Brombach (alemannisch auch BromechErnst Beck, Lautlehre der Obermarkgräfler Mundart, Halle (Saale): Buchhandlung des Waisenhauses, 1926, S. 74 (§ 113,1) und S. 108 (§ 261, 2)) ist mit 987 ha flächenmäßig der größte Ortsteil der Stadt Lörrach; er ist nach Stetten mit 6354 Einwohnern (2006) der zweitgrößte bezogen auf seine Einwohnerzahl. Brombach befindet sich im nordöstlichen Teil des Stadtgebietes zwischen der linken Seite des Flusses Wiese und den westlichen Ausläufern des Dinkelbergs. Es bildet ein Unterzentrum Lörrachs mit Geschäften und Einrichtungen des kurz- und mittelfristigen Bedarfs. Brombach wurde 786 erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert geriet das Dorf durch eine Burggründung in die Hände des Adelsgeschlechts Reichenstein. Es blieb über 500 Jahre in ihrem Besitz. Seit 1975 gehört das Dorf Brombach zur Stadt Lörrach.
Lage und Geographie mini|Luftbild Brombachs von Westen Der Kern Brombachs erstreckt sich auf einer hochwasserfreien Niederterrasse und dem Schwemmkegel des Löhrgrabens zwischen dem Fluss Wiese und dem Dinkelberg. Neben relativ jungen Wohngebieten haben sich in den Auen Industriegebiete angesiedelt. In den 1970er Jahren hat sich auf den Höhen des Dinkelbergs das Wohngebiet Bühl entwickelt. So ergibt sich von der Flussaue über die Niederterrasse bis hin zu den Höhen eine reliefmäßige Dreiteilung des Gemeindegebietes mit über 150 m Höhendifferenz zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Punkt auf der Gemarkungsfläche. Als Grundriss der Straßenordnung ist ein unregelmäßiger Verlauf entlang des alten Ortskerns an der Ringstraße festzumachen. An der von Nordost nach Südwest verlaufende Durchgangsstraße Lörracher Straße/Schopfheimer Straße haben sich mehrere parallel verlaufende Straßen ausgerichtet.
Zum Ort Brombach gehört zudem die etwa 1,6 Kilometer südöstlich gelegene Rotte Juch. Die Rotte besteht aus vier Höfen und wird über die Hüsingerstraße von Brombach her erschlossen. Durch den Ort führt die Passstraße von Brombach nach Hüsingen auf einer Hochebene auf rund 388 m Höhe; sie gehört zu Brombach. Von Juch zweigen einige Feldwege sowie die eine Landstraße ab, welche als Zufahrt der Bühler-Hütte dient.
Zwischen dem Stadtzentrum Lörrachs und Brombach befindet sich der Homburger Wald. Höchste Erhebung Brombachs ist die Mezelhöhe im Gewann Bollhalden im Süden Brombachs mit einer Höhe von . Die Gemarkungsfläche Stockert im Hauinger Wald ist eine 38 Hektar große zu Brombach gehörende Exklave, die sich nördlich von der eigentlichen Gemarkungsfläche befindet.
Geologie
Südlich von Kandern verbreitert sich die Vorbergzone des Schwarzwaldes nach Osten zur Schopfheimer Bucht, an deren Westrand sich Brombach befindet. In ihr haben sich beim Aufsteigen des Schwarzwaldes in der Tertiärzeit in geschützter Tieflage Schichten des Deckgebirges erhalten, die auf dem Schwarzwald bereits weitgehend abgeräumt sind. Es sind dies Sedimente von Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper und in kleinen Resten von Unterjura. Auf Brombachs Gemarkung sind alle genannten Schichten anzutreffen.
Dominierend ist der Muschelkalk des Dinkelbergplateaus. Da sich die Muschelkalkplatte des Dinkelbergs allgemein leicht nach Süden neigt und einzelne Bruchstücke (Schollen) tiefer eingesunken sind, treffen wir nahe der Süd- und Südostgrenze der Gemarkung auf jüngere von der Abtragung noch nicht erreichte Schichten, nämlich die des Keupers. Besonders tief lagert die Scholle um die Metzelhöhe, sodass dort sogar noch ein Rest Unterjura (Lias) erhalten ist. Die ältesten Schichten, die des Buntsandsteins, sind dagegen nur in dem kleinen Gemarkungszipfel nördlich der Wiese anzutreffen. Wir befinden uns hier im Bereich des sog. Weitenauer Berglandes, wo der tektonisch höheren Lage wegen der Muschelkalk östlich der Heilisau bereits bis auf wenige Reste (im Stockert, auf dem Rechberg) abgetragen ist.
