Christoph A. Schaltegger (* 22. März 1972 in Basel) ist ein Schweizer Wirtschaftswissenschaftler. Er ist ordentlicher Professor für Politische Ökonomie und Direktor des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern.Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger. Universität Luzern.
Leben und Karriere Schaltegger schloss das Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Basel im Jahr 1999 ab. Es folgten die Promotion (2003) und die Habilitation (2009) in Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen. Er war von 2003 bis 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Eidgenössischen Steuerverwaltung und von 2006 bis 2007 persönlicher Referent von FDP-Bundesrat Hans-Rudolf Merz im Eidgenössischen Finanzdepartement. Von 2008 bis 2010 war Schaltegger Mitglied der Geschäftsleitung von Economiesuisse. 2010 wurde er von der Universität Luzern zum Professor für Politische Ökonomie berufen und baute die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät auf, die er bis 2022 als Dekan leitete.Reto Bieri: Christophe A. Schaltegger gibt die Leitung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ab. In: Luzerner Zeitung. 31. Januar 2022. Seit 2011 ist er ausserdem Direktor am Institut für Finanzwissenschaft und Finanzrecht (IFF-HSG) der Universität St. Gallen.
Seit 2021 ist Schaltegger Gründungsdirektor des privat finanzierten Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern, das er zusammen mit dem ehemaligen NZZ-Feuilletonchef René Scheu (Geschäftsführer) leitet.Neues An-Institut erforscht und vermittelt Schweizer Wirtschaftspolitik. Universität Luzern, 15. Dezember 2021.Christoph Eisenring: Ein neues Institut mit Mission: «Es ist doch phantastisch, dass sich Wirtschaftsgrössen engagieren», sagt der Ökonom Christoph Schaltegger, In: Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2021. Die Urkunde der Stiftung Schweizer Wirtschaftspolitik, die das IWP finanziert, und die Kooperationsvereinbarung mit der Universität Luzern sind öffentlich publiziert.https://www.unilu.ch/fileadmin/universitaet/unileitung/dokumente/reglemente_uni/Kooperation_WiPol_UniLU.pdf Die Finanzierung des Instituts durch die von Unternehmern wie Alfred Schindler, Michael Pieper und Sara Hürlimann getragene Stiftung wurde vereinzelt kritisiert. Seine Forschungsresultate fanden weite Beachtung und gaben auch Anlass zu kontroversen Diskussionen.Francesco Benini: Ein Institut an der Uni Luzern löst mit Studien zur Schweizer Wirtschaft heftige Reaktionen aus – wo liegt das Problem?, in: Aargauer Zeitung, 1. Juli 2023 2023 wurde das IWP für seinen «faktenbasierten Beitrag zur wirtschaftspolitischen Diskussion in der Schweiz» mit dem Liberal Award der Jungfreisinnigen des Kantons Zürich und 2025 im Kursaal in Bern mit dem Bonny-Peis der Freiheit ausgezeichnet.Berner Stiftung, Bonny-Preis 2025 geht an René Scheu und Christoph Schaltegger In: BZ Berner Zeitung. 14. August 2025Christoph Schaltegger und René Scheu gewinnen den Freiheitspreis 2025 der Bonny-Stiftung In: NZZ. 14. August 2025
Schalteggers Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des Föderalismus mit besonderer Berücksichtigung von nationalem Finanzausgleich und Schuldenbremse, im Bereich von Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und der sozialen Mobilität und im Bereich der fiskalischen Nachhaltigkeit.Curriculum Vitae Christoph A. Schaltegger. Universität Luzern (PDF; 381 kB).
In ihrem Ranking der einflussreichsten Schweizer Ökonomen führte die NZZ Schaltegger 2019 auf dem 3. und 2021 auf dem 6. Platz.https://www.nzz.ch/wirtschaft/oekonomen-ranking-der-nzz-2019-die-komplette-rangliste-ld.1509715 Er verfasst regelmässig Beiträge für die Neue Zürcher Zeitung, die Finanz und Wirtschaft, Die Volkswirtschaft und andere Schweizer Medien.
Christoph Schaltegger war von März bis September 2024 Mitglied der vom Bundesrat eingesetzten Expertengruppe zur Überprüfung der Aufgaben und Subventionen des Bundes. Das Präsidium führte Serge Gaillard, früherer Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung und ehemaliger geschäftsführender Sekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes.https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=100340 Der Bundesrat nannte die Vorschläge der Expertengruppe eine «gute Grundlage für die weiteren Schritte» und hat die meisten Sparmassnahmen in seiner Botschaft übernommen.https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=102357
Affiliationen Schaltegger ist Mitglied der European Academy of Sciences and Arts, Mitglied im Finanzwissenschaftlichen Ausschuss des Vereins für Socialpolitik, Herausgeberbeirat der Perspektiven der Wirtschaftspolitik, Member of the Board of European Journal of Politicial Economy, Mitglied des Vorstands des Walter Eucken Instituts und Herausgeber von Kyklos – International Review for Social Sciences. Zudem ist Schaltegger Fellow des in Zürich domizilierten, privat finanzierten Center for Research in Economics, Management and the Arts (CREMA).
