Die Zeche Jacobi war ein Steinkohlenbergwerk in Oberhausen-Osterfeld. Das Bergwerk ist benannt nach dem Kommerzienrat Hugo Jacobi. Das Bergwerk hat eine 65-jährige Geschichte und war davon über 60 Jahre in Betrieb.

Geschichte Planung Anfang des 20. Jahrhunderts plante die Gutehoffnungshütte die umfangreiche Erschließung der vorhandenen Grubenfelder Oberhausen und „Neu-Oberhausen“. Für das Feld „Neu-Oberhausen“ war der Neubau einer eigenständigen Schachtanlage geplant. Aus diesem Grund wurde im Jahr 1905 im Ortsteil Klosterhardt der Ortschaft Osterfeld ein 220 Hektar großes Grundstück vom Grafen von Westerholt erworben. Auf dem erworbenen Grundstück sollte die Musteranlage Jacobi Schächte erbaut werden. Die Anlage war für eine tägliche Förderung von 5000 Tonnen Steinkohle geplant. Bei der Planung sollten spätere Erweiterungen mitberücksichtigt werden. Dies war erforderlich, um bei einer späteren Erweiterung das architektonische Gesamtbild nicht zu zerstören. Des Weiteren sollte auf einem firmeneigenen Gelände die Kolonie Jacobi gebaut werden. Die Projektierung und Ausführung dieses Bauvorhabens wurde der neu gegründeten Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Oberhausen übertragen. Diese Gesellschaft war 1904 gegründet worden und war eine Tochtergesellschaft der Gutehoffnungshütte. Die Konzeption der Bebauung wurde nach einem Architekturwettbewerb an den Architekten Carl Weigle in Stuttgart vergeben. Dieser plante die Doppelschachtanlage mit schlossartig angeordneten Betriebsgebäuden und darauf ausgerichteten Fördergerüsten. Allerdings konnte der Gebäudekomplex aufgrund des Arbeitskräftemangels und der Materialknappheit während des Ersten Weltkriegs nicht vollständig errichtet werden, daher wurden die Schachthalle, das Fördermaschinenhaus für Schacht 1, das Fördergerüst und die Werkstatt zunächst nicht gebaut. Jedoch wurden die Gebäude überwiegend bis 1920 erstellt. Der Gebäudekomplex erhielt später den Beinamen „Versailles des Ruhrgebietes“. Die Werkssiedlung wurde ebenfalls auf das Hauptportal der Zeche ausgerichtet.

Die Errichtung des Bergwerks Im Jahr 1910 wurde von der Zeche Vondern aus mit den Aufschlussarbeiten des Feldes Neu-Oberhausen begonnen. Hierzu wurde zunächst eine Strecke von der Zeche Vondern aufgefahren. Noch im gleichen Jahr wurden auf dem zukünftigen Zechengelände an der heutigen Straße im Fuhlenbrock die Vorbereitungen für das Abteufen der Schächte getroffen. Im Jahr 1911 wurde mit dem Abteufen des Schachtes 2 begonnen. Der Schacht hatte einen lichten Durchmesser von sechs Metern und wurde im Gefrierverfahren erstellt. Im selben Jahr ging die Werksbahn zwischen den Bergwerken Jacobi und Osterfeld in Betrieb. Die Gleise hatten eine Länge von 3000 Metern, der Höhenunterschied zwischen beiden Bergwerken betrug 34 Meter. Im Januar des Jahres 1912 trennte die Gutehoffnungshütte eine 6,6 km2 große Teilfläche ihres Grubenfeldes Neu-Oberhausen ab. Die abgetrennte Teilfläche wies die GHH der entstehenden Zeche Jacobi als Baufeld zu. Am 29. Februar desselben Jahres erfolgte der erste Spatenstich für den Schacht 2. Im Zeitraum vom 16. April bis zum 11. Juni des Jahres 1912 kam es im Schacht 2 zu einem Wassereinbruch. Aus diesem Grund mussten die Teufarbeiten im Schacht 2 unterbrochen werden. Zur gleichen Zeit begannen die Gefrier- und Teufarbeiten für den Schacht 1. Auch beim Schacht 1 betrug der lichte Durchmesser der Schachtscheibe sechs Meter.

