Die Saint-Klasse ist eine Klasse von vier Ro-Pax-Fähren, die für die britische Reederei Sealink gebaut wurden. Die Fähren wurden von Sealink auf verschiedenen Routen in der Irischen See und dem Ärmelkanal eingesetzt.
Geschichte Die Fähren wurden vom British Railway Board für die Reederei Sealink bestelltScott Mackey: Stena Caledonia, Ship of the Month. In: Ships Monthly, Juni 2011, S. 33–37 (Online). und ab Ende der 1970er-Jahre auf der Werft Harland & Wolff in Belfast gebaut. Sealink stellte die Fähren 1980 und 1981 auf Fährverbindungen über die Irische See zwischen Stranraer in Schottland und Larne in Nordirland bzw. Holyhead in Wales und Dún Laoghaire in Irland sowie über den Ärmelkanal zwischen Dover in England und Calais in Frankreich in Dienst. Der Einsatz der Fähren über den Ärmelkanal war auch eine Reaktion auf die Modernisierung der Flotte von Townsend Thoresen, die 1980 die drei Neubauten der Spirit-Klasse zwischen Dover und Calais bzw. Dover und Zeebrugge in Dienst stellte., Ferry Fantastic.
Im Juli 1984 wurde Sealink an das Unternehmen Sea Containers verkauft. Die Reederei wurde in Sealink British Ferries umbenannt. Sea Containers verkaufte die Reederei 1991 an Stena Line, aus Sealink British Ferries wurde nun Sealink Stena Line. In den 1990er-Jahren in Stena Sealink umbenannt, wurde die Sealink-Marke Mitte der 1990er-Jahre von Stena Line aufgegeben. Die Fähren verkehrten fortan für Stena Line.Sealink, Science Museum Group. Abgerufen am 7. Juni 2022.Former ferries of NI Part 1: From Sealink to Stena Line, NI Ferry Site, 28. Mai 2018. Abgerufen am 7. Juni 2022.
Die Fähren wurden ab Mitte der 1990er-Jahre von Stena Line ausgemustert. Die zwischen Holyhead und Dún Laoghaire bzw. Stranraer und Belfast verkehrenden Fähren wurden durch die Doppelrumpffähren Stena Explorer und Stena Voyager des Typs HSS 1500 ersetzt.
Beschreibung Die Schiffe werden von zwei Sechzehnzylinder-Dieselmotoren des Motorenherstellers Pielstick (Typ: 16PC2V), die von Crossley in Manchester in Lizenz gebaut wurden, mit jeweils 7675 kW Leistung angetrieben. Die Motoren wirken auf zwei Verstellpropeller. Die Schiffe sind mit zwei Bugstrahlrudern ausgerüstet. Für die Stromerzeugung stehen zwei mit jeweils 1200 kW Leistung angetriebene Wellengeneratoren sowie drei von Dieselmotoren mit jeweils 675 kW Leistung angetriebene Generatoren zur Verfügung. Weiterhin wurde ein von einem Dieselmotor mit 300 kW Leistung angetriebener Notgenerator verbaut.Stena Antrim, Datenblatt (JPG, 419 kB). Abgerufen am 7. Juni 2022.
Die Fähren verfügen über zwei durchlaufende Fahrzeugdecks. Diese sind auf dem D-Deck (dem Hauptdeck) und dem B-Deck untergebracht und erstrecken sich jeweils über zwei Decks. Die Fahrzeugdecks sind jeweils über Zufahrten am Bug und Heck zu erreichen. Die Bugzufahrt auf das Fahrzeugdeck auf dem D-Deck befindet sich hinter einem nach oben aufklappbaren Bugvisier. Die Zufahrt auf dem B-Deck befindet sich auf der Back und ist mit einem nach oben zu öffnenden Tor verschlossen. Beide Decks können über entsprechende Infrastruktur in den Häfen simultan beladen bzw. entladen werden. Die Fahrzeugdecks sind durch bewegliche Rampen miteinander verbunden, um die Fähren flexibel einsetzen zu können.On Board St Anselm & St Christopher – 1: Car Decks, Side Lounges & Forward Bar, HHV Ferry. Abgerufen am 7. Juni 2022. Die Rampen sind jeweils 34,4 m lang und haben eine nutzbare Breite von 6,6 m. Sie können mit 200 t belastet werden.
Die nutzbare Durchfahrtshöhe auf den Fahrzeugdecks beträgt 4,42 m. Auf den Fahrzeugdecks stehen insgesamt 900 Spurmeter zur Verfügung, von denen 150 Spurmeter nur von Pkw genutzt werden können.
