mini|hochkant|Walter J. Levy (1979) Walter James Levy (geboren am 21. März 1911 in Altona, gestorben am 10. Dezember 1997 in New York City) war ein deutsch-amerikanischer Jurist und Experte für Ölfragen. Er beriet zahlreiche Unternehmen und Regierungen. Levy galt als einer der wichtigsten Sachkundigen für die Öl-Wirtschaft.
Familie Walter kam als Sohn der jüdischen Eheleute Moses Levi (1873–1938) und Betty Lindenberger (1882–1942) zur Welt, er hatte drei Schwestern: zwei ältere und eine jüngere. Sein Vater arbeitete als Anwalt.As Oil Consultant, He’s Without Like or Equal. In: The New York Times, 27. Juli 1969. Seine Schwestern überlebten den Holocaust, seine Mutter wurde im Juli 1942 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert.
Walter J. Levy war ab April 1942 mit Augusta (1918–1981), geborene Sondheimer, verheiratet. Das Paar hatte zwei Kinder, Robert Allen und Susan Clementine.
Studium Levi studierte Wirtschaftswissenschaft und RechtswissenschaftLevy, Walter James. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss, Dieter Marc Schneider, Louise Forsyth: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933–1945. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. De Gruyter, Berlin 1980, S. 439, ISBN 3-598-10088-4. in Freiburg, München, Heidelberg (1929–1930), Berlin (1930–1931) und Kiel (1931–1932). In Kiel wurde er 1933 mit einer strafrechtlichen Arbeit über den Begriff der unechten Unterlassung, ihre Kausalität und ihre RechtswidrigkeitEintrag Deutsche NationalbibliothekWalter Levi: Der Begriff der unechten Unterlassung, ihre Kausalität und ihre Rechtswidrigkeit. Dissertation, Univ. Kiel 1933. Zitiert in Herbert Lindenberger: One Family’s Shoah. Victimization, Resistance, Survival in Nazi Europe. Palgrave Macmillan, New York 2013, S. 194, Fn. 11. zum Doktor der Rechte promoviert.
Exil in Großbritannien Infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der darauf folgenden antisemitischen Gesetze und Maßnahmen ging Levy 1933 nach Großbritannien ins Exil. Er fand Anstellung beim Petroleum Press Bureau, das seit 1934 den Petroleum Press Service herausgab, ein mehrsprachiges Fachblatt.Rüdiger Graf: Öl und Souveränität. Petroknowledge und Energiepolitik in den USA und Westeuropa in den 1970er Jahren. De Gruyter Oldenbourg, Berlin, München, Boston 2014, S. 28, ISBN 978-3-11-034707-4. Levy nahm ein Studium der Statistik auf und verfasste ein Buch über Öl im Krieg, das die Aufmerksamkeit britischer Wirtschaftsvertreter weckte, die er anschließend mit Fachinformationen versorgte. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges arbeitete er zunächst für das britische Ministerium für wirtschaftliche Kriegsführung, wurde dann jedoch als Feindlicher Ausländer interniert.
Öl-Experte in den USA Levy wanderte 1941 in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in New York City nieder. Dort arbeitete er zunächst als Erdöljournalist für die Zeitschrift Fortune. Ab 1942 war er auf Wunsch von William J. Donovan (1883–1959) in Washington, D.C. Mitarbeiter des Office of Strategic Services. Dort befasste er sich als Abteilungsleiter im Enemy Oil Committee insbesondere mit deutschen Erdölvorkommen, Öl-Versorgungswegen, Raffinerien und Anlagen zur synthetischen Herstellung von Treibstoff (→ Kohleverflüssigung), um Ziele für Luftangriffe zu identifizieren. Das Studium von Berichten über veränderte Frachttarife in öffentlich zugänglichen deutschen Eisenbahn-Journalen half ihm bei der Einkreisung entsprechender Ziele. Im Anschluss war er im amerikanischen Außenministerium für Erdölforschung zuständig, bevor er zur Economic Cooperation Administration wechselte, die die Gelder des Marshallplans verwaltete.
