Silja Tillner (geboren 1960 in Wien) ist eine österreichische Architektin und Stadtplanerin. Sie ist Gründungsgesellschafterin des Büros Architekten Tillner & Willinger in Wien.

Leben Jugend und Ausbildung Tillner wuchs in einer ökologiebewussten Familie auf. Sie engagierte sich als Jugendliche in der Anti-Zwentendorf-Bewegung. Als Erwachsene begann sie die aktuelle Stadtplanung zu hinterfragen und menschenwürdige Stadtmodelle zu entwickeln.

Tillner studierte Architektur an der Technischen Universität Wien und an der Akademie der Bildenden Künste Wien in der Meisterklasse von Gustav Peichl. 1988 schloss sie ihr Studium mit dem Diplom ab. Anschließend erhielt sie ein Fulbright-Stipendium für ein Studium an der University of California, Los Angeles (UCLA), das sie 1990 mit einem Master of Architecture abschloss. Titel ihrer Masterarbeit an der UCLA lautete „The End of the Glendale Freeway“ (Das Ende der Glendale-Autobahn) in Silver Lake, in der sie die Kombination aus privaten Verkehrsmitteln und kommunalen Dienstleistungen vorschlug.

mini|Überdachung am Urban-Loritz-Platz, Wien 1999 mini|Modernisierte Wiener Stadtbahnbögen 2000 Architektin und Stadtplanerin Von 1989 bis 1994 arbeitete Tillner als Stadtplanerin in Los Angeles bei der Urban Innovations Group, im Büro von Hodgetts + Fung, bei der Community Redevelopment Agency (CRA) und schließlich selbständig am „Glendale Corridor Plan“ in Zusammenarbeit mit Gruen Associates. Sie kümmerte sich schon dort in verschiedenen Projekten darum, städtische Unorte – wie öffentliche Plätze, Industriebrachen oder Zwickel zwischen Autobahnen und Gleisanlagen – zu revitalisieren. Im planerischen Fachjargon wird das als „Care and Repair“ bezeichnet. Tillner selbst nennt es „Restlkochen“.

Zurück in Wien arbeitete Silja Tillner seit 1995 als freie Architektin und Stadtplanerin.

Zu ihren ersten großen und Aufsehen erregenden Projekten gehörte die Neugestaltung des Urban-Loritz-Platzes. Er stellt ein Teilprojekt bei der Neugestaltung des Wiener Gürtels dar, die von der EU seit 1995 gefördert wurde. Das große weiße Membrandach war zunächst als Regenschutz gedacht für die Fußwege zwischen Bibliothek, U-Bahn-Station und Straßenbahnhaltestelle zwischen zwei Hauptverkehrsadern, heute ist es tagsüber Schattenspender und schafft mit seiner nächtlichen indirekten Beleuchtung ein Sicherheitsgefühl für die Passanten: „der größte Lampenschirm der Stadt“.

Ein weiteres Gürtel-Projekt war die Wiederbelebung der Stadtbahnbögen, die ursprünglich von Otto Wagner offen gestaltet wurden, später als Lagerhallen angemietet wurden, teils zugemauert oder mit Pressspanplatten verschalt wurden. Tillner öffnete eine Reihe der Bögen, versah sie vorne und hinten mit Glasfassaden und gestaltete die Innenräume für die Nutzung als Läden oder Lokale. Damit erreichte sie neben der neuen Nutzungsmöglichkeit auch, dass die ursprünglich geplante Transparenz wieder hergestellt wurde.

Auch bei der flexiblen Abdeckung des Innenhofes durch ein weißes Membrandach im Wiener Rathaus hat Tillner eine moderne raumschaffende Lösung gefunden, die zudem die historische Gestalt des historischen Rathauses nicht beeinträchtigt. Mit einer neuartigen Technik gelang es ihr, eine mobile und gleichzeitig stabile Überdachung zu schaffen, die in fünf Minuten aus- oder einfahrbar ist.

mini|Skyline Spittelau, Wien 2008 mini|Haus der Europäischen Union, Wien 2009 mini|Wientalterrasse, Wien 2015 mini|Wientalterrasse, Wien 2015 Architekten Tillner & Willinger Die Zusammenarbeit mit Dipl.-Ing. Alfred Willinger begann im Jahr 2003. Bis 2005 nahm er die Büroleitung der Bürogemeinschaft von Silja Tillner und Helmut Richter wahr. Das gemeinsame Unternehmen Tillner & Partner wurde 2005 gegründet und 2007 in Architekten Tillner & Willinger umbenannt. Die Schwerpunkte des Architekturbüros liegen in den Bereichen städtebauliche Studien und Entwürfe, Gestaltung des öffentlichen Raums, Membranbauten, Bürogebäude, städtische Nutzbauten und Wohnbauten.

