Wiesbaur-Habichtskraut (Hieracium hypochoeroides) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Habichtskräuter (Hieracium) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Sammelart Hieracium hypochoeroides ist in Europa weitverbreitet.
Beschreibung Die Taxa des Aggregat Hieracium hypochoeroides zeigen ein intermediäres Erscheinungsbild, welches zwischen Hieracium bifidum und Hieracium schmidtii fällt.
Vegetative Merkmale Wiesbaur-Habichtskraut wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 20 bis 40 (15 bis 50) Zentimetern. Der Stängel ist unterhalb des Blütenstands unverzweigt, mit einfachen Haaren und Sternhaaren bedeckt, spärlich drüsig oder drüsenlos.
Die grundständig und oft wechselständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die fast lederigen Grundblätter sind grün bis lauch- oder blau-grün, gefleckt oder ungefleckt. Ihre Blattstiele sind relativ lang. Ihre einfache Blattspreite ist elliptisch, länglich, eiförmig oder eiförmig-lanzettlich bis länglich-lanzettlich mit herzförmiger Spreitenbasis gestutzt bis kurz in den Stiel verschmälert und gerundetem bis zugespitztem oberen Ende. Ihr Blattrand ist fast ganzrandig bis mehr oder weniger tief gezähnt und kahl oder mit unterschiedlichen Trichomen behaart. Die Blattoberseite ist zerstreut bis mäßig kurz bis schwach borstig behaart. Alle Laubblätter sind meist auch während der Blütezeit noch aktiv. Es sind keine oder ein bis selten zwei Stängelblätter vorhanden, diese sind den Grundblättern ähnlich.
Generative Merkmale Die körbchenförmigen Blütenstände stehen manchmal einzeln oder sind meist zu zweit bis acht, selten bis zu 18 meist in locker rispig verzweigten, rispig-schirmrispigen Gesamtblütenständen. Die Blütenkorbstiele sind dicht mit Sternhaaren bedeckt, mäßig borstig behaart und spärlich drüsig. Die Blütenkörbe weisen einen Durchmesser von meist 8 bis 11 (7 bis 13) sowie eine Höhe von 8 bis 11 (7 bis 12) Millimetern auf. Die dunkel-grünen Hüllblätter meist schmal sowie spitz und zerstreut bis mäßig oder dicht mit Sternhaaren bedeckt, durchsetzt mit einigen einfachen Haaren und Drüsenhaaren behaart. Die Drüsen sind zerstreut bis mäßig, selten zahlreich als Flocken zumindest am Rand, meist jedoch überall reichlich bis sehr reichlich vorhanden. Der Blütenkorbboden ist kahl.
Es sind nur zwittrige Zungenblüten vorhanden. Die Zungenblüten sind satt-gelb, kahl oder am oberen Ende mit wenigen kurzen, einfachen Trichomen behaart. Die Kronblattzähne können bewimpert sein.
Chromosomensatz Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9; es liegt Triploidie oder Tetraploidie mit Chromosomenzahlen von 2n = 27 oder 2n = 36 vor.
Ökologie Beim Wiesbaur-Habichtskraut handelt es sich um ein einen plurienn-pollakanthen Hemikryptophyten und Rosettenpflanze.
Blütenökologischen handelt es sich um Köpfchenblumen mit ausschließlich Zugenblüten und völlig verborgenem Nektar. Es liegt Apomixis vor. Eine Bestäubung ist nicht erforderlich. Es liegt Proterandrie vor; Blüten sind zuerst männlich, später weiblich. Bestäuber sind Bienen, Hummeln, Wespen, Wollschweber (Bombyliidae) sowie Schwebfliegen (Syrphidae).
Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Achänen, erfolgt durch den Wind (Anemochorie).
Vorkommen Die Gesamtart bzw. das Aggregat Hieracium hypochoeroides ist in Europa weitverbreitet. Es gibt Fundortangaben für Spanien, Frankreich, Italien, die Schweiz, Österreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, Irland, Norwegen, Polen, Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Slowenien, Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Rumänien, Nordmazedonien sowie Griechenland.
