Die Pazifische Hurrikansaison 2022 war ein Wetterereignis in der nördlichen Hemisphäre. Die Saison der tropischen Wirbelstürme beginnt offiziell am 15. Mai im östlichen und am 1. Juni im zentralen nördlichen Pazifischen Ozean; sie endet jeweils am 30. November. Diese Daten begrenzen durch Konvention die Zeit jedes Kalenderjahres, in der sich in diesen Gebieten die meisten tropischen Wirbelstürme bilden. Die Bildung tropischer Wirbelstürme ist aber jederzeit im Jahresverlauf möglich. __TOC__
Saisonvorhersagen Rekordzahl benanntestürme Hurrikane schwereHurrikane Ref. Durchschnitt (1991–2020): 15 8 4 höchste Aktivität: 1992: 27 2015: 16 2015: 11 niedrigste Aktivität: 2010: 8 2010: 3 2003: 0 Datum Quelle benannteStürme Hurrikane schwereHurrikane Ref. 17. Mai 2022 SMN 14–19 6–9 2–4 24. Mai 2022 NOAA 10–17 4–8 0–3 Gebiet benannteStürme Hurrikane schwereHurrikane Ref. tatsächliche Aktivität: EPAC 19 10 4 tatsächliche Aktivität: CPAC 0 0 0 tatsächliche Aktivität: 19 10 4 Die Vorhersagen berücksichtigen die wöchentlichen und monatlichen Veränderungen von Faktoren, die zur Bestimmung der vorhergesagten Zahlen tropischer Stürme, Hurrikane und schwerer Hurrikane innerhalb des jeweiligen Jahres hilfreich sind. Nach den Angaben der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) hat eine durchschnittliche Hurrikansaison im östlichen und zentralen Pazifik in der relevanten Vergleichsperiode von 1991 bis 2020 etwa 15 tropische Stürme, acht Hurrikane und vier schwere Hurrikane. Die NOAA stuft eine Saison im Allgemeinen anhand des Accumulated Cyclone Energy Index (ACE-Index) als überdurchschnittlich, durchschnittlich oder unterdurchschnittlich ein, berücksichtigt aber auch die Zahlen der tropischen Stürme, Hurrikane und scheren Hurrikane. In der Saison 2022 ging die NOAA von unterdurchschnittlichen Wasseroberflächentemperaturen im östlichen Pazifischen Ozean, dem anfänglichen Verbleiben der El Niño-Southern Oscillation in der neutralen Phasee und der Aussicht der Entwicklung der Niña bzw. einer abnehmenden Wahrscheinlichkeit für ein El-Niño-Ereignis aus.
Am 17. Mai 2022 veröffentlichte der Servicio Meteorológico Nacional (SMN) seine Vorhersage für den Verlauf der Saison. Er sagte insgesamt 14–19 benannte Stürme, 6–9 Hurrikane und 2–4 schwere Hurrikane voraus. Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) gab ihre Vorhersage eine Woche später bekannt und geht von einer unterdurchschnittlich aktiven Saison aus, mit 10–17 benannten Stürmen, 4–8 Hurrikanen und bis zu drei schweren Hurrikanen sowie einer Accumulated Cyclone Energy im Bereich von 45 % bis 100 % des Medians.
Saisonüberblick
Die Saison startete einige Tage vor ihrem offiziellen Beginn mit der raschen Entstehung von Hurrikan Agatha. Der Wirbelsturm war erst der 14. Hurrikan während der letzten 50 Jahre, der sich in diesem Becken im Monat Mai gebildet hat und, nach Hurrikan Agatha am 24. Mai 1971 sowie Hurrikan Barbara am 29. Mai 2013, erst der dritte Hurrikan im Pazifik, der in einem Mai auf Land getroffen ist. Agatha ist mit einminütigen andauernden Windgeschwindigkeiten von 170 km/h außerdem der stärkste so früh im Jahr so weit östlich auf Land treffende Hurrikan, nach Agatha 1971 mit 135 km/h und Barbara mit 130 km/h.
Stürme Hurrikan Agatha
Nach dem Landfall zehn Kilometer westlich von Puerto Angel löste sich Agatha über dem zerklüfteten Hochland von Mexiko auf.
Der Hurrikan verursachte starke Regenfälle von bis etwa 240 Litern pro Quadratmeter binnen 24 Stunden nahe der Küste Mexikos, die u. a. Überflutungen und Erdrutsche auslösten. Rund 200.000 Haushalte waren ohne Strom, auch zwei Brücken wurden erheblich beschädigt. Bis zum 1. Juni wurden 11 Todesfälle in Mexiko gemeldet, 32 weitere Personen wurden zu dem Zeitpunkt noch vermisst.Hurricane Agatha leaves 11 dead, 32 missing in Mexico; remnants reorganizing in Caribbean . In: YaleClimate Connections, 1. Juni 2022. Abgerufen am 3. Juni 2022.
