Udo Witschas (* 30. September 1971 in Hoyerswerda) ist ein deutscher Kommunalpolitiker der CDU und seit September 2022 Landrat des Landkreises Bautzen. Zuvor hatte er dort die Funktion des Ersten Beigeordneten inne.
Leben Udo Witschas wuchs in Lohsa im damaligen Kreis Hoyerswerda auf. Seine Eltern waren Landwirte. Er selbst erlernte den Beruf des Gas- und Wasserinstallateurs, 1996 schloss er seine Ausbildung als Handwerksmeister ab. Von 1995 bis 2001 leitete er die Filiale eines mittelständischen Unternehmens. Später absolvierte er eine Weiterbildung zum Verwaltungs-Betriebswirt an der Sächsischen Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie (2001–2004) sowie einen Master of Business Administration an der TU Chemnitz (2010–2013).Anglerverband Sachsen; Mitgliedskartei; abgerufen am 16. Juni 2022.
Seit 1998 war Witschas Mitglied des Gemeinderates von Lohsa, im Jahr 2001 wurde er hauptamtlicher Bürgermeister seiner Heimatgemeinde. Dieses Amt hatte er bis Ende 2015 inne. Ab 2004 gehörte er dem Kreistag des damaligen Landkreises Kamenz an. Nach der sächsischen Kreisgebietsreform 2008 war er Mitglied des Kreistages des vergrößerten Landkreises Bautzen. Dieser wählte Witschas 2015 zum Ersten Beigeordneten und damit zum Stellvertreter des Landrats Michael Harig (CDU).
Witschas kandidierte zur Landratswahl im Landkreis Bautzen am 12. Juni 2022, zu der sein Vorgänger Harig nicht mehr antrat. Er erreichte mit einem Ergebnis von 38,4 % die relative Mehrheit. Im zweiten Wahlgang am 3. Juli – zu dem alle Kandidaten des ersten Wahlgangs erneut antraten – entfielen mit 43,5 % die meisten Stimmen auf ihn, womit er zum Landrat gewählt wurde. Die Wahlbeteiligung betrug 47,6 % im ersten und 36,7 % im zweiten Wahlgang. Er trat sein Amt als Nachfolger von Michael Harig am 1. September 2022 an.
Witschas ist Vater von zwei Kindern.
Kontroversen Im August 2017 entzog Landrat Michael Harig dem damaligem 1. Beigeordneten Witschas die Zuständigkeit für das Ausländeramt des Landkreises. Zuvor war bekannt geworden, dass er in vertraulichen Chats mit dem örtlichen Kreisvorsitzenden der NPD nicht-öffentliche Informationen über Asylbewerber weitergegeben hatte. Ein Abwahlantrag im Kreistag scheiterte jedoch.Antonie Rietzschel: CDU-Politiker mit gutem Draht zur NPD. In: sueddeutsche.de, 22. August 2017; abgerufen am 23. Dezember 2022. Auch weitere Kontakte mit Vertretern der NPD wurden kritisiert. Unter anderem traf er sich mindestens zweimal mit den jeweiligen NPD-Kreisvorsitzenden zu persönlichen Gesprächen.
Einige Wochen nachdem im Dezember 2021 im Bundestag die Einführung einer einrichtungsbezogenen Impfpflicht beschlossen worden war, kündigte Udo Witschas an, diese nicht durchzusetzen. Vor Teilnehmern einer Kundgebung begründete er, die Pflicht würde dazu führen, dass zu viele Pflegekräfte ein Betretungsverbot bekämen und so das Gesundheitssystem gefährdet würde. Witschas Aussagen wurden kontrovers diskutiert. Kritiker argumentierten, die Rede sei eine Aufforderung zum Rechtsbruch gewesen. Einige Oppositionspolitiker forderten Witschas’ Rücktritt. Aufsehen erregte auch, dass die Demonstration offenbar von der Partei Freie Sachsen organisiert worden war, die als rechtsextrem gilt. Witschas entgegnete, er habe nicht zum Ignorieren geltenden Rechts aufgerufen.
Udo Witschas verteidigte die Zustimmung großer Teile der CDU-Fraktion im Bautzener Kreistag zu einem Antrag der AfD-Fraktion im Dezember 2022. Demnach sollen bestimmte Ausreisepflichtige keine freiwilligen Integrationsleistungen des Landkreises mehr bekommen. Auch Parteikollegen wie Michael Kretschmer und Sören Voigt kritisierten das Abstimmverhalten. Die AfD versuche mit ihren Anträgen zu provozieren; statt einer Zusammenarbeit solle man eigene Anträge stellen. Witschas entgegnete der Kritik, dass es um Sachentscheidungen gehe und Anträge nicht automatisch schlecht seien, wenn sie von einer bestimmten Fraktion kämen.
Wenige Tage später sorgte er mit einer Weihnachtsbotschaft für Empörung, in der er erklärte, dass in seinem Landkreis Flüchtlinge weder in Turnhallen noch in dezentralen Unterkünften untergebracht werden sollten.Vorwurf des Rassismus: Bautzener Landrat irritiert mit Weihnachtsansprache, MDR, 21. Dezember 2022. Weder wolle das Landratsamt „Menschen, […] die unsere Kultur [und] unsere Regularien nicht kennen, jetzt hier in Mehrfamilienhäusern und frei stehenden Wohnungen unterbringen und dafür die Gefährdung des sozialen Friedens in Kauf […] nehmen“, noch „den Sport […] jetzt für diese Asylpolitik bluten zu lassen“. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sah eine „als Weihnachtsansprache getarnte Hassrede“ und sprach von einem „ungeheuren Vorgang“. Hingegen nahm der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Witschas in Schutz.Kritik an Bautzener Landrat nach Aussagen über Geflüchtete. In: Die Zeit, 21. Dezember 2022. Abgerufen am 21. Dezember 2022."Als Weihnachtsansprache getarnte Hassrede" – Bautzener CDU-Landrat empört mit Videobotschaft. In: Stern, 21. Dezember 2022, abgerufen am 21. Dezember 2022. CDU-Generalsekretär Mario Czaja wies die Wortwahl von Witschas im Namen des Bundesvorstandes und des Parteivorsitzenden Friedrich Merz zurück: Die Union habe eine zutiefst humane Haltung, die getragen sei von der Würde des Menschen. Die AfD hingegen unterstützte Witschas und erklärte, es sei „traurig, wie die CDU ihrem eigenen Landrat in den Rücken fällt“. Bundesinnenministerin Nancy Faeser forderte, dass die sogenannte „Brandmauer gegen rechts“ stehen müsse, und kritisierte indirekt auch Ministerpräsident Kretschmer. Niemand könne Rechtsextremisten besiegen, „indem er ihre Positionen übernimmt“. Wer sich nicht klar von ihnen distanziere, der stärke sie.Innenministerin kritisiert CDU-Ministerpräsident. In: T-Online.de, 22. Dezember 2022. Abgerufen am 22. Dezember 2022.
Weblinks
Interview zur Landratswahl (MDR)
Einzelnachweise
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