Secukinumab (Handelsname Cosentyx) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs). Es wird als Basistherapie zur Behandlung verschiedener Autoimmunerkrankungen eingesetzt, um sowohl die Symptome zu lindern als auch den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Hierzu gehören die Schuppenflechte, die Psoriasisarthritis, die axiale Spondyloarthritis, die juvenile idiopathische Arthritis sowie auch die Acne inversa. Zur Behandlung mancher dieser Erkrankungen kann Secukinumab mit Methotrexat kombiniert werden.

Secukinumab wird mittels Injektion in die Unterhaut (subkutan) verabreicht. Es ist ein monoklonaler Antikörper, der den Botenstoff Interleukin-17A (IL-17A) neutralisiert und dadurch bestimmte Entzündungs-, Immun- und Autoimmunreaktionen im Körper vermindert. In der EU ist Secukinumab seit 2015 zur Behandlung zugelassen. Inhaber der Zulassung ist die Firma Novartis.

Klinische Angaben Anwendungsgebiete Secukinumab ist in der EU und der Schweiz mit Stand Juli 2026 indiziert zur Behandlung: der Plaque-Psoriasis (PsO) bei Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen ab einem Alter von 6 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer PsO, für die eine systemische Therapie in Frage kommt (in der Schweiz: nur wenn sie auf andere systemische Therapien einschließlich Ciclosporin, Methotrexat oder PUVA nicht angesprochen haben, wenn diese Therapien kontraindiziert sind oder wenn sie diese Therapien nicht tolerieren) der Psoriasisarthritis (PsA) allein oder in Kombination mit Methotrexat (MTX) bei Erwachsenen mit aktiver Psoriasis-Arthritis, wenn das Ansprechen auf eine vorhergehende Therapie mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) unzureichend gewesen ist der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) in Form einer Enthesitis-assoziierten Arthritis (EAA) oder einer juvenilen Psoriasisarthritis (JPsA) allein oder in Kombination mit Methotrexat (MTX) bei Kindern ab 6 Jahren, deren Erkrankung unzureichend auf eine konventionelle Therapie angesprochen hat oder die diese nicht vertragen (bislang nur in der EU zugelassen) der axialen Spondyloarthritis (axSpA); in der Schweiz jeweils nur bei schwerer axSpA bei Erwachsenen mit aktiver ankylosierender Spondylitis (AS; Morbus Bechterew, röntgenologische axiale Spondyloarthritis) und unzureichendem Ansprechen auf eine konventionelle Therapie bei Erwachsenen mit aktiver nicht-röntgenologischer axialer Spondyloarthritis (nr-axSpA) mit objektiven Anzeichen der Entzündung, angezeigt durch erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) und/oder Nachweis durch Magnetresonanztomographie (MRT), und unzureichendem Ansprechen auf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) moderat bis schwere Acne inversa bei unzureichendem Ansprechen auf eine konventionelle Therapie

In all diesen Anwendungsgebieten ist Secukinumab eine zugelassene und wirksame Behandlungsmöglichkeit. Es bestehen jedoch Unterschiede hinsichtlich alternativer Behandlungsmöglichkeiten. Medizinische Leitlinien und die Bewertung von Medikamenten im Rahmen von Health Technology Assessment (in Deutschland u. a. in Form der sog. frühen Nutzenbewertung) betrachten verfügbare Behandlungsmöglichkeiten im Vergleich miteinander. Die folgenden Abschnitte fassen Informationen aus Zulassung, Leitlinienempfehlungen und Nutzenbewertung zu Secukinumab für die verschiedenen Anwendungsgebiete zusammen.

Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen Die Behandlung der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen, für die eine systemische Therapie in Frage kommt, war das erste zugelassene Anwendungsgebiet von Secukinumab in der EU. Die Zulassung erfolgt im Jahr 2015 auf Grundlage mehrerer klinischer Studien zum Vergleich von Secukinumab gegenüber Placebo und gegenüber Etanercept sowie zur Dosierung und zur Darreichungsform. Die Wirksamkeit wurde anhand des PASI-Scores bestimmt, der die Hautsymptome der Psoriasis (Ausdehnung und Schweregrad) beschreibt. In den Studien wurde gezeigt, dass Secukinumab nach 12 Behandlungswochen bei signifikant mehr Patienten zu einer bedeutsamen Verbesserung der Hautsymptome führte als Placebo oder Etanercept.

