Die Parlamentswahl in Norwegen 2025 (norwegisch Stortingsvalget 2025 oder Stortingsvalet 2025) fand am 8. September 2025 statt. Bei der Wahl wurden die 169 Abgeordneten für das norwegische Nationalparlament, das Storting, gewählt. Parallel zur Stortingwahl fand die Sametingswahl statt.
Das Mitte-Links-Bündnis hinter Jonas Gahr Støre konnte erneut eine Mehrheit im Parlament erringen, so dass die Regierung Støre der Arbeiderpartiet ihre Arbeit fortsetzen konnte. Die Arbeiderpartiet wurde mit leichten Zuwächsen stärkste Kraft mit rund 28 %; allerdings kam die Senterpartiet nur noch auf 5,6 % und verlor zwei Drittel ihrer Mandate. Im rechten Lager verlor die konservative Høyre mit 14,6 % die Führungsrolle an die rechtspopulistische Fremskrittspartiet, welche auf fast 24 % kam und damit ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelte.
Wahlsystem Wahlkreise und Mandatsvergabe
Bei der Wahl wurden die 169 Mitglieder des Stortings für die Legislaturperiode 2025–2029 bestimmt. Die Wahlkreise sind seit der Wahl im September 2021 nicht mehr deckungsgleich mit den Fylkern, den norwegischen Provinzen. Grund hierfür ist die von 2018 bis 2020 durchgeführte Regionalreform, bei der mehrere Fylker fusioniert wurden, während die Zahl der Wahlkreise unverändert blieb. In: valg.no. (norwegisch) Nachdem einige fusionierte Fylker zum 1. Januar 2024 wieder aufgespalten wurden, entsprachen bei der Wahl 2025 wieder mehr Wahlkreise einem Fylke. In den Fylkern Agder, Innlandet, Trøndelag und Vestland gab es bei der Wahl 2025 jeweils zwei Wahlkreise.
Die Anzahl der Parlamentssitze pro Wahlkreis wurde basierend auf der Fläche und Einwohnerzahl der einzelnen Wahlkreise berechnet, wobei die Verteilungszahl mit der Formel „1,8 * Fläche in km² + Einwohnerzahl“ berechnet wird. Durch diese Formel wird insbesondere der ländliche und dünn besiedelte Norden überrepräsentiert. Die Berechnung der Mandate pro Wahlkreis wurde bis zur Wahl 2021 vom Kommunalministerium alle acht Jahre neu durchgeführt. Für die Wahlen 2021 und 2025 hätten die Berechnung auf Werten vom 1. Januar 2020 beruhen sollen. In: valg.no. (norwegisch) Bei einer Änderung des Wahlgesetzes im Jahr 2022 wurde jedoch festgelegt, dass die Mandate vor jeder Wahl neu berechnet werden sollen. Bei der Neuberechnung im Jahr 2024 kam es zu einer Änderung der Mandatszahlen in Akershus, das ein Mandat hinzugewann, und Finnmark, das ein Mandat verlor.
In jedem Wahlkreis wurden alle Sitze bis auf einen anhand des dortigen Wahlergebnisses nach dem Sainte-Laguë-Verfahren bestimmt. Der verbleibende Sitz diente als Ausgleichsmandat, wodurch landesweit eine annähernd proportionale Repräsentation gewährleistet werden soll. Ausgleichsmandate wurden nur an Parteien verteilt, die landesweit mindestens vier Prozent der Stimmen erhielten. Parteien, die bei den Ausgleichsmandaten nicht berücksichtigt wurden, da sie Werte von unter vier Prozent erreichen, konnten über in den Wahlkreisen gewonnene Mandate trotzdem ins Storting einziehen.
mini|Wahlkreis mit Zahl der Mandate
Fylke Wahlkreis Einwohner(1. Januar 2024) Fläche(in km²) Mandate Veränderung25x25px Agder Aust-Agder 122.968 9.155 4 ±0 Vest-Agder 196.882 7.278 6 ±024x24px Akershus Akershus 728.803 5.895 20 +124x24px Buskerud Buskerud 269.819 14.694 8 ±025x25px Finnmark Finnmark 75.053 48.638 4 –125x25px Innlandet Hedmark 202.048 27.398 7 ±0 Oppland 174.256 24.675 6 ±024x24px Møre og Romsdal Møre og Romsdal 270.624 14.356 8 ±025x25px Nordland Nordland 243.081 38.155 9 ±024x24px Oslo Oslo 717.710 454 20 ±024x24px Østfold Østfold 312.152 4.004 9 ±024x24px Rogaland Rogaland 499.417 9.377 14 ±024x24px Telemark Telemark 177.093 15.298 6 ±025x25px Troms Troms 169.610 26.189 6 ±024x24px Trøndelag Nord-Trøndelag 135.440 21.945 5 ±0 Sør-Trøndelag 347.516 20.258 10 ±024x24px Vestfold Vestfold 256.432 2.168 7 ±024x24px Vestland Hordaland 541.875 15.438 16 ±0 Sogn og Fjordane 109.424 18.433 4 ±0 Norwegen – – – 169 ±0
Wahlberechtigung Wahlberechtigt waren nach § 2-1 des norwegischen Wahlrechts (Valgloven) alle norwegischen Staatsbürger, die bereits 18 Jahre alt waren oder bis zum Ablauf des Wahljahres 18 Jahre alt werden und als in Norwegen wohnhaft gemeldet sind oder waren. Das Personal an den norwegischen Botschaften und Konsulaten im Ausland sowie deren Haushaltsmitglieder erhielten das Stimmrecht unabhängig davon, ob sie jemals als in Norwegen wohnhaft gemeldet waren.
