstete führen den Bräutigam Don Alvaro herein (Chor: „Signore… Si accomodi…“), und der Graf begrüßt ihn.

Szene 12. Die Gräfin und Inez kommen hinzu. Die beiden verhalten sich Don Alvaro gegenüber bewusst unhöflich, und Inez erklärt geradeheraus, dass sie einen anderen liebe und diese Hochzeit eine furchtbare Kette für sie wäre (Rondo: „Se generoso e nobile“). Dennoch steht der Graf zu seinem Wort, und Inez gibt scheinbar nach, bevor sie mit der Gräfin und den Bediensteten den Raum verlässt.

Szene 13. Der Graf versichert Don Alvaro, dass Inez ihn heiraten werde.

Szene 14. Figaro führt den Notar herein und bittet ihn, für einen Moment Platz zu nehmen, während er den Grafen holt. In der Zwischenzeit erscheint Plagio. Beide stöbern in ihren Papieren, sodass beide den jeweils anderen für einen Konkurrenten halten. Nach einem kurzen Streit wirft Plagio den Notar hinaus.

Szene 15. Als der Graf mit Don Alvaro eintrifft, halten die beiden Plagio für den Notar (Finale: „Siete voi che m’aspettate?“). Der verwirrt sie mit seiner Rede von den Charakteren seiner Komödie: der guten Mutter, der naiven störrischen Tochter und dem närrischen Vater, der seine Tochter unbedingt mit einem Schwindler verheiraten wolle. Der Graf und Don Alvaro, die sich in dieser Geschichte wiedererkennen, greifen Plagio an. Der beruft sich in seiner Not auf Figaro.

Szene 16. Der Graf und Don Alvaro werfen Figaro vor, sie vor dem Notar verleumdet zu haben. Figaro bemüht sich um Aufklärung. Glücklicherweise kehrt jetzt der echte Notar zurück.

Szene 17. Endlich scheint die Hochzeit stattfinden zu können. Die Bediensteten feiern das Paar, und auch die drei Frauen treffen ein. Der Notar beginnt mit seinem Vortrag.

Szene 18. Plötzlich erscheint Cherubino unverkleidet als Oberst, enthüllt Figaros Intrige und die wahre Identität Don Alvaros als Stallknecht Torribio und bittet den Grafen um die Hand seiner Tochter. Der Graf verbannt Figaro aus seiner Nähe und vereint das liebende Paar. Cherubino und die Frauen jubilieren. Auch Plagio ist höchst zufrieden mit dieser Entwicklung. Er hofft, dass das Publikum ihm dafür Beifall spenden werde („Finito é la commedia“).

Werkgeschichte