mini|hochkant|Ines Schwerdtner (2025) Ines Schwerdtner (* 26. August 1989 in Werdau) ist eine deutsche Publizistin und Politikerin (Die Linke). Sie ist seit Oktober 2024 Bundesvorsitzende ihrer Partei, bis Juni 2026 zusammen mit Jan van Aken, seither gemeinsam mit Luigi Pantisano, und seit 2025 direktgewählte Abgeordnete im Deutschen Bundestag.

Ab 2014 war sie freiberuflich als Journalistin tätig und schrieb für einige linksorientierte Zeitungen. Von 2014 bis 2019 war sie Koordinatorin der Zeitschrift Das Argument. Im Jahr 2020 gründete sie zusammen mit anderen die deutschsprachige Ausgabe des ursprünglich aus den USA stammenden sozialistischen Magazins Jacobin. Im Jahr 2023 trat Schwerdtner in die Linkspartei ein, nachdem sie die Partei zuvor journalistisch begleitet hatte. Sie ordnet sich dem sozialistischen und gewerkschaftsnahen Parteiflügel zu.

Leben Kindheit, Ausbildung und Studium Ines Schwerdtner wurde 1989 in Werdau im DDR-Bezirk Karl-Marx-Stadt geboren. Nach eigenen Angaben zog ihre Familie nach der friedlichen Revolution in der DDR wegen der wirtschaftlichen Umbrüche in den Westen, wo sie ab dem vierten Lebensjahr in Hamburg-Harburg aufwuchs. Schwerdtner beschreibt sich selbst als „Wendekind“ und betont, dass die Trennlinie zwischen Ost und West auch ihre Biografie geprägt habe. Ihr Vater arbeitete ursprünglich als Schiffskoch, nach Familiengründung als Heizer in einem Kraftwerk, und ihre Mutter als Spinnerin. Mit der Wende verloren sie ihre Arbeit; er arbeitete später als Gerichtsbeamter und sie in der Altenpflege. Politik spielte in ihrem Elternhaus eine untergeordnete Rolle. Sie hat eine ältere Schwester.

Schwerdtner besuchte die Gesamtschule Harburg,Abi 2009: Alle Namen auf einen Blick. Gesamtschule Harburg. abendblatt.de, 15. Juli 2009. wo sie Schulsprecherin war. Von 2009 bis 2014 studierte sie Politikwissenschaft und Anglistik auf Lehramt bis zum Bachelor an der Freien Universität Berlin. 2014 zog sie für ein Masterstudium in Politischer Theorie nach Frankfurt am Main, welches sie 2019 abschloss.Ines Schwerdtner. Abgerufen am 28. Februar 2025

Privates Seit 2015 ist Ines Schwerdtner die Mutter eines Sohnes, mit dem sie in Berlin lebt. Sie ist seit 2023 mit Robert Krotzer, einem in Graz als Stadtrat regierenden österreichischen Politiker der KPÖ, liiert. Sie ist konfessionslos.

Publizistische Tätigkeit mini|Ines Schwerdtner (2019) Schwerdtner war ab 2014 als freiberufliche Journalistin und Publizistin tätig. Während ihres Masterstudiums übernahm Schwerdtner ab 2014 die Koordination der marxistisch-wissenschaftlichen Zeitschrift Das Argument. Diese Tätigkeit führte sie bis 2019 aus. 2020 gründete sie zusammen mit Ole Rauch und Loren Balhorn die deutschsprachige Ausgabe des sozialistischen Magazins Jacobin, das sie bis 2023 als Chefredakteurin leitete. Dieses solle ihrer Auffassung nach eine „frische neue Stimme des Sozialismus [...] sein“. Dabei schrieb sie teilweise das Editorial als auch Beiträge für die Jacobin Printausgaben. Sie trat von dieser Position 2023 zurück, um sich mehr ihrem politischen Engagement zu widmen.

Ferner war sie Moderatorin des politischen Podcasts halbzehn.fm. Sie veröffentlichte politische Analysen und Kommentare unter anderem in Der FreitagZum Beispiel: Nur Mut! Linkspartei Die Linken müssen sich von ihren Milieubefindlichkeiten lösen und knallhart für die Ausgegrenzten eintreten, meint Jacobin-Chefredakteurin Ines Schwerdtner, Der Freitag, 44/2021. und in Analyse & kritik.Zum Beispiel: Ein letzter Anlauf für die SPD, AK, 10. Dezember 2019. Ferner betreibt sie einen eigenen Blog. Ab 2023, bis zu ihrer Wahl als Parteivorsitzende, war sie redaktionell für den Podcast Hyperpolitik tätig, den sie im September 2025 neu auflegte.