Termin
Wahltermin Am 3. Mai 2024 wurde im Staatsrat der Wahltermin für die Stortingswahl sowie für die zeitgleich stattfindende Sametingswahl auf Montag, den 8. September 2025 festgesetzt. Wahlen in Norwegen finden immer montags statt, gesetzlich vorgeschrieben ist der September als Wahlmonat. Jede Kommune konnte selbst entscheiden, ob zusätzlich am 7. September 2025, also am Sonntag, gewählt werden durfte.
Vorzeitige Stimmabgabe und Wahl aus dem Ausland mini|Wahllokal zur vorzeitigen Stimmabgabe in Røa (Oslo) im August 2025 In den norwegischen Kommunen war die vorzeitige Stimmabgabe in den Wahllokalen vom 11. August bis zum 5. September möglich. In Spitzbergen und Jan Mayen bestand die Möglichkeit vom 1. Juli bis zum 29. August 2025. Vom 1. Juli bis zum 8. August 2025 durften in den norwegischen Kommunen diejenigen Personen abstimmen, die weder in der Zeit vom 11. August bis zum 5. September noch am Wahltag selbst die Möglichkeit zur Stimmabgabe hatten.
Im Ausland lebende Norweger konnten vom 1. Juli bis zum 29. August 2025 in den norwegischen Botschaften, Konsulaten oder anderen benannten Abstimmungslokalitäten wählen gehen. Die Briefwahl ist nur für im Ausland lebende Personen vorgesehen, die keine derartigen Einrichtungen aufsuchen können.
Vorgezogene Wahlen Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern sind in Norwegen keine vorgezogenen Wahlen im Grundgesetz vorgesehen. Weder die Regierung noch das Parlament kann solche anordnen.
Ausgangslage Parlament
Bei der Parlamentswahl im September 2021 ging die sozialdemokratische Arbeiderpartiet (Ap) als größte Fraktion hervor. Ins Parlament zogen Mitglieder der Arbeiderpartiet, der konservativen Høyre (H), der Senterpartiet (Sp), der rechten Fremskrittspartiet (FrP), der sozialistischen Sosialistisk Venstreparti (SV), der Partei Rødt (R), der liberalen Venstre (V), der grünen Miljøpartiet De Grønne (MDG), der christdemokratischen Kristelig Folkeparti (KrF) sowie der Partei Pasientfokus (PF) ein. Die Partei Pasientfokus erhielt dabei nur ein Mandat im Wahlkreis Finnmark. Die Parteien KrF und MDG erreichten ebenfalls nicht vier Prozent und wurden bei der Verteilung der Ausgleichsmandate nicht berücksichtigt. Sie zogen mit jeweils drei Abgeordneten ins Storting ein.
Parlamentspräsidentin wurde nach der Wahl zunächst die Ap-Politikerin Eva Kristin Hansen. Sie trat bereits im November 2021 zurück und wurde von ihrem Parteikollegen Masud Gharahkhani ersetzt. Im März 2024 trat die frühere Außenministerin Anniken Huitfeldt aus dem Storting aus, um norwegische Botschafterin in den Vereinigten Staaten werden zu können.
Insgesamt 61 der 169 Stortingsmitglieder der Legislaturperiode 2021–2025 kandidierten bei der Parlamentswahl 2025 nicht erneut für einen Sitz im Parlament. Aus dem Kabinett Støre gaben Espen Barth Eide sowie die zum Zeitpunkt ihrer Bekanntgabe bereits aus der Regierung ausgeschiedenen Minister Anette Trettebergstuen und Ola Borten Moe bekannt, dass sie nicht zur Wiederwahl antreten werden. Zu den weiteren bekannteren Abgeordneten, die nicht den Nominierungsprozess ihrer Parteien durchliefen, zählen der ehemalige SV-Vorsitzende und frühere Minister Audun Lysbakken, die beiden früheren KrF-Vorsitzenden Olaug Bollestad und Kjell Ingolf Ropstad, die frühere SV-Parteisekretärin Kari Elisabeth Kaski sowie die ehemaligen Minister Jan Tore Sanner, Tina Bru und Linda Hofstad Helleland von der Partei Høyre. Des Weiteren wurden drei ehemalige Arbeiderpartiet-Ministerinnen der Regierung Støre in ihren Wahlkreisen nicht nominiert, obwohl sie sich der parteiinternen Kandidatur stellten: Marte Mjøs Persen, Hadia Tajik und Ingvild Kjerkol.
