Die 39. Wahl zum finnischen Parlament fand am 2. April 2023 statt. Gewählt wurden alle 200 Mitglieder des aus einer Kammer bestehenden Parlaments (finnisch Eduskunta, schwedisch Riksdagen) für eine vierjährige Wahlperiode.

Wie bei der Vorwahl platzierten sich die drei großen Parteien (KOK, PS und SDP) dicht zueinander an der Spitze. Alle drei Parteien hatten leichte Zugewinne erzielt, mit einem hauchdünnen Vorsprung wurde nun aber die Nationale Sammlungspartei (KOK) stärkste Partei vor der rechtspopulistischen Perussuomalaiset (PS). Die Koalitionspartner der bisher regierenden Sozialdemokraten, insbesondere die Finnische Zentrumspartei (KESK) und der Grüne Bund (VIHR), verzeichneten jedoch größere Verluste, sodass die Fünferkoalition nur noch 99 der 200 Parlamentssitze innehatte.

Nach der Wahl bildeten KOK und PS eine Koalition, der auch die Christdemokraten (KD) und die Schwedische Volkspartei (RKP) angehören. Angeführt wird das Kabinett von Ministerpräsident Petteri Orpo.

Wahlsystem

Das Parlament wird für vier Jahre nach dem Verhältniswahlrecht gewählt. Wahlberechtigt ist jeder finnische Staatsbürger ab 18 Jahren. Jeder Wähler hat eine Stimme, die er einem bestimmten Kandidaten gibt, womit er gleichzeitig auch für dessen Liste stimmt. Das Land ist in 13 Wahlkreise eingeteilt, in denen die Sitze nach dem D’Hondt-Verfahren verteilt werden. Innerhalb einer Liste sind die Bewerber mit den meisten Stimmen gewählt. Åland stellt nur einen Abgeordneten; die autonome Inselgruppe hat ein eigenes Parteiensystem. Mehrere Parteien können in einem Wahlkreis als Wahlbündnis antreten. Sie werden dann bei der Sitzverteilung wie die Liste einer einzigen Partei behandelt.vaalit.fi: Wahlgesetz (englische Übersetzung) (PDF; 4,6 MB)

Wahlkreise mini|Das finnische Parlament in Helsinki

Die Wahlkreise sind von Süden ausgehend mit Ziffern von 1 bis 13 nummeriert. Die Mandate werden proportional zu ihren Bevölkerungszahlen auf die Wahlkreise verteilt gemäß den Einwohnerzahlen am Ende des siebten Monats vor der Wahl. Åland (Nummer 05) erhält stets ein Mandat. Im Parlament schließt sich der Åland-Mandatsträger durchgehend der Fraktion der Schwedische Volkspartei (SFP-RKP) an. 2013 wurden vier kleinere Wahlkreise zu zwei größeren (Südostfinnland und Savo-Karelien) zusammengefasst.Vaalipiiriuudistus lyötiin lukkoon eduskunnassa. YLE, 6. März 2013; abgerufen am 18. September 2014.

Die Wahlkreise sind folgende: #WahlkreisSitzeVerordnung des Staatsrats vom 10. November 2022 (PDF; 83 KB)Karte01Helsinki23383x383px02Uusimaa3703Varsinais-Suomi1704Satakunta805Åland106Häme1407Pirkanmaa2008Südostfinnland1509Savo-Karelien1510Vaasa1611Mittelfinnland1012Oulu1813Lappland6

Gegenüber der vorigen Wahl gibt es leichte Änderungen in der Wahlkreiseinteilung durch die Verschiebung von vier Gemeinden in andere Wahlkreise: Heinävesi und Joroinen wechseln von Südostfinnland nach Savo-Karelien, Iitti wechselt von Südostfinnland nach Häme und Kuhmoinen von Mittelfinnland nach Pirkanmaa.Finnisches Justizministerium: Bildung der Wahlkreisausschüsse

Ausgangslage

Die Regierung des Landes, der Staatsrat (Valtioneuvosto/Statsrådet), ist seit der Verfassungsreform direkt dem Parlament verantwortlich. Der Ministerpräsident wird direkt vom Parlament gewählt, die übrigen Mitglieder vom Präsidenten auf Vorschlag des Ministerpräsidenten ernannt. Traditionell werden in Finnland große Koalitionen auch über das zur Schaffung einer absoluten Mehrheit notwendige Maß hinaus gebildet.