Schwerdtner ist Fellow des Berliner Instituts für kritische Theorie (InkriT) und wirkte als solche über mehrere Jahre an der Neuausgabe des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus mit.

Politik und Wirken Engagement in Initiativen und Vereinen Während ihres Studiums engagierte sich Schwerdtner in politischen Initiativen und war einige Jahre Sprecherin der Jungen GEW der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie war außerdem in der Initiative Deutsche Wohnen & Co. enteignen tätig. Schwerdtner war eine der Initiatorinnen der Kampagne „Genug ist Genug“, die 2022 als Reaktion auf steigende Preise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und ihrer Meinung nach unzureichende Maßnahmen der Regierung zur Unterstützung ärmerer Teile der Bevölkerung gegründet wurde. Beide Initiativen setzten sich gegen soziale Ungerechtigkeit und für die Rekommunalisierung von Wohnraum ein. Im Jahr 2022 wirkte sie in der gemeinnützigen Bundesstiftung COMÚN in Österreich als Themenbeirätin mit. Außerdem war sie bis Oktober 2024 Referentin des Vorstandsvorsitzenden der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Parteikarriere Weg zur Linkspartei (2007–2023) 2007 gewann Schwerdtner zusammen mit einer Jugendgruppe eine Studienreise nach Spanien, um etwas über die Antifaschisten und Widerstandskämpfer des Spanischen Bürgerkriegs zu lernen. Der Preis wurde von Gesine Lötzsch ausgeschrieben. Diese Begegnung stellte ihren ersten Kontakt sowohl mit der Partei, damals die PDS, und Lötzsch dar. Für letztere arbeitete sie später auch als Praktikantin. Dies, sowie die Bundestagsdebatten insbesondere zur Einführung der Agenda 2010, die sie als Jugendliche im Alter von 15–16 Jahren verfolgte, prägten sie politisch. Sie arbeitete für und im Team des seinerzeit fraktionslosen Bundestagsabgeordneten Marco Bülow.

Eintritt in Die Linke und frühe politische Ämter (2023–2024) Im Sommer 2023 trat Schwerdtner auf Anregung von Gesine Lötzsch der Partei Die Linke bei. Sie erklärt, sie sei über Jacobin zur Linkspartei gekommen. Sie habe sich als Journalistin mit dieser beschäftigt und dann den Entschluss gefasst, ebenfalls aktiv mitzuwirken. Zudem ist sie seit März 2024 Mitglied des Bundessprecherrates der Bundesarbeitsgemeinschaft Betrieb und Gewerkschaft.

Im Februar 2024 gründete sie zusammen mit anderen Mitgliedern der Partei Die Linke die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Die Linke hilft. Diese soll die Vernetzung der verschiedenen Initiativen, die von der Linkspartei ausgehen, im Rahmen von Mietproblemen, Arbeitslosigkeit oder sozialen Fragen verbessern. Die BAG wird als Schwerdtners Herzensprojekt beschrieben. Darauffolgend wurde die BAG im März 2024 offiziell von der Partei als bundesweiter Zusammenschluss anerkannt.

Kandidatur für das Europaparlament 2024 Ein Jahr nach ihrem Parteieintritt kandidierte Schwerdtner erfolglos auf Listenplatz fünf der Linken für die Europawahl 2024. Schwerdtner kandidierte über die Liste der Linken aus Sachsen-Anhalt. Dabei wurde sie von der Landesvorsitzenden Janina Böttger unterstützt. Sie plante, sich im Europaparlament auf Themen der Wirtschafts- und Industriepolitik zu konzentrieren. Im Wahlkampf erhielt sie ferner Unterstützung von Gregor Gysi.

Im Laufe des Europawahlkampfes und danach veranstaltete Schwerdtner eine Tour durch Ostdeutschland. Dabei besuchte sie vor allem Kreisverbände der Linkspartei. Sie hob dabei hervor, dass man bei den Menschen vor Ort sein müsse, um ihre Probleme einschätzen zu können. Im Nachgang der Wahl sprach sie in einer eigenen Analyse davon, dass sich die Linkspartei nicht nur darauf konzentrieren könne, Wähler von der SPD und Grünen abzufangen, um die Verluste auf der anderen Seite, vor allem an das BSW, auszugleichen. Sie forderte ferner einen „inhaltlichen Fokus und einen strategischen Kompass“ und wolle zudem die Landtagswahlen Sachsen, Brandenburg und Thüringen unterstützen.