Die deutsche S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris empfiehlt Secukinumab als eine von mehreren alternativen Behandlungsoptionen (verschiedene bDMARDs, darunter TNF-Blocker und IL-17A- und IL-23-Inhibitoren) zur Therapie der mittelschweren oder schweren Psoriasis vulgaris (Plaque-Psoriasis) in bestimmten Situationen: als ein mögliches Mittel der ersten Wahl (Erstlinientherapie), wenn konventionelle Therapien keinen ausreichenden Therapieerfolg erwarten lassen, z. B. bei besonders schwerer Ausprägung oder rascher Verschlechterung, bei besonders hoher Beeinträchtigung der Lebensqualität oder bei Beteiligung der Nägel, des Genitalbereichs oder der Kopfhaut als ein mögliches Mittel der zweiten Wahl (Zweitlinientherapie) bei nicht ausreichendem Therapieerfolg, Unverträglichkeit oder Kontraindikation einer Therapie mit Acitretin, Ciclosporin, Fumarat, Methotrexat oder einer Phototherapie (z. B. PUVA)

In einem Vergleich verschiedener Wirkstoffe zur Behandlung der Psoriasis im Rahmen einer Netzwerk-Metaanalyse der Cochrane Collaboration wurde gezeigt, dass eine Behandlung mit Secukinumab oder bestimmten anderen Wirkstoffen (Bimekizumab, Brodalumab, Infliximab, Ixekizumab, Guselkumab oder Risankizumab) signifikant wirksamer ist als eine Behandlung mit Ustekinumab oder den TNF-Blockern Adalimumab, Certolizumab und Etanercept.

Im Rahmen der frühen Nutzenbewertung wurde für Secukinumab im Vergleich zu Fumarsäureester (sowie indirekt Ciclosporin, Methotrexat oder Phototherapie) auf Grundlage der Studie PRIME ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen festgestellt. Grund dafür waren die Verbesserung der Hautsymptome und der Lebensqualität sowie das Auftreten von deutlich weniger Nebenwirkungen unter Secukinumab.

Plaque-Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen Zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen ab einem Alter von 6 Jahren, für die eine systemische Therapie in Frage kommt, wurde Secukinumab in der EU im Juli 2020 zugelassen. Grundlage der Zulassung waren die klinischen Studien A2310 und A2311 zum Vergleich von Secukinumab gegenüber Placebo und Etanercept. In den Studien wurde gezeigt, dass Secukinumab nach 12 Behandlungswochen bei signifikant mehr Patienten zu einer bedeutsamen Verbesserung der Hautsymptome führte als Placebo oder Etanercept. Der Vergleich gegenüber Etanercept wurde für 52 Wochen fortgeführt, und auch nach diesem Zeitraum führte Secukinumab bei mehr Patienten zu einer bedeutsamen Verbesserung.

Die deutsche S2k-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen empfiehlt Secukinumab als eine von mehreren alternativen Behandlungsoptionen (Adalimumab, Secukinumab oder Ixekizumab) als Mittel der ersten Wahl zur Therapie der mittelschweren oder schweren Psoriasis vulgaris (Plaque-Psoriasis) bei Kindern ab einem Alter von 6 Jahren.

Im Rahmen der frühen Nutzenbewertung wurde für Secukinumab im Vergleich zu Etanercept (sowie indirekt Adalimumab oder Ustekinumab) auf Grundlage der Studie A2310 ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen festgestellt. Grund dafür war die Verbesserung der Hautsymptome unter Secukinumab, während in Bezug auf Lebensqualität und Nebenwirkungen keine Unterschiede festgestellt wurden.

