Mit Manifesto: Warum ich niemals aufgebe (engl. Original: Manifesto: On Never Giving Up) schreibt die britisch-nigerianische Autorin Bernardine Evaristo ihr erstes Sachbuch. Die Autobiografie erschien 2021 auf Englisch. Nach ihrem international erfolgreichen Roman Mädchen, Frau etc ist dies erst das zweite ihrer Bücher, das ins Deutsche übersetzt wurde.

Form Die Biografie ist in sieben Kapitel gegliedert und endet mit einer Conclusio. Jedes Kapitel ist unter mehreren Überpunkten zusammengefasst. Die thematische Aufteilung erfolgt in familiäre Ursprünge, Wohnsituationen in Evaristos Leben, Liebesbeziehungen, Theater und politische Aspekte, Schreibprozesse ihrer Werke, verschiedene Einflüsse, Aktivismus und das tatsächliche Manifesto als Abrundung.

Bei der Erzählung folgt Evaristo nicht chronologisch ihrem Leben, was dazu führt, dass einige Kapitel wieder in Erlebnisse ihrer Kindheit zurückgreifen, obwohl sie diese im ersten Kapitel schon erläutert hat. Die Titelseite eines jeden Kapitels beinhaltet zudem die Zahl auf Deutsch, Englisch, Altenglisch, Yoruba, Irisch und Portugiesisch.

In der Mitte des Buches befindet sich eine Fotosammlung, die aus 21 beschrifteten Fotografien besteht. Darunter sind Bilder von Bernardines Vorfahren väter- und mütterlicherseits, Kinder- und Familienfotos, Bernardine bei Theaterstücken, Bilder von Lebenspartnern und das Bild der Preisübergabe des Booker Prize.

Inhalt In der Einleitung des Buches erklärt sie ihre Intention hinter dem Buch. Nach dem Gewinnen des Booker Prize zeigt die breite Öffentlichkeit großes Interesse an Evaristos Leben. Sie macht es sich mit diesem Text zur Aufgabe, die oft gestellte Frage nach ihrem Erfolg zu beantworten. Sie erläutert Themen wie ihre Kreativität, Persönlichkeitsentwicklungen und Inspirationen anhand ihrer Lebensgeschichte.

Kapitel 1: Herkunft, Kindheit, Familie, Ursprung Bernardine Evaristo wird 1959 in London als viertes von acht Kindern geboren. Durch das Aufwachsen im überwiegend weißen Woolwich, im Süden von London, beschäftigt sich das junge Mädchen schon früh mit ihrer Herkunft als Kind eines schwarzen Nigerianers und einer weißen Engländerin. Laut ihren eigenen Beobachtungen sprechen Menschen in Nigeria ungern über Tote. Darum beschränkt sich ihr Wissen über die Verwandten väterlicherseits auf die verstorbenen Großeltern und die Geschwister ihres Vaters, über die sie kein detailreiches Wissen hat. Ihre Mutter ist als Einzelkind ihrer weißen mittelständischen Eltern eine Lehrerin geworden.

In den 1950er Jahren existieren noch keine Gesetze zum Verbot von Diskriminierung und Rassismus. Die Familie ist auch Opfer von rassistischen Attacken, wie mit Steinen eingeschlagene Fenster. Auch dies ist etwas, das Evaristos Kindheit stark geprägt hat. Sie berichtet von dem Gefühl, sich anders zu fühlen und wegen ihres Aussehens als fremd behandelt zu werden. Ein Teil von den Evaristo Kindern geht auf die katholische Grundschule der Nachbarschaft. Die enge Verbindung zur Kirche bricht später allerdings, als der Priester rassistische Tendenzen zeigt.

Das heimische Leben ist durch die gegensätzlichen Persönlichkeiten der Eltern geprägt: Evaristos Vater als lauterer Mensch, der jedoch seine Yoruba-Kultur seinen Kindern ein wenig vorenthält, und ihre Mutter, die sie als liebevoll und kommunikativ beschreibt. Beide sind bemüht, die Kinder in England zu integrieren und vor den rassistischen Übergriffen zu beschützen. Die „Mischehe“ der Eltern ist ein wichtiger Punkt in ihrem Leben. Die Großeltern mütterlicherseits haben sich viel dagegen ausgesprochen.

