Die ungefähre Lage der ehemaligen Johanniterkommende Bruchsal bis zur Zerstörung 1640; auf einer Karte der Stadt Bruchsal von 1780 (nach Hans Rott, Franz Xaver Kraus, 1913). Die Johanniterkommende Bruchsal war eine Niederlassung des Johanniterordens in Bruchsal (Landkreis Karlsruhe, Baden-Württemberg). 1272 besaßen die Johanniter bereits ein Haus in der Stadt. 1285 ist die Niederlassung bereits eine Kommende. Die späteren Kommendegebäude und die Kapelle standen östlich der Altstadt. Noch vor 1367 sank die Niederlassung zum Membrum (Filialhaus) der Johanniterkommende Heimbach herab. Um 1600 wurde sie wieder eigenständige Kommende, jedoch immer verbunden mit der Johanniterkommende Kronweißenburg im Elsaß, vorher ebenfalls ein Membrum von Heimbach. 1806 nahm das Großherzogtum Baden die Kommende in Besitz, beließ jedoch den letzten Kommendator zunächst gegen eine jährliche Pacht in der Nutznießung der Erträge der Kommende. 1809 wurde die Kommende Bruchsal schließlich doch verstaatlicht und verkauft. Die Kommende Kronweißenburg war bereits in den Revolutionskriegen 1794 von Frankreich verstaatlicht worden.
Lage Das erste Ordenshaus befand sich möglicherweise innerhalb der Stadt. Bald darauf wurden jedoch Kommendegebäude außerhalb der Stadtmauern an der Straße nach Bretten errichtet. Die genaue Lage ist nicht bekannt. Der Visitationsbericht von 1495 sagt zur Lage: „außerhalb der Stadt, wenn auch nur in geringer Entfernung.“ Die Gebäude können aber nur südlich der heutigen Württemberger Straße im Bereich der Einmündung der Kirchgasse in die Württemberger Straße gelegen haben, entweder mehr zur Stadt hin oder etwas weiter weg; wohl eher an letzterer Stelle. Zwischen Kirchgasse und Petersgasse liegen mehrere kirchliche Einrichtungen, und südlich schließt sich der Friedhof an.
Die kleine Kommendekirche wurde 1534 abgebrochen. Die Kommendegebäude wurden 1640 im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Sie wurden nicht wieder aufgebaut. Von diesen Gebäuden vor der Stadt haben sich oberirdisch keine Reste erhalten. 1653 nahm die Kommende (wieder?) ihren Sitz in einem/dem als Lehen vergebenen Gebäude nahe der Stadtkirche. Auch dieses Gebäude existiert nicht mehr. Es lag in der Nähe der Stadtkirche im Bereich der Josef-Kunz-Straße/John-Bopp-Straße. Die Straßenzüge und die Bebauung haben sich in diesem Bereich der Altstadt völlig verändert. Es stand schräg zur heutigen Josef-Kunz-Straße und zog sich etwa von der Stadtkirche zur Mitte der John-Bopp-Straße.
In der Stadt Bruchsal erinnern heute nur noch der Straßenname „Johanniterstraße“ und die Bezeichnung „An der Komturei“ an die frühere Kommende der Johanniter. Sie haben aber keinen direkten Bezug zur Lage der Kommendegebäude. mini| Altstadt von Bruchsal um 1780 (mit Pfeil auf das Gebäude der Johanniterkommende S = Maltheßer Ritter Hauß), Ordenshaus der Johanniter in der Altstadt von Bruchsal nach der 1640 erfolgten Zerstörung der Kommendegebäude außerhalb der Stadt (nach Hans Rott, Franz Xaver Kraus, 1913).
Geschichte Der Ort Bruchsal war 1056 von Kaiser Heinrich III. dem speyerischen Bischof Konrad I. geschenkt worden. Schon im 13. Jahrhundert verloren die Speyerer Bischöfe die weltliche Macht über ihren Bischofssitz Speyer. Sie verlegten den Bischofssitz zunächst nach Udenheim (das spätere Philippsburg) und im 17. Jahrhundert nach Bruchsal. 1683 war Bruchsal „die Hauptstadt des ganzen Bistums Speyer“ und die Burg „bischöfliche Residenz“.
1272 schenkte der Bruchsaler Bürger Eberhard von Odenheim den Brüdern des Johannesspitals in Bruchsal und Heimbach zwei Morgen bebauten Ackerlandes, gelegen in der tiefen Straße, und einen weiteren dritten Morgen Ackerland in Bruchsal selber. Die Johanniter besaßen um diese Zeit in Bruchsal ein Haus; es ist die erste Erwähnung eines Ordenshauses der Johanniter in Bruchsal. 1287 konnten die Johanniter eine größere Schenkung in Durlach und in Grötzingen in Empfang nehmen. 1292 schenkte Berthold von Mühlhausen dem Ordenshaus in Bruchsal sechs Anteile an seinem Hof in Bruchsal und außerdem das Dorf Gondelsheim bei Bretten.
1285 ist die Niederlassung in Bruchsal erstmals auch als Kommende belegt, als mit Eberhard von Eberstein der erste Kommendator der Niederlassung erwähnt wird.
1297 wird mit einem Bruder Richard bereits ein weiterer Kommendator der Niederlassung genannt, der einem kleinen Bruderkonvent und einem Ordensgeistlichen, der den Gottesdienst in der kleinen Ordenskapelle besorgte, vorstand. 1319 verkauften der Kommendator Burkhart von Pforzheim und die Brüder des Johanniterhauses in Bruchsal, mit Zustimmung des (Groß-)Priors Hermann von Hochberg, ein Drittel des Kornzehnten zu Büchenau und ein Drittel des Kornzehnten zu Neuthard um 54 Pfund Haller an das Kloster Frauenalb.
Innerhalb der Ordensorganisation gehörte die Kommende Bruchsal zu Beginn des 14. Jahrhunderts zur (Groß-)Ballei Alamania superior, die nicht weiter in Balleien unterteilt wurde. Die Ballei Obere Lande der Johanniter war die größte Ballei innerhalb des Großpriorats Alamania.
1367 war die Kommende Bruchsal bereits zum Membrum (Glied, Filialhaus) der Johanniterkommende Heimbach herabgesunken. Die Sollzahl für das Personal in Bruchsal war ein Ordensgeistlicher und drei Laienbrüder.
Ende Oktober 1475 übertrug der Heimbacher Kommendator Jakob Ryffenberg dem Ordenskaplan Johann Deschler das Ordenshaus Bruchsal auf Lebenszeit. Er hatte eine jährliche Pacht von 100 Gulden und ein Fuder Rotwein an den Kommendator zu entrichten, die in zwei Raten zu 50 Talern an Mariä Himmelfahrt (15. August) und auf Martini (11. November) zu entrichten war.
Bei der Visitation von 1495 hatte Johann Deschler das Ordenshaus immer noch in Pacht. Das Ordenshaus und die Kapelle werden als nicht sehr geräumig bezeichnet. In der Kapelle gab es drei Altäre. Der Hauptaltar war Johannes dem Täufer geweiht, die Seitenaltäre der Hl. Maria und den Aposteln Philippus und Jakobus. Johann Deschler hatte an Sonn- und Feiertagen die Messe in der Kapelle zu lesen.
Seit der Reformation wurde der Besitz des Membrums Bruchsal von weltlichen Administratoren verwaltet. Seit 1587 musste der Administrator sogar ein Bürger der Stadt Bruchsal sein. 1534 wurde durch diesen weltlichen Administrator die Kapelle der Niederlassung abgerissen, trotz des Protestes des damaligen Bischofs von Speyer, Philipp von Flersheim.
Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurden die außerhalb der Stadtmauern Bruchsals liegenden Kommendegebäude zerstört und nicht wieder aufgebaut. In der Stadt besaß der Orden ein Haus, das allerdings seit 200 Jahren einer Familie Massenbach zu Lehen gegeben war. 1602 war das Haus sogar weiter verkauft worden. 1632 hatte die Witwe des letzten Lehensmannes einen schwedischen Offizier geheiratet und war mit ihm nach Schweden gezogen. Der Orden wollte nun das Haus als erledigtes Lehen einziehen. Allerdings war das Haus nun von einem kaiserlichen Oberst namens Bamberger beschlagnahmt worden. Für seine Verdienste bei der Eroberung von Philippsburg erhielt er vom Kaiser die Ordensgüter gegen einen Zins von jährlich 3 Gulden, 7 Batzen und 8 Pfennig. Der Orden protestierte gegen diese Entscheidung, konnte aber zunächst nichts erreichen. 1644 eroberten französische Truppen Bruchsal, und Bamberger musste fliehen. Doch nun beschlagnahmte der Speyerer Bischof und Kurfürst und Erzbischof von Trier Philipp Christoph von Sötern am 1. Oktober 1645 in seiner Funktion als Stadtherr die Ordensgüter. Er war erst im April 1645 aus kaiserlicher Gefangenschaft entlassen worden. Er ließ die Besitztümer der Kommende von einem von ihm eingesetzten Schaffner aufnehmen. Der Grundbesitz umfasste 58,5 Morgen Ackerland, 22,5 Morgen Wiesen, 3 Morgen Weingärten, 2,5 Morgen Garten, etwa 6 Morgen Wald und 14 Morgen, die gegen Zins ausgegeben waren. Der Orden versuchte natürlich die Kommende wiederzubekommen, hatte jedoch bis zum Tod Söterns 1652 keinen Erfolg. Erst unter dessen Nachfolger im Speyerer Bischofsamt, Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid, erhielt der Orden am 13. März 1653 seine Kommende zurück.
1615 erscheinen Bruchsal und Kronweißenburg nicht mehr als Membra von Heimbach, sondern als eigenständige Kommenden. Wann genau diese Herauslösung geschah, lässt sich mangels Urkunden nicht genau sagen. In der Liste der Kommenden in seinem Testament, denen Andreas Sturmfeder vorstand, lässt sich allerdings nicht sicher entnehmen, ob Bruchsal und Kronweißenburg zu diesem Zeitpunkt bereits kombiniert waren. Da sie aber hintereinander folgen, ist dies bereits anzunehmen.
Der Kommendebesitz 1798 Das von Karl Herrlich bereits 1880 publizierte Repertorium über alle Cabranen oder Lagerbücher und Beraine der hochritterlichen Johanniter-Ordens deutschen Großpriorats-Häuser und Commenden. Verfertigt mit Ende 1798 weist für Bruchsal Besitz in bzw. Einnahmen aus folgenden Orten aus: Bruchsal Forst Gochsheim Gondelsheim (Gundelsheim) Hambrücken Münzesheim Neuthard (Neudhart) Unteröwisheim (Niederöwisheim) Oberöwisheim Oberacker Weiher (Weyher) Ubstadt (Uebstatt)
Das Ende der Johanniterkommende Bruchsal 1805 nahm das Großherzogtum Baden die Kommende Bruchsal in Besitz. Sie beließ jedoch den letzten Kommendator Maria Adam Reich von Reichenstein gegen eine jährliche Pacht von 2.000 Gulden als Pächter auf der Kommende. Der Pachtvertrag war zwar auf fünf Jahre abgeschlossen, 1809 aber verstaatlichte die badische Regierung die Kommende und verkaufte sie 1813 für 78.688 Gulden. Die damalige Vermessung ergab nun einen Grundbesitz von 330 Morgen, 3 Viertel und 25 Quadratruten. Die Geldgefälle, also Zinseinnahmen aus verpachtetem Grundbesitz, betrugen 861 Gulden und 56 Kreuzer jährlich.
Der letzte Kommendator Maria Adam Reich von Reichenstein soll allerdings laut eigenen Angaben ein jährliches Einkommen von 7.700 Gulden aus der Kommende gehabt haben. Nach der Aufhebung der Kommende 1809 verglich er sich mit dem Großherzogtum Baden und erhielt eine jährliche Pension von 1.600 Gulden, die später freilich gekürzt wurde. Maria Adam Reich von Reichenstein starb verarmt am 20. November 1821.
Komture/Kommendatoren