Das C-Deck besteht lediglich aus zwei seitlich angeordneten Bereichen, die einen Teil des Fahrzeugdecks auf dem D-Deck überbauen. Hierdurch ist das Fahrzeugdeck in diesem Bereich auf eine nutzbare Höhe von 1,95 m beschränkt. In den seitlichen Bereichen, die sich auf dem B-Deck fortsetzen, sind unter anderem Mannschaftskabinen, eine Pantry und die Mannschaftsmesse sowie ein Aufenthaltsraum für die Schiffsbesatzung und verschiedene Lager untergebracht. Weiterhin befinden sich hier und auf dem A-Deck insgesamt fünfzehn Doppelkabinen für Passagiere.
Oberhalb der Fahrzeugdecks befinden sich drei weitere Decks, das Bootsdeck, das Promenadendeck und das Brückendeck. Auf dem Bootsdeck befinden sich unter anderem mehrere Aufenthaltsräume für die Passagiere, darunter ein Raum für Lkw-Fahrer, und eine Kombüse mit einem Selbstbedienungsrestaurant sowie ein Shop.On Board St Anselm & St Christopher – 2: Boat Deck Cafeteria & Ro-Ro Lounge, HHV Ferry. Abgerufen am 7. Juni 2022.On Board St Anselm & St Christopher – 3: Boat Deck Aft Lounges & Shops, HHV Ferry. Abgerufen am 7. Juni 2022. Auf dem Promenadendeck befinden sich im hinteren Bereich weitere Aufenthaltsbereiche für die Passagiere, darunter auch offene Decksbereiche.On Board St Anselm & St Christopher – 4: The Promenade Deck Tea Bar & Lounge, HHV Ferry. Abgerufen am 7. Juni 2022. Im vorderen Bereich des Decks sind die Kabinen für die Offiziere, der Funkraum und technische Betriebsräume untergebracht. Oberhalb des Promenadendecks befindet sich bei drei der vier Fähren im vorderen Bereich der Decksaufbauten die Brücke. Im hinteren Bereich befindet sich ein nachgerüstetes Sonnendeck für die Passagiere. Bei der Galloway Princess befindet sich die Brücke im vorderen Bereich des Promenadendecks.
Unterhalb des Hauptdecks, auf der Tankdecke und dem E-Deck, sind unter anderem Maschinenräume und Maschinenkontrollraum, verschiedene technische Betriebsräume und Lagerräume untergebracht.
Die Schiffe sind mit ausfahrbaren Flossenstabilisatoren ausgestattet.
Im Zuge von Umbauten der Fähren wurden insbesondere die Einrichtungen für die Passagiere im Laufe der Zeit teilweise erheblich verändert, aber auch das äußere Erscheinungsbild der Fähren veränderte sich teilweise.
Schiffe Galloway Princess Die Galloway Princess (IMO-Nr. 7719430) wurde unter der Baunummer 1713 gebaut. Der Stapellauf des Schiffes fand am 24. Mai 1979 statt,Galloway Princess, Harland and Wolff – Shipbuilding and Engineering Works. Abgerufen am 7. Juni 2022. die Ablieferung erfolgte am 22. April 1980.MV Galloway Princess – Past and Present, Dover Ferry Photos. Abgerufen am 7. Juni 2022.
Die Fähre wurde Anfang Mai 1980 auf der Strecke zwischen Stranraer und Larne in Dienst gestellt. 1991 wurde sie in Stena Galloway umbenannt. Ab 1995 verkehrte die Fähre zwischen Stranraer und Belfast.
2002 wurde die Fähre an die International Maritime Transport Corporation (IMTC) in Casablanca, Marokko, verkauft. Ihr Einsatz zwischen Stranraer und Belfast endete im Februar 2002. IMTC setzte die in Le Rif umbenannte und mit einer Heckrampe ausgerüstete Fähre zwischen Tanger-Med und Algeciras ein. Infolge der Insolvenz von IMTC wurde die Fähre 2013 aus der Fahrt genommen und aufgelegt. 2016 ersteigerte das Unternehmen Detroit World Logistic Maritime die Fähre. Das in Morocco Sun unbenannte Schiff wird seit Anfang August 2019 von der Reederei Africa Morocco Link wieder zwischen Tanger-Med und Algeciras eingesetzt.Former Galloway Princess back in service as the yard which built her goes into administration, NI Ferry Site, 8. August 2019. Abgerufen am 7. Juni 2022.L’ancien navire le RIF de la défunte IMTC de retour dans le détroit sous les couleurs d’AML, MaritimeNews, 31. Juli 2019. Abgerufen am 7. Juni 2022.
St Anselm Die St Anselm (IMO-Nr. 7813937) wurde unter der Baunummer 1715 gebaut. Die Kiellegung fand am 22. Februar 1979, der Stapellauf am 5. Dezember 1979 statt. Die Ablieferung erfolgte am 16. Oktober 1980.St Anselm, Harland and Wolff – Shipbuilding and Engineering Works. Abgerufen am 7. Juni 2022.
