Acorn war ein britisches Computerunternehmen, das in den 1980er- und 1990er-Jahren besonders in Großbritannien beliebte Computer und Set-Top-Boxen produzierte. Darunter befanden sich unter anderem der BBC Micro und der Acorn Archimedes. Acorn ist Initialfirma von ARM Limited.

Vorgeschichte Am 25. Juli 1961 gründete Clive Sinclair das auf Entwurf und Herstellung elektronischer Geräte spezialisierte Unternehmen Sinclair Radionics. Nach finanziellen Schwierigkeiten durch das Scheitern der Black-Watch-Armbanduhr und der Umstellung des Taschenrechnermarktes von LED- auf LC-Displays ersuchte Sinclair im August 1976 das National Enterprise Board (NEB) um finanzielle Hilfe. Das NEB bewilligte diese, verlangte als Gegenleistung jedoch einen Anteil von 43 % an Sinclair Radionics. Sinclair, der die Kontrolle über sein Unternehmen nur ungern aus der Hand gab, ermutigte seinen Mitarbeiter Chris Curry, Sinclair Radionics zu verlassen und gemeinsam das Unternehmen Science of Cambridge (SoC) zu gründen. SoC begann im Juni 1978 mit dem Verkauf eines Mikrocomputerbausatzes. Curry wollte ihn weiterentwickeln, scheiterte dabei allerdings an Sinclair. Ein Freund Currys, Hermann Hauser, Dozent für Physik an der Universität Cambridge, zeigte sich jedoch nach einem Besuch bei SoC während der Entwicklung des Heimcomputer-Bausatzes MK 14 an diesem Produkt interessiert.

Unternehmensgeschichte CPU Ltd (1978–1983) Aus ihrem gemeinsamen Interesse für Mikrocomputer heraus gründeten am 5. Dezember 1978 Chris Curry und Hermann Hauser das Unternehmen Cambridge Processor Unit Ltd (CPU), aus dem Acorn Computers wurde (Acorn war ursprünglich ein von CPU verwendeter Markenname). Bereits nach kurzer Zeit erhielt CPU von Ace Coin Equipment den Auftrag, einen Controller für deren Spielautomaten zu entwickeln. Anfänglich basierte deren Controller auf einem SC/MP-Mikroprozessor, wurde aber bald auf einen 6502 umgestellt.

Die Mikrocomputer Mit ihrem Einkommen aus „Design-and-Build“-Beratungen finanzierte CPU die Entwicklung eines 6502-basierten Mikrocomputers, der im Januar 1979 als erstes Produkt der Acorn Computer Ltd den Markt erreichte. Dieser Handelsname sollte die zwei unterschiedlichen Geschäftsfelder separieren. Acorn (zu deutsch „Eichel“) erschien dem möglichen „Wachstum“ des erweiterbar ausgelegten Mikrocomputers angemessen und stand zudem in Telefonbüchern vor dem Konkurrenten Apple.

Etwa zur gleichen Zeit gründete CPU zusammen mit Andy Hopper Orbis Ltd, um das Cambridge-Ring-Netzwerk zu kommerzialisieren. Hopper, der bereits während seiner Promotion daran gearbeitet hatte, wurde bald darauf als Geschäftsführer der CPU eingestellt und vertrat deren Interessen im Computerlabor der Universität Cambridge. Hoppers Anteile an Orbis wurden gegen CPU-Anteile ausgetauscht. Mit dem Wachstum der Marke Acorn veränderte sich die Rolle von CPU allmählich, so dass CPU schließlich nur noch eine Holdinggesellschaft war und Acorn zum entwickelnden Unternehmen wurde. Nach einer Meinungsverschiedenheit mit Sinclair verließ Curry offiziell Science of Cambridge, zog aber erst nach einiger Zeit zu den Angestellten von Acorn.

mini|Das Anzeige-Board des Acorn System 1, ausgeliefert am 9. April 1979

Der später Acorn System 1 genannte Acorn-Mikrocomputer wurde von Sophie Wilson entworfen. Er war hauptsächlich auf Ingenieure und Laborangestellte ausgerichtet, jedoch durch seinen niedrigen Preis von 80 £ auch für Computerenthusiasten attraktiv. Die Maschine selbst bestand aus zwei Platinen, von denen eine die LED-Anzeige, ein Tastenfeld und eine Kassetten-Schnittstelle (die Bauteile links vom Tastenfeld) und die andere den Rest des Computers (inklusive des Prozessors) enthielt. Nahezu alle Prozessorsignale waren über eine Eurocard-Buchse zugänglich.