Levy gründete 1949 in New York das Beratungsunternehmen W. J. Levy Consultants Corp. Zu seinen Kunden zählten Unternehmen der Ölindustrie sowie zahlreiche Regierungen, Regierungsvertreter und Behörden, unter anderem in den Vereinigten Staaten, Venezuela und Kanada, Indien, Brunei und Saudi-Arabien. Europäische Regierungen griffen ebenfalls auf seine Expertise zurück, beispielsweise die von GroßbritannienZur Beratung der britischen Regierung siehe Jonathan Kuiken: Caught in Transition: Britain’s Oil Policy in the Face of Impending Crisis, 1967–1973. In: Historical Social Research, Band 39 (2014), Heft 4, S. 272–291. und der Bundesrepublik Deutschland.Rüdiger Graf: Öl und Souveränität. Petroknowledge und Energiepolitik in den USA und Westeuropa in den 1970er Jahren. De Gruyter Oldenbourg, Berlin, München, Boston 2014, S. 217 f. und S. 300, ISBN 978-3-11-034707-4. Auch die Vereinten Nationen und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gehörten zu seinen Auftraggebern. Bei seiner Beratungstätigkeit ging es um die Schlichtung von Konflikten, um die Formulierung nationaler Öl-Politiken oder um Zukunftsfragen des internationalen Ölmarkts.Rüdiger Graf: Öl und Souveränität. Petroknowledge und Energiepolitik in den USA und Westeuropa in den 1970er Jahren. De Gruyter Oldenbourg, Berlin, München, Boston 2014, S. 300, ISBN 978-3-11-034707-4.
Mitte der 1980er Jahre ging er in den Ruhestand.
Werke, Medienauftritte und Rezeption Seine umfangreichste Monografie veröffentlichte er 1982. Sie behandelt Öl-Strategien und Öl-Politik. Überdies publizierte er eine Vielzahl von Aufsätzen, insbesondere in Foreign Affairs. Er war zudem Gast bekannter Sendungen und Rundfunkanstalten, wie beispielsweise Meet the Press (1973,Nachweis im Katalog der Library of Congress. 1979 und 1980), This Week with David Brinkley (1982) und der BBC (1980).
Das Time Magazin bezeichnete ihn 1977 als bedeutenden internationalen Erdölberater.Spanking the Sisters. In: Time Magazine, 28. Februar 1977. Die New York Times nannte ihn 1969 den „Doyen der Öl-Berater“Zitiert nach und 1997 in ihrem Nachruf den „Doyen der US-amerikanischen Öl-Ökonomen“. The Times charakterisierte ihn und sein Unternehmen 1967 folgendermaßen: „Die von Levy – einem Mann mit enormer Energie – geleitete Beratungsfirma aus New York ist eine der führenden, wenn nicht sogar die führende, Erdölberatungsfirma der Welt. Er ist in der ganzen Welt unterwegs und hat angeblich unmittelbaren Zugang zu den Ohren der Präsidenten der großen Unternehmen und zu den höchsten Kreisen der Erdölregierungen.“Business Diary. In: The Times, 4. Oktober 1967, Hervorhebung im Original.
Ehrungen 1947 wurde er für seine Verdienste im Zweiten Weltkrieg mit der President’s Certificate of Merit ausgezeichnet. 1968 wurde ihm die Special Plaque des amerikanischen Außenministeriums überreicht. Der Sultan von Brunei würdigte Levys Dienste 1969 mit dem Dato Seri Laila Jasa. 1969 erhielt er den Taj-Orden des Iran. Der britische Außenminister Alec Douglas-Home verlieh ihm 1973 den Order of St Michael and St George (C.M.G.).Business Diary: Sir Denys Lowson’s predicament. In: The Times, 20. Juni 1973. 1979 ehrte ihn die Bundesrepublik Deutschland mit dem Großen Verdienstkreuz.
Archivmaterial Hinterlassenschaften zu Levys Beratertätigkeit sind als Walter J. Levy Papers, 1911–1998 im American Heritage Center der University of Wyoming archiviert.
Literatur Levy, Walter James. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss, Dieter Marc Schneider, Louise Forsyth: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933–1945. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. De Gruyter, Berlin 1980, S. 439, ISBN 3-598-10088-4.
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Einzelnachweise
Kategorie:Publizist Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Person (Office of Strategic Services) Kategorie:Companion des Order of St. Michael and St. George Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Jurist Kategorie:Deutscher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1911 Kategorie:Gestorben 1997 Kategorie:Mann