Die Vereinigung katholischer Theologen Burgundia (im Collegium Albertinum Bonn) zu Köln am Rhein (V.k.Th. Burgundia Bonn zu Köln) ist eine 1896 gegründete nichtschlagende, katholische StudentenverbindungFerdinand Ascherson (Gr.): Akademische Verbindungen an den gesamten Deutschen Hochschulen in: Kalender der Deutschen Universitäten und Technischen Hochschulen, 104. Ausgabe, Verlag von Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1928, S. 28. Sie ist die letzte noch aktive Theologenverbindung im Kölner Priesterseminar (zuvor im Collegium Albertinum, dem 2024 geschlossenen Theologenkonvikt des Erzbistums Köln), und die einzige seit ihrer Gründung fast durchgängig aktive reine Theologenverbindung Deutschlands.Die 1958 gegründete und noch aktive AV Albertus Magnus am Tübinger Theologenkonvikt ist seit den 1990er Jahren eine gemischte katholische Studentenverbindung für Studierende aller Fachrichtungen.
Geschichte miniatur|Das Collegium Albertinum in Bonn (2013) miniatur|Das Collegium Leoninum in Bonn (2016) miniatur|Das Erzbischöfliche Priesterseminar in Köln (2012)
Vorgeschichte
Entstehung und die ersten Jahre der Burgundia Mit der Errichtung des Bonner Theologenkonviktes Collegium Albertinum im Jahre 1892 (sowie des später gebauten Collegium Leoninum) und dem einhergehenden Konviktszwang war es den nun verpflichtend dort lebenden Priesterkandidaten nicht mehr möglich, einer studentischen Korporation beizutreten.Vgl. zu den folgenden beiden Abschnitten Benedikt Zervosen: Geschichte und Gegenwart der V.k.Th. Burgundia. In: V.k.Th. Burgundia (Hrsg.): amicitia – scientia – hilaritas. 250 Semester V.k.Th. Burgundia Bonn. Bonn 2021, S. 47–64, hier S. 49–53. Im Laufe der ersten Jahre bildeten sich lockere Zusammenschlüsse, sogenannte Tische oder Kränzchen, die sich meist nach den Herkunftsregionen der Priesterkandidaten zusammenfanden. Zwischen 1894 und 1900 konsolidierten sich diese Gruppen und entwickelten sich zu Theologenverbindungen, von denen es insgesamt bis zu 14 gab.Vgl. hierzu besonders Norbert Trippen: Zur Geschichte des Collegium Albertinum in Bonn 1885–1903. In: Wilfried Evertz (Hrsg.): Im Spannungsfeld zwischen Staat und Kirche. 100 Jahre Priesterausbildung im Collegium Albertinum (= Studien zur Kölner Kirchengeschichte. Band 26). Verlag Franz Schmitt, Siegburg 1992, ISBN 3-87710-155-0, S. 109–169, hier S. 120–121.129–136 [Hier wird der Neusser Tisch als Novesia bezeichnet. Genannt werden außerdem Colonia, Assindia und Nirsia als landsmannschaftlich geprägte Gruppen sowie Qualmia, Domkapitel (später Marcoduria, heute KDB Winfridia Bonn im RKDB) und Aurelia] sowie Josef Düppengießer: Geschichte der Vereinigung katholischer Theologen Burgundia zu Bonn. Stolberg 1961, S. 17–19. Einige sind bereits in den ersten Jahren untergegangen bzw. (später) in Verbindungen außerhalb des Albertinums aufgegangen,Vgl. z. B. R. Hochstein, B. Müller, H.-J. Walter, K. Dockter: Geschichte. In: saxonia.rkdb.de. KDB Saxonia zu Köln im RKDB, 2019 und Geschichte. In: www.kdbwinfridia.de. KDB Winfridia zu Bonn im RKDB, abgerufen am 1. Juni 2022. andere bestanden bis zum Zweiten Weltkrieg oder darüber hinaus. Nachdem die Burgundia in den 2010er und 2020er Jahren einige Jahre alleine mit einer Aktivitas im Konvikt vertreten war, reaktivierte sich im Sommersemester 2022 die V.k.Th. Aurelia wieder, eine 1900 im Konvikt wieder ins Leben gerufene Theologenverbindung, die bereits 1851 gegründet worden war.Vgl. hierzu auch Kirche lebt auch von kleinen Gemeinschaften. Theologenverbindung Aurelia im Collegium Albertinum neu begründet. In: Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln. 29. April 2022, S. 8.
