Dieser Artikel hat den FC Winterthur in der Saison 2021/22 zum Thema. Der FC Winterthur spielte in dieser Saison in der Challenge League und stieg am Ende der Saison als direkter Aufsteiger nach 37-jähriger Absenz wieder in die höchste Schweizer Spielklasse auf. Im Schweizer Cup schieden die Winterthurer in der 2. Runde gegen den Promotion-League-Verein Étoile Carouge aus.
Saisonverlauf Vorbereitung Am Ende der letzten Saison stand fest, dass es einige Änderungen brauchen würde – unter anderem beendete die bisherige Teamstütze Davide Callà seine Spielerkarriere und nahm ab dieser Saison die Rolle eines Talentmanagers und Assistenztrainers bei der 1. Mannschaft ein. Sportchef Kaiser kündigte an, dass er «in jeder Reihe» einen Neuzugang suchen würde. Dadurch sollte die Mannschaft mehr Qualität in der Breite des Kaders zur Verfügung zu haben. Bereits früh stand die Rückkehr von Raphael Spiegel nach dem verletzungsbedingten Ausfall in der letzten Saison fest, zusätzlich wurde vom FC Basel mit Jozef Pukaj ein neuer Ersatztorhüter geholt, der über 50 Pflichtspiele in der Basler U21 absolviert hatte. Insbesondere in der Verteidigung kam es zu einigen Verstärkungen. Auf der Position des Linksverteidigers konnten dabei gleich drei Verpflichtungen verbucht werden: Neu wurden vom FC Sion Noah Loviso sowie von der Elfenbeinküste kommend Souleymane Diaby für jeweils zwei Jahre verpflichtet, zudem kehrte der erfahrene Tobias Schättin vom FCZ nach Winterthur zurück. Ausserdem wurde der Innenverteidiger Roy Gelmi vom VVV-Venlo aus der niederländischen Eredivisie verpflichtet und es konnte die Rückkehr von Marin Cavar, ebenfalls ein Innenverteidiger, gemeldet werden. Als Verstärkung fürs zentrale Mittelfeld wurde der in der letzten Saison bei Neuchâtel Xamax spielende Thibault Corbaz verpflichtet. Für den Sturm wurde mit Neftali Manzambi ein Spieler verpflichtet, der in Basel ausgebildet wurde und zuletzt als Leihspieler von Sporting Gijón beim schwedischen Erstligisten Mjällby AIF spielte, ohne jedoch Stammspieler zu sein.
In seiner Vorbereitung bestritt der FCW insgesamt sechs Testspiele, mit einer ausgeglichenen Bilanz von zwei Siegen gegen die Promotion League-Vereine SC Brühl St. Gallen und SC YF Juventus Zürich, einem Unentschieden gegen den Super-League-Verein FC Lugano sowie drei Niederlagen gegen Vaduz, Luzern und Real Betis Sevilla. Vor Beginn der Saison veranschlagte Der Landbote für den FCW einen guten Mittelfeldplatz als Saisonziel und zählte als Aufstiegsanwärter Vaduz (Absteiger aus der Super League), Thun und Aarau auf. In anderen Medien wurde jedoch auch Winterthur im Vorfeld zu den Aufstiegsanwärtern gezählt. Der Landbote merkte des Weiteren an, dass der FCW ein breiteres Kader als zuletzt hatte und solide Transfers tätigte. Trainer Loose konnte zu Saisonbeginn nach eigenen Angaben jedoch nicht sagen, wo die Mannschaft steht. Oliver Kaiser legte für die Saison angesichts der letzten Rückrunde Wert auf Konstanz und gab bezüglich eines Saisonziels an, dass der FCW «zumindest mal eine gut spielende Mannschaft im Mittelfeld» sein sollte.