Kapitel 2: Häuser, Wohnungen, Zimmer, Zuhause Die Familie Evaristo lebt in einem heruntergekommenen viktorianischen Haus. Aber Evaristo selbst beschreibt das Aufwachsen dort trotzdem als ein behütetes und mit Leben gefülltes. Nachdem sie sich ihre ganze Kindheit mehr oder weniger friedlich ein Zimmer mit einer Schwester geteilt hat, kann sie es kaum erwarten ihre eigenen vier Wände zu haben. Deshalb zieht sie mit 18 Jahren aus und mit ihrem damaligen Freund zusammen in eine kurzzeitige Wohnsituation. Sie kann sich dies selbst finanzieren, weil sie mit 13 schon begonnen hat kleinere bezahlte Arbeiten zu verrichten. Der für sie erinnerungswerteste Job hat im Theater stattgefunden, da dieser auch ihre Leidenschaft für Dramen und Schauspiel geweckt hat.

Evaristo erreicht ihr Ziel alleine zu wohnen, als sie in eine Kommunenwohnung zieht. Ihr fester Freund lebt neben ihr, doch die Beziehung zerbricht, als Evaristo, ohne es ihm mitzuteilen, beginnt Frauen zu daten. Sie zieht in ein neues Zimmer in einem anderen Haus. Während ihrer Zeit dort beginnt sie an der Schauspielschule Unterricht zu besuchen und Gedichte für sich selbst zu schreiben. Evaristo beschreibt ihr folgendes ständiges Wohnsitz- und Zimmerwechseln als sehr lehrreich und inspirierend. Im Rahmen ihrer häufigen Umzüge in ihren Zwanzigern durch sämtliche Distrikte Londons baut sie eine tiefe Verbindung zu dieser Stadt, die sie als Muse bezeichnet, auf. Erst in ihren Dreißigern fängt sie an, sich nach einem längerfristigen Domizil umzusehen. Allerdings schreibt sie auch, dass das Schreiben ihr ewiges Zimmer für sie allein geworden ist.

Kapitel 3: Frauen und Männer, die kamen und gingen Evaristo beschreibt ihr Liebesleben als etwas sehr Prägendes für ihr Schreiben. Mit ihrer ersten langfristigen Partnerin führt sie eine zweieinhalb Jahre dauernde Fernbeziehung, da „X“ in den Niederlanden wohnt. In den Zeiten, in denen sie getrennt sind, schreiben sie einander Briefe und Evaristo schreibt für das Theater. Nachdem die Distanz zu schwierig wird, trennen sich ihre Wege. Evaristo gerät nach nicht zu langer Zeit in eine neue Beziehung mit einer neuen Frau, die sie „die durchgeknallte Domina“ (DDD) nennt. Sie hört auf für das Theater zu schreiben und konzentriert sich vollkommen auf DDD, die doppelt so alt wie die 25-Jährige ist. Die Ältere zieht bei ihr ein und fängt an Evaristo zu unterdrücken. Während dieser Beziehung schreibt sie ihre Gedichte nur nachts mit Hilfe von Whisky, wenn ihre Partnerin bereits schläft. Die Themen der Lyrik wandern von den eigenen Gefühlen zu ihrer afrikanischen Geschichte und mehr. Sobald sie eine ausgewachsene Sammlung an Texten hat, muss sie sich gegen DDD durchsetzen, um diese zu veröffentlichen und sie beenden wenig später die auch gewalttätige Partnerschaft.

Schon in ihren letzten Teenager-Jahren beschäftigt sich Evaristo viel mit der Frage ihrer Sexualität. Die Außenseiterrolle ihrer Kindheit, der für sie entdeckte Feminismus sowie einige lesbische Bekanntschaften haben ihr geholfen, einen Zugang zu ihren Gefühlen für Frauen zu finden. Doch auf einigen Reisen mit DDD entdeckt sie auch ihre romantischen Gefühle Männern gegenüber wieder. Ein Seitensprung während eines Campingausfluges mit einem Mann bringt sie zu der Realisation, dass sie fort an nur noch mit Männern zusammen sein möchte. Ihre neue Erkenntnis der Heterosexualität bringt Evaristo über eine Dating-Website zu ihrem jetzigen Ehemann David. In dieser Ehe findet sie eine Freiheit, die sie davor in Beziehungen nicht kannte. Und diese Freiheit spürt sie in ihrem Schreiben und Leben als Autorin.

