Engden (alt: Engne) ist eine Gemeinde innerhalb der Samtgemeinde Schüttorf in Niedersachsen. Gemessen an der Einwohnerzahl, ist Engden die kleinste Gemeinde im Landkreis Grafschaft Bentheim. Der Ort wurde bereits 1267 erwähnt, als Friedrich v. Egne als Bentheimer Edler genannt wird.
Geografie
Lage Engden liegt zwischen Nordhorn und Schüttorf. Die Gemeinde gehört der Samtgemeinde Schüttorf an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Schüttorf hat.
Gewässer Der Vechte-Nebenfluss Lee entsteht in der Engdener Wüste als Zusammenfluss mehrerer Entwässerungsgräben.
Nachbargemeinden An die Gemeinde Engden grenzen die Stadt Nordhorn (im Westen und Norden), die Gemeinde Wietmarschen (im äußersten Nordosten), die Gemeinde Emsbüren (im Osten), die Stadt Schüttorf (im äußersten Südosten), die Gemeinde Quendorf (im Süden) und die Gemeinde Isterberg (im Südwesten).
Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich in die Ortschaften Engden und Drievorden.
Eingemeindung Anlässlich der kommunalen Neugliederung wurden am 1. März 1974 die Gemeinden Engden und Drievorden zur neuen Gemeinde Engden zusammengeschlossen, die der 1970 gebildeten Samtgemeinde Schüttorf angehört. Flächenmäßig ist Engden mit mehr als 4.000 Hektar die größte Gemeinde innerhalb der Samtgemeinde. Zugleich ist Engden mit seinen Einwohnern die kleinste Gemeinde im Landkreis Grafschaft Bentheim.
Religion Im Gegensatz zum überwiegenden Teil des Landkreises Grafschaft Bentheim ist die Gemeinde Engden katholisch geprägt, da Engden während der Reformation geografisch zwar in der Grafschaft Bentheim lag, andererseits aber zum im Hochstift Münster gelegenen Kirchspiel Emsbüren gehörte. Aus diesem Grund sind bis heute rund 75 Prozent der Bevölkerung römisch-katholisch.
Die Pfarrei Abt St. Antonius gehört auch heute zum Kirchspiel Emsbüren. Sie ist kirchenrechtlich eine eigenständige Pfarrei und derzeit die kleinste Kirchengemeinde auf dem Festland im Bistum Osnabrück.
Politik Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Engden setzt sich aus sieben Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtsperiode dauert von 2026 bis 2031.
Von 2016 bis 2026 gab es mit der neu gegründeten Bürgerinitiative Engden (BIE) erstmals eine zweite Fraktion im Gemeinderat von Engden. Hintergrund der Gründung der BIE war die Planung von Windkraftanlagen, die zu einem Konflikt zwischen ortsansässigen Landwirten, die das Projekt aus wirtschaftlichen Interessen unterstützten, und Siedlungsbewohnern, die sich zur Verhinderung von Lärm und Immobilienwertverlusten in der Bürgerinitiative organisierten. Der Bürgerinitiative gelang 2016 der Einzug in den Gemeinderat. Die CDU blieb gleichwohl die stärkste Kraft der Gemeinde. Seit der Kommunalwahl im September 2026 ist die Bürgerinitiative jedoch nicht mehr im Gemeinderat vertreten, sodass die CDU wieder die einzige Fraktion im Gemeinderat von Engden bildet.
