miniatur|hochkant=1.3|Jutta Hoffmann um 1990 rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.8|Unterschrift Jutta Hoffmann

Jutta Hoffmann (* 3. März 1941 in Ammendorf bei Halle an der Saale) ist eine deutsche Schauspielerin. Sie zählte ab dem Ende der 1960er Jahre zu den bekanntesten Schauspielerinnen der DDR und gehört seit Beginn der 1980er Jahre zu den bedeutendsten Darstellerinnen im deutschsprachigen Raum.

Leben Herkunft und Ausbildung Jutta Hoffmann wurde im Haus Friedrichstraße 8 in Ammendorf als erstes Kind von Alice und Erich Hoffmann geboren und wuchs zusammen mit ihrer drei Jahre jüngeren Schwester Sabine auch in diesem Hause auf.Peter Warnecke, Birgit Scholz: Jutta Hoffmann – Schauspielerin. Verlag das Neue Berlin, 2012, S. 14. Während der Schulzeit war sie Mitglied der Laienspielgruppe der Buna-Werke in Schkopau. Nach dem Abitur in Merseburg studierte sie 1959 bis 1962 an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg.

Privates Hoffmann war in erster Ehe mit dem Regisseur Herrmann Zschoche und ist in zweiter Ehe mit dem österreichischen Schauspieler und Regisseur Nikolaus Haenel verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hat. Die Rapperin Haiyti ist ihre Enkelin. Sie lebt in Potsdam.

Karriere Theater miniatur|hochkant=1.3|Jutta Hoffmann, 1971

1960 debütierte Hoffmann als Theaterschauspielerin in der Bühneninszenierung Und das am Heiligabend am Berliner Maxim-Gorki-Theater, dem sie bis 1973 angehörte.

Sie spielte bei Ruth Berghaus, Robert Wilson, Luc Bondy, Thomas Langhoff und Peter Zadek. Vor allem aber hat Einar Schleef sie geprägt. 1973 ging sie zum Berliner Ensemble. 1975 war sie bei ihm am Berliner Ensemble Strindbergs Fräulein Julie in jener Skandalinszenierung, die mit ihrem auf die Selbstbefreiung des Individuums ausgerichteten Gestus den Unwillen der SED-Kulturbürokraten hervorrief und nach zehn ausverkauften Vorstellungen prompt abgesetzt werden musste. Besonderer Furor ging von einem in die Aufführung integrierten wilden Tanz Berliner Oberschüler nach Beat-Rhythmen aus und von Jutta Hoffmanns finalem Abgang über die Lehnen der Sitzreihen im Parkett und die Köpfe der Zuschauer hinweg.Wolfgang Behrens: Einar Schleef. Werk und Person. Berlin 2003, S. 53 ff. «Das Verrückteste, was im Berliner Ensemble je über die Bühne ging», schrieb Theater heute. In Schleefs spektakulärer Inszenierung Verratenes Volk spielte Hoffmann 2000 die Rosa Luxemburg und sie stand in Herr Puntila und sein Knecht Matti (1996) am Berliner Ensemble auf der Bühne.

1983 verließ Hoffmann die DDR und stand in der Bundesrepublik Deutschland unter anderem im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg auf der Theaterbühne. Vor allem ihre Arbeiten mit Peter Zadek machten sie dem westdeutschen Theaterpublikum bekannt. Nachdem Luc Bondy sie schon 1978 in Anton Tschechows Platonow besetzt hatte, spielte sie bei den Salzburger Festspielen in Dieter Dorns Inszenierung von Goethes Torquato Tasso die Leonore d’Este. Danach spielte sie regelmäßig an den Münchner Kammerspielen, in Der neue Prozeß von Peter Weiss oder die Helma in Der Park von Botho Strauß (jeweils Regie Dieter Dorn). Der Regisseur Thomas Langhoff engagierte Hoffmann für seinen Fernsehfilm Hedda Gabler (1979/80). An der Seite von Jutta Wachowiak und Michael Gwisdek spielte sie 1982 auch in Langhoffs eigenwilliger TV-Verfilmung von Goethes Stella – ein Stück, das sie im Jahr zuvor am Theater im Palast gespielt hatte.

Ihre größten Erfolge feierte sie mit Peter Zadek am Theater wie bei Lorcas Yerma (für die sie von der Zeitschrift Theater heute zur „Schauspielerin des Jahres“ gekürt wurde). Sie war die sprachgestörte Gräfin Geschwitz in Zadeks legendärer Inszenierung von Wedekinds Lulu mit Susanne Lothar, Die Herzogin von Malfi an der Seite von Gert Voss und die Mutter von Uwe Bohm im Musical Andi. Bei den Wiener Festwochen spielte sie 1995 Adolf Hitler und die Ehefrau von Hans Frank in Joshua Sobols Der Vater in der Inszenierung von Paulus Manker und 2012 bis 2015 Alma Mahler-Werfel in Mankers Inszenierung von Joshua Sobols „Alma – A Show Biz ans Ende“ in Wien.