Standortbedingungen in Thüringen und Bayern Nährstoff- und konkurrenzarme Standorte, wie sie etwa in Steinbrüchen, Kies- und Tongruben herrschen, sind der Etablierung von Hieracium förderlich. Hieracium hypochoeroides ist auch an Straßenböschungen, Waldrändern und Kalkschotterhängen sowie in lichten Kiefernforsten anzutreffen. Hieracium hypochoeroides ist eine Halblichtpflanze und ein Mäßigwärme- bis Wärmezeiger. Hieracium hypochoeroides ist eine Zeigerpflanze für Trockenheit. Sie kann nicht auf salzigen Böden gedeihen.
Gefährdung und Schutz Die Kleinarten des Aggregates haben häufig nur sehr kleine Populationen mit geringen Ausbreitungen und sind oft Endemiten eines sehr begrenzten Raumes. Aufgrund dessen können die Kleinarten mitunter sehr selten sein. Die Unterart Hieracium hypochoeroides subsp. montis-scuderii besteht aus lediglich 30 bis 35 ausgewachsenen Individuen; trotz der äußerst geringen Individuenzahl wird für diese Unterart die IUCN-Gefährdungskategorie LC = „Least Concern“ empfohlen. Für die Unterart Hieracium hypochoeroides subsp. lucanicum wurde die IUCN-Gefährdungskategorie CR = „Critically Endangered“ empfohlen. Ein Rückgang der Unterart Hieracium hypochoeroides subsp. guestphalicum aufgrund von zu starker Beschattung durch Bäume wurde beschrieben.
Hieracium hypochoeroides ist in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands nach Metzing et al. 2018 in die Gefährdungskategorie 3 = „gefährdet“ eingestuft und in Deutschland sehr selten.
Systematik Taxonomie Die Erstbeschreibung von Hieracium hypochoeroides erfolgte 1843 durch Samuel Gibson (1790–1849) in Note on an apparently undescribed Hieracium. in Phytologist, Volume 1, Seite 741.
Äußere Systmatik Das Aggregat Hieracium hypochoeroides aggr. gehört zur Untergattung Hieracium subg. Hieracium aus der Gattung Hieracium in der Untertribus Hieraciinae der Tribus Cichorieae innerhalb der Unterfamilie Cichorioideae der Familie Asteraceae.
Apomixis Hieracium hypochoeroides stellt eine Sammelart - Aggregat - einer Vielzahl verschiedener Kleinarten oder Microtaxa dar. Aufgrund von Apomixis kommt es zu keinem Austausch von genetischem Material von Individuen, weshalb diese voneinander reproduktiv isoliert sind. Die Individuen pflanzen sich demnach ungeschlechtlich durch Samen fort. Hierbei handelt es sich um ein relativ junges Artaggregat, welches sich nach der letzten Eiszeit in Europa entwickelt hat. Die reproduktive Isolation aufgrund von Apomixis hat zu der enormen Anzahl von Subtaxa geführt.
mini|Hieracium hypochoeroides subsp. jenzigense mini|Detail eines Grundblattes von Hieracium hypochoeroides subsp. jenzigense mini|Hieracium hypochoeroides subsp. parvimaculatum mini|Detail eines basalen Blattes von Hieracium hypochoeroides subsp. parvimaculatum mit typischen Blattflecken mini|Hieracium hypochoeroides subsp. wiesbaurianiforme mini|Detail eines basalen Blattes von Hieracium hypochoeroides subsp. wiesbaurianiforme
Unterarten und ihre Verbreitung Je nach Autor gibt es viele Unterarten der Art Hieracium hypochoeroides oder sie werden als Subtaxa anderer Arten oder als eigene Arten bewertet: Hieracium hypochoeroides subsp. acutiserratum : Sie kommt in Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. adesiforme : Sie kommt in Frankreich, Italien sowie der Schweiz vor. Hieracium hypochoeroides subsp. adesum : Sie kommt in Frankreich, Italien sowie der Schweiz vor. Hieracium hypochoeroides subsp. arnoldianum : Dieser Endemit kommt in Deutschland nur in der Südlichen Frankenalb im Altmühltal und Nebentälern zwischen Solnhofen und Dietfurt an etwa 30 Fundorten vor. Hieracium hypochoeroides subsp. austrogermanicum : Sie kommt in Deutschland vor. Hieracium hypochoeroides subsp. ayliesii : Dieser Endemit kommt nur auf Korsika vor. Hieracium hypochoeroides subsp. bifidopsis : Sie kommt in Italien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. bridelianum : Sie kommt in Frankreich, Italien sowie der Schweiz vor. Hieracium hypochoeroides subsp. canibifidum : Sie kommt in Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. cilentanum : Sie wurde 2015 aus dem südlichen Italien erstbeschrieben und ist eine Endemit des Monte Cervati. Hieracium hypochoeroides subsp. cinerascentiforme : Sie kommt in Frankreich