Aus dem Neußer Tisch und einem weiteren Freundeskreis entstand gegen Ende des Sommersemesters 1896 die heutige Burgundia. Die Leitung dieser Gruppe übernahm Johann Heinrich Jäger (1872–1923), später Pfarrer in Friemersheim. Zunächst nannte sie sich Agraria, ab 1900 Roerania (nach der Rur, was die Bezüge zum Raum Düren anzeigen sollte), ab 1902 wieder Neußer Tisch und seit dem 5. September 1905 endgültig Burgundia (Anklang an die Burgunderkriege im 15. Jahrhundert). In diesen ersten Jahren des 20. Jahrhunderts gab man nicht nur den regionalen Charakter auf, sondern es wurde auch der korporationsstudentische Charakter deutlicher: Farben, Wappen, Zirkel und Prinzipien wurden eingeführt; 1904 fand der erste schriftlich festgehaltene Burschenconvent statt, und es wurde als Wichs Schärpen, Barette und Rapiere angeschafft.Vgl. hierzu besonders Josef Düppengießer: Geschichte der Vereinigung katholischer Theologen Burgundia zu Bonn. Stolberg 1961, S. 21–22.49–50.
Im Sommersemester 1907 verbot der Kölner Erzbischof, Anton Kardinal Fischer, die Aufnahme neuer Mitglieder. Dieses Verbot wurde zwar bereits ein Jahr später wieder aufgehoben, dennoch musste die Burgundia „wegen allzu geringer Mitgliedschaft“Peter Krutwig, Joseph Bontenbroich: Geschichte des Bundes katholischer Theologen (B.K.Th.) „Burgundia“ 1896–1936. Als Manuskript gedruckt, Bonn 1936, S. 14. Vgl. zum Folgenden Josef Düppengießer: Geschichte der Vereinigung katholischer Theologen Burgundia zu Bonn. Stolberg 1961, S. 22–23. im Sommersemester 1910 aufgelöst werden. Am 7. Mai 1911 konnte sie mit 14 Aktiven wiederbegründet werden und trat im Folgemonat dem 1898 gegründeten Verein katholischer Theologen, dem Dachverband der Bonner Theologenverbindungen, bei. 1912 hat sich die Altherrenschaft bereits so konstituiert, dass ein erster Philistersenior gewählt wurde; dabei handelte es sich um den Immendorfer Pfarrer Peter Küpper (1872–1923), der die Burgundia mitgegründet hatte. Im Ersten Weltkrieg kam das Verbindungsleben zum Erliegen, insgesamt 28 Burgunden nahmen am Kriegsgeschehen teil, acht fielen.Vgl. zur Thematik v. a.
Burgundia zwischen den Weltkriegen Nach dem Ersten Weltkrieg konnte die Verbindung schnell wieder aufleben.Vgl. zum folgenden Abschnitt Benedikt Zervosen: Geschichte und Gegenwart der V.k.Th. Burgundia. In: V.k.Th. Burgundia (Hrsg.): amicitia – scientia – hilaritas. 250 Semester V.k.Th. Burgundia Bonn. Bonn 2021, S. 47–64, hier S. 53. So wurden 1924 die Kneipcouleur wieder eingeführt, 1925 eigene Liederbücher gedruckt und 1927 Fahne und Vollwichs angeschafft.Vgl. hierzu besonders Josef Düppengießer: Geschichte der Vereinigung katholischer Theologen Burgundia zu Bonn. Stolberg 1961, S. 54. Nachdem der Text der bisherigen Farbenstrophe, der die Farbe Rot als Zeichen der Treue zu Papst und Kaiser ausgedeutet hatte, nach dem Ende der Monarchie in Deutschland obsolet geworden war, man sich aber erst im Herbst 1919 für einen neuen Text an dieser strittigen Stelle entschieden hatte („Glaube und Heimat“ statt „Papst und Kaiser“), wurde 1924 eine neue Farbenstrophe geschaffen, die mit kleinen Änderungen bis heute gesungen wird.Vgl. hierzu besonders Josef Düppengießer: Geschichte der Vereinigung katholischer Theologen Burgundia zu Bonn. Stolberg 1961, S. 51–52. Ebenfalls 1924 erschien die erste Ausgabe der Burgundenblätter, eines bis zum Zweiten Weltkrieg achtmal unregelmäßig erschienenen Periodikums unterschiedlichen Umfangs. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen bis 1960 acht weitere Hefte. 1929 stiftete Burgundia eine Kanzel für die Kirche St. Engelbert in Pattscheid als Gedächtnismal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Burgunden.Vgl. hierzu besonders Josef Düppengießer: Geschichte der Vereinigung katholischer Theologen Burgundia zu Bonn. Stolberg 1961, S. 41–42.
