mini|hochkant|Stammwappen der Katzmann im Wappenbuch des Westfälischen Adels Katzmann (auch Katzmann von Engellis; Englis,Historischer Verein von Unterfranken und Aschaffenburg (Herausgeber): Archiv des Historischen Vereines von Unterfranken und Aschaffenburg, Band 22, 1874, S. 377 (books.google.de). nach der hessischen Belehnung 1544 mit Großenenglis) ist der Name eines hessischen Adelsgeschlechts.
Geschichte Das ursprüngliche Ratsherren-Geschlecht der kurmainzischen Stadt Fritzlar beginnt die sichere Stammreihe mit Heinrich Katzmann (KaccemanArthur Wyss: Hessisches Urkundenbuch: Abth. 1, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen, Band 1, Ausgabe 1, Leipzig 1879, S. 501 (books.google.de).), urkundlich 1290, † zwischen 1336 und 1340, Tuch- und Pelzhändler, Schöffen und Bürgermeister von Fritzlar.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band VI, Band 91 der Gesamtreihe, Limburg an der Lahn 1987, S. 143. Der Historiker Karl Ernst Demandt bezeichnete die Katzmann 1939 wegen ihres Hervorragens als die erste Fritzlarer Familie.Karl E. Demandt: Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Fritzlar im Mittelalter, Band 13, Teil 3, 1939, S. 45 f. Dass die Katzmann die bedeutendste Patrizierfamilie in Fritzlar und die einzige, die über die frühe Neuzeit hinaus bis in das 19. Jahrhundert fortblühte, gewesen sei, ist auch 1973 in den Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen zu lesen.Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, herausgegeben von der Historischen Kommission für Hessen, Band 41, 1973, S. 138. Wegen ihres häufigen Leitnamens „Gise“ (Giso) möchte man sie etwa als ehemalige Dienstmannen der Vizegrafen Giso von Gudensberg, wenn nicht gar als deren Seitenzweig betrachten.Fritzlar im Mittelalter: Festschrift zur 1250-Jahrfeier, herausgegeben vom Magistrat der Stadt, Fritzlar 1974, S. 277.
mini|Das Rathaus von Fritzlar ist das älteste urkundlich erwähnte (1109) und noch heute als solches genutzte Amtshaus in Deutschland. Es zeigt über dem Portal ein 1441 von Johannes Katzmann gestiftetes Sankt Martin-Steinrelief mit dem Katzmann-Wappen.
Das Geschlecht hatte sich früh in zwei Linien geteilt: eine patrizische, die lange in Fritzlar sesshaft blieb und im 18. Jahrhundert ausstarb, und eine adelige Linie, die noch im 19. Jahrhundert in Bayern blühte und vom kurhessischen Lehnhof mit den alten stiftfuldischen Gütern in Fritzlar belehnt wurde.Ludwig Erich Schmitt: Untersuchungen zur Entstehung und Struktur der "neuhochdeutschen Schriftsprache." Band Sprachgeschichte des Thüringisch-Obersächsischen im Spätmittelalter. Die Geschäftssprache von 1300 bis 1500. In: Mitteldeutsche Forschungen. Band 36, Ausgabe 1, 1966, S. 107. Daneben gelangten Mitglieder des Geschlechts im 15. und 16. Jahrhundert auch in das Patriziat der Reichsstadt Frankfurt am Main. mini|Martins-Relief am Rathaus in Fritzlar. Das Relief aus dem Jahr 1441 zeigt Sankt Martin mit dem Bettler rechts unten. Rechts oben ist das Wappen der Erzbischöfe von Mainz, links oben ist das Wappen vom mainzischen Domkapitel und links unten ist der Stifter des Reliefs mit seinem Wappen zu sehen. Die lateinische Umschrift bedeutet: im Jahre des Herrn 1441 ließ dieses Bildnis des heiligen Martin der Schöffe Johannes Katzmann herstellen.
