Der Hagenbund, ursprünglich „Künstlerbund Hagen“ genannt, war eine von 1900 bis 1938 bestehende Vereinigung bildender Künstler in Wien.
Name Den Namen erhielt der Verein nicht nach der Figur der Nibelungensage, sondern nach dem Wiener Hotelier (Hotel Victoria in der Favoritenstrasse 11) und Besitzer eines Gasthauses (Zum Blauen Freihaus in der Gumpendorferstrasse) namens Josef Haagen (1846–1918).Christoph Wilhelmi: Künstlergruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit 1900. Ein Handbuch. Hauswedell, Stuttgart 1996, ISBN 3-7762-0400-1, S. 167–173 Nr. 93. In dessen Lokalität trafen sich ab den 1870er Jahren jüngere Maler, Bildhauer und Architekten zum Erfahrungsaustausch und nannten sich „Haagengesellschaft“. Aus einem Großteil dieser Künstler entstand 1897 die „Wiener Secession“ und 1900 der „Hagenbund“.
Vereinsgeschichte Gründung und Zeit bis 1912 mini|Die Ausstellungshalle in der Zedlitzgasse 6 (ca. 1901–1904) Die Vereinigung wurde am 3. Februar 1900 als Künstlerbund Hagen – ähnlich wie drei Jahre zuvor die „Wiener Secession“ – eine Abspaltung von jüngeren und mit den Gepflogenheiten der „Gesellschaft bildender Künstler Wiens“ (kurz Wiener Künstlerhaus) unzufriedenen Künstlern gegründet. Maßgebliche Anreger zu diesem Schritt waren die beiden Universalkünstler Joseph Urban und sein Schwager Heinrich Lefler. Bis November 1900 verblieb der Hagenbund noch im Rahmen des Wiener Künstlerhauses, gewissermaßen als Club mit eigenem Ausstellungsrecht. Nach weiteren Streitigkeiten erfolgte der endgültige Austritt und damit die Erlangung der Selbständigkeit.
1901 folgten Ausstellungen in der renommierten Wiener Galerie Miethke und in München. 1902 wurde die erste Ausstellung im eigenen Haus eröffnet, einem Teil einer etwa 1870 erbauten Markthalle in Wien 1, Zedlitzgasse. Joseph Urban adaptierte die Räumlichkeiten und schmückte sie im Sinne des Jugendstils. Dort befindet sich ein Umspannwerk der Wiener Elektrizitätswerke. Maßgebliche Stilrichtungen in diesen Jahren waren der Jugendstil und der Impressionismus.
Die nächsten Jahre stand der Hagenbund, der eine „gemäßigte“ Moderne vertrat, sicher im Schatten der Wiener Secession, die um 1900 die Moderne darstellte, er hob sich jedoch deutlich vom konservativen Wiener Künstlerhaus ab. Revolutionär hingegen war von Beginn an die tolerante Einstellung der Vereinigung. Es wurde weder von den eigenen Mitgliedern noch von Gästen eine bestimmte künstlerische oder politische Auffassung verlangt, auch Herkunft oder Religion waren nicht maßgeblich. So war es auch kein Zufall, dass sowohl 1911 als auch 1912 radikale junge Künstler wie Kokoschka, Kolig, Faistauer oder Schiele ausstellen durften.
Delogierung 1913 durch die Stadt Wien und Zeit bis 1920 Die 1911 und 1912 gezeigten Werke vor allem von Kokoschka führten zu Negativreaktionen seitens der Funktionäre der Stadt Wien, die Gemeinde kündigte den Mietvertrag ab 1913 und der Hagenbund stand ohne eigenes Ausstellungshaus da. Eine unrühmliche Rolle soll in diesem Zusammenhang auch der Thronfolger Franz Ferdinand gespielt haben, der moderne Kunst völlig ablehnte. Die Vereinigung konnte 1913 noch im Wiener Künstlerhaus ausstellen (alte Streitigkeiten waren ausgeräumt), sowie vor dem Ersten Weltkrieg 1914 noch beim Gödinger Kunstverein (heute Hodonín in Tschechien). Während des Krieges war für die Künstlervereinigungen kein geordnetes Vereinsleben möglich, viele Künstler wurden vom Kriegspressequartier als Kriegsmaler eingesetzt. Nach dem Weltkrieg trat der Hagenbund wieder als Verein auf und durfte 1918 und 1919 mit Kollektionen in der Wiener Secession gastieren. Erst 1920 konnte der Hagenbund sein renoviertes Ausstellungshaus zurückerhalten.
