Der Silberschatz von Hohenwart (Landkreis Pfaffenhofen in Bayern) ist ein lokalgeschichtlich bedeutender Depotfund aus dem Spätmittelalter, der ab 2003 von drei Kindern mittels einer Metallsonde aus einer Baugrube geborgen wurde. mini|Ein Teil des Hohenwarter Silberschatzes
In mehreren Etappen gelangte der Münzhort, auf den die Öffentlichkeit 2004 über lokale Zeitungsberichte aufmerksam gemacht wurde, ins Hohenwarter Rathaus. Dort wurden einige der Münzen ausgestellt, bis der Depotfund im Sommer 2019 über die Archäologische Staatssammlung München an die Staatliche Münzsammlung München übergeben wurden, um ihn bestimmen zu lassen. vgl. Bente 2020, S. 138f.; vgl. Petz, Donaukurier / Mitteilungsblatt für den Markt Hohenwart.
Zusammensetzung des Fundensembles Es handelt sich bei dem Hort um 31 Silbermünzen, die fast alle aus dem bayrischen Raum und der Grafschaft Tirol stammen, wodurch die Zusammensetzung des Münzschatzes einen tendenziell regionalen Charakter aufweist: „Insgesamt zehn der Münzen stammen aus Tirol und bilden gleichzeitig die ältesten Prägungen in diesem Konvolut. Bei diesen Geprägen handelt es sich ausschließlich um silberne Kreuzer aus der Münzstätte Meran […]. Sechzehn weitere Münzen stammen aus den bayerischen Teilherzogtümern Bayern-München […], Bayern-Landshut […] und Bayern-Ingolstadt […] und können durchwegs als sogenannte schwarze Pfennige angesprochen werden, die […] zumeist einseitig beprägt vorliegen. Lediglich eine Münze stammt aus Amberg in der Oberpfalz und kann als Hälbling identifiziert werden, womit diese Prägung das niedrigste Nominal in diesem Hort darstellt. Aus dem Bistum Augsburg sind drei Pfennige bekannt […]. Nur eine Münze ist aufgrund des fortgeschrittenen Korrosionsgrades gänzlich unbestimmbar.“ Die große Anzahl an Münzen aus Tirol ist für bayrische Münzhorte des Spätmittelalters nicht ungewöhnlich, auffallend ist jedoch „das überwiegende Fehlen von kleineren Nominalen aus dem bayerischen Raum und Tirol, wodurch der Hortcharakter dieses Fundes nochmals unterstrichen wird.“Bente 2020, S. 139–141. mini| Augsburger Schwarzpfennig (Fehlprägung) mini|Augsburger Schwarzpfennig mini|Etschkreuzer (Vorderseite) mini|Etschkreuzer (Rückseite mit Adler) mini|Ingolstädter Schwarzpfennig
Datierung der Münzen Die vier ältesten Münzen wurden zwischen 1274 und 1306 geprägt und stammen aus Tirol. Der Großteil der Geldstücke stellt bayrische Schwarzpfennige dar, die zwischen 1395 und 1406 datiert werden können. Da die Pfennige des Bistums Augsburg vermutlich in der Mitte des 15. Jahrhunderts geprägt wurden, ist es nicht unplausibel, dass der Hort frühestens in diesem Zeitraum vergraben wurde. Bente 2020, S. 141f.
Fundumstände Einer der Finder gab 2018 gegenüber der Lokalpresse Auskunft darüber, wie er als Zwölfjähriger auf den Münzschatz aufmerksam geworden war:
Der Fundort befindet sich außerhalb des historischen Ortskerns. Die meisten Münzen waren miteinander verbacken, weshalb davon auszugehen ist, dass sich der Hort in einer organischen Hülle oder einem Gefäß befunden hatte. In der Baugrube wurden etliche mittelalterliche „Keramikscherben, Eisennägel und -fragmente, Buntmetallbeschläge sowie Ziegelfragmente, Mörtel und Tierknochen aufgelesen“. Bente 2020, S. 138f. Auf Grundlage dieses archäologischen Befundes urteilt Tamara Ringeisen in ihrer Studie zur Lokalgeschichte des Marktes Hohenwart:
Auch laut Fabian Bente besteht ein möglicher „Zusammenhang zwischen der Aufgabe des Siedlungsareals und der Verbergung des Münzhorts“. Bente 2020, S. 145.
Historische Einordnung Im Jahr 1074 wurde das Kloster von Hohenwart durch das Geschwisterpaar Ortolf und Wiltrudis aus dem Geschlecht der Rapotonen gegründet, woraufhin sich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts außerhalb der Klostermauern eine Siedlung von geringem Umfang bildete. Der zwischen 1310 und 1340 auf dem Klosterberg eingerichtete Markt Hohenwart wurde gegen Ende des 14. Jahrhunderts ins Paartal verlegt. Mit der bayrischen Landesteilung von 1255 wurde dieser Ort dem Herzogtum Bayern-München zugeschlagen. Als sich 1392 eine erneute Landesteilung vollzog, geriet Hohenwart in eine unmittelbare Grenzsituation zum Teilherzogtum Bayern-Ingolstadt. Aufgrund von Besitzungen des Klosters im Ingolstädter Landesteil wurde Hohenwart bis zum Aussterben der Ingolstädter Linie 1447 in Konflikte verwickelt. 1394 sowie 1420/22 kam es zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Bayern-München und Bayern-Ingolstadt (vgl. Bayerischer Krieg). 1395, 1398 und 1421/22 wurden Teile des Landgerichts Pfaffenhofen, zu denen auch Hohenwart gehörte, von den Ingolstädtern verheert. Obgleich sich die Situation Mitte des 15. Jahrhunderts für Hohenwart entspannte, hielten wirtschaftliche Schwierigkeiten in dieser Zeit an: Bereits ab 1300 war es zu einer Landflucht der Bauern gekommen und zwischen 1459 und 1460 kam es zu einer starken Inflation, der sogenannten Schinderlingszeit, die sich durch eine drastische Reduzierung des Silbergehalts der bayrischen Pfennige auszeichnete. Infolgedessen wurden ältere Münzen mit einem höheren Silbergehalt gehortet und dadurch dem Geldumlauf entzogen, während die neueren und schlechteren Münzen den Währungsraum überfluteten.vgl. Bente 2020, S. 142f. Vor diesem Hintergrund schlussfolgert Bente:
Literatur Fabian Bente: Ein spätmittelalterlicher Münzfund aus Hohenwart, Lkr. Pfaffenhofen an der Ilm (Obb.). In: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 69/70, 2019/2020, S. 361–386. Fabian Bente: Ein Bericht über den spätmittelalterlichen Münzhort von Hohenwart, Lkr. Pfaffenhofen an der Ilm. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt 129. Jahrgang, 2020, S. 138–146. Ernst Petz: Münzen aus den Kindertagen der Gemeinde ausgegraben. In: Donaukurier Nr. 43, 21./22. Februar 2004, S. 30. Ernst Petz: Drei junge Hobbyarchäologen finden Münzen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. In: Mitteilungsblatt für den Markt Hohenwart, 27. Februar 2004, Deckblatt. Tamara Ringeisen: Ein mittelalterlicher Keramikfund aus Hohenwart, Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt 129. Jahrgang, 2020, S. 112–137.
Weblinks Homepage: pfaffenhofen-today.de Der Silberschatz von Hohenwart, 20. September 2018. Homepage: donaukurier.de Funkelnde Münzen, 21. September 2018.
Einzelnachweise
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