NHC Hurricane AGATHA Advisory Archive
Hurrikan Blas
Am 14. Juni entstand das tropische Tief „Two“ vor der südwestlichen Küste Mexikos. Wenige Stunden später wurde es zum Tropensturm „Blas“ hochgestuft und nahm weiter an Stärke zu. Bereits am nächsten Tag erreichte Blas Hurrikanstärke. Das Zentrum befand sich etwa 300 Meilen südsüdwestlich von Manzanillo, Mexiko, bewegte sich Richtung west-nordwest und nahm weiter an Stärke zu. Am 17. Juni erreichte Blas seine maximale Stärke und wurde am selben Tag zum Tropensturm herabgestuft. Am 20. Juni schwächte sich der Tropensturm zu einem tropischen Tief ab und löste sich noch am selben Tag 350 Meilen südwestlich der Südspitze von Baja California auf.
Tropischer Sturm Celia
Am 16. Juni formierte sich das tropische Tief „Three“ etwa 200 Meilen südwestlich von Zentralamerika. Das Tief entwickelte sich zum Tropensturm „Celia“ am 17. Juni und bewegte sich nordöstlich, Richtung Zentralamerika. Celia blieb dabei schlecht organisiert und verschwächte sich am 18. Juni um 0:00 UTC zurück zu einem tropischen Tief. Celia begann sich nun südwestwärts zu bewegen und erreichte günstigere Bedingungen, sodass es sich Morgens am 21. Juni zurück zu einem Tropensturm entwickelte. Das System hatte nun angefangen, sich nordwestwärts zu bewegen und intensivierte sich dabei weiter. Am 24. Juni um 18:00 UTC erreichte Celia ihre maximale Intensität und schwächte sich nun nach diesem Zeitpunkt langsam ab. Celia löste sich allmählich auf, da sie auf kälteres Wasser traf, und wurde schließlich von der NHC am 28. Juni um 18:00 UTC als Resttief eingestuft.
Hurrikan Bonnie
Nach dem Eintritt ins östliche Pazifikbecken am 2. Juli begann Bonnie unter günstigen Bedingungen, namentlich warmen Meeresoberflächentemperaturen und geringer vertikaler Windscherung, eine rasche Intensivierung. Am 5. Juli erreichte Bonnie eine maximale Windgeschwindigkeit von etwa 100 kt (≈185 km/h) und wurde damit zu einem Hurrikan der Kategorie 3 von der NHC eingestuft. Bonnie bewegte sich Nordwestwärt und blieb dabei ein Hurrikan, mit wenig änderungen der Stärke. Schließlich betrat Bonnie kühlerer Gewässer und zunehmende Windscherung, welches dann zur Abschwächung des Sturms führte. Bonnie verlor schließlich seinen Hurrikan‑Status und degenerierte am 9. Juli um 18:00 UTC zu einem post‑tropischen Tief.
Hurrikan Darby
Am 26.–27. Juni 2022 zog eine Tropische Welle von der westafrikanischen Küste ins Meer. Diese Welle durchquerte den Atlantik und erreichte um den 1. Juli die Windward Islands. Anschließend überquerte die Welle am 5.–6. Juli Zentralamerika und brachte unorganisierte Schauer und Gewitter mit sich, bevor sie in den östlichen Pazifik eintrat, wo sie langsam organisierter wurde. Am 9. Juli 2022 um 12:00 UTC bildete sich etwa 925 km südwestlich der Südwestküste Mexikos ein tropisches Tiefdruckgebiet. Sechs Stunden später verstärkte es sich zum Tropischen Sturm Darby, als beständige tiefe Konvektion um das Zentrum auftrat. Unter günstigen Bedingungen, mit warmen Meeresoberflächentemperaturen und geringem vertikalen Windscherungen, entwickelte sich Darby weiter. Am 11. Juli um 00:00 UTC erreichte der Sturm Hurrikanstärke. Danach intensivierte er sich schnell und erreichte am 11. Juli um 18:00 UTC mit 220 km/h (≈120 kt) Spitzenwindgeschwindigkeit und einem minimalen Zentraldruck von 953 hPa seine maximale Stärke als Kategorie-4-Hurrikan. Darby behielt seine Spitzenstärke etwa 12 Stunden bei, bevor er aufgrund ungünstigerer Bedingungen zu schwächen begann. Am 13. Juli drehte der Hurrikan nach Westnordwest und überquerte am 14. Juli um 12:00 UTC den 140° W-Meridian und trat damit in den Zentralpazifik ein. Dort führten kühlere Gewässer und zunehmende Windscherungen zu einem schnellen Abschwächen, und am 15. Juli um 12:00 UTC war Darby nur noch ein Tropensturm etwa 980 km östlich-südöstlich der Big Island von Hawaiʻi. Sein Zentrum zog etwa 160 km südlich der Big Island vorbei und verursachte Regenfälle und hohe Wellen an der Ostküste der Insel am 16. Juli. Kurz vor dem 17. Juli um 00:00 UTC öffnete sich Darby zu einer Wettertrough und hörte auf, ein geschlossenes tropisches System zu sein.
