mini|hochkant=1.2| Die Evangelische Dorfkirche Garrey ist eine mittelalterliche Feldsteinkirche in Garrey, einem Ortsteil der Gemeinde Rabenstein/Fläming im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg. Das Kirchengebäude ist ein Baudenkmal. Sie gehört zur Kirchengemeinde Garrey im Pfarrbereich Niemegk im Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Lage Der von einem Kirchfriedhof umgebene Kirchenbau dominiert den Dorfanger. Beidseitig des Angers verläuft die Dorfstraße.

Geschichte Über die Anfänge der Kirche liegen keine urkundlichen Nachrichten vor. Nach archäologischen Untersuchungen während der Restaurierungsarbeiten im frühen 21. Jahrhundert wurde die Feldsteinkirche auf einem bereits bestehenden Friedhof errichtet. Die Archäologen schlossen daraus, dass sich an dieser Stelle zuvor vermutlich ein hölzerner Kirchenbau befand und die Gründung des Dorfes älter sein dürfte als die heute nachweisbare steinerne Kirche.Wolfgang Lubitzsch, Rosemarie Bergholz: Über Geschichte und Restaurierung der Feldsteinkirche in Garrey, Garrey 2018, S. 17. Der heutige Feldsteinbau entstand vermutlich gegen Ende des 14. Jahrhunderts. Darauf deuten die erste urkundliche Erwähnung des Ortsnamens – mittelbar durch einen Otto de Gorey um 1380 und unmittelbar für den Ort im Jahr 1385 – sowie baugeschichtliche Untersuchungen hin.Lubitzsch/Bergholz 2018, S. 31. Während Wolfgang Lubitzsch und Rosemarie Bergholz auf eine mittelbare Erwähnung um 1380 sowie eine urkundliche Nennung von 1385 verweisen, nennt Peter P. Rohrlach als Jahr der Ersterwähnung 1388.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Weimar 1992, S. 122. Die Kirche wurde als schlichte rechteckige Saalkirche aus Feldsteinen mit ursprünglich zwei kleinen spitzbogigen Fenstern an der Nord- und Südseite sowie einem Südportal errichtet. Die Anzahl und Lage der Fenster an der Ostwand sind nicht überliefert.Lubitzsch/Bergholz 2018, S. 32. Bereits im Spätmittelalter wurde das Gotteshaus nach Osten um rund sieben Meter erweitert. Aus dieser Bauphase stammen der heutige Ostgiebel mit seiner Dreifenstergruppe, einer Blendengliederung sowie die Priesterpforte an der Südseite. Die Erweiterung wird als Hinweis darauf gewertet, dass sich das Dorf wirtschaftlich günstig entwickelte.Lubitzsch/Bergholz 2018, S. 17, 32–33.

mini|Rosettenfenster in der Chorwand Infolge der Reformation wurde die zuvor katholische Kirche evangelisch, sie war aber eine Filiale der Gemeinde Rädigke. Deshalb gab es im Ort keinen eigenen Pfarrer. Der Geistliche aus Rädigke predigte in Garrey nur alle 14 Tage und während der Saat- und Erntezeit gar nicht. Einmal im Monat hielt er am Sonntag einen Kindergottesdienst. Trotz Beschwerde der Gläubigen besserte sich diese Situation lange nicht.Fläming-Echo, 24. Januar 1999; zitiert in der Chronik von Garrey.

Zahlreiche Umbau- und Erhaltungsarbeiten wurden im Laufe der Jahrhunderte an der Kirche ausgeführt, darunter 1859 Maurerarbeiten durch den Maurermeister Eiserbeck aus Belzig, 1862 Restaurierung des Innenraumes, 1883 Umbauarbeiten und Erweiterungen im Kirchenraum: neue Sitzbänke und eine neue Eingangstür aus der Werkstatt des Tischlermeisters Brauer aus Niemegk, Übermalung früherer Verzierungen an Decke und Fenstern im Jahr 1900.Rep. 2 A Nr. 832 im Landeshauptarchiv Potsdam; zitiert in der Chronik von Garrey.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden Teile des Lehmwerks durch Ziegelsteine ersetzt, das Kirchendach wurde nach dem Ersten Weltkrieg und der Inflation, 1929, umfassend instand gesetzt.Rep. 2 A Nr. 833 im Landeshauptarchiv Potsdam; zitiert in der Chronik von Garrey.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in der DDR-Zeit, schützte die Kirchengemeinde das schadhafte Fachwerk des Turmes durch Verkleidung mit Wellpappe, weil es an entsprechendem Baumaterial fehlte. Bei einem Blitzeinschlag 1973 wurde das Dach des Turmes beschädigt, die Reparatur erledigten Bergsteiger. Bei dieser Gelegenheit konnte die Wellpappe durch Wellbitumen ersetzt werden.

Die Kommunalgemeinde Garrey (Rabenstein/Fläming), die in der DDR zum Bezirk Potsdam gehörte, ließ die Dorfkirche 1982 unter Denkmalschutz stellen.