Parteien und Wählergemeinschaften20212026%Sitze % Sitze CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands87,461007 BIE Bürgerinitiative Engden12,61 --- ---Gesamt10071007Wahlbeteiligung in Prozent73 %77 %
Bürgermeister Der ehrenamtliche Bürgermeister ist seit 2023 Philipp Jäckering-Heeke (CDU)
Bauwerke miniatur|Im Ortskern 2017 miniatur|Ortskern von Engden mit der Kirche Abt St. Antonius miniatur|Abt-St.-Antonius-Kirche 2017 mini|hochkant|Chorraum der St.-Antonius-Kirche in Engden Die katholische Kirche Abt St. Antonius wurde 1899 als neuromanischer Ziegelbau errichtet. Der ägyptische Mönchsvater Antonius ist der Schutzpatron der Bauern und wurde als Patron der Kirche gewählt. Zum ältesten Inventar der Engdener Kirche zählen eine Glocke sowie eine Madonna aus dem 15. Jahrhundert, die sich vermutlich bereits im Vorgängerbau aus dem 16. Jahrhundert befunden haben. 2010 wurde die Kirche umfassend renoviert und ein neuer Altar vom Osnabrücker Weihbischof Theodor Kettmann konsekriert.
Der Speicher Dobbe dürfte um 1800 entstanden sein und gilt als das älteste erhaltene Gebäude einer bäuerlichen Kornbrennerei in Nordwestdeutschland und ist damit ein bedeutendes Industriedenkmal.
Das „Bügeleisen-Haus“ entstand, weil die Bauern dem Bauherrn nur die kleine Fläche zwischen zwei Wegen abtreten wollten. Durch den ungewöhnlichen Zuschnitt gibt es im Haus keinen rechten Winkel. Mit dem Hausbau wurde um 1900 begonnen, fertiggestellt wurde es aber erst nach dem Ersten Weltkrieg.
Verkehr Die Anschlussstellen zu den Autobahnen A 31 (Emden–Bottrop) und A 30 (Bad Bentheim–Bad Oeynhausen) sind 15 bzw. acht Kilometer von der Gemeinde entfernt, die B 403 ist etwa vier Kilometer entfernt. Die nächsten Personenbahnhöfe befinden sich in Leschede/Gem. Emsbüren (Münster–Norddeich), in Bad Bentheim und Schüttorf (Amsterdam–Berlin) sowie in Quendorf (Neuenhaus–Bad Bentheim), jeweils in ca. neun bis zwölf Kilometer Entfernung.
Bildung Die Kinder besuchen überwiegend die Kindergärten sowie die schulische Primarstufe in Emsbüren im Landkreis Emsland. Für die weiterführende Schulausbildung werden in der Regel ebenfalls Schulen in Emsbüren, Nordhorn oder das Missionsgymnasium in Bardel besucht.
Luft-/Bodenschießplatz Der nördliche Teil der Gemeinde Engden gehört zum Luft-/Bodenschießplatz Nordhorn. Es handelt sich dabei um das größte von der Luftwaffe genutzte Übungsgelände in Deutschland. Das über 2000 Hektar große Gelände wird seit 1933 militärisch genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte zunächst die britische Royal Air Force den Platz als Luft-/Bodenschießplatz. 2001 wurde er dann an die Bundeswehr übergeben und wird seither von dieser sowie von der NATO genutzt. Seit einigen Jahren schon leben auf dem Gebiet des Luft-/Bodenschießplatzes in Engden wieder freilebende Wölfe.
Am 25. Februar 1977 stürzte ein Jagdbomber vom Typ SEPECAT Jaguar bei Engden ab.
Literatur Ernst Kühle: Engden, Geschichte einer Landgemeinde. In: Heimatverein der Grafschaft Bentheim (Hrsg.): Zwischen Burg und Bohrturm. Die Grafschaft Bentheim im Wandel der Zeiten, Jg. 1974. Nordhorn 1974, S. 25–29. Herbert Wagner: Militär in der Region. Dokumentation über den Artillerieschieß- und Bombenabwurfplatz Engdener Wüste/Nordhorn-Range. Selbstverlag, Bad Bentheim 1989, ISBN 3-88683-010-1. Herbert Wagner: Die Gestapo war nicht allein ... Politische Sozialkontrolle und Staatsterror im deutsch-niederländischen Grenzgebiet 1929–1945. LIT, Münster 2004, ISBN 3-8258-7448-6 (enthält u. a. Widerstand der katholischen Gemeinde gegen die Nazis).
Weblinks
Webseite der Samtgemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Grafschaft Bentheim