Der Hagenbund in der Zwischenkriegszeit Zu dieser Zeit war der Hagenbund sicherlich die fortschrittlichste Künstlervereinigung und erwies sich als Plattform der Moderne. Neue, meist jüngere Mitglieder (wie z. B. Josef Floch, Carry Hauser, Georg Jung, Maximilian Reinitz oder Otto Rudolf Schatz), pflegten neben und nach dem Expressionismus auch die „Neue Sachlichkeit“ und teils auch den Kubismus. So hoch allerdings das künstlerische Niveau war, so schlecht war es um die Finanzen bestellt. Auch die anderen „Künstlerorganisationen“ kämpften mit schweren wirtschaftlichen Problemen. Der Hagenbund versuchte durch Theateraufführungen, Dichterlesungen (Franz Theodor Csokor), Tanzvorführungen (Grete Wiesenthal) oder Künstlerbälle (Faschingsbälle) zu Geld zu kommen. Ende 1920 und in der Folgezeit war es keine Seltenheit, dass Künstler ihre Werke im Tausch gegen Lebensmittel, Bekleidung und sogar für Zahnbehandlungen anboten. In den 1930er-Jahren traten dem Hagenbund wieder eine Reihe junger neuer Künstler bei (etwa Friedrich Aduatz, Ernst Paar, Lois Pregartbauer, Ferdinand Stransky), die noch weit über 1945 hinaus, teils bis in die 1970er und 1980er Jahre künstlerisch tätig waren.
Ende des Hagenbundes Mit dem Einmarsch deutscher Truppen war auch das Ende des Hagenbundes besiegelt. Noch im Jahr 1938 wurde die Vereinigung aus politischen, rassischen und künstlerischen Gründen aufgelöst. Viele Mitglieder mussten Österreich verlassen, da sie rassisch nicht den neuen Machthabern entsprachen (z. B. Georg Merkel, Georg Ehrlich, Albert Reuss, Viktor Tischler, Georg Mayer-Marton). Andere Mitglieder verließen Österreich aus politischen Gründen (Carry Hauser, Otto Rudolf Schatz), einige, die blieben, erhielten Ausstellungsverbot. Zwei weitere Künstler, die nicht oder nicht weit genug fliehen konnten, wurden in Konzentrationslagern ermordet (Fritz Schwarz-Waldegg, Robert Kohl).
Der Neue Hagenbund nach 1945 1947 wurde von einigen Künstlern der Versuch gestartet, den Hagenbund wiederzuerwecken, indem man den Neuen Hagenbund gründete. Von den seinerzeitigen Mitgliedern konnte jedoch nur Carry Hauser für kurze Zeit gewonnen werden, die übrigen in Österreich lebenden ehemaligen Mitglieder gehörten inzwischen schon der Wiener Secession und dem Wiener Künstlerhaus an, oder waren Mitbegründer einer neuen Künstlervereinigung, dem „Kreis“. Der Versuch musste daher scheitern, obwohl der Neue Hagenbund noch bis in die frühen 1980er-Jahre Ausstellungen ohne nachhaltiges Echo veranstaltete.
