Jane S. Greaves (* um 1965) ist eine britische Astronomin (Exoplaneten und ihre Bewohnbarkeit und Verbindungen zum Sonnensystem) und Hochschullehrerin an der University of Cardiff.
Leben Jane Greaves studierte an der Universität Oxford und der Queen Mary University of London. Sie promovierte 1990 und habilitierte sich 2015. Anschließend übernahm sie eine Professur für Astrophysik an der University Cardiff. Ihre akademischen Stationen waren die University of St. Andrews, das Royal Observatory Edinburgh, das James Clerk Maxwell Telescope sowie die University of Massachusetts. Derzeit arbeitet sie im Institut für Astronomie für astrophysikalische Forschung und Technologie an der Universität Cardiff.
Dort lehrt sie die Bachelor-Module „Die Sterne und ihre Planeten, Beobachtung des Universums und Beobachtungstechniken“ für das 2. Studienjahr.
Werk Sie befasst sich mit der Beobachtung von sich bildenden Planeten und Staubgürteln um nahe Sterne und ist Leiterin des Planet-Earth Building-Blocks Legacy eMERLIN Survey (PEBBLeS), das thermische Strahlung von kieselgroßen Staubpartikeln in Regionen um Sternen, in denen Planeten entstehen, finden soll. Außerdem befasst sie sich mit der Verbindung der Beobachtungen in anderen Sternsystemen zum Sonnensystem und den Möglichkeiten der Entstehung von Leben darin. Dazu untersuchte sie Pluto (erste Beobachtung der höheren Atmosphäre 2011) und vereiste Monde von Jupiter und Saturn, bei denen die Möglichkeit von Leben besteht. Greaves nutzt Teleskope im fernen Infrarot und Submillimeter-Bereich.
1999 bestätigte sie den Goldreich-Kylafis-Effekt (GK),J. S. Greaves u. a., Polarized CO Emission from Molecular Clouds, Astroph. J., Band 512, 1998, Arxiv nach dem unter bestimmten Bedingungen die Molekülspektren interstellarer Gase polarisiert sind, was Rückschlüsse auf die Richtung des Magnetfelds in der Gaswolke liefert. 2000 erstellte sie eine Karte des magnetischen Feldes einer Starburstgalaxie.J. S. Greaves, W. S. Holland, T. Jenness, T. G. Hawarden, Magnetic field surrounding the starburst nucleus of the galaxy M82 from polarized dust emission, Nature, Band 404, 2000, S. 732–733, PMID 10783879 2008 gelang ihr die erste Aufnahme eines Vorläufers eines braunen Zwergs und die Entdeckung eines Protoplaneten in der protoplanetaren Scheibe um HL Tauri.J. S. Greaves A. M. S. Richards, W. K. M. Rice, T. W. B. Muxlow, Enhanced dust emission in the HL Tau disc: a low-mass companion in formation? MNRAS, Band 391, 2008, L74-L78 2017 gelang ihr der erste Nachweis von Molekülen (wie Methanol) aus dem Saturnmond Enceladus von der Erde aus.E. Drabek-Maunder, J. Greaves, H. J. Fraser, D. L. Clements, L.-N. Alconel, Ground-based detection of a cloud of methanol from Enceladus: When is a biomarker not a biomarker ?, International Journal of Astrobiology, Band 18, 2019, S. 25–32, Arxiv 2017
Mit Wayne S. Holland u. a. beobachtete sie mit dem James-Clerk-Maxwell-Teleskop (Scuba-Kamera) die thermische Strahlung von Staubscheiben um nahe Sterne im Submillimeter-Bereich,W. Holland, J. Greaves, I. Robson u. a., Submillimetre images of dusty debris around nearby stars, Nature, Band 392, 1998, S. 788–791 darunter auch ein dem jungen Sonnensystem ähnlichen Staubring (ähnlich dem Kuiper-Gürtel) um Epsilon Eridani.Greaves, Holland u. a. A dust ring around Epsilon Eridani: analogue to the young Solar System, Astroph. J., Band 506, 1998, L133, Arxiv 1998
2018 untersuchte sie mit dem William Herschel Telescope auf La Palma den Gehalt an Phosphor in den Überresten der Supernovaexplosion im Krebsnebel und fand sehr viel weniger als zuvor im Supernovaüberrest Cassiopeia A gefunden wurde. Da Phosphor ein für das Leben wichtiges Element ist, hat das auch mögliche Auswirkungen auf die Einschätzung der Häufigkeit außerirdischen Lebens.Paucity of phosphorus hints at precarious path for extraterrestrial life, phys.org, 4. April 2018Massey, Paucity of phosphorus hints at precarious path for extraterrestrial life, European Week of Astronomy and Space Science press release, 3. April 2018 Wegen solch starker Unterschiede im Gehalt chemischer Elemente bei Resten von Supernovaexplosionen könnte es vom Zufall abhängen, ob genug Phosphor in Form von Meteoriten einen Planeten erreicht.