Das System 2 ließ sich leichter erweitern, weil die Prozessorkarte des System 1 in einem 19-Zoll-Eurocard-Gehäuse saß. Ein typisches System 2 wurde mit einem Tastaturcontroller samt externer Tastatur, einer Textanzeige und einem auf Kassette gespeicherten Betriebssystem mit integriertem BASIC-Interpreter ausgeliefert.

Beim System 3 fügte Acorn die Unterstützung für Diskettenlaufwerke hinzu, das System 4 bekam ein größeres Gehäuse mit einem zweiten Laufwerk. Für das System 5 wurde der 6502-Chip durch eine neuere, auf 2 MHz getaktete Version ersetzt.

Der Acorn Atom mini|Der Acorn Atom

Bei Science of Cambridge begann im Mai 1979 die Entwicklung des Sinclair ZX80. Das war vermutlich der Anlass für Curry, das ebenfalls auf den Verbrauchermarkt zielende Atom-Projekt zu initiieren. Curry und Nick Toop entwickelten die Maschine in Currys Haus in den ostenglischen Fens. Zu dieser Zeit wurde die Marke Acorn amtlich eingetragen und Curry zu einem Vollzeitangestellten.

Die Absicht, in den Verbrauchermarkt einzudringen, ist hauptsächlich Curry zuzuschreiben, die anderen Fraktionen innerhalb Acorn, inklusive der Ingenieure, waren froh, sich aus diesem Markt heraushalten zu können. Sie betrachteten die Fertigung eines Heimcomputers als unseriös. Um die Kosten möglichst niedrig und damit die Angriffsfläche des Atom für dessen Kritiker möglichst klein zu halten, bat Curry den Industriedesigner Allen Boothroyd um den Entwurf eines Gehäuses, das gleichzeitig die externe Tastatur für die Mikrocomputer aufnehmen konnte. Die Komponenten eines System 3 wurden innerhalb dieses Gehäuses platziert. Das ergab ein für die preiswerten Heimcomputer der frühen 1980er Jahre typisches System. Der Atom erwies sich als vergleichsweise erfolgreiches Projekt.

Um die Softwareentwicklung zu stützen, installierte CPU in Market Hill ein proprietäres Local Area Network und integrierte Unterstützung für dieses Econet in den Atom. Bei Markteinführung im März 1980 wurden auf einer Computermesse acht vernetzte Atoms demonstriert, die bereits mit Funktionen wie gemeinsamer Dateinutzung und vollständiger Fernsteuerung aufwarten konnten.

Der BBC Micro und der Electron Nachdem der Atom im Markt erfolgreich etabliert worden war, begann Acorn mit dem Entwurf eines Nachfolgers. Der Markt bot neue 16-Bit-Prozessoren, aber sollten diese auch schon genutzt werden? Nach langer Diskussion schlug Hauser einen Kompromiss vor: eine Weiterverwendung des 6502 mit deutlich verbesserten Erweiterungsmöglichkeiten. Acorns technischer Stab, der mehrheitlich den Atom abgelehnt hatte, sah diesen Proton als Möglichkeit, es diesmal „richtig“ zu machen.

Einer der Vorschläge für die Entwicklung des Proton war die Tube (zu deutsch „Röhre“), eine proprietäre Schnittstelle, mit der ein zweiter Prozessor integriert werden konnte. Durch diesen Kompromiss konnte eine preiswerte, für den Massenmarkt konzipierte 6502-Maschine mit komplexen und teuren Prozessoren erweitert werden. Die Tube erlaubte eine Auslagerung von Berechnungen auf den zweiten Prozessor, während der 6502 die Ein- und Ausgabe von Daten übernahm. In späteren Jahren spielte die Tube eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Acorns eigenem Prozessor.

In den frühen 1980er Jahren ersann die Weiterbildungsabteilung der BBC ein Schulungsprogramm für die Nutzung von Computern. Die Idee entstand größtenteils als Folge der Dokumentation The Mighty Micro des Senders ITV, in der Christopher Riche Evans des britischen National Physical Laboratory die Mikrocomputer-Revolution vorhersagte. Die Dokumentation erwies sich als sehr einflussreich, selbst im britischen Parlament wurden die aufgeworfenen Fragen erörtert. Als Resultat interessierten sich sowohl das Department of Industry (DoI) als auch die BBC Enterprises für das Programm. Letztere wollte eine Maschine zur Weiterbildung anbieten und wies BBC Engineering an, eine solche zu spezifizieren.