Die Parlamentswahl 2019 war die erste, bei der keine der Parteien mehr als 20 Prozent erhielt. Stärkste Partei wurden erstmals seit der Wahl 1999 die Sozialdemokraten (SDP), knapp vor den Wahren Finnen (PS) und der Sammlungspartei (KOK).Kopf-an-Kopf-Rennen am Wahlabend. sueddeutsche.de vom 14. April 2019.

Die Finnische Zentrumspartei (KESK) des Ministerpräsidenten Juha Sipilä büßte über sieben Prozentpunkte ein und erreichte mit 13,8 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 1917. Der Grüne Bund (VIHR) gewann an Stimmen hinzu (11,5 % nach 8,5 % bei der Wahl 2015). Die Gewinne und Verluste der übrigen Parteien waren marginal.

Nach der Wahl bildeten Sozialdemokraten, Zentrum, Grüne, Linksbündnis (VAS) und Schwedische Volkspartei (SFP) am 6. Juni 2019 eine Mitte-links-Regierung mit dem SDP-Vorsitzenden Antti Rinne als Ministerpräsidenten. Rinne trat am 3. Dezember 2019 auf Druck der Zentrumspartei zurück. Anlass war ein Streik bei der Post. Nachfolgerin als Ministerpräsidentin wurde am 10. Dezember 2019 Sanna Marin (SDP), zuvor Verkehrs- und Kommunikationsministerin. Der neuen Regierung gehören dieselben Parteien an wie der Vorgängerregierung. Die Finanzministerin und Vorsitzende der Zentrumspartei (KESK), Annika Saarikko, schloss im März 2023 eine Fortsetzung der bestehenden Koalition nach der Wahl aus.YLE: Annika Saarikko: Centre Party will not enter same coalition after upcoming election

Nachdem zuvor nur die Nationale Sammlungspartei (KOK) für einen NATO-Beitritt eintrat, kam es durch den Ukraine-Krieg zu einem Meinungsumschwung. Am 18. Mai 2022 beantragte Finnland zusammen mit Schweden die Aufnahme in die NATO. Am Tag zuvor hatte sich das Parlament mit 188 zu 8 Stimmen für einen Beitrittsantrag ausgesprochen. Das Linksbündnis (VAS) ist in dieser Frage gespalten, während alle anderen Parteien, die bei der Wahl 2019 Sitze erhalten haben, einen NATO-Beitritt befürworten.Finnisches Parlament: Parliament supports Finland's NATO applicationIlta-Sanomat: Eduskunta äänesti Naton puolesta murskaluvuin 188–8 – katso äänestyskarttaNATO: Finland and Sweden submit applications to join NATO

Partei Vorsitzender Wahl 2019 Sitze2023 Bemerkungen % Sitze SDP Sanna Marin 17,73 40 40 PS Riikka Purra 17,48 39 39 KOK Petteri Orpo 17,00 38 37 Wahlbündnis mit SFP in Pikanmaa und Südostfinnland, mit KD in Lapplandvaalit.fi: Kandidatenübersicht KESK Annika Saarikko 13,76 31 31 Wahlbündnis KD und KL in Helsinki VIHR Maria Ohisalo 11,49 20 20 VAS Li Andersson 8,17 16 16 SFP (RKP) Anna-Maja Henriksson 4,53 9 9 KD Sari Essayah 3,90 5 5 Wahlbündnis KESK und KL in Helsinki, mit KOK in Lappland Liike Nyt Hjallis Harkimo 2,25 1 1 VKK Ano Turtiainen – – 1 Vorsitzender ist ein aus PS ausgeschlossener Abgeordneter För Åland – 0,38 1 1 Bündnis mehrerer Parteien auf den Åland-Inseln, Abgeordneter in SFP-Fraktion