Obwohl Darby als Kategorie-4-Hurrikan extrem stark war, blieb er zum Zeitpunkt seiner maximalen Intensität weit vom Land entfernt. Als er südlich von Hawaiʻi vorbeizog, brachte der Sturm etwa 2–8 cm Regen auf die windzugewandten Hänge der Big Island und erzeugte 2,5–3,5 m hohe Wellen an den Ostküsten. Es wurden keine größeren Schäden oder Todesfälle gemeldet.
Hurrikan Estelle
Am 4. Juli zog eine tropische Welle von der westafrikanischen Küste ins Meer. Diese tropische Welle durchquerte den Atlantik und kam am 11. Juli im östlichen Pazifik an, wo günstigere Bedingungen herrschten und sich somit ein Tiefdruckgebiet bildete. Am 15. Juli um 12:00 UTC wurde dann südlich von Acapulco, Mexiko, ein tropisches Tiefdruckgebiet anerkannt. Etwa 12 Stunden später verstärkte sich das System zur Tropischen Sturm Estelle. Durch günstige Umgebungsbedingungen wie warme Meeresoberflächentemperaturen und geringer Windscherung intensivierte sich Estelle rasch. Am 17. Juli um 00:00 UTC erreichte es Hurrikanstatus. Der Höhepunkt der Intensität wurde gegen 17. Juli um 12:00 UTC erreicht, mit einer Windgeschwindigkeit von etwa 75 Knoten (≈140 km/h) und gleichzeitig hoher Organisiertheit. Nach dem Höhepunkt begann Estelle sich zu schwächen, zunächst durch trockene Luftzufuhr und zunehmende Windscherung, später durch das Überqueren kühlerer Gewässer. Am 19. Juli um ca. 06:00 UTC wurde Estelle auf einen Tropischen Sturm herabgestuft. Am 21. Juli um 06:00 UTC verlor das System jegliche tiefe Konvektion über kühlen Gewässern (≈21–22 °C) und wandelte sich in ein Überbleibseltief um, ungefähr 800 Seemeilen westlich der Südspitze der Baja California.
Hurrikan Frank
Am 26. Juli um 09:00 UTC wurde eine definierte Tropische Welle südöstlich von Manzanillo, Colima, zu einem tropischen Tiefdruckgebiet erklärt, als sich tiefe Konvektion am Zentrum herausbildete. Sechs Stunden später verstärkte es sich zum Tropischen Sturm Frank. Unter moderaten Bedingungen bewegte sich Frank zunächst westwärts und intensivierte sich allmählich. Am 30. Juli um 03:00 UTC erreichte er Hurrikanstatus. Der Sturm zog weiter west- und nordwestwärts parallel zur mexikanischen Pazifikküste, blieb aber ausreichend weit vom Festland entfernt, sodass kein Landfall erfolgte. Über kühleren Meeresoberflächentemperaturen und unter zunehmender Windscherung begann Frank zu schwächen. Am 2. August wurde das System von der National Hurricane Center offiziell in ein post-tropisches System umgewandelt, als es sich etwa 1155 km südwestlich von San Diego, Kalifornien, befand.
Tropischer Sturm Georgette
Am 27. Juli bildete sich weit südwestlich der mexikanischen Küste ein Tiefdruckgebiet. Bereits am 28. Juli um 00:00 UTC entwickelte sich daraus Tropensturm Georgette, als es sich etwa 1200 km südwestlich der Baja-California-Halbinsel befand. Der Sturm blieb klein und schwach, während er westwärts zog. Aufgrund ungünstiger Bedingungen mit trockener Luft und Windscherung erreichte Georgette nie Hurrikanstärke. Am 1. August schwächte er sich zu einem tropischen Tief ab und löste sich kurz darauf über offenem Meer auf. Während Georgette nach Westen driftete, befand sich Hurrikan Frank nördlich davon und zog parallel in größerer Entfernung. Die beiden Systeme beeinflussten sich leicht gegenseitig – Franks kräftige Zirkulation führte dazu, dass Georgette eine südlichere Bahn einschlug und zeitweise um den Rand von Franks Außenband zirkulierte.
Hurrikan Howard