Zeit als Parteivorsitzende (ab 2024) Im Juli 2024 plädierte sie in einem Beitrag für die Zeitschrift Luxemburg für einen Kurswechsel der Linkspartei. Dieser beinhaltete Forderungen nach strategischer Eindeutigkeit, programmatischer Klarheit und organisationspolitischer Erneuerung. Danach kündigte sie im August dieses Jahres ihre Kandidatur für den Bundesparteivorsitz der Linken an. Zudem fordert sie eine neue politische Kultur in der Partei. Es gehe ihr dabei vor allem um „revolutionäre Freundlichkeit und Solidarität zu leben“.

Nach der Antisemitismusdebatte in der Berliner Linken aus dem Oktober 2024 arbeitete sie, zusammen mit van Aken, maßgeblich an dem Beschluss der Linken zum Nahostkonflikt auf dem Halleschen Parteitag 2024 mit. In diesem wurden ein sofortiger Waffenstillstand und die Freilassung der von der Hamas verschleppten israelischen Geiseln gefordert. mini|alt=Ines Schwerdtner hält einen Blumenstrauß und lacht.|Ines Schwerdtner nach ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden (Halle, 2024)

Am 19. Oktober 2024 wurde Schwerdtner auf dem Bundesparteitag in Halle (Saale) mit 79,8 % der Stimmen gemeinsam mit Jan van Aken zur Bundesvorsitzenden gewählt. Schwerdtner begrenzte ihr Einkommen als Parteivorsitzende – wie auch ihr Co-Vorsitzender van Aken – auf das deutsche Durchschnittsgehalt (2850 Euro netto im Monat). Den darüber hinausgehenden Teil ihrer Bezüge spendeten sie an soziale Projekte. In einem Interview aus dem Februar 2025 gab sie bekannt, bis Ende 2027 eine Erneuerung des 2011 verabschiedeten Grundsatzprogramms anzustreben, um das Programm an die aktuelle Lage anzupassen. Durch die vielen Neueintritte sei die Linke „inzwischen praktisch eine neue Partei“.

Schwerdtner bereitete als Parteivorsitzende die Strategie vor, die Linke von einer „Partei für urbane Linksintellektuelle“ wieder zu einer Partei der Arbeiterklasse zu machen. Sie ordnet sich selbst dem sozialistischen und gewerkschaftsnahen Parteiflügel zu und habe einen Hang zum „Arbeiterbewegungs-Marxismus“ anstelle einer „theoriegeladenen Schule“. Sie sieht insbesondere die Wahlkampfstrategie der KPÖ, die 2021 in Graz stärkste Kraft wurde, als Vorbild für die Linkspartei an und übernahm deren Fokus auf steigende Mieten und Lebensmittelpreise auch für den Wahlkampf der Linken.

Die österreichische Zeitschrift Das Tagebuch urteilte im Frühjahr 2025, dass neben Heidi Reichinnek und Jan van Aken auch Schwerdtner für den Erfolg der Linkspartei bei der Bundestagswahl 2025 verantwortlich gewesen sei. Ferner sei den beiden Vorsitzenden, zumindest während des Wahlkampfes, eine Einigung der Flügel innerhalb der Linkspartei gelungen. Schwerdtner war laut Kersten Augustin im Wahlkampf vor allem für die Basis verantwortlich, während sich van Aken und Reichinnek auf Talkshows bzw. Social Media fokussierten.

Auf dem Parteitag der Linkspartei in Chemnitz im Frühjahr 2025 sagte sie: „Wir stehen gemeinsam in der Verantwortung, eine lernende, eine andere Partei zu sein“. Die Tagesschau urteilte, dass es sich um eine neue Linke handele, die entstehe. Zudem sei die Zeit der „unversöhnlichen Lager“ vorbei. Schwerdtner bezeichnete die Linke als eine „organisierende Klassenpartei“, die den „demokratischen Sozialismus“ erreichen wolle. Die Debatte auf dem Chemnitzer Parteitag im Bezug auf die „Diätendeckel“ wurde als „erste[r] parteiinternen Konflikt“ der neuen Parteivorsitzenden Schwerdtner und van Aken wahrgenommen, welche diesen befürworten. Daran gab es parteiintern nur anonyme Kritik.

Ende Januar 2025 kündigte sie an, auf dem Parteitag im Juni erneut mit Jan van Aken für das Amt der Parteivorsitzenden zu kandidieren.

Bundestagsmandat (ab 2025) mini|Bundespressekonferenz der Linken nach der Bundestagswahl 2025; links Jan van Aken, rechts Heidi Reichinnek