Heinrich Frieling (* 27. Dezember 1910 in Chemnitz;Fritz Frieling, Norbert Höser: Dr. Heinrich Frieling 1910–1996. In: Mauritiana. Band. 16, 1996, , S. 193–198, insbesondere 193. † 10. Februar 1996 in Marquartstein)Fritz Frieling und Norbert Höser: Dr. Heinrich Frieling 1910–1996. In: Mauritiana, Bd. 16, 1996, , S. 193–198, insbesondere 194 war ein deutscher Ornithologe und Farbwissenschaftler. Neben seiner Beschäftigung mit Farben schuf Frieling davon inspirierte abstrakte Gemälde.

Jugend, Studium, berufliche Laufbahn Heinrich Frieling, eines von vier Kindern des evangelischen Pastors und AnstaltsgeistlichenHeinrich Frieling: Ein Leben für die Farbe. Zum 80. Geburtstag von Heinrich Frieling. Musterschmidt, Göttingen 1990, ISBN 978-3-7881-4048-9, S. 10–13. Rudolf Frieling und dessen Ehefrau, einer geborenen Sohm, war mütterlicherseits ein Enkel des Kirchenrechtlers Rudolph Sohm. Zunächst besuchte Heinrich Frieling das humanistische Gymnasium seiner sächsischen Heimatstadt; nach dem Umzug seiner Familie das nähergelegene Friedrichgymnasium in Altenburg. In Altenburg wohnte er in PensionFritz Frieling: Zum Gedächtnis an Dr. Heinrich Frieling (1910–1996). In: Mitteilungen des Vereins Sächsischer Ornithologen. Band 8, 1996, S. 63–67, insbesondere S. 64.Heinrich Frieling: Ein Leben für die Farbe. Zum 80. Geburtstag von Heinrich Frieling. Musterschmidt, Göttingen 1990, ISBN 978-3-7881-4048-9, S. 14–16. bis zum Abitur 1929.Fritz Frieling: Zum Gedächtnis an Dr. Heinrich Frieling (1910–1996). In: Mitteilungen des Vereins Sächsischer Ornithologen. Band 8, 1996, S. 63–67, insbesondere S. 65. Anschließend begann Frieling an der Albertus-Universität Königsberg sein Studium der Zoologie. Das Fach wurde von Otto Koehler vertreten, der in seinen Studenten das Interesse an der Ornithologie weckte. Frieling arbeitete in den Semesterferien an der Vogelwarte Rossitten und war später zur Vogelzugbeobachtung in Memel. Es folgte ein Wechsel nach München, dann an die Georg-August-Universität Göttingen. Dort begann er eine Doktorarbeit bei Alfred Kühn, die er abbrechen musste, als ein anderer Doktorand dasselbe Thema – das Seitenlinienorgan der Fische – schneller bearbeitet hatte. Eine neue Arbeit über die Rotfußseriema, angefertigt bei Hans Krieg in München, ermöglichte ihm 1935 die Promotion zum. Dr. phil. und wurde 1936 publiziert.Heinrich Frieling: Ein Leben für die Farbe. Zum 80. Geburtstag von Heinrich Frieling. Musterschmidt, Göttingen 1990, ISBN 978-3-7881-4048-9, S. 17–21. Frieling erhielt den Titel eines Dr. phil. nat.Heinrich Frieling: Mensch und Farbe. Heyne, München 1972, Buchrücken. Nach Ende seiner Studienzeit arbeitete Heinrich Frieling von 1937 bis 1941 als Verlagslektor und Redakteur im Kosmos-Verlag, für den er mehrere Vogelbücher schrieb. Während des Zweiten Weltkriegs war er von 1941 bis 1945 Erzieher und Lehrer (Studienrat) am von Hermann Harless gegründeten Landschulheim MarquartsteinHeinrich Frieling: Ein Leben für die Farbe. Zum 80. Geburtstag von Heinrich Frieling. Musterschmidt, Göttingen 1990, ISBN 978-3-7881-4048-9, S. 22–25. in Oberbayern.

Nach Fronteinsatz und Ende des Krieges wurde Frieling Kunstmaler, Schriftsteller und Psychologe. Er wendete sich der Beschäftigung mit Farben zu und gründete 1949 in Marquartstein das private Institut für Farbenpsychologie. Später erhielt das von ihm geleitete Institut Unterrichtsräume in Salzburg, die zur Ausbildung von Farbberatern genutzt wurden.Fritz Frieling: Zum Gedächtnis an Dr. Heinrich Frieling (1910–1996). In: Mitteilungen des Vereins Sächsischer Ornithologen. Band 8, 1996, S. 63–67, insbesondere S. 66.Heinrich Frieling: Ein Leben für die Farbe. Zum 80. Geburtstag von Heinrich Frieling. Musterschmidt, Göttingen 1990, ISBN 978-3-7881-4048-9, S. 31–35. Ab 1954 war er Dozent der Werbefachlichen Akademie München und ab 1968 der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Frieling wurde auch Vorsitzender des Bundes Deutscher Farbberater. 1982 erhielt der de A.-Weidenmüller-Plakette für Förderung des Werbenachwuchses.

Heinrich Frieling war ab 1935 verheiratet mit Käte Frieling, geborener Bornemann, und hatte zwei Kinder; der Arbeitspsychologe Ekkehart Frieling ist sein Sohn.Heinrich Frieling: Ein Leben für die Farbe. Zum 80. Geburtstag von Heinrich Frieling. Musterschmidt, Göttingen 1990, ISBN 978-3-7881-4048-9, S. 29–30.

Geistige Einflüsse, vogelkundliches Arbeiten, Wirken in Farbwissenschaft und abstrakter Malerei Heinrich Frieling war früh durch das Studium von Goethes Farbenlehre stark inspiriert. Er stand der teleologischen Evolutionstheorie Edgar Dacqués nahe. Das Buch Organisches Weltbild, Hauptwerk von Paul Krannhals, bei dem Frieling in Gräfelfing bei München zeitweise zur Untermiete wohnte, war Frieling wichtig, auch wenn er die Ideologie Alfred Rosenbergs – von Krannhals viel zitiert – ablehnte.

Frielings auf Vogelwarten gesammelte Erfahrungen ermöglichten es ihm, noch vor Ende seines Studiums ein neuartiges, in der Praxis taugliches Buch zu verfassen, das auf Merkmale zurückgriff, die auch im Feld ermittelbar waren. Nach dem Examen arbeitete er in den 1930er Jahren als Autor und später auch als Lektor beim Stuttgarter Kosmos-Verlag. Er schrieb und illustrierte vogelkundliche und andere populärwissenschaftliche Bücher, von denen der bereits im Programm vorhandene und dann von ihm überarbeitete und illustrierte Band Was fliegt denn da besonders hohe Auflagen erzielte. Sein Buch Herkunft und Bestimmung des Menschen – Abstammung oder Schöpfung erregte das Missfallen der nationalsozialistischen Machthaber; wie viele seiner Bücher erschien es erneut nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Jahr 1948 gründete Heinrich Frieling in Marquartstein sein Institut für Farbenpsychologie, für das er zunächst ohne Mitarbeiter Aufträge von Firmen entgegennahm. Nach dem Knüpfen von Kontakten zu anderen Farbinteressierten, unter ihnen Jos de Mey, wurde Frieling zum Gründungspräsidenten der International Association of Color Consultants ins Paris. Die Eröffnung einer Zweigstelle in Salzburg erfolgte 1958. Nun wurden auch Studenten zu Farbberatern ausgebildet und Dozenten eingestellt. Als Farbberater verwendete und übermittelte er grundlegende theoretische Grundlagen der praktischen Farbenpsychologie für Raumgestaltung und Werbung. Er wirkte bei der Farbgestaltung unter anderem zahlreicher Industriewerke, Schulen und Krankenhäuser mit.

Frieling beschäftigte sich mit dem gesamten Spektrum psychologischer und soziologischer Farbforschung. Dazu gehörte die Wahrnehmung von Farbe im natürlichen Kontext,Heinrich Frieling: Mensch und Farbe. Heyne, München 1972, S. 13–19 die Signalfunktion von Farben,Heinrich Frieling: Mensch und Farbe. Heyne, München 1972, S. 20–27 Farbvorlieben,Heinrich Frieling: Mensch und Farbe. Heyne, München 1972, S. 28–37. Farbe und Persönlichkeit,Heinrich Frieling: Mensch und Farbe. Heyne, München 1972, S. 38–45 der Einfluss von Farben auf die emotionale Stimmung und die Farbklassifizierung nach dem sinnlichen Eindruck.Heinrich Frieling: Mensch und Farbe. Heyne, München 1972, S. 65–74 Als kulturpsychologische Phänomene, die von Frieling betrachtet wurden, sind FarbmodenHeinrich Frieling: Mensch und Farbe. Heyne, München 1972, S. 53–57 und ein allgemeiner Trend zur BuntheitHeinrich Frieling: Mensch und Farbe. Heyne, München 1972, S. 58–64 zu nennen. Frieling entwarf einen neuartigen Farbatlas, der nicht als Farbkreis oder Farbkugel, sondern als Pyramide mit fünfeckigem Querschnitt angelegt war, entsprechend der fünf Ausgangsfarben. Ziel war die Verwendung durch Künstler, insbesondere zur Beurteilung und Mischung unterschiedlicher Arten von Grau.Heinrich Frieling: Ein Leben für die Farbe. Zum 80. Geburtstag von Heinrich Frieling. Musterschmidt, Göttingen 1990. ISBN 978-3-7881-4048-9, S. 36–38 Von ihm erstellte „Farb-Porträts“ fassen sinnliche Assoziationen und vermittelte Bedeutungen zu einzelnen Farben zusammen und können von Künstlern genutzt werden.Heinrich Frieling: Mensch und Farbe. Heyne, München 1972, S. 75–139 Ein Test zur Beurteilung der Persönlichkeit ist der auf Farbtafeln fußende Frieling-Test.Heinrich Frieling: Mensch und Farbe. Heyne, München 1972, S. I–XV

In den 1950er Jahren verkaufte Frieling viele der von ihm gemalten abstrakten Gemälde.Heinrich Frieling: Mensch und Farbe. Heyne, München 1972, S. 32Heinrich Frieling. Foerster Rechtsanwälte, Erlangen (mit Bildern Heinrich Frielings), abgerufen am 21. Mai 2022 Ausstellungen der Bilder Frielings fanden erstmals im Herbst 1963 und 1964 durch die Galerie Gurlitt in München statt.Ausstellungskalender. PDF. In: Kunstchronik, Bd. 16, Nr. 11, 1963, , S. 318–320, insbesondere S. 319 (Faksimile, bereitgestellt von der Universitätsbibliothek Heidelberg)

Mitgliedschaften Verein sächsischer Ornithologen, ab 1926, ab 1990 Ehrenmitglied International Association of Color Consultants IACC, 1957 GründungspräsidentAusbildung der FarbegestalterInnen/Farbdesigner. Bund Europäischer Farbberater/ -designer, abgerufen am 20. Mai 2022

Schriften Bis Mitte der 1940er Jahre behandeln Frielings Schriften überwiegend zoologische, vor allem ornithologische Themen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen vor allem Werke zu Themen aus Kunst und aus Farbenlehre.

Zoologische und andere naturkundliche Veröffentlichungen (Auswahl) Exkursionsbuch zum Bestimmen der Vögel in freier Natur, nach ihrem Lebensraum geordnet. Springer, Berlin 1933 Cariama christata als Anpassungsform an das Savannenleben. In: Zeitschrift für Morphologie und Ökologie der Tiere, Bd. 30, Nr. 5, 1936, . S. 673–730 (Dissertation) Die Feder. Deutsche Gesellschaft für Kleintier- und Pelztierzucht, Leipzig 1936 Cariama cristata L. als Anpassungsform an das Savannenleben. In: Zeitschrift für Morphologie und Ökologie der Tiere, Bd. 30, Nr. 5 (1936), S. 673–730 (Dissertation) Was find ich am Strande. Bestimmung von nahezu 300 Pflanzen und Tieren am deutschen Meeresstrand. Franckh, Stuttgart 1937 (mit Alois Kosch) Edle Steine. Ein Kapitel aus der Mineralogie. Franckh, Stuttgart 1937 Die Stimme der Landschaft. Begreifen und Erleben der Tierstimme von biologischem Standpunkt. Oldenbourg, München 1937 Lebenskreise. Umwelt und Innenwelt der Tiere und der Menschen. Franckh, Stuttgart 1938 Tiere als Baumeister. Franckh, Stuttgart 1940 Liebes- und Brutleben der Vögel. Stuttgart, Franckh 1940 Herkunft und Weg des Menschen – Abstammung oder Schöpfung?. Klett, Stuttgart 1940 Begegnung mit Sauriern. Eine wunderbare Reise ans Kreidemeer. Thienemann, Stuttgart 1940 Großstadtvögel. Krieg, Mensch, Natur. Franckh, Stuttgart 1942 Was ist der Mensch? Eine allgemeine Menschenkunde. Droemer, 1948 Das Leben. 1948. Mysterium der Liebe. 1948.

Veröffentlichungen zu Farbwissenschaft und Kunst (Auswahl) Harmonie und Rhythmus in Natur und Kunst. Oldenbourg, München 1937 Die Sprache der Farben. Vom Wesen des Lichts und der Farben in Natur und Kunst. Oldenbourg, München 1939 Mensch – Farbe – Raum. 1954 (erschienen auch in englischer, italienischer, russischer und tschechischer Sprache). Mensch und Farbe. Heyne, München 1972 Kleine Farbenlehre. Eine Einführung in die organische Farbenlehre in Theorie und Praxis. Hachmeister und Thal, Berlin 1940 Psychologische Raumgestaltung und Farbdynamik. Musterschmidt, Göttingen 1956 Praktische Farbenlehre. Eine Einführung in die Physiologie des Farbensehens und die psychologische Farbenlehre für die Praxis. Philler, Minden 1956 Farbe hilft verkaufen. Farbenlehre und Farbenpsychologie für Handel und Werbung. Musterschmidt, Göttingen 1957 Der Frieling-Test. 1960 Das Gesetz der Farbe. Musterschmidt, Göttingen 1968 Mensch und Farbe. Heyne, München 1972 Farbe im Raum – angewandte Farbenpsychologie. Callwey, München 1974, ISBN 3-7667-0311-0. Licht und Farbe am Arbeitsplatz. Verlagsgemeinschaft für Wirtschaftspublizistik, Bad Wörishofen 1982, ISBN 3-923227-00-0. Mit der Farbe auf du und du. Briefe an einen jungen Malermeister. Musterschmidt, Göttingen 1986, ISBN 978-3-7881-4044-1