Heinrich Katzmann (urkundlich 1335–1361) war der erste Angehörige dieses bedeutendsten mittelalterlichen Fritzlarer Patriziergeschlechts, dem der Eintritt in das Fritzlarer Stiftskapitel gelang, obwohl seine Familie damals schon über ein Jahrhundert zu den ersten Geschlechtern der Stadt zählte und Mitglieder anderer Fritzlarer Familien, die weniger Macht besaßen, bereits aufgenommen worden waren.Karl E. Demandt: Das Chorherrenstift St. Peter zu Fritzlar: Quellen und Studien zu seiner mittelalterlichen Gestalt und Geschichte, 1985, S. 558 f. Giso Katzmann (urkundlich 1372–1404) aus der nach Demandt „größten, reichsten und mächtigsten Familie des Fritzlarer Patriziats“, Sohn des Fritzlarer Ratsangehörigen Happel [Apollo] Katzmann, hatte sein Studium mit dem Baccalaureat in decretis abgeschlossen.Karl E. Demandt: Das Chorherrenstift St. Peter zu Fritzlar: Quellen und Studien zu seiner mittelalterlichen Gestalt und Geschichte, 1985, S. 588. Als baccalaureus in decretis begegnet er von 1372 bis 1386 als Stiftsherr am Erfurter Marienstift, besaß zugleich ein Kanonikat und ein Scholasteramt am St. Petersstift in Fritzlar. 1380 lebte er in Rom am päpstlichen Stuhl und vermittelte als Unterhändler den Verkehr der Stadt Straßburg mit dem Papst und den Kardinälen.Strassburger Studien, herausgegeben von Ernst Martin und Wilhelm Wiegand, Heft 1, Straßburg 1882, S. 289 (books.google.de).
Happelo [Apollo] Katzmann aus Fritzlar leitete von 1425 bis 1426 den Wiederaufbau mit Erweiterung der erzbischöflich mainzischen Burg Jesberg.Ludwig Erich Schmitt: Untersuchungen zur Entstehung und Struktur der "neuhochdeutschen Schriftsprache.": Sprachgeschichte des Thüringisch-Obersächsischen im Spätmittelalter. Die Geschäftssprache von 1300 bis 1500. 1966, S. 107. Im Frühjahr 1425 wurde unter seiner Leitung das Bauprojekt begonnen. Zunächst wurden die Trümmer der alten Burg entfernt, dann die vorhandenen Keller erweitert und am 5. Juli 1426 mit dem Aufbau der neuen Burg begonnen.Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, herausgegeben vom Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde. 1901, S. 40.
Die Aufnahme in die adelige Ganerbschaft des Hauses Alten Limpurg in Frankfurt am MainHektor Wilhelm von Günderrode genannt von Kellner: Sämmtliche Werke aus dem teutschen Staats- und Privat-Rechte. Band 1, Leipzig 1787, S. 466 (books.google.de). erfolgte vor 1435 (1440) für Heinrich Katzmann, Ratsherr und nachmals Bürgermeister von Frankfurt, wahrscheinlich durch Einheirat in die Familie Marburg zum Paradies, die von Siegfried Marburg zum Paradies († 1386) abstammte, und für seinen Sohn Philipp Katzmann. Philipp heiratete 1480 Agnes, geborene von Glauburg († um 1483), die Witwe des Frankfurter Patriziers Winrich Monis zum Birnbaum, den sie 1459 geheiratet hatte.Quellen zur Frankfurter Geschichte, herausgegeben von H. Grotefend, Band 1, Frankfurt am Main 1884, S. 421. Diese erste Frankfurter Patrizierlinie erlosch 1483. 1553 kam, nach einer siebzigjährigen Vakanz, ein jüngerer Heinrich Katzmann ins Haus Limpurg. Die Aufnahme erfolgte über Einheirat in die Familie Weiß von Limpurg, zu der auch der Humanist Konrad Weiß von Limpurg (1536–1575) gehörte. Der 1553 auf Alten Limpurg aufgenommene Heinrich Katzmann war Bürgerhauptmann in Frankfurt; diese zweite Mitgliedschaft der Katzmann auf Alten Limpurg erlosch 1566.Das Frankfurter Patriziat: Katzmann (Abgerufen am 8. Juni 2022.) Die Ehefrau war Margretha Katzmann, geb. Weiß von Limpurg (* 1520, beerdigt in Frankfurt am 30. Oktober 1595), Tochter des Conrad Weiß von Limpurg zum Löwenstein († 1530 in Frankfurt), Ratsherr, Bürgermeister, Schöffe, sowie Schwester des Georg Weiß von Limpurg zum Weißenfels (1506–1551), Frankfurter Ratsherr, Bürgermeister und Schöffe, und des Johann Weiß von Limpurg (1518–1568), Frankfurter Ratsherr, Bürgermeister und Schöffe.Weiß von Limpurg, Conrad. In: Hessische Biografie (Stand: 15. April 2021)
Giese (Giso) Katzmann ist erstmals 1467, dann wieder 1471 als Ratsherr in Fritzlar belegt. Im Oktober 1472 wurde ihm das Schultheißenamt in Fritzlar übertragen, das er über Jahrzehnte hinweg ausübte.Matthias Lentz: Konflikt, Ehre, Ordnung: Untersuchungen zu den Schmähbriefen und Schandbildern des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit (ca. 1350 bis 1600): mit einem illustrierten Katalog der Überlieferung. 2004, S. 107–119. 1483 quittierte er dem Grafen Philipp II. von Waldeck über 120 Goldgulden, die er von ihm erhalten hatte.Hessisches Staatsarchiv: HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 2906
Von 1489 bis 1490 ist Korrespondenz erhalten zwischen dem Fritzlarer Schultheißen Giese Katzmann, seinem Vetter Melchior Katzmann, Bürgermeister und Rat der Stadt Gudensberg, Landgraf Wilhelm II. und Erzbischof Berthold von Mainz.Regesten der Landgrafen von Hessen, Bände 1–2, 1990, S. 384.