Im Umfeld der Katholischen Jugendbewegung entstand zwischen den Weltkriegen ein Konflikt um die Ausrichtung der Burgundia.Vgl. zum folgenden Abschnitt Josef Düppengießer: Geschichte der Vereinigung katholischer Theologen Burgundia zu Bonn. Stolberg 1961, S. 64–83. Bereits 1920/21 schlossen sich einige Anhänger der Jugendbewegung der Burgundia an, und es entstanden erste Diskussionen unter den Schlagworten des „Alt- und Neustudententums“Josef Düppengießer: Geschichte der Vereinigung katholischer Theologen Burgundia zu Bonn. Stolberg 1961, S. 71; Peter Krutwig, Joseph Bontenbroich: Geschichte des Bundes katholischer Theologen (B.K.Th.) „Burgundia“ 1896–1936. Als Manuskript gedruckt, Bonn 1936, S. 42. zum Einfluss der Jugendbewegung, namentlich des Quickborn und des Bundes Neudeutschland, im Collegium Albertinum und den Theologenverbindungen. Der Einfluss der Jugendbewegung in der Burgundia wurde vor allem durch vermehrte sportliche Betätigung deutlich, die 1929 im Eintritt der Burgundia in die DJK mündete.Vgl. hierzu besonders Peter Krutwig, Joseph Bontenbroich: Geschichte des Bundes katholischer Theologen (B.K.Th.) „Burgundia“ 1896–1936. Als Manuskript gedruckt, Bonn 1936, S. 63. Vgl. zur Bedeutung des Sports im Konvikt Ende der 1920er-Jahre sowie zu Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppen Guido Falkenberg: Das Collegium Albertinum im Spannungsfeld zweier Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1912–1945. In: Wilfried Evertz (Hrsg.): Im Spannungsfeld zwischen Staat und Kirche. 100 Jahre Priesterausbildung im Collegium Albertinum (= Studien zur Kölner Kirchengeschichte. Band 26). Verlag Franz Schmitt, Siegburg 1992, ISBN 3-87710-155-0, S. 205–261, hier S. 225–226 (Hier werden außerdem die „im Albertinum aktiven Vereinigungen“ des Sommersemesters 1937 aufgezählt: Neben den studentischen Korporationen Alkuinia, Aurelia, Burgundia, Guelfia, Montania, Nirsia, Rhenofrankonia, Selfkantia und Wipperia waren dies der akademische Bonifatiusverein, die Congregatio Mariana und der Bund Neudeutschland). Auch die Nutzung des Begriffs Bund statt Vereinigung oder Verbindung ab 1928 ist in diesem Kontext zu sehen. Verhärtete Fronten führten 1927/28 zu einer vorübergehenden Spaltung der Burgundia in verschiedene Lager, die jedoch durch Aussitzen der Thematik und durch den Versuch der Synthese der Ideen beider Lager zunächst überwunden werden konnte.Vgl. hierzu besonders Peter Krutwig, Joseph Bontenbroich: Geschichte des Bundes katholischer Theologen (B.K.Th.) „Burgundia“ 1896–1936. Als Manuskript gedruckt, Bonn 1936, S. 60. Anfang der 1930er Jahre flammte der Konflikt um die Ausrichtung der Burgundia wieder auf. Infolgedessen beschloss der Convent vom 11. Dezember 1933 zum Zweck des „Umbaus“Peter Krutwig, Joseph Bontenbroich: Geschichte des Bundes katholischer Theologen (B.K.Th.) „Burgundia“ 1896–1936. Als Manuskript gedruckt, Bonn 1936, S. 69. der Verbindung, „dass Prinzipien, Statuten, Kouleur u.s.w. abgeschafft werden und dem Senior die Vollmacht gegeben werde, aus unseren alten Statuten das an Formen zu erhalten, was unserem neuen Wollen und dem inneren Ausbau entspricht“Peter Krutwig, Joseph Bontenbroich: Geschichte des Bundes katholischer Theologen (B.K.Th.) „Burgundia“ 1896–1936. Als Manuskript gedruckt, Bonn 1936, S. 69.. Es folgte eine Spaltung der Vereinigung in drei Lager: „die extrem Jugendbewegten, die gemäßigten Neustudenten und die Verfechter der alten Form.“Josef Düppengießer: Geschichte der Vereinigung katholischer Theologen Burgundia zu Bonn. Stolberg 1961, S. 82. Nach dem Rücktritt des Seniors des Sommersemesters 1934 und der Erarbeitung neuer Statuten der Burgundia durch den Senior des Sommersemesters 1935, Bruno WüstenbergVgl. zu dessen Rolle auch Michael F. Feldkamp: Bruno Wüstenberg. Priester zwischen „Dolce vita“ und östlichen Geheimdiensten? In: V.k.Th. Burgundia (Hrsg.): amicitia – scientia – hilaritas. 250 Semester V.k.Th. Burgundia Bonn. Bonn 2021, S. 161–172, hier S. 162–164., die wieder eine Synthese aus alten und neuen Ideen darstellten, konnte die Krise um die Ausrichtung der Burgundia in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg beendet werden.