Marklohe ist eine Gemeinde und zugleich Verwaltungssitz der Samtgemeinde Weser-Aue im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen. Das Dorf Marklohe hat den Charakter eines Haufendorfs.

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde Marklohe liegt fünf Kilometer entfernt von der Kreisstadt Nienburg auf der gegenüberliegenden Seite der Weser und ungefähr in der Mitte zwischen Verden (Aller) und Minden. Damit liegt Marklohe in der Norddeutschen Tiefebene in der Mittelweserregion und befindet sich in der abgegrenzten Region des Mittleren Wesertals am östlichen Rand der Nienburg-Meppener Geest.Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 15. Nach den Biogeographischen Regionen der Europäischen Union liegt Marklohe in der Atlantischen Region im küstennahen Nordwesteuropa. Die Höhe beträgt , dabei besteht ein erheblicher Höhenunterschied zwischen der Weser-Seite des Ortes und der Seite in Richtung Geest. Die Gemeinde liegt in der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Marklohe gehören neben Marklohe selbst außerdem die direkt angrenzenden Ortsteile Lemke und Wohlenhausen, Sudhalenbeck, Neulohe sowie der etwa 1,5 km entfernte Ortsteil Oyle.

Klima Die Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger beschreibt das Klima der Region deutschlandtypisch mit Cfb (Seeklima).

Nachbargemeinden Die direkt angrenzenden Nachbargemeinden der Gemeinde Marklohe sind:

Geschichte Frühzeit Es gibt Vermutungen, dass Marklohe der zentrale Versammlungsort der vorchristlichen Altsachsen Marklo war und auch am Folkweg lag.Z. B. Gustav Engel: Politische Geschichte Westfalens. Köln 1969, S. 37 Der ur- und frühgeschichtliche Siedlungsplatz Lemke mit einem Gräberfeld bestand bereits in der Jungsteinzeit um 2800 v. Chr. Ein Teil der fünf erhaltenen Grabhügel Marklohes ist möglicherweise in der Bronzezeit errichtet worden.Marco Adameck: Die Vor- und Frühgeschichte im Raum Marklohe. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 19. Das heutige Marklohe befindet sich im Gebiet der Jastorf-Kultur.Marco Adameck: Die Vor- und Frühgeschichte im Raum Marklohe. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 21. Nach den Sachsenkriegen Karls des Großen setzte auch hier die Christianisierung ein.

Mittelalter mini|Übersichtskarte des mittelalterlichen Bistums Minden, in dem Lohe eines von elf Archidiakonen war.