sowie Italien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. crinifrons : Sie kommt in Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. cryptochaetophyllum : Sie kommt in Bulgarien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. cyanellum : Sie kommt in Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. dalmaticum : Sie kommt in Slowenien sowie in Kroatien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. divergentidens : Dieser Endemite kommt nur in Liechtenstein vor. Hieracium hypochoeroides subsp. dolichellum : Sie kommt in Frankreich, Italien, der Schweiz sowie Österreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. epimecodon : Sie kommt in Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. epimecodontoides : Sie kommt in Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. epirense : Sie kommt in Griechenland sowie der Schweiz vor. Hieracium hypochoeroides subsp. erucibifidum : Sie kommt in Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. fissifurcum : Sie kommt auf Korsika sowie in Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. fojnicense : Sie kommt im ehemaligen Jugoslawien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. gladiatiforme : Sie kommt in Deutschland vor. Hieracium hypochoeroides subsp. glaucibifidum : Sie kommt in Frankreich sowie Italien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. glaucocinerascens : Dieser Endemit kommt in Deutschland nur um Riedenburg in der Oberpfalz, bei Solnhofen und Hohenburg, Mittlere/Südliche Frankenalb an etwa fünf Fundorten vor. Hieracium hypochoeroides subsp. grandisaxense : Sie kommt in Italien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. grossidentatum : Sie kommt in Deutschland vor. Hieracium hypochoeroides subsp. guaranum : Sie kommt in Spanien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. guestphalicum : Sie kommt in Deutschland vor. Hieracium hypochoeroides subsp. hemibifidum : Sie kommt in Frankreich sowie Italien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. herculanum : Sie kommt in Rumänien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. hypochoeroides: Sie ist auf Korsika, in Frankreich, Italien, auf Sardinien, in der Schweiz, in Österreich, Deutschland, in der ehemaligen Tschechoslowakei, im ehemaligen Jugoslawien, auf den Färöer Inseln, im Vereinigten Königreich, in Irland, Norwegen, in Ungarn sowie Rumänien verbreitet. Hieracium hypochoeroides subsp. hypotephraeum : Sie kommt in Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. jacquiniiforme : Dieser Endemit kommt nur auf Korsika vor. Hieracium hypochoeroides subsp. jenzigense : Sie kommt in Deutschland vor. Hieracium hypochoeroides subsp. kalmutinum : Dieser Endemit kommt in Deutschland nur im Unterfränkischen Muschelkalk in Kalbenstein bei Karlstadt sowie Kalmut bei Marktheidenfeld vor. Hieracium hypochoeroides subsp. kunitzburgense : Sie kommt in Deutschland vor. Hieracium hypochoeroides subsp. kyllenense : Sie kommt in Griechenland vor. Hieracium hypochoeroides subsp. lineatiforme : Sie kommt in Frankreich sowie Italien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. lineatoides : Sie kommt in Frankreich sowie Italien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. lithophilum : Sie kommt auf Korsika, Frankreich sowie Italien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. livadicae : Sie kommt in Jugoslawien vor. Hieracium hypochoeroides subsp. lucanicum : Dieser Endemit kommt nur in italienischen Provinz Salerno vor. Hieracium hypochoeroides subsp. medelingense : Sie kommt in Österreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. mollardianum : Sie kommt in Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. monomeres : Sie kommt in Österreich sowie Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. montis-scuderii : Dieser Endemit kommt nur auf Sizilien vor und wurde 2013 erstbeschrieben. Hieracium hypochoeroides subsp. nervulosum : Sie kommt in Italien, auf Korsika sowie in Frankreich vor. Hieracium hypochoeroides subsp. niphanthodes : Sie kommt in Deutschland vor. Hieracium hypochoeroides subsp. paikoanum : Sie wurde 2019 aus Griechenland erstbeschrieben. Hieracium hypochoeroides subsp. pallidopsis : Sie kommt in Italien vor.