Wahlkampf Im Wahlkampf standen vor allem die Staatsfinanzen im Vordergrund – die Opposition warf der Regierung von Marin vor, die Staatsverschuldung zu sehr erhöht zu haben. Die siegreichen Konservativen grenzten sich von den regierenden Sozialdemokraten vor allem im Bereich Haushaltspolitik ab und schlossen eine Koalition mit den rechtspopulistischen Perussuomalaiset nicht per se aus, trotz Meinungsunterschieden im Bereich Einwanderung und Haltung zur EU. Der NATO-Beitritt Finnlands wurde hingegen nicht kontrovers diskutiert und ist mittlerweile Konsens in den großen Parteien. Wahlsieger Orpo nannte als wichtigste Themen die Festigung der Wirtschaft, Stabilisierung der Finanzen und die Umsetzung des NATO-Beitritts. Finnland werde zudem „alles tun“, um der angegriffenen Ukraine zu helfen.

Umfragen Letzte Umfragen Institut Datum Taloustutkimus28.03.202318,7 %19,5 % 19,8 %10,7 %9,0 %8,7 %4,1 %4,4 %1,8 %3,3 %Kantar TNS28.03.202319,2 %19,2 % 19,8 %11,4 %8,4 %8,3 %4,5 %4,0 %1,9 %3,3 % Parlamentswahl 2019 14.04.2019 17,7 % 17,5 % 17,0 % 13,8 % 11,5 % 8,2 % 4,5 % 3,9 % 2,3 % 3,6 % Quelle: Wahlumfragen auf politpro.euFinnland: Alle Wahlumfragen im Jahr 2023 auf politpro.eu, abgerufen am 16. Dezember 2024

Ältere Umfragen 2022 – 2023 Institut Datum Kantar TNS21.03.202319,3 %19,3 % 20,8 %10,7 %8,3 %8,2 %4,5 %4,0 %2,2 %2,7 %Taloustutkimus02.03.202319,9 %19,0 % 20,8 %9,5 %8,9 %9,0 %4,4 %3,6 %1,5 %3,4 %Kantar TNS16.02.202319,2 %20,0 % 21,3 %9,6 %9,4 %8,0 %4,4 %3,9 %2,0 %2,2 %Taloustutkimus02.02.202319,1 %18,4 % 21,6 %10,1 %10,3 %7,6 %4,4 %4,0 %1,8 %2,7 %Kantar TNS18.01.202318,5 %19,1 % 22,8 %9,8 %9,2 %7,8 %4,4 %3,9 %2,2 %2,3 %Taloustutkimus03.01.202318,8 %19,3 % 23,0 %10,9 %9,6 %8,6 %4,0 %2,9 %1,3 %1,6 %Kantar TNS16.12.202219,1 %17,9 % 23,5 %9,9 %9,8 %8,0 %4,3 %3,4 %1,8 %2,3 % Taloustutkimus 08.12.2022 18,9 % 17,4 % 24,0 % 9,0 % 9,7 % 8,9 % 4,6 % 4,0 % 1,6 % 1,9 %Kantar TNS16.11.202219,3 %17,4 % 24,2 %10,1 %9,2 %8,0 %4,4 %3,3 %1,9 %2,2 % Taloustutkimus 03.11.2022 18,2 % 16,7 % 23,9 % 10,9 % 10,1 % 8,5 % 5,0 % 3,0 % 1,7 % 2,0 % Kantar TNS 19.10.2022 19,0 % 17,3 % 24,2 % 10,4 % 9,0 % 8,3 % 4,6 % 3,2 % 1,7 % 2,3 % Taloustutkimus 06.10.2022 19,3 % 17,1 % 24,2 % 10,3 % 9,4 % 8,4 % 4,2 % 3,3 % 1,7 % 2,1 % Kantar TNS 14.09.2022 19,2 % 16,1 % 23,6 % 11,8 % 9,6 % 8,0 % 4,4 % 3,4 % 2,0 % 1,9 % Taloustutkimus 08.09.2022 19,4 % 16,2 % 24,2 % 11,7 % 9,6 % 8,1 % 4,1 % 3,0 % 1,8 % 1,9 % Kantar TNS 18.08.2022 20,1 % 16,0 % 23,0 % 11,0 % 9,9 % 7,6 % 4,5 % 3,4 % 2,3 % 2,2 % Taloustutkimus 04.08.2022 20,3 % 16,1 % 23,4 % 11,0 % 9,3 % 8,1 % 4,4 % 3,0 % 2,2 % 2,2 % Kantar TNS 16.07.2022 19,9 % 14,7 % 23,9 % 11,6 % 9,8 % 7,7 % 4,6 % 3,6 % 2,2 % 2,0 % Taloustutkimus 07.07.2022 19,8 % 15,3 % 23,7 % 11,8 % 9,7 % 7,8 % 4,6 % 3,3 % 2,1 % 1,9 % Kantar TNS 15.06.2022 19,4 % 14,5 % 24,4 % 12,2 % 8,9 % 7,5 % 4,5 % 3,6 % 2,4 % 2,6 % Taloustutkimus 02.06.2022 18,7 % 14,9 % 25,9 % 12,1 % 9,4 % 8,0 % 4,8 % 3,0 % 1,9 % 1,3 % Kantar TNS 18.05.2022 18,7 % 15,4 % 24,1 % 12,7 % 9,1 % 7,6 % 4,4 % 3,6 % 2,4 % 2,0 % Taloustutkimus 05.05.2022 17,9 % 14,6 % 24,1 % 13,5 % 8,8 % 9,0 % 4,3 % 3,3 % 2,3 % 2,2 % Kantar TNS 22.04.2022 19,5 % 14,2 % 24,1 % 12,4 % 9,0 % 8,1 % 4,5 % 3,6 % 2,6 % 2,0 % Taloustutkimus 03.03.2022 18,5 % 15,6 % 22,6 % 13,4 % 9,3 % 9,1 % 4,8 % 3,1 % 2,3 % 1,3 %