Auf Druck des DoI, einen in Großbritannien gefertigten Computer zu wählen, entschied sich die BBC letztlich für das NewBrain der Newbury Laboratories. Diese Wahl demonstriert den auf die eigentlich unabhängige BBC ausgeübten Druck: Newbury gehörte zum Besitz des National Enterprise Board (NEB), einem eng mit dem DoI kooperierenden staatlichen Amt. Ironischerweise stammte das NewBrain ursprünglich von Sinclair Radionics, wo genau diese Entscheidung Sinclairs gegen Science of Cambridges MK 14 zum Abschied Currys geführt hatte, was wiederum das NEB veranlasste, das Projekt zu Newbury zu verlagern.

mini|links|Der BBC Micro Von 1980 bis 1982 begann das britische Department of Education and Science (DES) das Microelectronics Education Programme, das in Konzepte und Lehrmaterialien zu Mikroprozessoren einführen sollte. Von 1982 bis 1986 stiftete das DoI lokalen Bildungsbehörden Drittmittel, so dass diese ihre Schulen mit Mikrocomputern ausstatten konnten. Dabei erwies sich der BBC Micro als einer der populärsten Computer. Parallel dazu förderte das DES Lehrerausbildung und Entwicklung weiterer Computermaterialien, wie Software und Projekte zur angewandten EDV.

Obwohl Newbury das NewBrain kontinuierlich weiterentwickelte, war bald absehbar, dass es weder für die Schulungsprogramme noch für die Ausschreibung der BBC hinreichend schnell verfügbar sein würde. Die für Herbst 1981 angesetzten BBC-Programme wurden auf das Frühjahr 1982 verschoben. Curry und Sinclair erfuhren von den Plänen des BBC und reichten eigene Vorschläge ein. Vertreter der BBC besichtigten Acorn und bekamen den Proton vorgeführt. Danach wurde Acorn der Vertrag zugesprochen, die Anfang 1982 mit der Produktion des Proton als BBC Micro begannen. Im April 1984 wurde Acorn dafür der Award for Technology der britischen Königin verliehen. Diese Auszeichnung galt besonders der fortschrittlichen Technik des BBC Micro und ehrte Acorn für „die Entwicklung eines Mikrocomputers mit vielen innovativen Eigenschaften“.

Im April 1982 führte Sinclair den ZX Spectrum ein. Curry ersann als Gegenstück dazu den Electron, der in vielerlei Hinsicht ein reduzierter BBC Micro war und unter 200 £ kostete. Der Electron hatte für einen Großteil seiner Funktionalität ein von Acorn entworfenes Uncommitted Logic Array (ULA). Durch Probleme bei der Herstellung des ULA entstand jedoch ein Versorgungsengpass, so dass der Electron, obwohl im August 1983 eingeführt, zum Weihnachtsgeschäft 1983 nicht in ausreichender Stückzahl vorhanden war. Acorn entschloss sich, dieses Problem für das Geschäftsjahr 1984 zu lösen, und verhandelte seine Produktionsverträge neu aus.

Die Acorn Computer Group AG (1983–1985)

Der BBC Micro verkaufte sich gut und Acorns Gewinne erhöhten sich von 3.000 im Jahr 1979 auf 8,6 Millionen Pfund Sterling im Juli 1983. Im September 1983 wurden die CPU-Anteile liquidiert und Acorn als Acorn Computer Group plc auf dem Londoner Unlisted Securities Market eingetragen. Acorn Computers Ltd war nun die Abteilung für Mikrocomputer. Bei einem minimalen Angebotspreis von 120 Pence entstand die AG mit einer Börsenbewertung von etwa 135 Millionen Pfund Sterling. Die CPU-Gründer Hauser und Curry wurden durch ihre Anteile auf dem Papier zu Millionären: Hausers 53,25 Millionen Anteile bedeuteten 64 Millionen Pfund, während Curry mit 43 Millionen Anteilen noch immer 51 Millionen Pfund besaß.

Neue RISC-Architektur Bereits seit dem Atom wurde bei Acorn eine Abkehr vom 6502 geplant. Ein Schlüsselelement dafür ist der 16-Bit Acorn Communicator mit dem 65816-Prozessor des Unternehmens Western Design Center. Zusammen mit dem Apple IIgs war das eine der wenigen kommerziellen Applikationen des WD 65816.