Regierung Støre
mini|Regierung Støre, Dezember 2023 Nach der Parlamentswahl am 13. September 2021 begannen die Arbeiderpartiet, die Senterpartiet und die Sosialistisk Venstreparti mit Sondierungsgesprächen. Die Sosialistisk Venstreparti unter Führung des damaligen Parteivorsitzenden Audun Lysbakken kündigte in der Folge an, sich nicht an der Regierung beteiligen zu wollen. Es folgten Regierungsverhandlungen zwischen der Arbeiderpartiet und der Senterpartiet. Am 14. Oktober 2021 übernahm die Regierung Støre unter dem Arbeiderpartiet-Vorsitzenden Jonas Gahr Støre als Minderheitsregierung die Amtsgeschäfte von Erna Solbergs Regierung.
Bei den landesweiten Kommunal- und Fylkestingswahlen im September 2023 gehörten die beiden Regierungsparteien zu den Wahlverlierern. Die Arbeiderpartiet erhielt das erste Mal seit 1924 bei einer Wahl landesweit weniger Stimmen als die Høyre. Im Februar trat die Senterpartiet aufgrund von Unstimmigkeiten zur Umsetzung von EU-Richtlinien zur Energiepolitik aus der Regierung aus. Die Arbeiderpartiet regiert seitdem alleine weiter. Trygve Slagsvold Vedum, der Vorsitzende der Senterpartiet, kündigte an, dass seine Partei trotz des Regierungsbruchs auch nach der Wahl 2025 weiter Støre als Ministerpräsidenten unterstützen werde.
Parteien und Kandidierende Parteien ParteiKurz-bezeichnungAusrichtungErgebnis2021Abgeordnete2021Wahlkreise Norwegenweit antretende Parlamentsparteien ApSozialdemokratie26,3 %48alle HLiberaler Konservatismus20,4 %36alle SpAgrarismus, Politische Mitte13,5 %28alle FrPRechtspopulismus, Nationalkonservativismus11,6 %21alle SVDemokratischer Sozialismus, Ökosozialismus7,6 %13alle RMarxismus4,7 %8alle VLiberalismus, Linksliberalismus4,6 %8alle MDGGrüne Politik3,9 %3alle KrFChristdemokratie3,8 %3alle Weitere im Parlament vertretene Parteien PFGesundheitspolitik, Regionalismus0,2 %1Finnmark Listen in allen Wahlkreisen Fred og Rettferdighet FORRussophilie–0alle Generasjonspartiet –0,0 %0alle KSozialkonservatismus, Rechtspopulismus0,4 %0alle Norgesdemokratene –Nationalismus, Rechtsextremismus1,1 %0alle Partiet DNI DNI–0alle –Politische Mitte0,3 %0alle Velferd og Innovasjonspartiet VIPartietInteressenpartei–0alle Listen in einigen Wahlkreisen INPPopulismus0,3 %0alle bis auf Telemark Ensomhetspartiet––0Oslo NKPKommunismus0,0 %0Vest-Agder PPInteressenpartei, Konservatismus0,6 %0alle bis auf Finnmark Redd Ullevål sykehus–Interessenpartei –0Oslo
Parteivorsitzende der landesweit antretenden Parlamentsparteien
Wahllisten der Parlamentsparteien Die Wahllisten für die einzelnen Wahlkreise mussten von den Parteien bis zum 31. März 2025 eingereicht werden.
Arbeiderpartiet Die Arbeiderpartiet trat in allen Wahlkreisen mit unterschiedlichen Parteilisten an. Der Parteivorsitzende Jonas Gahr Støre wurde auf dem ersten Platz der Arbeiderpartiet-Liste in Oslo aufgestellt.
WahlkreisListenplatz 1WahlkreisListenplatz 1WahlkreisListenplatz 1 Akershus Tonje Brenna Nordland Bjørnar Skjæran Sør-Trøndelag Trond Giske Aust-Agder Tellef Inge Mørland Nord-Trøndelag Bente Estil Telemark Terje Aasland Buskerud Masud Gharahkhani Oppland Rune Støstad Troms Cecilie Myrseth Finnmark Marianne Sivertsen Næss Oslo Jonas Gahr Støre Vest-Agder Kai Steffen Østensen Hedmark Nils Kristen Sandtrøen Østfold Jon-Ivar Nygård Vestfold Truls Vasvik Hordaland Lubna Jaffery Rogaland Andreas Bjelland Eriksen – – Møre og Romsdal Per Vidar Kjølmoen Sogn og Fjordane Torbjørn Vereide – –
Høyre Die Partei Høyre trat in allen Wahlkreisen mit unterschiedlichen Parteilisten an. Die Ministerpräsidentin und Parteivorsitzende Erna Solberg wurde auf den ersten Platz der Høyre-Wahlliste in Hordaland gewählt.