Einen starken Einschnitt in der Organisation und Zugehörigkeit der evangelischen Kirche des Ortes brachte die Deutsche Wiedervereinigung 1990 mit sich. Folgende Arbeiten wurden in den nachfolgenden Jahren durchgeführt:

1990: Einbau einer neuen Kirchentür, Ausbesserung der Fenster; 1991: neue Aufmauerung des Altarsockels, Ausbesserungen im Kirchenschiff, Neuverputzung der äußeren Mauerflächen des Portals und des ehemaligen östlichen Eingangs, 1994: Herstellung eines Wasseranschlusses zum umgebenden Friedhof, 1995: Neuanfertigung einer Wetterfahne aus Kupfer sowie neuer kupfernen Regenrinnen für die Nordseite des Kirchengebäudes durch Metallbaumeister Lutz Wieland, Neueindeckung des Kirchendaches, Geraderückung des Kirchturms und Installation eines Blitzableiters.

Besonders bemerkenswert war die Rettung der historischen Orgel: Orgelbauer Rainer Wolter aus Zudar (Insel Rügen) nahm das Instrument im Oktober 1995 auseinander. In seiner Werkstatt imprägnierte er die von Holzwurm angefressenen Teile oder fertigte neue Elemente an, reinigte die Pfeifen und Spielwerke, tauschte den Motor und das Gebläse gegen neue aus. Bei diesen Arbeiten fanden sich Angaben auf den ältesten Teilen der Orgel aus den Jahren 1686 oder 1698 sowie durch Zeitungsausschnitte belegt der Hinweis, dass das Instrument 1883 vom Niemegker Orgelbauer Wilhelm Lobbes bereits einmal gründlich überholt worden war. Zur Finanzierung der Orgelrettung Ende des 20. Jahrhunderts trug der Orgelbauer selbst bei, indem er eine Stundung der Rechnung zusagte und darüber hinaus gab eine bayerische Trachtenkapelle am 17. August 1996 in Garrey ein Konzert, dessen gesamter Erlös für die Orgel gespendet wurde.

So war die Orgelweihe am 11. Mai 1997 möglich; es spielte der Organist Martin Schulze aus Friedland (Mecklenburg). Auf dem erneuerten Instrument können seitdem interessierte Mädchen und Jungen aus Garrey Orgelunterricht nehmen, für den sich besonders die Katechetin Gleiniger einsetzt. Erste Teilnehmer waren 13 Jugendliche aus dem Ort.

Architektur mini|Ansicht von Osten Das Gotteshaus in Garrey ist eine gotische Saalkirche mit rechteckigem Grundriss. Die Feldsteine aus dem ersten Bauabschnitt sind bearbeitet und lagig geschichtet, während die Feldsteine aus dem zweiten Bauabschnitt nur einmal gespalten und kaum lagig verarbeitet wurden. Wie vielfach üblich hatte die Dorfkirche ursprünglich keinen Turm. In Garrey ließ die Gemeinde gegen Ende des 18. Jahrhunderts einen Giebelturm mit massiver Westwand auf dem Kirchendach errichten, der laut der Datierung auf der die pyramidenförmige Turmspitze bekrönenden früheren Wetterfahne 1793 fertiggestellt wurde. Die heutige Wetterfahne auf dem vom Erdboden gemessen etwa zwölf Meter hohen Turm trägt die Jahreszahl 1995.

Ausstattung Der mit einer Holzbalkendecke abgeschlossene Kirchenraum ist einfach ausgestattet, hat allerdings zwei Emporen: an der Südseite und an der Westseite. Auf der Westempore wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts eine Orgel installiert. Die hölzerne Emporenverkleidung ist mit einem in den 1970er Jahren nach Garrey gelangten Holzschnitt-Bilderzyklus von Walter Habdank zum Kreuzweg versehen:

An der östlichen Längswand lassen drei kleine mit Ziegelsteinblenden verzierte Fenster Licht in den Hauptraum fallen, außerdem ist eine zugemauerte Priestertür zu erkennen.

Altar und Kruzifix stammen aus dem 17. Jahrhundert. Der Altaraufsatz auf einem steinernen Sockel enthält ein Gemälde, das das Abendmahl Jesu zeigt. Eine aus Holz gefertigte Kanzel aus dem 16. Jahrhundert hat einen viereckigen Kanzelkorb, der mit den vier Evangelisten und ihren Worten aus dem Evangelium verziert ist. Die Kirchenbänke und der Pfarrstuhl werden auf das 16. Jahrhundert datiert.

Im Kirchturm hängt eine 1681 gegossene Glocke aus Bronze, deren Glockenkörper 63 cm hoch ist. Er enthält die Inschrift VERBUM DOMINI MANET INERTERNUM (dt.: Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit), PETER LIPSDORF; SCHULZE BROSE ZERMAN MICH GOSS GEORGE BILLICH VON WITTENBERG 1681.

Weblinks

Literatur Wolfgang Lubitzsch, Rosemarie Bergholz: Über Geschichte und Restaurierung der Feldsteinkirche in Garrey. Garrey 2018.

Einzelnachweise Dörfliche Einrichtungen und ihre Geschichte. Die Kirche im Dorf, Chronik von Garrey; abgerufen am 25. Mai 2022.

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