In den Steinbrüchen hinter dem Gasthaus Waldhorn und bei der Einmündung der Großmannstraße in die Hüsingerstraße sieht bzw. sah man Schichten des Oberen Muschelkalks: gelblich verwitternde, frisch gebrochen graue, plattige bis gebankte Kalke. Einen guten Einblick in den unteren Muschelkalk gibt es am Prallhang der Wiese unmittelbar oberhalb des Wuhrs. Der Mittlere Muschelkalk bildet zwischen dem Kirchsporn und einer Verwerfung im Hellberg den unteren Dinkelbergnordhang und mit dem unteren Muschelkalk den Sockel des Schindelbergs über dem Wiesental, ist aber nirgends aufgeschlossen. Es gibt in Brombach auch, anders als anderswo am Dinkelberg (z. B. bei Maulburg) keine aufgelassenen Stollen, in denen man einst den im Mittleren Muschelkalk vorkommenden Gips abbaute. Auch die vorwiegend tonig-mergeligen grauen, grünlichen und rötlichen Schichten des Keupers sind auf der Gemarkung wenig aufgeschlossen. Auf der Metzelhöhe trifft man in alten Steinbrüchen auf die dunklen Kalke des Unterjura, die reichlich Gryphäen, Belemniten und Bruchstücke von Ammoniten (Arieten) enthalten.
Das alte Dorf selbst hat sich am Fuß des Dinkelbergs, am Ausgang des Dorfbaches in den Talraum der Wiese angesiedelt. Im Tal der Wiese bilden die Schotter der letzten Kaltzeit (Würmkaltzeit, hier zur Neuenburg-Formation gehörend) den Untergrund. Auf Brombacher Gemarkung weist die Talebene zwei Niveaus auf. Ein höheres, älteres am Fuße des Dinkelbergs anschließendes, das nördlich der alten B 317 mit einer teils steileren, teils flachen Böschung, dem Hochgestade, zum tieferen Niveau, der von Auenlehm bedeckten Talaue abfällt. Diese hat die sich eintiefende Wiese nacheiszeitlich geschaffen.
Die Muschelkalktafel des Dinkelbergs ist auch auf der Brombacher Gemarkung in einzelne Schollen zerbrochen. So lässt z. B. das Fehlen des aus Unterem und Mittlerem Muschelkalk bestehenden Sockels zwischen Kirchsporn und Schindelberg auf eine grabenartige Absenkung der den Bühl bildenden Scholle schließen. In diesem Bereich sammeln sich auch die im Keuperwaldgebiet entspringenden Bäche (Tannengrabenbach, Löhrgrabenbach, Münchhäuslisgrabenbach) zum Dorfbach. Der Obere Muschelkalk weist auch im Brombacher Bann Karsterscheinungen auf, z. B. Dolinen im Einzugsbereich des Tannengrabens und im klüftigen Kalk versickernde Bachläufe.
Geschichte Frühe Besiedlung und erste Erwähnung Die heutige Gemarkung Brombachs wurde bereits von den Kelten, Römern und Alamannen besiedelt. Im November 1894 fand man zwei Kilometer östlich von Brombach an der Grenze des Waldes von Hüsingen Skelette mit mehreren Grabbeigaben. Die Gräbergruppe am sogenannten „Blinzgraben“ stammen aus der Karolingerzeit nach 700.Schülin: Brombach, Seite 45 Das Dorf Brombach wurde am 27. Februar 786 zum ersten Mal in einer UrkundeSt. Galler Urkundenbuch I 90 erwähnt, die eine Schenkung von Ercanpert an einen Abt namens Werdo aus dem Kloster St. Gallen belegt. Von Ercanpert ist bekannt, dass er ein fränkischer Beamter in Brombach war.Schülin: Brombach, Seite 913 Mit der Schenkung übertrug er einen Teil der Rechte und Einnahmen, die bisher dem „Heiligen German zu Brombach“ gehörten dem Kloster. Es ist nicht bekannt, ob Ercanpert Gründer oder Erbe der Kirche und Besitzungen in Brombach war.Schülin: Brombach, Seite 51 Als weiterer Teil der Schenkungsurkunde verpflichtete Ercanpert seinen Bruder Hanno dem Kloster jährlich zehn Denare zu schenken. Neben den Besitzungen in Brombach war auch die Kirche in Weil Teil der Verfügung. Dazu heißt es in den ersten Zeilen der St. Galler Urkunde:Schülin: Brombach, Seite 1128 mini|hochkant=1.4|Schenkungsurkunde aus dem Jahr 786
Auf Deutsch:
Bedeutung des Ortsnamens Von 786 bis 1493 sind die Schreibweisen Prampahch (786), Branbach (fünfmal zwischen 1258 und 1351), Brambach (14 mal zwischen 1259 und 1514), Bronbach (1419) und Brombach (in einer Urkundenkopie von 1113 aus dem 16. Jahrhundert und häufig seit 1493) überliefert.Schülin: Brombach, Seite 631 Die sprachliche Wandlung vom langen [a] auf das lange [o] ist durch den alemannischen Dialekt bedingt. Das mittelhochdeutsche Wort „brame“ (althochdeutsch: „bramo“) bedeutet Dornstrauch und ist im Wort Brombeere (mittelhochdeutsch: „bramber“) enthalten. Obwohl das Stadtwappen einen Brunnen zeigt und damit auf die entsprechende Bedeutung verweist, deuten alte Urkunden eher auf darauf hin, dass sich der Name aus dem Wort „Brombeere“ herleitet. Damit ergibt sich für die Bedeutung des Ortsnamens Brombach: die Siedlung an einem Bach, an dessen Ufer viele Dornensträucher wachsen.
