Die Missa brevis in F-Dur, KV 192 (KV6 186f), allgemein Kleine Credomesse genannt (zur Unterscheidung von der „großen“ Credomesse KV 257), ist eine Messe von Wolfgang Amadeus Mozart für Solisten, vierstimmigen Chor, Orchester und Orgel.

Der Beiname „Credomesse“ bezieht sich auf die besondere Betonung des „Credo“-Rufs, der zu Beginn des entsprechenden Satzes vom Chor viermal unisono gesungen wird. Dieser wiederholte Ruf wird dann, den Text des Glaubensbekenntnisses unterbrechend, leitmotivisch nach jedem Glaubenssatz erneut eingeschoben. Diese Art der Textbehandlung des Credo geht auf ältere Vorbilder zurück, die im ausgehenden Barock u. a. von Georg Donberger sowie von Johann Joseph Fux und Luca Antonio Predieri geschaffen wurden.Georg Reichert: Mozarts „Credo-Messen“ und ihre Vorläufer. In: Mozart-Jahrbuch 1955, S. 117–144 (; PDF, 6,8 MB).

Geschichte Die Partitur ist von Leopold Mozarts Hand auf den 24. Juni 1774 datiert. Die Messe war offenbar für eine Aufführung im Salzburger Dom bestimmt, das Aufführungsdatum ist allerdings nicht bekannt.

Werkbeschreibung Der Aufbau der Messe folgt dem Ordinarium: Kyrie. Allegro (Soli SA und Chor) Gloria. Allegro (Soli SATB und Chor) Credo. Allegro (Soli SATB und Chor) Sanctus. Andante – Allegro (Chor) Benedictus. Andantino – Allegro (Soli SATB und Chor) Agnus Dei. Allegro – Allegro moderato (Soli SAT und Chor)

Die Aufführungsdauer beträgt ca. 20 Minuten.

Die Messe ist mit einem Umfang von 569 Takten die längste von Mozarts Missae breves und für die üblichen Proportionen dieser Gattung damit eigentlich zu lang geraten (Joseph Haydns längste Missa brevis beispielsweise umfasst nur 312 Takte). Auch die nachträglich komponierten Trompetenstimmen deuten auf eine Überschreitung der Gattungsgrenze hin zur Missa brevis et solemnis, allerdings passt deren Grundton C nicht gut zur Grundtonart F-Dur der Messe, weil sie gar nicht in der Lage sind, die Tonika zu markieren und diese satztechnisch eher destabilisieren.

Das Kyrie beginnt ungewöhnlicherweise mit einer instrumentalen Einleitung, die – noch ungewöhnlicher – mit dem Choreinsatz nicht einfach wiederholt, sondern mit einem Fugato beantwortet wird. Instrumentales und vokales Satzprinzip sind in eine raffinierte Balance gebracht.

Im Gloria arbeitet Mozart zum ersten Mal mit einer ausgeprägten Ritornellform. Formblöcke, jeweils aus cantus-firmus-artigen Solophrasen in großen Notenwerten, kurzem Kanon und einer kurzen Schlusskadenz im Tutti, sind insgesamt viermal in variierter Form vorhanden. Der übrige Text wird dazwischen in frei gefügten Chor- und Solo-Passagen dargeboten. Mozart stellt hier den Rückhalt im Text in den Hintergrund und strebt eine primär musikalische Geschlossenheit der Form an, die barocken Instrumental-Solokonzerten angenähert ist.