Psoriasis-Arthritis Zur Behandlung der aktiven Psoriasis-Arthritis allein oder in Kombination mit Methotrexat wurde Secukinumab in der EU im November 2015 zugelassen. Grundlage der Zulassung waren die klinischen Studien FUTURE 1 und FUTURE 2 zum Vergleich von Secukinumab gegenüber Placebo. Die Wirksamkeit wurde anhand des ACS-Scores bestimmt, der die Symptome der Arthritis in den Gelenken (Entzündung, Schmerzen und Einschränkungen) beschreibt. In den Studien wurde gezeigt, dass Secukinumab bei signifikant mehr Patienten zu einer bedeutsamen Verbesserung der Symptome führte als Placebo.

Eine deutsche Leitlinie zur Behandlung der Psoriasis-Arthritis gibt es gegenwärtig noch nicht, die Erstellung ist jedoch bis Ende 2022 geplant. Die entsprechende europäische Leitlinie sieht Secukinumab als eine mögliche Behandlungsoption bei bestimmten Patienten mit Psoriasis-Arthritis und relevanter Hautbeteiligung (d. h. Plaque-Psoriasis).

Im Rahmen der frühen Nutzenbewertung wurde Secukinumab zur Behandlung der aktiven Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen, die auf eine vorangegangene DMARD-Therapie unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben, in drei verschiedenen Situationen bewertet: bei gleichzeitiger mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis wurde ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen im Vergleich zu Adalimumab (sowie indirekt Certolizumab, Etanercept, Golimumab, Infliximab, Ixekizumab oder Ustekinumab) festgestellt. Grund für diese Entscheidung war eine Verbesserung der Hautsymptomatik sowie der Lebensqualität, während in Bezug auf die Symptome der Psoriasis-Arthritis keine Unterschiede zwischen den Wirkstoffen festgestellt wurden. Die Grundlage der Bewertung waren die Ergebnisse der Studie EXCEED 1. ohne gleichzeitige mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis hingegen wurde im Vergleich zu den oben genannten Wirkstoffen kein Zusatznutzen festgestellt, da keine geeigneten Daten vorlagen. wenn es sich bei der vorangegangenen DMARD-Therapie um ein bDMARD handelte, wurde bei einem Wechsel zu Secukinumab im Vergleich zum Wechsel zu einem der oben genannten Wirkstoffe ebenfalls kein Zusatznutzen festgestellt, da ebenfalls keine geeigneten Daten vorlagen.

Juvenile idiopathische Arthritis Zur Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis ein Form einer Enthesitis-assoziierten Arthritis oder einer juvenilen Psoriasis-Arthritis bei Kindern ab 6 Jahren wurde Secukinumab in der EU im Juni 2022 zugelassen. Zur Behandlung dieser Erkrankungen kann Secukinumab allein oder in Kombination mit Methotrexat eingesetzt werden. Grundlage der Zulassung war die klinische Studie F2304 mit 86 Patienten, in der Secukinumab mit einem Placebo verglichen wurde. Die Wirksamkeit wurde anhand der Zeit bis zum Auftreten eines Krankheitsschubs untersucht. In der Studie wurde gezeigt, dass Secukinumab die Zeit bis zum Auftreten eines Schubs deutlich verlängerte.

Die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie zur Therapie der juvenilen idiopathischen Arthritis wurde zuletzt im Jahr 2019 aktualisiert, also bevor Secukinumab in diesem Anwendungsgebiet zugelassen wurde.

Das Ergebnis der Nutzenbewertung in diesem Anwendungsgebiet wird Anfang Januar 2023 erwartet.

Röntgenologische axiale Spondyloarthritis Zur Behandlung der aktiven röntgenologischen axialen Spondyloarthritis (Morbus Bechterew, ankylosierende Spondylitis) wurde Secukinumab in der EU im November 2015 zugelassen. Grundlage der Zulassung waren die klinischen Studien MEASURE 1 und MEASURE 2 zum Vergleich von Secukinumab gegenüber Placebo. Die Wirksamkeit wurde anhand der ASAS-Kriterien bestimmt, welche die Symptome der Arthritis in den Gelenken (Entzündung, Schmerzen und Einschränkungen) beschreiben. In den Studien wurde gezeigt, dass Secukinumab bei signifikant mehr Patienten zu einer bedeutsamen Verbesserung der Symptome führte als Placebo.