mini|Thomas Böcker (2010) Thomas Böcker (* 1977) ist ein deutscher Produzent. Er ist Gründer der Merregnon Studios und künstlerischer Leiter der orchestralen Musikprojekte Merregnon und Game Concerts.

2003 produzierte Böcker im Gewandhaus zu Leipzig die erste orchestrale Aufführung von Computerspielemusik außerhalb Japans. Daraus entwickelte sich die internationale Konzertreihe Game Concerts. Zu seinen späteren Produktionen gehört Final Symphony mit Musik aus der Final-Fantasy-Reihe, bei dem das London Symphony Orchestra 2013 erstmals öffentlich Musik aus Computerspielen aufführte.

Seit 2021 produziert Böcker mit Merregnon sinfonische Märchen. Das erste Werk war Merregnon: Land of Silence mit Musik von Yoko Shimomura, das vom Royal Stockholm Philharmonic Orchestra uraufgeführt wurde. Es folgte Merregnon: Heart of Ice mit Musik von Nobuo Uematsu, das mit dem London Symphony Orchestra und Alicia Vikander als Erzählerin aufgenommen und 2026 bei Decca Classics veröffentlicht wurde.

Leben

Thomas Böcker wuchs in der Kleinstadt Lauenstein (Altenberg) im Osterzgebirge auf. Als er sieben Jahre alt war, brachte sein Vater von einem Familienbesuch in der Bundesrepublik Deutschland einen Commodore 64 in die DDR mit. Böcker entwickelte früh ein Interesse an Musik aus Computer- und Videospielen, insbesondere an den Kompositionen Chris Hülsbecks.

Wirken Zu den frühen Produktionen Böckers gehörte das Album Merregnon – Soundtrack Volume 1, das 2000 veröffentlicht wurde. Es verband eine Fantasy-Erzählung mit Musik verschiedener Videospielkomponisten. 2002 arbeitete Böcker in Prag erstmals für Aufnahmen zu Merregnon – Soundtrack Volume 2 mit einem Orchester zusammen. Später bezeichnete er diese Erfahrung als Grundlage für seine folgenden Konzertproduktionen.

Game Concerts in Leipzig (2003–2007)

Am 20. August 2003 produzierte Böcker das erste Symphonic Game Music Concert als Teil der offiziellen Eröffnungszeremonie der Games Convention. Das Konzert wurde im Gewandhaus zu Leipzig vom Tschechischen Nationalen Symphonieorchester aufgeführt. Bis 2007 folgten vier weitere jährliche Konzerte. Zu den anwesenden Komponisten gehörten Nobuo Uematsu, Yuzo Koshiro und Chris Hülsbeck.

Game Concerts in Köln (2008–2012)

Winfried Fechner, damaliger Manager des WDR Rundfunkorchesters Köln, besuchte 2007 auf Einladung Böckers das letzte Konzert der Leipziger Reihe. Fechner führte die Entscheidung des Orchesters, selbst Programme mit Videospielmusik zu veranstalten, auf diese Erfahrung zurück.

Ab 2008 produzierte Böcker mit dem WDR Rundfunkorchester Köln die Konzertprogramme Symphonic Shades – Hülsbeck in Concert (2008), Symphonic Fantasies – Music from Square Enix (2009), Symphonic Legends – Music from Nintendo (2010) und Symphonic Odysseys – Tribute to Nobuo Uematsu (2011). Mehrere der Programme wurden als Alben veröffentlicht und später international aufgeführt: Symphonic Fantasies war unter anderem in Tokio, Stockholm und London zu hören, Symphonic Odysseys 2017 mit dem London Symphony Orchestra in Paris und London.

Game Concerts weltweit (ab 2013)

Final Symphony mit Musik aus Final Fantasy VI, VII und X wurde am 11. Mai 2013 vom Sinfonieorchester Wuppertal uraufgeführt. Noch im selben Monat folgte ein Konzert mit dem London Symphony Orchestra. Das Programm wurde anschließend international aufgeführt. 2015 erschien ein mit dem London Symphony Orchestra in den Abbey Road Studios aufgenommenes Album. Mit Final Symphony II folgte 2015 ein zweites Programm, das vom Beethoven Orchester Bonn uraufgeführt und später unter anderem vom London Symphony Orchestra in Europa und Japan präsentiert wurde. Ein mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra aufgenommenes Album erschien 2023.

Symphonic Memories – Music from Square Enix wurde 2018 vom Royal Stockholm Philharmonic Orchestra im Konzerthaus Stockholm uraufgeführt. Weitere Konzerte fanden in Europa und Japan statt. Eine 2019 in Kawasaki aufgezeichnete Aufführung erschien 2020 als Album.

Böcker produzierte außerdem Konzertfilme für Videospielunternehmen. 2021 entstand zum zehnten Jubiläum von The Elder Scrolls V: Skyrim eine Produktion mit dem London Symphony Orchestra und den London Voices im Alexandra Palace in London. 2023 folgte Starfield – A Night with the London Symphony Orchestra, aufgenommen im LSO St Luke’s.

2025 produzierte Böcker das Soloklavierprogramm Piano Fantasies – music from SQUARE ENIX mit dem Pianisten Mischa Cheung. Im selben Jahr erschien ein Studioalbum. Nach der Premiere in Tokio folgten 2026 weitere Aufführungen in Stockholm und London.

Merregnon, sinfonische Märchen (ab 2021)

Ab 2021 entwickelte Böcker sinfonische Märchen unter dem Namen Merregnon, die junge Menschen und Familien an Orchestermusik heranführen sollten. Merregnon: Land of Silence und Merregnon: Heart of Ice waren jeweils die ersten Orchesterwerke von Yoko Shimomura und Nobuo Uematsu, die eigens für den Konzertsaal geschrieben wurden.

Merregnon: Land of Silence mit Musik von Shimomura entstand in der Tradition von Sergei Prokofjews Peter und der Wolf und greift zugleich eine aus Videospielen und Anime bekannte Ästhetik auf. Es wurde 2021 als Konzertfilm mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra uraufgeführt. Weitere Konzerte folgten unter anderem mit dem Hong Kong Philharmonic Orchestra und dem Shanghai Symphony Orchestra.

Merregnon: Heart of Ice setzte das Konzept mit Musik von Nobuo Uematsu fort. Die Uraufführung fand am 29. Februar 2024 mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz statt. Das Studioalbum wurde mit dem London Symphony Orchestra und Alicia Vikander als Erzählerin der englischen Fassung aufgenommen und erschien am 19. Juni 2026 bei Decca Classics. Eine weitere Aufführung folgte am 25. Juni 2026 in der Philharmonie de Paris mit dem Orchestre national d’Île-de-France.

Auszeichnungen 2015 wurde Böcker von der Bundesregierung als Kultur- und Kreativpilot Deutschland ausgezeichnet. Im selben Jahr erkannte Guinness World Records ihn als Produzenten des ersten außerhalb Japans veranstalteten Spielemusikkonzerts an.

Weblinks Offizielle Website Game Concerts

Einzelnachweise

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