Das Credo zeichnet sich dadurch aus, dass abweichend vom liturgischen Text der „Credo“-Ruf vor jedem einzelnen Glaubenssatz vom Chor gesungen wird, insgesamt zwölf Mal, womit der Satz die Form eines freien Rondos erhält.Arnold Werner-Jensen: Wolfgang Amadeus Mozart. Musikführer. Band 2: Vokalwerke. Reclam, Leipzig 2001, ISBN 3-379-20023-9, S. 16 f. Mozart verwendete hier als musikalische Grundlage ein Motiv, auf das er in seinen Werken wiederholt zurückgriff, so in den Sinfonien KV 16, KV 45b und KV 319, in der Messe KV 257 (dort im Sanctus), besonders prominent vor allem aber im Finalsatz seiner 41. Sinfonie KV 551, der „Jupiter“-Sinfonie.Karl Gustav Fellerer: Die Kirchenmusik W. A. Mozarts. Laaber-Verlag, Laaber 1985, ISBN 3-89007-020-5, S. 62–64.

Nach dem Schwerpunkt auf den textreichen Teilen Gloria und Credo fallen die restlichen Teile der Messe knapper aus. Nicht nur das Sanctus, sondern unüblich für die Entstehungszeit auch das Benedictus werden in einem polyphonen Satz entwickelt. Das in d-Moll einsetzende Agnus Dei ist mit kühnen chromatischen Wendungen durchwirkt.Werner Oehlmann, Alexander Wagner: Reclams Chormusik- und Oratorienführer. 7. Auflage. Reclam, Stuttgart 1999, ISBN 3-15-010450-5, S. 217 f. Das Dona nobis pacem bildet einen homophon gesetzten Kehraus.

Besetzung Soli SATB, gemischter Chor SATB 2 Trompeten in C (nicht Teil der originalen Komposition, von Mozart zu einem unbekannten Anlass nachkomponiert und als Auflagestimmen ergänzt) 3 Posaunen ad libitum (colla parte mit den Chorstimmen von Alt, Tenor und Bass) 2 Violinen Continuo-Gruppe: Violoncello, Fagott, Kontrabass, Orgel

Siehe auch Liste der Kirchenmusikwerke Mozarts

Literatur Karl Gustav Fellerer: Die Kirchenmusik W. A. Mozarts. Laaber-Verlag, Laaber 1985, ISBN 3-89007-020-5, S. 62–64. Franz Giegling, Alexander Weinmann, Gerd Sievers (Hrsg.): Chronologisch-thematisches Verzeichnis sämtlicher Tonwerke Wolfgang Amadé Mozarts von Dr. Ludwig Ritter von Köchel. 7. Auflage. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 1965, S. 207 f.; onb.ac.at. Wolfgang Horn: Vorwort und Zur Edition. In: ders. (Hrsg.): Wolfgang Amadeus Mozart. Missa brevis in F KV 192. Partitur (= Carus 40.624). Carus, Stuttgart 1982/2001, , S. 1–5. Werner Oehlmann, Alexander Wagner: Reclams Chormusik- und Oratorienführer. 7. Auflage. Reclam, Stuttgart 1999, ISBN 3-15-010450-5, S. 217 f. Hartmut Schick: Die Missae breves KV 192 und 194. In: Silke Leopold (Hrsg.): Mozart-Handbuch. Metzler und Bärenreiter, Stuttgart und Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0, S. 185–187. Arnold Werner-Jensen: Wolfgang Amadeus Mozart. Musikführer. Band 2: Vokalwerke. Reclam, Leipzig 2001, ISBN 3-379-20023-9, S. 16 f. Michael Wersin: Reclams Führer zur lateinischen Chormusik. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-010569-2, S. 100 f.

Weblinks

KV 192 Missa in F „Missa brevis“ bekannt als „Kleine Credomesse“, Köchelverzeichnis online Missa brevis in F. Kleine Credomesse KV 192 (186f), 1774, Werkinformationen und Partiturvoransichten bei carus-verlag.com

Einzelnachweise Hartmut Schick: Die Missae breves KV 192 und 194. In: Silke Leopold (Hrsg.): Mozart-Handbuch. Metzler und Bärenreiter, Stuttgart und Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0.

Kategorie:Messe von Wolfgang Amadeus Mozart Kategorie:Chorwerk aus dem 18. Jahrhundert Kategorie:Musik 1774