Von 1993 bis 2006 arbeitete sie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg als Professorin für darstellende Kunst. Während dieser Zeit unterrichtete sie unter anderem Marie Bäumer, Bibiana Beglau, Marc Hosemann und Birte Wentzek.

Film und Fernsehen 1961 gab Hoffmann unter der Regie von Werner W. Wallroth als Katrin in dem Spielfilm Das Rabauken-Kabarett ihr Filmdebüt. Erste wichtige Rollen vor der Kamera hatte sie 1967 als Lämmchen in der zweiteiligen Fernsehverfilmung von Hans Falladas Kleiner Mann – was nun? und 1970 in der ebenfalls zweiteiligen Arnold-Zweig-Verfilmung Junge Frau von 1914 als Bankierstochter Leonore Wahl. Wiederholt arbeitete sie mit dem Regisseur Egon Günther zusammen, so 1972 für dessen Kinofilm Der Dritte, der auf den Filmfestivals in Karlsbad und in Venedig (Darstellerpreis der FIPRESCI-Jury als Beste Schauspielerin) ausgezeichnet wurde, erlangte internationalen Ruhm und konnte bei der Biennale den FIPRESCI-Preis als beste Schauspielerin für die Darstellung der Margit Flieser entgegennehmen; die DDR ehrte ihre Künstlerin mit dem „Nationalpreis“. Im selben Jahr erhielt Hoffmann den Deutschen Kritikerpreis. Eine weitere Zusammenarbeit mit Günther gab es u. a. 1974 in dem Film Die Schlüssel als Arbeiterin Ric, der wegen der heiklen Thematik mit einem Aufführungsverbot belegt wurde, und 1975 in der Thomas-Mann-Verfilmung Lotte in Weimar in der Rolle der Schriftstellerin und Scherenkunstmeisterin Adele Schopenhauer an der Seite von Lilli Palmer.

Die Ausgrenzung aus dem parteitreuen DDR-Kunstbetrieb spiegelt sich in Filmen wie Herrmann Zschoches Karla, in dem sie eine Lehrerin spielt und der 1965 verboten wurde, oder später in Das Versteck mit Manfred Krug (1977). 1979 spielte sie im Indianerfilm Blauvogel letztmals für die DEFA.

Im wiedervereinigten Deutschland war sie 1997 in Katja von Garniers Musikfilm Bandits neben Katja Riemann, Jasmin Tabatabai und Nicolette Krebitz als Marie Irrgang, die ihren Mann mit Arsen vergiftete, schizoide Tendenzen zeigt und allgemein suizidgefährdet ist, auf der Kinoleinwand zu sehen. Von 1999 bis 2002 ermittelte sie vier Mal an der Seite von Polizeihauptmeister Horst Krause als Kriminalhauptkommissarin Wanda Rosenbaum, die am Ende der Folge Wandas letzter Gang den Serientod stirbt.

2005 wurde Hoffmann von der DEFA-Stiftung für ihre Verdienste um den deutschen Film geehrt. Aus Anlass ihres 70. Geburtstags widmete ihr das Filmmuseum Potsdam eine Ausstellung. Seit 2011 hat Hoffmann einen Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin.Gunnar Decker: Die Schwebende. Sie blieb standhaft, aber auf spielerische Weise: Die große Schauspielerin Jutta Hoffmann. (Würdigung zum 80. Geburtstag) In: nd Der Tag vom 3. März 2021, S. 9.

Darstellung Jutta Hoffmanns in der bildenden Kunst Otto Paetz: Porträt Jutta Hoffmann (Bleistift-Zeichnung, um 1964) Rudolph Kramer: Jutta Hoffmann. UndatiertDeutsche Fotothek Bert Heller: Bildnis Jutta Hoffmann, 1964

Filmografie Kino

Fernsehen

Theatrografie (Auswahl)