Mitglieder des Hagenbundes Name, Lebensdaten, Zeit der Mitgliedschaft
Ordentliche Mitglieder (Männer) Aduatz, Friedrich (1907–1994), 1935–1938 Alexander, Artur Oskar (1876–1953), 1908–1931 Ameseder, Eduard (1856–1938), 1900–1905 Andersen, Robin Christian (1890–1969), 1920–1923 Baar, Hugo (1873–1912), 1904–1912 Bachmann, Rudolf (1877–1933), 1905–1912 Bamberger, Gustav (1861–1936), 1900–1922 Barth, Otto (1876–1916), 1907–1916 Barwig d. Ä., Franz (1868–1931), 1905–1924 Bauriedl, Otto (1881–1961), 1906–1913 Becker, Hans Sidonius (1895–1948), 1930–1938 Beyer, Josef Johann (1861–1933), 1901–1930 Blauensteiner, Leopold (1880–1947), 1911–1920 Bleichsteiner, Anton (1897–1963), 1909–1931 Breithut, Peter (1869–1930), 1922–1930 Bren, Hans (1900–1974), 1930–1935 Bruenauer, Otto (1877–1912), 1907–1910 Buchner, Rudolf (1894–1962), 1938 Burger, Leopold (1861–1903), 1900–1903 Cossmann, Alfred (1870–1951), 1902–1905 Deininger, Wunibald (1879–1963), 1920–1926 Delitz, Leo (1882–1966), 1905–1911 Dobner, Josef (1898–1972), 1926–1928 Dobner, Thomas (1903–1971), 1927/1928 Dorsch, Ferdinand (1875–1938), 1903–1912 Drasche-Wartinberg, Richard Freiherr von (1850–1923), 1902–1905 Eckhardt von Eckartsburg, Viktor (1864–1946), 1902–1922 Ehrlich, Georg (1897–1966), 1925–1938 Fahringer, Carl (1874–1952), 1903–1906 Fänner, Rudolf (1879–1959), 1903–1905 Felgel von Farnholz, Oskar (1876–1957), 1903–1912 Ferenczy, Beni (1890–1967), 1927–1938 Fink, Robert (1878–1950), 1909–1912 Fischer, Johannes (1888–1955), 1924/1925 Floch, Josef (1894–1977), 1920–1938 Frank, Raoul (1867–1939), 1904–1909 Fried, Theo (1902–1980), 1932–1938 Gaertner, Eduard (1890–1966), 1924–1938 Geller, Johann Nepomuk (1860–1954), 1900/1901 Gergely, Tibor (1900–1978), 1927–1938 Germela, Raimund (1868–1945), 1900–1907 Glasner, Jakob (1879–1942), 1912–1920 Goltz, Alexander Demetrius (1857–1944), 1900–1911 Gottlieb, Leopold (1879–1934), 1923–1930 Graf, Ludwig Ferdinand (1868–1932), 1902–1932 Gross, Adolf (1873–1937), 1907–1922 Gross, Fritz (1895–1938), 1924–1938 Gunsam, Karl (1900–1972), 1933–1938 Gurschner, Gustav (1873–1970), 1902–1908 Hampel, Walter Sigmund (1867–1949), 1902–1911 Harta, Felix Albrecht (1884–1967), 1928–1938 Hassmann, Karl Ludwig (1869–1933), 1902–1909 Hauk, Karl (1898–1974), 1927–1938 Hauser, Carry (Carl Maria) (1895–1985), 1925–1938 Hayek, Hans von (1869–1940), 1902–1906 Hegenbart, Fritz (1864–1943), 1902–1912 Hegenbarth, Emanuel (1868–1923), 1902–1912 Heger, Rolf Eugen (1892–1954), 1930–1935 Hejda, Wilhelm (1868–1942), 1900–1912 Heu, Joseph (1876–1952), 1902–1909 Hloucal, Hans (1888–1944), 1920–1927 Hoffmann von Vestenhof, August (1849–1923), 1902–1912 Hoffmann, Otto (1866–nach 1937 ?), 1932–1935 Huck, Carl (1876–1926), 1907–1913 Humplik, Josef (1888–1958), 1928–1938 Jaronek, Bohumir (1866–1933), 1905–1912 