Hinrunde Der FCW startete nicht schlecht in die Meisterschaft. Zwar reichte es im ersten Spiel nur für ein Unentschieden, dies jedoch nachdem er eine Stunde in Unterzahl spielte. Danach liess er ein Sieg gegen Wil und ein weiteres Unentschieden gegen Schaffhausen folgen. In der sechsten Runde konnte sich Winterthur nach drei Siegen in Serie erstmals die Tabellenführung sichern, dies unter anderem mit einem 3:0 gegen den Mitfavoriten Thun sowie zuletzt im Duell gegen den Tabellenführer Neuchâtel Xamax. Den Spitzenplatz mussten die Winterthurer in der Runde danach nach einer 0:2-Niederlage im Vaduzer Rheinpark gegen den Tabellenvierten zwar vorübergehend wieder abgeben, konnten aber danach den zweiten Platz bei einem 1:1-Unentschieden gegen den Tabellendritten Aarau den Barrageplatz halten und Runde darauf gegen Yverdon die Tabellenspitze wieder zurückerobern. Mit 18 Punkten konnte der FCW damit nach neun Runden das beste Stadtviertel seit der Einführung der Zehnerliga im Jahr 2012 vorweisen.
Weniger gut hingegen lief es den Winterthurern im Schweizer Cup. Nach diskussionslosen 6:0-Pflichtsieg beim Erstligisten SR Delémont schied Winterthur am 18. September gegen den Promotion-League-Verein Étoile Carouge aus dem Cup aus. Deren Cup-Abenteuer endete letztendlich erst im Viertelfinal, nachdem sie im Achtelfinal auch noch den FC Basel aus dem Wettbewerb geworfen hatten.
In der Meisterschaft ging es nach der Übernahme der Tabellenführung mit zwei weiteren Siegen gegen Mitfavorit Thun sowie Kriens zunächst positiv weiter. Der FCW konnte damit die Tabellenführung auf den Zweiten Vaduz auf fünf Punkte ausbauen. Danach lief es den Winterthurern in den folgenden Spielen nicht mehr so optimal: Es folgten zunächst zwei Unentschieden gegen Neuchâtel Xamax und Stade Lausanne-Ouchy, die sich zum Zeitpunkt beide mit je acht Punkten Rückstand auf Winterthur im Mittelfeld der Tabelle tummelten. Nach einer danach folgenden Niederlagenserie von drei Spielen gegen den Tabellenneunten Yverdon Sports (1:2) sowie Schaffhausen (2:5) und Aarau (0:2) hatte Winterthur seinen Vorsprung wieder eingebüsst und musste die Tabellenführung Vaduz abgeben.
Nach dieser Niederlagenserie und dem Verlust der Führung entschied sich die Winterthurer Vereinsführung am 9. Dezember, sich aus sportlichen Gründen per sofort von Trainer Ralf Loose zu trennen. Oliver Kaiser verwies dabei auch auf die allgemeine sportliche Entwicklung, etwa jener einzelner Spieler, und nicht nur auf die letzten Resultate. Loose wäre gemäss Kaiser «in seinen Entscheidungen zu wenig mutig gewesen» und hätte einen «gesunden Konkurrenzkampf» im Kader gemieden. Als Interimstrainer für die letzten zwei Spiele wurden der bisherige Assistenztrainer Davide Callà sowie Dario Zuffi bestimmt.
Das erste Spiel unter dem Interimstrainerduo konnte Winterthur 5:3 gegen Wil gewinnen, verpasste es aber danach im Spitzenduell gegen den FC Vaduz mit einer Niederlage die Tabellenspitze zurückzuerobern und überwinterte stattdessen in einer eng beisammen liegenden Liga auf dem 3. Platz. Ein Tag nach dem letzten Spiel wurde mit Alex Frei auch die Nachfolgelösung für die Trainerposition bekannt gegeben. Der Landbote bilanzierte dem FCW letztendlich kein «optimales, aber ein gutes Halbjahr» und auch die sportliche Führung zeigte sich mit der Bilanz zufrieden. Auch wurde die Möglichkeit eines Aufstiegs durchaus schon ins Auge gefasst. Bei der traditionellen Notengebung des FCW erhielten nicht weniger als zehn Spieler eine Note von 5 in verschiedener Variation, kein einziger Spieler kam mit einer ungenügenden Note weg. Am besten bewertet wurden dabei mit einer «Guten 5» der offensive Mittelfeldspieler Samir Ramizi und der Stürmer Roman Buess. Am anderen Ende der Skala erhielt Samuel Ballet mit einer 4 immer noch eine genügende Note.