Hörspiele und Feature 1963: Gerhard Rentzsch: Die Geschichte eines Mantels (Traute Krämer) – Regie: Edgar Kaufmann (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1966: Monika Beck: Das Abakadabra des schlauen Bim (Kattrin) – Regie: Lutz Erdmann (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1970: Ève Curie: Meine Mutter, Madame Curie (Ève Curie) – Regie: Flora Hoffmann (Hörspielbearbeitung – Rundfunk der DDR) 1971: Erik Neutsch: Haut oder Hemd (Ute Uhlenhorst) – Regie: Werner Grunow (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1972: Franz Grillparzer: Libussa (Libussa) – Regie: Peter Groeger (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1972: Karl Hermann Roehricht: Private Galerie (Kitty) – Mitautor und Regie: Günther Rücker (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1973: William Shakespeare: Die traurige Geschichte von Hamlet, Prinz von Dänemark (Ophelia) – Regie: Fritz Göhler (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1974: Volkstext: Die Stunde des Fisches oder Der kluge Mohammed (Sanfte Welle) – Regie: Manfred Täubert (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1974: Joachim Walther: Randbewohner – Regie: Werner Grunow (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1976: Heinrich von Kleist: Prinz Friedrich von Homburg (Natalie) – Regie: Joachim Staritz (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1976: Helmut Bez: Zwiesprache halten (Gerda) – Regie: Joachim Staritz (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1976: Günter Kunert: Ein anderer K. (Henriette) – Regie: Horst Liepach (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1976: Tschingis Aitmatow: Der Aufstieg auf den Fudschijama (Gulshan, Schauspielerin) – Regie: Peter Groeger (Hörspiel – Rundfunk der DDR) Erstsendung abgesetzt und erst 13 Jahre später, im Dezember 1989 erfolgt.Für Sonntag, den 28. März 1976, 20 Uhr war für das Kulturprogramm „Radio DDR II“, die Ursendung des Hörspiels „Der Aufstieg auf den Fudschijama“ nach Tschingis Aitmatows damals neustem Bühnenstück in der Programmzeitschrift „FF-Dabei“ angekündigt. Das Hörspiel war im Januar des Jahres 1976 mit einer hochkarätigen Besetzung – darunter Jutta Hoffmann, Kurt Böwe und Jürgen Hentsch – unter der Regie von Peter Groeger und mit einer Hörspielmusik von Reiner Bredemeyer aufwändig produziert worden. Aber an besagtem Sonntagabend wurde das Publikum vom Abendsprecher knapp auf eine Änderung des Programms hingewiesen und bekam eine Wiederholung von Alexander Gelmans Produktionsstück „Protokoll einer Sitzung“ geboten. Die Ursendung des Aitmatow-Dramas „Der Aufstieg auf den Fudschijama“ war durch eine Anweisung des SED-Zentralkomitees kurzfristig verboten worden. Als sich der Rundfunk-Komitee-Vorsitzende, Rudi Singer, darauf berief, dass Aitmatows Text ja in einer Auswahl sowjetischer Zeitstücke 1975 als Buch beim DDR-Verlag Volk und Welt erschienen sei, kam die Antwort vom ZK, die Freigabe für ein Buch bedeute noch lange nicht, dass das Werk in einem Massenmedium verbreitet werden dürfe. Die Tonbänder mit der Hörspiel-Inszenierung verschwanden im Tresor des damaligen Hauptabteilungsleiters Funkdramatik – Hans Bentzien. Er und die mit der Inszenierung befassten Mitarbeiter wurden gerügt. Mitten in der Breschnew-Doktrin sollten Aitmatows Erinnerungen an das schwere Unrecht der Stalinzeit kein breites Publikum erreichen. Erst nach dem Wende-Herbst 1989 erlebte die Inszenierung am 20. Dezember 1989 ihre tatsächliche Radiopremiere beim Rundfunk der DDR. Zuvor hatte das Stück mit zehnjähriger Verzögerung im Januar 1986 im Schauspielhaus Leipzig seine DDR-Erstaufführung auf dem Theater erlebt. siehe Hans Bentzien: Meine Sekretäre und ich, Verlag Neues Leben, Berlin 1995, S. 262ff. 1977: Ingeborg Bachmann: Der gute Gott von Manhattan (Jennifer) – Regie: Peter Groeger (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1977: Bertolt Brecht: Die Tage der Commune (Genevieve) – Regie: Barbara Plensat und Joachim Staritz (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1979: Brigitte Hähnel: Wappen oder Zahl (Lika) – Regie: Barbara Plensat (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1979: Joachim Brehmer: Jahreswechsel – Wechseljahre (Helene) – Regie: Achim Scholz (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1979: Alberto Molina: Beerdigung unter Bewachung (Aida) – Regie: Fritz Göhler (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1980: Alfred Matusche: An beiden Ufern (Hanna) – Regie: Peter Groeger (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1981: Brigitte Hähnel: Die Einladung (Sie) – Regie: Barbara Plensat (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1982: Märta Tikkanen: Liebesgeschichte des Jahrhunderts – Regie: Heljä Talvikki Ahonen (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1983: Hans Christian Andersen: Die Schneekönigin (Schneekönigin) – Regie: Rainer Schwarz (Kinderhörspiel – Litera) 1983: Johann Karl August Musäus: Melechsala oder Die Wahrheit über des Grafen von Gleichen Ehe mit zwei Frauen zugleich (Melechsala) – Regie: Norbert Speer (Kinderhörspiel – Rundfunk der DDR) 1988: Michael Gaida: Die Erde bebt, die Masse ruht (Rita) – Regie: Rüdiger Meyke (Hörspiel – RB/WDR)