Im Jahr 1913 erreichte man in Schacht 2 bei einer Teufe von 289 Metern das Karbon. Als erstes Flöz wurde das Flöz F erschlossen, das eine Mächtigkeit von 1,2 Metern hatte. Noch im selben Jahr wurde bei einer Teufe von 341 Metern (− 262 m NN) die 1. Sohle und bei einer Teufe von 445 Metern (− 365 m NN) die 2. Sohle angesetzt. Beide Sohlen waren bereits von der Zeche Vondern aufgefahren worden. Bis zu einer Teufe von 150 Metern wurden die Schächte mit Tübbingen versehen. Ab 150 Meter wurde als Schachtausbau eine doppelsteinige Schachtmauerung verwendet. Bei einer Teufe von 540 Metern wurden in beiden Schächten die Teufarbeiten eingestellt. Zunächst wurde nur Schacht 2 mit einem Fördergerüst versehen. Es wurden zwei dampfgetriebene Fördermaschinen installiert. Eine Fördermaschine erhielt als Seilträger eine Treibscheibe, die andere Fördermaschine erhielt eine Fördertrommel. Für Schacht 1 fehlte das nötige Material, dieser, wurde lediglich offen gehalten und erhielt als Wetterschacht einen Grubenlüfter und eine Befahrungsanlage. Da die drei Zechen Oberhausen, Vondern und Jacobi untertägig über zwei Sohlen miteinander verbunden waren und da es in den drei Baufeldern nur relativ geringe Zuflüsse von Grubenwasser gab, konnten die Zechen über eine zentrale Wasserhaltung entwässert werden.

Die ersten Betriebsjahre Noch im Jahr 1913 wurde mit der Förderung begonnen. Unter Tage erfolgte die Gewinnung mittels Sprengarbeit und Handvollversatz. Zur Streckenförderung in den Hauptförderstrecken wurden Grubenpferde eingesetzt. Bereits ab Mai des Jahres 1914 wurden in der Streckenförderung Grubenlokomotiven mit Druckluftantrieb benutzt. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der damit verbundenen Mobilmachung wurden auch viele Bergleute innerhalb kurzer Zeit zum Kriegseinsatz eingezogen. Auch auf der Zeche Jacobi kam es durch den Ersten Weltkrieg zu einem drastischen Belegschaftsrückgang. Die restlichen auf dem Bergwerk verbliebenen Bergleute verfuhren fast jede Woche sieben Schichten. Durch diesen Einsatz kam es auf der Zeche Jacobi zu keinerlei Produktionsausfällen. Da der Bedarf an Hüttenkoks im Laufe des Ersten Weltkriegs stark anstieg, plante die GHH im Jahr 1916, eine Kokerei auf dem Werksgelände der Zeche Jacobi zu errichten. Im Jahr 1917 löste sich die Gewerkschaft Jacobi auf und übertrug alle Rechte und Verbindlichkeiten auf die Gutehoffnungshütte. Vom 29. Januar bis zum 1. Februar des Jahres 1918 beteiligte sich die Belegschaft der Zeche Jacobi am Generalstreik für den Frieden. 1918 wurde ferner auf dem Gelände der Schachtanlage eine Kokerei mit einer Kohlenwertstoffgewinnungsanlage errichtet. Die Koksofenbatterie bestand aus 80 Großkammeröfen. Mit der Kohlenwertstoffgewinnungsanlage konnte man nun auch Ammoniak und Benzol herstellen. Vom 14. Dezember bis zum 20. Dezember des Jahres 1918 legte die Belegschaft der Zeche Jacobi die Arbeit nieder und fuhr nicht an. Mit dieser Arbeitsniederlegung wollten die Bergleute eine bessere Bezahlung und die 7,5-Stunden-Schicht durchsetzen. Auch in der nachfolgenden Zeit kam es immer wieder zu erneuten tagelangen Arbeitsniederlegungen durch die Bergleute. Am 25. Oktober des Jahres 1919 wurde infolge dieser Maßnahmen der Bergleute der erste Tarifvertrag im Ruhrbergbau rechtskräftig. Die Schichtzeit unter Tage wurde durch den Tarifvertrag auf sieben Stunden begrenzt. Im April des Jahres 1920 wählte die Belegschaft des Bergwerks ihre erste Arbeitnehmervertretung. Ab August desselben Jahres wurden in der Streckenförderung keine Grubenpferde mehr eingesetzt, stattdessen wurden 21 druckluftgetriebene Lokomotiven verwendet. Über Tage wurde im selben Jahr das Fördermaschinengebäude für den Schacht 1 fertiggestellt.