Epoche der Herren Reichenstein 1113 übergab Walcho von Waldeck seine Besitzungen in Brombach an das Kloster St. Blasien. Im 13. Jahrhundert ist eine Burggründung durch die Herren Reich von Reichenstein überliefert. Über 500 Jahre lang gehörte Brombach diesem Adelsgeschlecht, das seinen Herrensitz in der Dorfmitte von Brombach hatte. 1294 verkaufte Mathias Reich die Wasserburg und das Dorf an seinen Bruder, dem Basler Fürstbischof Peter I. In der Urkunde heißt es dazu:
Matthias erhielt das Dorf anschließend von seinem Bruder zum Lehen zurück. Für die Urkunde, siehe Joseph Trouillat: Monuments de l’histoire de l’ancien évêché de Bâle, Band 2, Porrentruy, 1854, S. 566f. Online verfügbar auf Google Books Das Baujahr und der Bauherr der Burganlage sind in Urkunden nicht überliefert worden.Schülin: Brombach, Seite 68 Ebenso fehlt eine Abbildung der Burg. Aus einer Beschreibung eines Pfarrers namens Deisler aus dem Jahr 1294 geht hervor, dass sie an den vier Ecken Rundtürme besessen haben soll sowie zwei Meter dicke Grundmauern und katakombenartige Kellergänge. Sie soll im Geviert 45 auf 35 m gemessen haben und an jedem Eck einen 5 m breiten Turm gehabt haben. Der Standort war am Platz des heutigen Brombacher Schlösschens in der Dorfmitte. Werner, Vogt von Brombach, war um 1290 Schultheiß von Kleinbasel. Er ist der Stammvater der Herren von Bärenfels.Altbasel: Bürgermeister Konrad von Bärenfels Rudolf von Berne (oder: Derne) war 1336 Vogt von Brombach.Schülin: Brombach, Seite 479
Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts scheinen die Herren von Rötteln in den Besitz des Dorfes gekommen zu sein, möglicherweise wiederum in Form eines Basler Lehens. Thomas Simon: Grundherrschaft und Vogtei. Eine Strukturanalyse spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Herrschaftsbildung, Frankfurt, 1995, S. 414; Für den Besitz siehe auch Roller, Otto: Die Geschichte der Edelherren von Rötteln, in Blätter aus der Markgrafschaft, Schopfheim, 1927, S. 25 Nachdem die Röttler mit Lüthold II. 1316 ausstarben, kamen als deren Erben die Herren von Krenkingen und die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg in Besitz Brombachs und schlossen 1326 einen Burgfrieden.Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg 1050–1515, herausgegeben von der Badischen Historischen Commission, bearbeitet von Richard Fester, Innsbruck 1892, Band 1, Urkundennummer h603 online In der Folge kam es jedoch zu Erbstreitigkeiten. Nach einem Schiedsspruch durch Graf Konrad von Freiburg aus dem Jahr 1341 durften die Markgrafen Brombach behalten, während das ebenfalls umstrittene Niedereggenen an die von Krenkingen ging.Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg 1050–1515, herausgegeben von der Badischen Historischen Commission, bearbeitet von Richard Fester, Innsbruck 1892, Band 1, Urkundennummer h624 online Schließlich wurden die Güter und die Burg wieder an die Herren Reichenstein verliehen. Wie viele Burgen, Schlösser und Häuser erlitt auch die Burg in Brombach Schäden durch das Erdbeben von Basel 1356.
1479 erhielt die Germanus-Kirche einen Choranbau. Am 1. Juni 1556 ließ Markgraf Karl II. von Baden-Durlach eine neue (lutherische) Kirchenordnung einführen (Reformation), die auch für Brombach gültig wurde, während im ebenfalls an die Freiherren Reich von Reichenstein als Lehen vergebenen Inzlingen die katholische Konfession weiter galt. Im Gegensatz zu Inzlingen lag jedoch in Brombach die Hohe Gerichtsbarkeit bei den Markgrafen.
mini|Karte von Brombach (1871)