Rezeption Christoph Schaltegger und die Arbeit des von ihm geleiteten Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) werden in den Schweizer Medien breit rezipiert. Während eher bürgerliche Medien wie die Weltwoche, die Neue Zürcher Zeitung oder CH Media die Arbeit des Instituts zustimmend zitieren, werfen eher linke Medien wie die Republik und die WOZ dem Direktor einen «Willen zur politischen Macht» vor.
Das IWP unterhält als sogenanntes An-Institut mit der Universität Luzern eine öffentlich einsehbare Kooperationsvereinbarung. Demnach ist das Institut in der inhaltlichen Schwerpunktsetzung «unabhängig und autonom». Doch ist es verpflichtet, «die Normen und Prozeduren der wissenschaftlichen Qualitätssicherung der Universität» einzuhalten. Armin Hartmann, Bildungsdirektor des Kantons Luzern und Präsident des Universitätsrats, hat bestätigt, dass man im Rahmen der Arbeiten zur Qualitätssicherung keine Verletzung der akademischen Standards festgestellt habe. Das IWP wird von einer privaten Stiftung finanziert, deren Spendende weitgehend anonym sind. Gemäss Eigendeklaration nimmt die Stiftung keine Spenden an, die mit inhaltlichen Weisungen irgendwelcher Art verbunden sind.
Die WOZ schrieb 2024, dass Schaltegger sich mit dem IWP eine Maschine geschaffen habe, um seine ideologischen Überzeugungen in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Republik warf dem Institut 2026 vor, wissenschaftliche Standards nicht einzuhalten. Sie falsifizierte keine einzige Studie, sondern führt hierzu vereinzelte Zitate an, u. a. aus einem Artikel von Watson (Nachrichtenportal) und Kurznachrichten von Wissenschaftern aus sozialen Medien. Zwar habe das IWP rund ein Dutzend Studien verfasst, die in wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht wurden. Hauptsächlich produziere es jedoch Thesenpapiere, die kein wissenschaftliches Begutachtungsverfahren durchlaufen. Hauptanliegen des IWP seien tiefe Steuern für Unternehmen und Vermögende, möglichst tiefe öffentliche Ausgaben für Gesundheit, Altersvorsorge oder für den Kampf gegen den Klimawandel, und gegen die Integration in die EU.
Neuere Publikationen (Auswahl) mit Jonas Bühler und Melanie Häner-Müller: Who You Meet Matters: International Evidence on Economic Connectedness and Social Mobility, The B.E. Journal of Economic Analysis & Policy, August 2026.https://www.degruyterbrill.com/de/document/doi/10.1515/bejeap-2025-0497/html mit Jonas Bühler, Oskar G. Jenni, Melanie Häner-Müller und Flavia M. Wehrle: Multigenerational family effects on cognitive abilities, Intelligence, 114, 2026.https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160289625000856?via%3Dihub mit Jonas Bühler und Melanie Häner-Müller: The Mystery of Success: How Family Background Shapes Social Mobility, Review of Income and Wealth, 72, 2026.https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/roiw.70073 mit Melanie Häner-Müller und Michele Salvi: Marry into new or old money? The distributional impact of marital decisions from an intergenerational perspective, Journal of Economic Behavior & Organization, 224, 2024.https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S016726812400218X mit Melanie Häner: The Name Says It All: Multigenerational Social Mobility in Basel (Switzerland), 1550–2019, Journal of Human Resources, 59(3), 2024, 711–742. mit Jana Jarck und Michele Salvi: Die Schuldenbremse: Erfahrungen und Herausforderungen aus einer Schweizer Perspektive, in Perspektiven der Wirtschaftspolitik 23, 2022, S. 252–270. Mit Lars Feld, Christian Frey und Lukas A. Schmid: Fiscal Federalism and Income Inequality: An Empirical Analysis for Switzerland, in Journal of Economic Behavior & Organization 185, 2021, S. 463–494. Mit Lars Feld und Janine Studerus: Risk Sharing, regional Stabilization and Restribution. The Role of Fiscal Mechanisms in Switzerland, in Oxford Economic Papers 73, 2021, S. 601–622. mit Thomas Studer: Napoleons reiche Beute. Eine aktuelle Einordnung zur Bedeutung des gestohlenen Berner Staatsschatzes von 1798. Stämpfli, Bern 2020.Napoleons reiche Beute (mit Video zum Buch). Universität Luzern. mit Lars Feld (Hrsg.): Föderalismus und Wettbewerbsfähigkeit in der Schweiz, NZZ Libro, Zürich 2017.
Einzelnachweise
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