Das Schiff wurde Ende Oktober 1980 auf der Strecke zwischen Dover und Calais in Dienst gestellt, wo es die Earl Leofric ersetzte.Stena Cambria, Sealink-Holyhead. Abgerufen am 7. Juni 2022. Es bediente die Fährverbindung zusammen mit seinem Schwesterschiff St Christopher, das ab April 1981 ebenfalls hier verkehrte, sowie der Côte d’Azur, die von der französischen SNCF in den Dienst eingebracht wurde.
1982 wurde der hintere Bereich des Brückendecks mit Sitzgelegenheiten für Passagiere erweitert. Ein Teil des Bereiches wurde überdacht. Anfang 1983 wurden im hinteren Bereich des Bootdecks die Decksaufbauten erweitert, wodurch auch die offenen Bereiche auf dem Promenadendeck vergrößert wurden. Durch die Umbauten am Schiff vergrößerte sich die Passagierkapazität von rund 1000 auf 1400 Personen.The St Anselm Story – Part One: A Sealink Flagship 1980–1990, HHV Ferry. Abgerufen am 7. Juni 2022.MV St Anselm – Past and Present, Dover Ferry Photos. Abgerufen am 7. Juni 2022.
mini|Das Schiff als Isla de Botafoc mini|Das Schiff als Bari Anfang 1990 wurde die St Anselm auf der Strecke zwischen Dover und Calais von der Fantasia ersetzt. In der Folge verkehrte die im Oktober 1990 in Stena Cambria umbenannte Fähre auf verschiedenen Fährverbindungen. Zunächst ab Februar 1990 zwischen Folkestone und Boulogne, ab Januar 1991 zwischen Holyhead und Dún Laoghaire und ab Januar 1996 wieder zwischen Dover und Calais. Im Februar 1997 wurde die Fähre auf die Strecke zwischen Newhaven und Dieppe verlegt, verkehrte ab Ende März 1997 dann zwischen Stranraer und Belfast, ab Ende April 1997 zwischen Holyhead und Dún Laoghaire und ab Mitte Mai wieder zwischen Dover und Calais. Ab April 1998 verkehrte sie erneut auf der Strecke zwischen Newhaven und Dieppe. Anfang Februar 1999 wurde die Fähre in Zeebrugge aufgelegt und kurze Zeit später an die spanische Reederei Union Maritimia Formentera Ibiza (UMAFISA) verkauft. Die in Isla de Botafoc umbenannte Fähre wurde von UMAFISA nach einem Umbau, bei dem das Schiff unter anderem mit zusätzlichen Passagierkabinen und Ruhesesseln und einer Heckrampe ausgestattet wurde, ab November 1999 zwischen Barcelona und Ibiza eingesetzt. Im August 2003 wurde UMAFISA von der Reederei Baleària übernommen, die die Fähre weiter auf der Route zwischen Barcelona und Ibiza und später zusätzlich auch Menorca einsetzte.The St Anselm Story – Part Two: Stena And Spain 1990–, HHV Ferry. Abgerufen am 7. Juni 2022. Die Fähre wurde 2010 zunächst zum Abbruch nach Indien verkauft, ging dann aber an die griechische Reederei Ventouris Ferries. Sie trug kurzzeitig den Namen Winner 9 und wurde von Ventouris Ferries in Bari umbenannt., Ventouris Ferries. Ventouris Ferries nutzte das Schiff nach einem Umbau auf der Strecke zwischen Bari in Italien und Durrës in Albanien. Im September 2021 wurde das Schiff zum Abbruch verkauft und ab Dezember 2021 als Altair in Chittagong verschrottet., Fakta om Fartyg.
St Christopher Die St Christopher (IMO-Nr. 7813949) wurde unter der Baunummer 1716 gebaut. Die Kiellegung fand am 18. Juni 1979, der Stapellauf am 20. März 1980 statt. Die Ablieferung erfolgte am 6. März 1981.St Christopher, Harland and Wolff – Shipbuilding and Engineering Works. Abgerufen am 7. Juni 2022.
Die Fähre verkehrte nach der Indienststellung zunächst für wenige Wochen auf den Fährverbindungen zwischen Holyhead und Dún Laoghaire bzw. Fishguard und Rosslare, bevor sie im April 1981 auf die Strecke zwischen Dover und Calais verlegt wurde,St Christopher, Sealink-Holyhead. Abgerufen am 7. Juni 2022. wo sie die Earl Siward ersetzte. Hier verkehrte sie gemeinsam mit ihrem Schwesterschiff St Anselm sowie der Côte d’Azur, die von der französischen SNCF in den Dienst eingebracht wurde.The St Christopher Story – Part One: Dover, 1980–1990, HHV Ferry. Abgerufen am 7. Juni 2022.