Verlauf 800x400px|links

Ergebnis mini|hochkant=2|Stimmenanteile der Parteien nach Wahlkreisen

Åland Wahlkreis Åland (Ahvenanmaa, VP05).

Wähler und Wahlberechtigte Datum Wähler Wahlberechtigte Anzahl % Anzahl Finnland 3.078.010 72,0 4.277.487 In Ausland 32.028 12,2 262.950 Insgesamt 3.110.038 – 4.540.437

Regierungsbildung + mögliche Koalitionsvarianten Datei:Finlande Parlement 2023.svg Parteien SitzeAbsolute Mehrheit (ab 101 Sitzen) Keine Mehrheit (unter 101 Sitzen) Sitze gesamt200

Vor der Wahl gaben die Sozialdemokratische Partei, die Grüner Bund und das Linksbündnis bekannt, dass sie einen Beitritt zu einer Koalition mit der Finnen-Partei ausschließen. Die Schwedische Volkspartei äußerte sich ähnlich, dass die Wahrscheinlichkeit, Teil derselben Regierungskoalition mit der Finnen-Partei zu sein, sehr gering sei, schloss dies aber nicht völlig aus. Laut der Vorsitzenden der schwedischen Volkspartei, Anna-Maja Henriksson, wollen sie sehen, wie die Regierungsgespräche verlaufen werden, um eine endgültige Entscheidung zu treffen. Das Linksbündnis erklärte auch, dass es nicht bereit sei, eine Koalition einzugehen, an der die Nationale Sammlungspartei beteiligt sei.

Anfang März 2023 erklärte die Vorsitzende der Zentrumspartei, Annika Saarikko, dass sie, obwohl sie eine Koalition mit keiner Partei ausschließe, nicht bereit sei, weiterhin in der amtierenden Koalitionsregierung zu bleiben, wenn es eine Mehrheit gebe, aufgrund politischer Auseinandersetzungen mit anderen Koalitionsparteien, insbesondere mit der Grünen Liga.

Der Vorsitzende der Nationalen Sammlungspartei, Petteri Orpo, sagte, er halte sich alle Optionen offen.