Jung, Georg (1899–1957), 1924–1938 Junghans, Paul Julius (1876–1958), 1905–1911 Jungnickel, Ludwig Heinrich (1881–1965), 1919–1924 Junk, Rudolf (1880–1943), 1908–1922 Kahrer, Maximilian (1878–1937), 1905–1907 Kasparides, Eduard (1858–1926), 1900–1904 Kaufmann, Wilhelm (1895–1975), 1932–1938 Keller, Alfred (1875–1945), 1902–1917 Kern, Theodor (1900–1969), 1927–1938 Klier, Wilhelm (1900–1968), 1926–1938 Kloss, Robert (1889–1950), 1922–1938 Knapitsch, Friedrich von (1880–1962), 1920–1922 Kohl, Robert (1891–1944), 1937/1938 Konopa, Rudolf (1864–1936), 1900–1907 Kuba, Ludvik (1863–1956), 1906–1913 Kuehl, Gotthardt (1850–1915), 1906–1912 Lang, Erwin (1886–1962), 1924–1938 Larsson, Carl Olof (1853–1919), 1910–1912 Laske, Oskar (1874–1951), 1907–1924 Lefler, Heinrich (1863–1919), 1900–1909 Lerch, Franz (1895–1977), 1927–1938 Letz, Hanns (1908–1983), 1937/1938 Loeb, Alfred (1865–vor 1945), 1926–1938 Löw, Jakob (1887–1968), 1927–1938 Luntz, Adolf (1875–1934), 1904–1908 Lux, Richard (1877–1939), 1907–1909 Markus, Karl (1899–1974), 1937/1938 Mayer-Marton, Georg (1897–1960), 1925–1938 Mediz, Karl (1868–1945), 1902–1912 Merkel, Georg (1881–1976), 1919–1926, 1934–1938 Michl, Ferdinand (1877–1951), 1906–1922 Müller, Carl (1862–1938), 1900–1938 Neuhaus, Fritz Berthold (1882–1956), 1908–1912 Oerley, Robert (1876–1945), 1902 O’Lynch of Town, Carl (1869–1942), 1902–1906 Paar, Ernst (1906–1986), 1935–1938 Pajer–Gartegen, Robert (1886–1944), 1922–1938 Parin, Gino, auch als Friedrich Pollak (1876–1944), 1908–1912 Pausinger, Clemens von (1855–1936), 1900/1901 Payer, Ernst (1862–1937), 1900–1905 Peschka, Anton (1885–1940), 1920–1928 Pevetz, Georg (1893–1971), 1926–1928 Philippi, Robert (1877–1959), 1920–1925 Pippich, Carl (1862–1932), 1900/1901 Planckh, Viktor (1904–1941), 1927–1938 Pointner, Rudolf (1907–1991), 1934–1938 Polzer, Franz (1875–1930), 1911–1921 Potuznik, Heribert (1910–1984), 1937/1938 Powolny, Michael (1871–1954), 1906–1908 Pregartbauer, Lois (1899–1971), 1932–1938 Purtscher, Alfons (1885–1962), 1924–1932, 1935–1938 Radler, Friedrich von (1876–1942), 1902 Ranzoni d. Ä., Hans (1868–1956), 1900–1905 Rathausky, Hans (1858–1912), 1900–1905 Reinitz, Maximilian (1872–1935), 1919–1935 Ress, Paul (1878–1952), 1906–1909 Reuss, Albert (1889–1975), 1931–1938 Revy, Heinrich (1883–1949), 1912–1924 Rezniček, Ferdinand von (1868–1909), 1902–1909 Richter, Gottfried (1904–1968), 1933–1935 Riss, Thomas (1871–1959), 1904–1912 Roth, Augustin (1864–1952), 1900–1924 Rumbold, Karl Josef (auch Rumpold) (1893–1965), 1920–1935 Schaffgotsch, Herbert (1860–1943), 1907–1926 Schaffran, Emmerich (1883–1962), 1927–1938 Schatz, Otto Rudolf (1900–1961), 1928–1938 Schiff, Robert (1869–1935), 1901–1905 Schirnböck, Ferdinand (1859–1930), 1902–1922 Schwarz–Waldegg, Fritz (1889–1942), 1919–1938