Rückrunde Im Hinblick auf die Rückrunde hat sich der FCW auf diversen Positionen verstärkt, unter anderem, um damit Verletzungen zu kompensieren. Da er auf der Gegenseite bis auf den Abgang von Yannick Pauli zum SC Cham keine Abgänge zu verstärken hatte, konnte er damit sein Kader in der Breite weiter verstärken. Bereits vor dem Jahreswechsel wurde der Transfer von Eris Abedini bekannt gegeben, der hinsichtlich der Verletzung Remo Arnolds verpflichtet wurde. Abedini spielte bereits im Frühling 2019 für den FCW. Weitere leihweise Verstärkungen der Winterthurer betrafen vor allem die Offensive: Vom FC Basel wurden der Stürmer Tician Tushi (bis Sommer 2022) sowie der Linksaussen Carmine Chiappetta (bis Sommer 2023) ausgeliehen. Drei Tage vor Rückrundenstart musste die sportliche Leitung zudem auf den Ausfall von Topskorer Remo Buess reagieren, der sich einen Muskelfaserriss zuzog. Um ihn zu ersetzen, wurde von GC Shkelqim Demhasaj für ein halbes Jahr ausgeliehen. Während der Rückrundenvorbereitung bestritt Winterthur insgesamt vier Spiele. Dabei spielte er mit GC, Luzern und St. Gallen gegen drei Super-League-Vereine und konnte dabei zweimal ein Unentschieden und einen Sieg für sich verbuchen. Gewonnen hat der FCW ebenfalls gegen den SC YF Juventus Zürich aus der Promotion League.
Zu Beginn der Rückrunde stand Winterthur vor der gleichen Situation, wie er bereits im Jahr zuvor als Tabellenzweiter stand und danach mit einer schlechten Rückrunde verspielte. So stellte sich die Frage, ob diese für den FCW bis dahin typische Entwicklung unter dem neuen Trainer Alex Frei gebrochen werden könnte. Nach einem Pflichtsieg gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten Kriens verpasste es Winterthur, wie bereits vor der Winterpause, in einem Spiel gegen Leader Vaduz mit einem 0:0-Unentschieden die Tabellenführung wieder zu übernehmen und war danach wieder auf dem 3. Platz. Den 2. Platz konnte der FCW jedoch in der nächsten Runde sich nach einem 4:0-Sieg gegen Wil wieder sichern, da Vaduz patzte. In den kommenden Runden konnte der FCW den 2. Platz, dicht gefolgt von Vaduz, verteidigen. Nach einer 2:3-Niederlage in Schaffhausen in der 23. Runde musste Winterthur Aarau bis auf 5 Punkte ziehen lassen. Nach einem Sieg gegen Yverdon blieb eine weitere Niederlage gegen Stade Lausanne-Ouchy für Winterthur folgenlos, da auch Aarau in der entsprechenden Runde punktelos blieb und der 5-Punkte-Abstand daher unverändert blieb. In der 26. Runde kam es dann zum Spitzenduell gegen den FC Aarau, dass der FCW in den Schlussminuten mit 4:2 für sich entscheiden – nachdem er während der Partie zweimal in Rückstand geraten war. Auch wenn Winterthur mit einem 0:0 gegen Neuchâtel Xamax die Bestätigung dieser Leistung verpasste, war Winterthur damit die beste Mannschaft im dritten Meisterschaftsviertel. Trainer Alex Frei bezeichnete die Leistung seiner Mannschaft nach den ersten neun Spielen als «sehr zufriedenstellend» und äusserte zudem, dass in der aktuellen Konstellation «alles möglich» sei.
Dass «alles möglich» ist, bewies Winterthur in den Spielen danach: Zuerst siegte er gegen Stade Lausanne-Ouchy und konnte danach mit einem erneuten Sieg gegen den Leader, diesmal mit einem 3:0-Sieg auf dem Brügglifeld, die Tabellenführung erneut übernehmen und diesen Sieg gegen den fünf Punkte zurückliegenden Tabellenvierten Vaduz zunächst bestätigen. Da die Winterthurer jedoch danach eine Schwächephase mit insgesamt vier Unentschieden in Folge einzogen, fiel Winterthur auf den dritten Platz zurück und verspielte sich damit kurz vor Meisterschaftsende seine gute Ausgangslage wieder.