2011 gab sie die Entdeckung von Kohlenmonoxid in der Atmosphäre von Pluto mit dem JCMT bekannt, nachdem 2000 noch mit IRAM noch kein Kohlenmonoxid nachgewiesen werden konnte. Die Atmosphäre reicht mit 3000 km weiter hinaus als bis dahin vermutet und die Kohlenmonoxidkonzentration ist doppelt so hoch wie der untere Grenzwert, den IRAM bestimmte, was darauf hindeutet, dass die Konzentration in den zehn Jahren seitdem zunahm. Zuvor war Methan in der Atmosphäre von Pluto nachgewiesen worden.Plutos giftiger Atem, wissenschaft.de, 19. April 2011J. Greaves, C. Helling, P. Friberg., Discovery of carbon monoxide in the upper atmosphere of Pluto, Monthly Notices Roy. Astron. Soc., Band 414, 2011, L36-L40
2017 und 2019 fand sie in der höheren Venus-Atmosphäre Phosphin, ein instabiles Molekül, dessen Vorhandensein in der Venus-Atmosphäre nicht erklärt werden kann, aber auf der Erde ein Stoffwechselprodukt von Bakterien ist.Sid Perkins, Curious and unexplained.' Gas spotted in Venus's atmosphere is also spewed by microbes on Earth, science.org, 14. September 2020 Später reduzierte Greaves die Angaben über die Phosphin-Konzentration, verteidigte aber weiterhin ihren Fund gegen Kritik.Kenneth Chang, Shannon Stirone, Life on Venus ? The Picture Gets Cloudier, New York Times, 22. Juni 2021Greaves u. a., Phosphine gas in the cloud decks of Venus, Nature Astronomy, Band 5, 2021, S. 655–664, Addendum S. 726–728, Reply zu Reply to: No evidence of phosphine in the atmosphere of Venus from independent analyses, S. 636–639W. Bains, J. S. Greaves u. a., Venusian phosphine: a 'Wow!' signal in chemistry?, Arxiv, November 2021
Ehrungen 2000 war sie Noman Lockyer Fellow der Royal Astronomical Society. 2017 erhielt sie die Fred Hoyle Medal and Prize für bedeutende Beiträge zu unserem Verständnis der Entstehung von Planeten und Bewohnbarkeit von Exoplaneten über die Beobachtung von Staub- und Trümmerscheiben um sonnenähnliche Sterne mit Teleskopen im fernen Infrarot (Laudatio). 2021 war sie Kavli-Lecturer der AAS.AAS Names Jane Greaves as Fred Kavli Plenary Lecturer for 239th Meeting, AAS, 24. November 2021
Schriften (Auswahl) Außer die in den Fußnoten zitierten Arbeiten.
mit W. Holland, M.Pound: Star-like activity from a very young ‘isolated planet’, Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, Band 346, 2003, S. 441–446 mit D. A. Fischer, M. C. Wyatt, C. A. Beichman, G. Bryden: Predicting the frequencies of diverse exo-planetary systems, Monthly Notices Roy. Astron. Soc., Band 378, 2007, L1-L5, Online mit M. C. Wyatt, G. Bryden: Debris discs around nearby solar analogues, Monthly Notices Roy. Astron. Soc., Band 397, 2009, S. 757–762 mit W.K. M. Rice: Have protoplanetary discs formed planets ?, Monthly Notices Roy. Astron. Soc., Band 407, 2010, S. 1981–1988
Weblinks Webseite an der University of Cardiff Jane S. Greaves bei Researchgate
Einzelnachweise
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