Im mittelalterlichen Herzogtum Sachsen lag der Ort im Dervegau, einem Gau westlich der Weser, der nördlich am Largau und südlich am Lidbekegau grenzte.Uwe Hager: Lohe von der Vorzeit bis zum Ende des Mittelalters. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 40. Lohe gehörte zur Zeit des Herzogtum Engerns dem dort befindlichen Bistum Minden an. Als Urpfarreien gelten im Dervegau die Kirchen in Twistringen, Schmalförden, Sulingen und Lohe, wobei diese das größte Kirchspiel von den vieren war. Über die Zeit wurden die Kirchen in Wietzen, Balge, Drakenburg, Binnen und Bühren bis zum Ende des Mittelalters von der Urpfarrei Lohe abgespalten.Uwe Hager: Lohe von der Vorzeit bis zum Ende des Mittelalters. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 41. In Lohe befand sich auch ein bischöfliches Meiergut (Villikation).Uwe Hager: Lohe von der Vorzeit bis zum Ende des Mittelalters. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 47. Ab dem 12. Jahrhundert findet man Nachrichten, die sich eindeutig auf Lohe beziehen.Uwe Hager: Lohe von der Vorzeit bis zum Ende des Mittelalters. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 25. Frühe Schreibweisen von Lohe waren auch Lo, Loo und Lon.Landeskirchliches Archiv Hannover: Marklohe im Kirchengemeindelexikon Zur Regelung der Mitbenutzung der Burg Wölpe gegen Graf Heinrich II. von Hoya vereinbarten Bischof Wilhelm I. von Diepholz und Graf Konrad II. von Wölpe am 14. Januar 1239 unter anderem, dass Konrad (und seine Leute) im Falle einer Entfernung oder eines Ausschlusses von der Burg durch den Bischof das bischöfliche Gut in Lohe sowie die in Ahlden, Sulingen und Schmalförde „iure feodali“ (als Lehen) halten sollten.Hermann Hoogeweg: 319. Graf Konrad von Wölpe macht mit Bischof Wilhelm von Minden einen Vertrag über den gemeinsamen Besitz der Burg Wölpe. Minden 1239 Januar 14. In: Westfälisches Urkundenbuch, Bd. 6: Die Urkunden des Bistums Minden 1201–1300. Münster 1898, S. 86.Matthias Christian Kuck: Mittelalterliche Geschichte. Burg und bischöfliche Herrschaft im Stift Minden. S. 68. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen mit den Grafen von Hoya erwarb Bischof Wilhelm I. von Diepholz im Jahr 1241 einen Herrschafts- und Güterkomplex beidseits der Weser von den Grafen Heinrich, Ludolf, Burchard und Wilbrand von Oldenburg für die Mindener Kirche. Zu den ausdrücklich genannten Gütern gehörten auch die „bona in Lembeke“ (Lemke). Der räumliche Bezug wird in der Urkunde als „ab eo loco, ubi parrochia Lo exspirat, usque in Saxoniam“ (von dem Ort, an dem die Pfarrei Lo endet, bis nach Sachsen) beschrieben. Der Kaufpreis betrug 810 Mark Bremer Silbers.Bernd Ulrich Hucker: Die Grafen von Hoya. Ihre Geschichte in Lebensbildern (= Schriften des Instituts für Geschichte und Historische Landesforschung, Vechta. 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 1993, S. 21. ISBN 3-927085-84-7.Hermann Hoogeweg: 352. Die Brüder Heinrich, Ludolf, Burchard und Wilbrand Grafen von Oldenburg verkaufen dem Bischof Wilhelm von Minden genannte Güter. 1241 In: Westfälisches Urkundenbuch, Bd. 6: Die Urkunden des Bistums Minden 1201–1300. Münster 1898, S. 96.

Lohe war im Bistum Minden eines von elf Archidiakonen, und die Begrenzung dessen umfasste weitgehend das alte Dervegau.Uwe Hager: Lohe von der Vorzeit bis zum Ende des Mittelalters. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 46. Mit Bezug auf den Edelherr Ludolf von Lohe, der 1269 Cellarius in Verden war, vermutet Wilhelm von Hodenberg, dass der Stammsitz der Lohes im 13. Jahrhundert „im Kirchdorfe Lohe nordwestlich von Nienburg“ gelegen habe.Wilhelm von Hodenberg: Calenberger Urkundenbuch. Deutschland, Gebrüder Jänecke, 1855, S. 50. Der Bischof Gottfried von Waldeck verpfändete am 17. März 1314 seine Güter in Lohe an Heinecke von Münchhausen.Thorsten Neubert-Preine: Die Rittergüter der Hoya-Dieholz’schen Landschaft. Hoya-Diepholzsche Landschaft, Nienburg 2006, S. 191, ISBN 978-3-00-019898-4. Obwohl es untersagt wurde, die Güter an die Grafen von Hoya weiter zu verpfänden, befand sich in einer Erbfolgeregelung von Graf Johann II. von Hoya im Jahr 1372 auch Besitzungen in Lohe.Uwe Hager: Lohe von der Vorzeit bis zum Ende des Mittelalters. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 50.