Eigenschaft „erblicher Burgmann“ in Fritzlar 1491 für Giso Katzmann, kurmainzischen Schultheißen in Fritzlar (die Katzmann nannten sich bis 1624 „Erbburgmannen zu Fritzlar“Mitteldeutsche Forschungen, Band 36, Ausgabe 1, 1966, S. 107.), bzw. erblicher Burgmann in Borken 1552, für seinen Sohn Ludwig Katzmann († 1558), landgräflich hessischen Schultheißen in Borken. Verheiratet war er mit Katharina von Fischbach († nach 1520).Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Band 41, 1973, S. 139. 1517 verkaufte Graf Philipp der Mittlere von Waldeck, wiederkäuflich an Ludwig Katzmann, Schultheiß zu Borken, 15 Gulden, jährlich aus Sachsenhausen für 300 Gulden; die Grafen Philip der Ältere und Philipp der Jüngere willigtem zu dem Geschäft ein.Hessisches Staatsarchiv Marburg: HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 3774 Der Rat der Stadt Sachsenhausen verpflichtete sich am selben Tag, 3. Januar 1517, 15 Gulden jährlich an Ludwig Katzmann in Borken zu zahlen, als Zinsen einer Schuld von 300 Gulden des Grafen Philipp des Mittleren von Waldeck; die Grafen Philipp von Waldeck der Ältere, der Mittlere und der Jüngere willigten ein.Hessisches Staatsarchiv Marburg: HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 3773
1544 erfolgte die landgräflich hessische Belehnung mit Großenenglis für Ludwigs Sohn Kurt Katzmann, Schöffe und Bürgermeister von Fritzlar. Philipp Katzmann, Schöffe zu Fritzlar, wurde dort 1506 vom Propst des Petersstifts erblich belehnt. Dessen Linie starb aus. Später wurden Mitglieder einer anderen Linie vom hessischen Landgrafen mit denselben Gütern belehnt.Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland. 2. Band, Regensburg 1863, S. 239. Margarethe, geborene Schrendeisen († 1568„Margarethe Schrendeisen 1568, Fritzlar“, in: Grabdenkmäler (Stand: 23. März 2006)), Witwe von Johannes Muth (1468–1504), Kanzler des Landgrafen Wilhelm II., und Schwägerin des Humanisten Mutianus Rufus,Grimm, Heinrich, "Mutianus Rufus, Conradus" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 656–657 (deutsche-biographie.de) heiratete 1506 den Fritzlarer Schöffen Philipp KatzmannKarl E. Demandt: Der Personenstaat der Landgrafschaft Hessen im Mittelalter: ein „Staatshandbuch“ Hessens vom Ende des 12. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts. Band 42, Teil 2, 1981, S. 1182.Bernd Fuhrmann: Der Haushalt der Stadt Marburg in Spätmittelalter und früher Neuzeit (1451/52–1622). 1996, S. 189. aus dem bedeutendsten Fritzlarer Patriziergeschlecht.Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 1, Marburg 1951, S. 93.
1541 bekannte der Rat der Stadt Sachsenhausen, von Gräfin Anna von Waldeck 45 Gulden Zinsen für Philipp Katzmann, Domherrn in Fritzlar, erhalten zu haben.Hessisches Staatsarchiv Marburg: HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 3789
In der Chorwand der Kirche zu Dillich ist von 1553 das sandsteinerne Epitaph erhalten, das für das Ehepaar Dalwigk-Katzmann steht: