mini|Siegfried Rosenfeld (Illustration von 1875)

Roderich Fels, eigentlich Siegfried Rosenfeld (geboren 1844 in Brünn; gestorben am 13. September 1883 in Hamburg), war ein österreichischer Schauspieler, Dramaturg, Dramatiker und Librettist.

Leben Familie Er entstammte der seit dem 17. Jahrhundert in Mährisch Koritschan ansässigen jüdischen Familie Rosenfeld.Zur Familiengeschichte siehe den Exportkatalog Rosenfeld: Eine Familiengeschichte in Briefen, Fotos, Büchern, Dokumenten. Hrsg. vom Antiquariat Georg Fritsch, Wien 2001. Sein Vater Esoel Josef „Peppi“ Rosenfeld (ca. 1813–1878) betrieb im nahen Brünn ein „Hauseinrichtungsdepot, umfassend den Handel mit allen Gattungen von Möbeln und Zimmereinrichtungsgegenständen, dann Glas- und Porzellanwaaren,“Handels- und Gewerbe-Adressbuch des österreichischen Kaiserstaates, enthaltend: die sämmtlichen, nach dem neuen mit 1. Juli 1863 ins Leben getretenen Handelsgesetze erfolgten Eintragungen in die Einzeln- und Gesellschafts-Register mit Angabe der Procuraführer, der Ehepacten und der Rechtsverhältnisse bei Gesellschaftsfirmen. Hrsg. von Leopold Kastner. Beck’sche Universitätsbuchhandlung, Wien 1867, S. 224. seine Mutter Rosa (Rachel) Rosenfeld, geborene Kolisch (1813–1885), daneben eine Garküche. Ein Onkel mütterlicherseits ist der Journalist und Revolutionär Sigmund Kolisch, der 1848 in Brünn und Wien an den Barrikadenkämpfen der Märzrevolution teilnahm und nach ihrer Niederschlagung ins Exil fliehen musste, ein anderer Rudolf Wolf Kolisch (1803–1864), Herausgeber des Brünner Tags-Couriers.

Zu seinen elf Geschwistern zählen Viktor Rosenfeld (1852–1919), seinerzeit einer der geachtetsten Strafverteidiger Wiens, Laura Henschel-Rosenfeld (1857–1944), die vor allem durch ihre Beziehung zu dem Maler Maurycy Gottlieb bekannt ist, sowie Carl Rosenfeld (1850–1915) und Theodor Rosenfeld (1851–1907), die über Jahrzehnte zunächst in Wien, dann in Berlin und in der Zwischenzeit in den Vereinigten Staaten gemeinsam als Theaterunternehmer tätig waren. Theodors Tochter Eva Rosenfeld (1892–1977) war eine Analysandin Sigmund Freuds und machte sich später selbst einen Namen als Psychoanalytikerin. Zu Siegfried Rosenfelds Cousins zählen der Schriftsteller und Zionist Oskar Rosenfeld (1884–1944) und der expressionistische Dichter Jakob van Hoddis (eigentlich Hans Davidsohn, 1887–1942), die ebenso wie Laura Henschel-Rosenfeld und weitere Familienmitglieder im Holocaust ermordet wurden.

Aus Siegfried Rosenfelds Ehe mit Franja Rosenfeld (ca. 1838–1898) ging ein Sohn hervor, der den Namen Rosenfeld gleichfalls ablegte und sich Walter Dahle (1868–1936) nannte. Bis zu seiner Emigration im Jahre 1933 leitete dieser in Berlin-Hermsdorf ein Pensionat für Knaben mit schulischen und häuslichen Problemen (von mindestens einem seiner Zöglinge „Dr. Dahles Irrenanstalt“ genannt).Avigdor Ben-Trojan: „Ich denke oft an Onkel Franz“: Jüdische Spurensuche in Reinickendorf. Boesche Verlag, Berlin und Haifa 2004, S. 83.

Wien miniatur|Die einstige Komische Oper am Schottenring, nachmals Ringtheater. Am 8. Dezember 1881 kam es hier zur wohl verheerendsten Brandkatastrophe der österreichischen Geschichte; mindestens 384 Menschen kamen zu Tode.

Siegfried Rosenfeld versuchte sich zunächst mit mäßigem Erfolg als Schauspieler, bis er im September 1875 die künstlerische Leitung der Komischen Oper Wien übernahm. Ein huldvolles Porträt, das aus diesem Anlass im Floh erschien, behauptete, dass Rosenfeld 1867 bei einem seiner Auftritte im Kurtheater zu Wildbad im Schwarzwald die Aufmerksamkeit des Herzogs von Sagan erregt habe und dank dessen Fürsprache von Botho von Hülsen für ein Gastspiel am Königlichen Hoftheater nach Berlin geladen wurde, das so erfolgreich war, dass ihm auf der Stelle ein festes Engagement angeboten wurde. Dieses Angebot schlug er angeblich aus, um stattdessen die Leitung des Stadttheaters in Marburg an der Drau zu übernehmen.Der Floh vom 24. Oktober 1875, S. 5 (Digitalisat in der Online-Sammlung des Wien Museums). Diese Angaben erscheinen aber kaum glaubwürdig, zumal dem Artikel nicht zu entnehmen ist, dass Rosenfeld seine Anstellung als „artistischer Director“ der Komischen Oper seinen Brüdern Carl und Theodor verdankte, die kurz zuvor den Pachtvertrag und die Geschäftsleitung dieser vom Unstern verfolgten Bühne übernommen hatten. Die Neue Freie Presse wusste zum gleichen Anlass nur zu berichten, dass Rosenfeld einst ein nicht näher benanntes österreichisches „Provinztheater“ geleitet habe; als Schauspieler habe er einige Male „mit wechselndem Erfolge“ am Burgtheater gastiert und „jüngst“ ein Engagement am Strampfer-Theater gefunden, „in welchem er der Kritik wenig Gelegenheit bot, sich über seine Leistungen zu äußern. Das ist Alles, was uns über den neuen Director bekannt ist. Ob diese künstlerischen Antecedentien ausreichen, ihn zur Leitung einer ersten Bühne in der Hauptstadt zu befähigen, und ob er Bildung und Thatkraft genug besitzt, um für das so arg discreditirte Institut das Publicum wieder zu interessiren, muß die Zukunft lehren.“Theater- und Kunstnachrichten. In: Neue Freie Presse vom 22. September 1875, S. 7 (Digitalisat). In keinem der beiden Artikel sind Rosenfelds schriftstellerische Ambitionen erwähnt, denen indes auch kein Erfolg beschieden war. Seine Erzählung Barbara Ubryk, oder Die Krakauer Klostergeschichte (offenbar Rosenfelds einziges Prosawerk) wurde 1871 noch vor ihrer Veröffentlichung von der k.u.k.-Zensur kassiert.Siehe hierzu: Gertrude Langer-Ostrawsky: Der Rote Strich des Zensors: Kabarett-Texte aus dem Bestand Theaterzensur im Niederösterreichischen Landesarchiv, in: Sichtungen. Archiv-Bibliothek-Literaturwissenschaft 6/7, Wien 2005, 223–251. Tatsächlich war Rosenfelds Gastspiel am Burgtheater von kurzer Dauer; zwischen dem 23. und dem 30. Oktober 1873 stand er hier ganze drei Mal auf der Bühne, stets in komischen Rollen: als Schummrich in Roderich Benedix’ Die zärtlichen Verwandten, als Onkel Baumann in Alexander Elzens Er ist nicht eifersüchtig sowie als Ritter Rochferier in Eine Partie Piquet von Narcisse Fournier und Henri Horace Meyer.Otto Rub: Das Burgtheater: Statistischer Rückblick auf die Tätigkeit und die Personalverhältnisse während der Zeit vom 8. April 1776 bis 1. Januar 1913. Gelegentlich des 25jährigen Bestehens des neuen Hauses am 14. Oktober 1913. P. Knepler, Wien 1913, S. 256.

Die Rosenfeldsche Unternehmung an der Komischen Oper im Winter 1875–1876 scheiterte ebenso rasant wie katastrophal und wurde von der Wiener Presse teils amüsiert, teils entsetzt, jedenfalls aufmerksam verfolgt. Wie es rückblickend im Feuilleton der Wiener Sonntags-Post hieß, schien es zunächst, In den vier Monaten seiner Intendanz setzte Siegfried Rosenfeld dem ohnehin schon ramponierten künstlerischen Ruf des Hauses schwer zu. Dass Rosenfeld seine Opernbühne noch vor der offiziellen Neueröffnung für allerdings gut besuchte Auftritte des Zauberkünstlers Compars Herrmann hergab, war wenig geeignet, Befürchtungen über fortgesetzte Niveauabsenkung zu zerstreuen. Rosenfelds Debüt (als Regisseur und zugleich als Darsteller) war die burleske Revue Cleopatra; oder Durch Jahrtausende; sie wurde vom Publikum noch recht freundlich aufgenommen, von den Kritikern hingegen verrissen. Ähnlich erging es der Operette Fanfarullo von Joseph Wirth, die er im Januar 1876 auf die Bühne brachte.Markéta Štědronská: Komische Oper (Ringtheater): Ein „lieblicher Traum von einer eigenen Opéra comique für Wien“. In: Archiv für Musikwissenschaft, Jahrgang 74, Heft 3, 2017, S. 228–229. Mit Empörung wurde im Februar die Nachricht aufgenommen, dass Rosenfelds Orchestermusiker fürderhin ohne zusätzliche Gage nicht nur einmal am Tag, sondern zusätzlich in neu eingeführten und mit verbilligten Eintrittskarten beworbenen Nachmittagsvorstellungen aufspielen sollte. Da selbst die regulären Gagen bald nicht mehr ausgezahlt werden konnten, wurde der Spielbetrieb im Februar ganz eingestellt.

Berlin Bühnenstücke Nach dem Wiener Debakel siedelten die drei Rosenfeld-Brüder nach Berlin über. Carl und Theodor Rosenfeld traten hier in den folgenden Jahren unter anderem als Pächter des Belle-Alliance-Theaters in Erscheinung, in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg als Leiter des Linden-Cabarets. Siegfried Rosenfeld versuchte sich seinerseits als Stückeschreiber und verfasste unter dem Pseudonym Roderich Fels in den nächsten Jahren eine Reihe historischer Dramen, denen allerdings wenig Erfolg beschieden war. Der Einakter Kornblumen über die Verlobung Friedrich Wilhelms von Brandenburg, des „Großen Kurfürsten“, mit Luise Henriette von Oranien wurde am 16. August 1878 am Berliner Residenz-Theater uraufgeführt und beeindruckte Kritiker vor allem durch seine plumpe Anbiederung an das preußische Herrscherhaus – Kornblumen waren die Lieblingsblumen Kaiser Wilhelms. Wie der Rezensent von Über Land und Meer mit verhaltenem Spott berichtet, trägt sich die Handlung zu, als Friedrich Deutlicher wurde der Kritiker der Gegenwart, der lästerte, dass Fels

Es folgte der abendfüllende Fünfakter Gräfin Kozierowska, der mit Marie Barkany in der Hauptrolle am 11. Dezember 1879 am Ostend-Theater Premiere feierte. Er wurde vom Publikum sehr wohlwollend aufgenommen, ins Repertoire der Bühne aufgenommen und konnte sich bis zum August 1880 auf dem Spielplan halten. Zwar bemängelte der Kritiker der Berliner Börsen-Zeitung, dass die Handlung etwas abenteuerlich erscheine und arg an die Romane erinnere, Die Wiener Theater-Chronik vermeldete allerdings, dass das hier und fortan unter dem Titel Jadwiga firmierende Stück in Gotha eine „sehr kühle Aufnahme“ fand:

Für seine beiden letzten „romantischen Schauspiele“ wählte Fels’ mittelalterliche Sujets nach Gedichten von Heinrich Heine: eines behandelt die historischen Schelme von Bergen, das andere den von Heine in einer seiner bekanntesten Balladen besungenen Ritter Olaf; beide wurden auch in Reclams Universalbibliothek aufgelegt.

Libretti Ferner schrieb Fels alias Rosenfeld Libretti für zwei zeittypisch „romantische“ Opern von Heinrich Hofmann (Aennchen von Tharau, UA am 6. November 1878 im Neuen Stadttheater am Dammtor, Hamburg, und Wilhelm von Oranien, UA am 5. Februar 1882 ebenda), ein weiteres für Carl Gramanns Historienoper Das Andreasfest (UA an der Hofoper Dresden am 30. November 1882), und lieferte ferner den szenischen Entwurf für Adalbert Überlées König Otto’s Brautfahrt (UA am 7. Mai 1881 an der Königlichen Oper zu Berlin).