Neuzeit 15. bis 18. Jahrhundert Infolge der Reichsreform des römisch-deutschen Königs Maximilian I. lag Lohe ab 1500 im Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reichs. Mit dem Tod von Otto VIII. von Hoya 1582 wurde Lohe wie die gesamte Grafschaft Hoya Welfenterritorium im Herzogtum Braunschweig-LüneburgUwe Hager: Lohe von der Vorzeit bis zum Ende des Mittelalters. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 51. Lohe gehörte seit dem 16. Jahrhundert dem Amt Nienburg an, das zur Wende des 15. zum 16. Jahrhundert aus den Ämtern in Drakenburg und Liebenau hervorging. Innerhalb des Amts war Lohe eine Vogtei, zu der Mehlbergen, Lemke, Wohlenhausen, Sudhalenbeck, Glissen und Lohe gehörten.Uwe Hager: Lohe von der Vorzeit bis zum Ende des Mittelalters. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 59. Bevor die Weser durch die Errichtung von Deichen in ein festes Flussbett kam, gab es wahrscheinlich bei Lohe eine Furt, die es Hofbesitzern erlaubt hat, auch Land und Weideflächen auf dem anderen Weserufer zu bewirtschaften.Ferdinand Bösch: Die Wasserwirtschaft. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 255 f. Seit 1525 hatte Lohe mit Johannes Rümper bereits einen reformierten Geistlichen.Uwe Hager: Lohe von der Vorzeit bis zum Ende des Mittelalters. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 51. Für 1586 ist zudem ein Gogericht belegt. Später wurde zudem ein Landgericht abgehalten.Das alte Dorf vor den Agrarreformen. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 61. Zwischen 1530 und 1653 verdoppelte sich die Zahl der in Lohe ansässigen Hofbesitzer fast von 29 auf 52.Das alte Dorf vor den Agrarreformen. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 63. Wie in Niedersachsen üblich wurde auch in Lohe Mitte des 17. Jahrhunderts überwiegend Roggen angebaut.Das alte Dorf vor den Agrarreformen. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 66. Vermutlich wurde ab dem 18. Jahrhundert auch Tabak in Lohe angebaut.Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 140. Den Zehnt hatten die Loher an die Münchhausen zu entrichten, vermutlich an deren schwarze Linie, die auch in Steyerberg ansässig war.Das alte Dorf vor den Agrarreformen. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 83. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde im Oktober 1624 eine halbe Kompanie Reiter auf Befehl des kaiserlichen Oberst Erwitte nach Lohe verlegt.Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 124. Im Rahmen des Krieges hinterließ der Niedersächsisch-Dänische Krieg auch deutliche Spuren in Lohe. Im Jahre 1625 plünderten kaiserliche Truppen den Ort, 1627 setzten sie ihre Raubzüge und Überfälle im Dorf fort. Außerdem wütete die Pest in Lohe.Exkurs B Schulgeschichte. In: Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 277. Zum kirchlichen Bann (bannus) in Loo, auch als Dekanat Lohe bezeichnet, gehörten nach dem Catalogus parochiarum der Mindener Diözesansynode von 1632 neben Lohe auch die Kirchspiele Binnen, Bühren, Nienburg, Balge, Scholen, Windheim, Lahde, Frille, Ovenstädt, Wiedensahl, Buchholz, Borstel, Warmsen, Holzhausen, Kirchdorf, Bruchdorf, Wietzen und Staffhorst.Heinrich Böttger: I. Pagus Derve vel Entergowi in: Diöcesan- und Gau-Grenzen Norddeutschlands zwischen Oder, Main, jenseit des Rheins, der Nord- und Ostsee, von Ort zu Ort schreitend festgestellt. Zweite Abtheilung. Comissions-Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1874, S. 90. Nach Ende des Krieges erholte sich die Situation und 1673/74 waren wieder 59 Höfe besetzt, 1735 gab es bereits 71 Hofstellen. Im Siebenjährigen Krieg mussten die Loher Hofbesitzer im Jahr 1757 insgesamt 29 Pferde stellen.Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 130. Es gab dazu mindestens drei Männer, die in den Kriegsdienst berufen wurden.Christiane Kelly: Chronik Marklohe. Gemeinde Marklohe, Eystrup 1993, S. 134.