In der Tillnerschen Tradition der Umnutzung von städtischen Unorten steht das Bürogebäude Skyline Spittelau. Es steht zwischen den Hochgleisen der ehemaligen Heilgenstadtbahn und der Spittelaubahn und erhebt sich in einem eleganten Schwung über Stadtbahnlinien zu einem neuen städtischen Blickfang und trägt zu neuem urbanem Leben bei.

Lehrtätigkeiten Noch in den USA hielt Tillner seit 1992 Vorträge über städtebauliche Themen. 2003 unterrichtete sie an der University of Texas at Austin. 2004 bekam sie während der „Semain Internationale“ (Internationalen Woche) eine Gastprofessur an der École Nationale Supérieure d’Architecture de Nancy in Frankreich. 2004/2005 hatte sie einen Lehrauftrag an der Technischen Universität Wien am Institut für Tragwerkslehre, im selben Zeitraum auch eine Gastprofessur für Städtebau an der Universität Innsbruck.

Auszeichnungen Silja Tillner und später das Büro Architekten Tillner & Willinger erhielten folgende Preise und Auszeichnungen:

Silja Tillner 1996: Mit Gruen Associates: AIUP Award des American Institute of Urban Planning, ein amerikanischer Städtebaupreis für den Glendale Corridor Plan 1998: Würdigung für das Wiener Urbion-Projekt (Urban-Westgürtel, Stadtbahnbögen, Urban-Loritz-Platz) bei der Verleihung des Otto-Wagner-Städtebaupreises, verliehen vom Architekturzentrum Wien. 2000: Bauhaus Award für das Wiener Urbion Projekt, verliehen von der Stiftung Bauhaus Dessau. 2001: ar+d, Winner (ArchitektInnen unter 45) 2001: IFAI Award (Preis der Industrial Fabrics Association International) für das Dach des Urban-Loritz-Platzes in Wien.

Architekten Tillner & Willinger 2005: LEAF Awards, Winner (Gürtel, Urban-Loritz-Platz, Spittelau) „best regeneration project“ (Gürtel, Urban-Loritz-Platz, Spittelau) 2005: Gold Medal Winner bei der Bienal Miami+Beach für das Projekt Vienna Urbion in der Kategorie „landscape architecture / urban design“ für die Revitalisierung Gürtel 2009: Zweiter Platz bei der Wahl zum Architekt des Jahres vergeben von ATGA Immobilien & Facility Management

Projekte Projekte von Silja Tillner und Architekten Tillner & Willinger:

Projekte von Silja Tillner 1999: Urban-Loritz-Platz, Neugestaltung des Verkehrsknotenpunktes zur Revitalisierung der Gürtelregion in Wien. 2000: Umgestaltung der Wiener Stadtbahnbögen von Otto Wagner. 2000: Flexible Innenhofüberdachung des Wiener Rathauses.

Projekte von Architekten Tillner & Willinger 2004: Marktplatzgestaltung in Opfikon bei Zürich, Schweiz. 2008: Skyline Spittelau, Bürogebäude am Gürtel in Wien. 2009: Haus der Europäischen Union in Wien, Bürogebäude mit Wohnungen in den obersten Stockwerken. 2011: Bürogebäude am Praterstern in Wien. 2014: Mautner-Markhof-Gründe, Wohnquartier mit Miet- und Seniorenwohnungen mit Förderung einer gemeinschaftsbasierten Lebensweise und energetisch nachhaltiger Bauweise in Wien. 2015: Rietveld-Haus in der Wiener Werkbundsiedlung, originalgetreue Restaurierung des Wohnhauses von Gerrit Rietveld aus dem Jahr 1931. 2015: Wientalterrasse, Neuschaffung von öffentlichem Raum über der U-Bahntrasse entlang der Wien. 2015: Messecarree B, Studentenwohnheim mit Gemeinschaftsräumen und Gewerbeflächen im 2. Wiener Gemeindebezirk. 2015: Beatrixgasse 11, Wohnquartier im 3. Wiener Gemeindebezirk. 2018: Restaurant Kiang, Neugestaltung und Erweiterung einer modernen Intervention von Helmut Richter in einem historischen Gebäude in Wien. 2019: Marktplatz von Neustadt bei Coburg, Masterplan für die Neugestaltung. 2019: Messecarree Nord, Gesamtkonzept für die Messecarrees A, B und C in Wien. 2019: Messecarree A, Mehrzweckgebäude für Einzelhandel, Büros und Wohnen in Wien. 2021: Eisteichterrassen, Wohnquartier am Hyblerpark in Wien. 2021: Quartier Am Seebogen, Wohnquartier mit Einzelhandel und Gemeinschaftsräumen in Wien.

Veröffentlichungen

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Literatur Inhalt Inhalt

Weblinks

Homepage von Architekten Tillner & Willinger Profile von Architekten Tillner & Willinger auf austria-architects.com Profile von Architekten Tillner & Willinger auf world-architects.com

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Wien) Kategorie:Stadtplaner (Österreich) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1960 Kategorie:Frau