Ausbau der Schachtanlage Im Jahr 1921 wurde der Wetterschacht 2 tiefer geteuft. Auf der 2. Sohle wurde eine Strecke zur Zeche Franz Haniel aufgefahren. Unter Tage wurde die Fahrung mittels Personenzug eingeführt. Im Jahr 1923 wurde im Schacht 2 bei einer Teufe von 580 Metern (- 499 m NN) die 3. Sohle angesetzt. Aufgrund einer Verordnung der belgischen Besatzungskräfte aus dem Jahr 1923 durften weder Koks noch Kohle und andere Hüttenerzeugnisse in nicht besetzte Gebiete ausgeführt werden. Dafür wurden übertägig mehrere Verbindungswege abgesperrt. Im Jahr 1924 erfolgte auf der 2. Sohle der Durchschlag mit dem Schacht 1 der Zeche Franz Haniel. Um die Gute Hoffnungshütte aber weiter mit Koks zu versorgen, wurden von der Zeche Jacobi aus über diese untertägige Verbindungsstrecke zwischen den Zechen Jacobi und Oberhausen täglich 500 Tonnen Koks transportiert. Von der Zeche Oberhausen wurde der Koks über die Werksbahn bis zu Hütte transportiert. Ab der Mitte der 1920er Jahre kam es im Ruhrkohlenbergbau verstärkt zu Konsolidationen. Hiermit sollte der Bergbau mit den zur Verfügung stehenden Mitteln so kostengünstig wie nur möglich betrieben werden. Außerdem wurden die Bergwerke durch eine verstärkte Mechanisierung leistungsfähiger gemacht. Auch auf der Zeche Jacobi wurde verstärkt modernisiert und verbesserte Techniken eingeführt. In den Streben wurden Abbauhämmer und Schrämmaschinen für die Gewinnung der Kohle eingesetzt. Die versuchsweise eingesetzten Pressluft-Kohlenhacken konnten sich in der Gewinnung nicht gegen die Gewinnung mittels Abbauhammer durchsetzen. Anstelle der bis dahin üblichen hölzernen Grubenstempel wurden Stahlstempel eingesetzt. Aufgrund der neuen Gewinnungstechniken wurden die Abbaugeschwindigkeiten gesteigert. Um dies besser auszuschöpfen, wurde von Vollversatz auf Blasversatz umgestellt. Die Abbaugeschwindigkeit konnte dadurch auf 1,5 Meter pro Tag gesteigert werden. Der Blasversatz hatte auch gleichzeitig den Vorteil, dass die Haldenkosten reduziert werden konnten. Am 25. September des Jahres 1925 brachen im Schacht Haniel 2 beim Ziehen der Gefrierrohre einige Tübbingelemente. Dadurch kam es zum Verbruch des Schachtstoßes, wodurch sich große Mengen Schlamm und Wasser in den Schacht ergossen. Diese Massen strömten, nachdem der Schachtsumpf vollgelaufen war, über die 2. Sohle zur Zeche Jacobi. Auf der Zeche Jacobi soffen alle Grubenbaue ab, die sich unterhalb der 2. Sohle befanden. Durch den Verbruch stürzten auch viele Holz- und Eisenteile in den Schacht Franz Haniel. Dadurch wurde der in den Schacht eindringende Schwimmsand aufgestaut, sodass der Wasserzufluss in Richtung Zeche Jacobi versiegte. Hierdurch war es der Grubenwehr möglich, einen druckfesten Wasserdamm auf der 2. Sohle zu erstellen, der die Zeche Jacobi schützte. Bei dieser betrieblichen Störung kamen keine Bergleute zu Schaden. Im November des Jahres wurde beim Abbau der Kohle der erste Streb mit Strebbruchbau in Betrieb genommen. Um diese neue, aus England stammende, Versatztechnik zu verwenden, bedurfte es einer Ausnahmegenehmigung durch die Bergbehörde. Der Strebausbau dieses Strebes bestand aus Stahlstempeln, auf die Holzkappen aufgelegt wurden. Der Streb erreichte durch diesen Ausbau, trotz einer Höhe von nur einem Meter, eine Abbaugeschwindigkeit von zwei Metern pro Tag. Ab dem Jahr 1927 wurden unter Tage Grossbetriebe eingeführt. Dadurch war es möglich, die Förderung auf wenige Abbaubetriebe zu konzentrieren und auch im verstärkten Maß Maschinen einzusetzen. Zur Gewinnung der Kohlen wurden Schrämmaschinen eingesetzt, hier wurden zunächst Stangenschrämmaschinen verwendet. Die Gewinnung mittels Abbauhammer ging zurück. Durch die Reduzierung der Sprengarbeit in den Abbaubetrieben konnten die Unfallzahlen gesenkt werden.