Kapitel 4: Theater, Community, Performance, Politik Evaristos Faszination mit Theater beginnt schon in ihrer Kindheit, als sie als einziges schwarzes Mädchen in den jährlichen Dramen des Jugendtheaters mitspielt. Ihre Leidenschaft für die Künste drückt sie als 16-Jährige am liebsten schon durch ihre Kleidung aus. Um ihren Plan der Schauspielkarriere umzusetzen, muss Evaristo viele Absagen von unterschiedlichsten Schulen verkraften, bevor sie vier positive Rückmeldungen von Colleges bekommt. Sie entscheidet sich für das Rose-Bruford-College mit einem Kurs für Theaterkünste. Evaristo schreibt aber auch, wie dankbar sie für alle Niederlagen und Zurückweisungen ist, weil diese sie zielstrebiger und ehrgeiziger gemacht haben.

Mit ihren schwarzen Freundinnen aus der Schauspielschule gründet sie nach dem Abschließen dieser das 'Theatre of Black Women'. Die jungen Frauen haben in ihrer dreijährigen Ausbildung bemerkt, wie wenig Stimmen von schwarzen Darstellerinnen in der Performanceszene gehört werden. Der Kern dieser Gruppe besteht rein aus Frauen, deren Ziel ist, People of Colour zu inkludieren. Unter dieser Bezeichnung werden Menschen mit asiatischer Herkunft oder dunklerer Hautfarbe zusammengefasst. Diesen Bevölkerungsgruppen wollen sie mehr Sichtbarkeit und eine wortwörtliche Bühne geben.

Kapitel 5: Lyrik, Roman, Versroman, fusion fiction In ihren Zwanzigern reist Evaristo viel über den afrikanischen Kontinent, der sie für ihr erstes Werk inspiriert. Selbst nachdem der Gedichtband Island of Abraham veröffentlicht wird, zögert sie lange sich selbst als Autorin zu bezeichnen. Es hat über zwölf Jahre gedauert, bis ein Verlag sich der Lyrik angenommen hat. Seitdem fühlt auch Evaristo sich nicht mehr so verbunden zu den Werken, weil sie von ihrer persönlichen Weiterentwicklung überzeugt ist. Stattdessen konzentriert sie sich bereits auf ihren ersten Roman Lara. Dieser soll autobiografisch werden. Mitten im Schreibprozess ändert Evaristo das Konzept zu einem Versroman, der in Gedichten die Geschichte erzählt. All dies zeigt ihr auch, wie viele Veränderungen teilweise beim Schreiben passieren können. Bis in die Gegenwart behält sie ihre Werke solange bei sich, bis diese ihren Ansprüchen genügen.

Interesse an historischen Themen, der schwarzen und multikulturellen Gesellschaft inspirieren alle Texte von Evaristo; so auch ihren nächsten Versroman The Emperor's Babe, der aus einer Gedichtsammlung heraus entsteht. Durch eine Autofahrt durch Europa wird ein weiterer Roman Soul Tourist inspiriert. Er durchläuft Überarbeitungen, bei denen Bernardine auch Verse einbaut. Ihrer eigenen Meinung nach ist das Werk sehr experimentell. Dadurch erklärt sie sich auch seinen geringen Erfolg.

Der reine Prosaroman „Blonde Roots“ und die Novelle „Hello Mum“ werden veröffentlicht, bevor Evaristo mit Mädchen, Frau etc. beginnt. Dieses Werk entwickelt sich von einem reinen Roman während des Schreibprozesses zu Evaristos selbst begründetem Begriff 'fusion fiction'. Darunter versteht sie poetische Strukturen, nicht-grammatikalische Zeichensetzung und Wechseln zwischen Innen- und Außenperspektive. Evaristo meint, sie hätte dieses Buch nie als junge Frau verfassen können, da ihr damals noch die Erfahrung von den unterschiedlichen Lebensabschnitten gefehlt habe, um diese realistisch zu Papier zu bekommen. Im Zusammenhang mit diesem Buch erwähnt sie auch noch Margaret Atwood, mit der sie gemeinsam den Booker Prize gewonnen hat, da dies für sie einen Meilenstein für die Literatur und Frauenbewegung darstellt. Übergreifend vergleicht Evaristo Bücher mit Kunstwerken, die viel Durchhaltevermögen benötigen. Und um als Autor oder Autorin kreativ zu bleiben, muss man sich weiterentwickeln und weiter wachsen.

Kapitel 6: Einflüsse, Quellen, Sprache, Bildung