Mit der Bezeichnung Wälder und Kalkmagerrasen der Ringgau Südabdachung wurden sechs Bereiche auf bewaldeten Höhenzügen im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis gemeinsam als ein Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebiet in das europaweite Schutzgebietssystem Natura 2000 integriert, das die Erhaltung der biologischen Vielfalt zum Ziel hat. Den naturschutzfachlichen Wert begründen die Buchenwaldkomplexe, die als von hessenweiter Bedeutung angesehen werden, sowie die Vorkommen von schutzwürdigen Lebensräumen und Arten.

Lage Das FFH-Gebiet erstreckt sich über eine Länge von rund 20 Kilometern Luftlinie entlang der Bundesstraße 400 zwischen Sontra und der hessisch-thüringischen Landesgrenze östlich von Herleshausen. Zu den unterschiedlich großen Teilgebieten gehören: Bergland zwischen Sontra und Ulfen in den Gemarkungen von Weißenborn, Sontra, Breitau und Ulfen der Stadt Sontra mit dem Holstein (462,6 m), Stein und Iberg (360,7 m). Die isoliert liegenden Bereiche bei Ulfen um den 392,3 m hohen Buchberg, der Riedmühle mit einer Erhebung von bis zu 392,3 m und das Gelände um Steinbühl (350,4 m) und „Grillhüttenberg“. Steilstufe der Südabdachung des Ringgaus zwischen Ottilienberg und Kielforst in den Gemarkungen Ulfen der Stadt Sontra und Altefeld, Archfeld, Frauenborn, Herleshausen, Holzhausen, Markershausen und Willershausen der Gemeinde Herleshausen mit Ottilienberg (416,0 m), Sandberg (401,5 m), Hasenkopf, Alberberg (421,7 m), Fernberg (438,2 m), Dachsberg (440,4 m), Schloßberg (451,8 m), Eulenkopf (409,7 m), Iberg (434,0 m) und Kielforst (440,4 m) sowie das Wochenstubenquartier des Großen Mausohr in Wommen.

Den Westteil des Gebiets zwischen Sontra und dem Ottilienberg bei Ulfen prägt ein bis über 400 m hoher Muschelkalkrücken, der sich nach Osten in zahlreiche einzelne Berge und Kuppen auflöst. Die Täler, die zwischen den überwiegend bewaldeten Erhebungen liegen, werden landwirtschaftlich genutzt.

Die eigentliche Südabdachung liegt im östlichen Teil. Die von 450 bis 400 m auf unter 300 m steil abfallende Muschelkalkstufe des südlichen Ringgaus ist fast durchgehend bewaldet. Der Ringgau ist einer der westlichen Ausläufer der Muschelkalkplatten, die das Thüringer Becken umranden und sich vom Nordwesten Thüringens bis nach Hessen erstrecken. Die Werra trennte ihn einst von seinem ursprünglichen Gesteinsverband und schuf mit ihm einen Zeugenberg, der in seinem Zentrum durch einen tektonischen Grabenbruch zerschnitten wird. Die langgestreckte „Netra-Ifta-Talung“ teilt den Ringgau in einen nördlichen und einen südlichen Bereich.

Das FFH-Gebiet schließt die Naturschutzgebiete „Iberg bei Markershausen“ und „Kielforst bei Herleshausen“ ein. Auf thüringischer Seite grenzt unmittelbar das FFH-Gebiet 4927-302 „Kielforst nordwestlich Hörschel“ an.FÖA Landschaftsplanung und Büro für angewandte Ökologie und Forstplanung (BÖF): Grunddatenerfassung zum FFH-Gebiet 4926-305 „Wälder und Kalkmagerrasen der Ringgau Südabdachung“.

Das Schutzgebiet liegt im „Geo-Naturpark Frau-Holle-Land“. Nach der naturräumlichen Gliederung Deutschlands des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg werden die westlichen Teilflächen des FFH-Gebiets dem „Hosbach-Sontra-Bergland“ (357.90) im „Fulda-Werra-Bergland“ (357) zugeordnet. Sie sind Einheiten des „Osthessischen Berglands“. Der sich östlich anschließende Bereich liegt in den Teileinheiten „Südlicher Ringgau“ (483.41) und „Südliche Ringgauvorberge“ (483.40). Sie gehören zu dem Naturraum „Nordwestliche Randplatten des Thüringer Beckens“ (483).Hans-Jürgen Klink: Blatt 112 Kassel. In: Naturräumliche Gliederung nach der Geographischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg.

Lebensraumtypen Auf der geschützten Fläche von mehr als 1500 Hektar kommen 12 unterschiedliche Lebensraumtypen (LRT)Liste der in Deutschland vorkommenden Lebensräume des Anhangs I der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie In: Deutschlands Natur; abgerufen am 19. Mai 2022. vor. Der Waldmeister-Buchenwald bildet mit rund 840 Hektar den Kern des FFH-Gebiets. Flachland-Mähwiesen und artenreiche Kalk-Halbtrockenrasen prägen mit etwa 16 Hektar das Offenland. Mit zwei Kalktuffquellen, mehreren submediterranen Halbtrockenrasen mit Orchideenvorkommen, drei kalkhaltigen Schutthalden sowie Schlucht- und Hangmischwäldern kommen vier prioritäre (*) Lebensraumtypen vor, für deren Erhaltung die Europäische Gemeinschaft eine besondere Verantwortung hat.

Waldlebensraumtypen EU-Code Lebensraumtyp Gesamtfläche 9110 Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum) 7,57 ha Hainsimsen-Buchenwälder besiedeln den Sandberg südöstlich von Ulfen. In den artenarmen Wäldern auf sauren Böden ist die Rotbuche die vorherrschende Baumart. Stiel- und Trauben-Eiche kommen in der Baumschicht einzeln bis truppweise vor und erreichen Bestockungsanteile von bis zu vierzig Prozent. Eine Strauchschicht ist nicht vorhanden und die Krautschicht wächst unter dem dichten Kronendach nur spärlich oder fehlt wegen des Lichtmangels völlig. In lichteren Bereichen oder an Wegrändern wird sie von der Charakterart Weiße Hainsimse sowie von Drahtschmiele und Waldsauerklee gebildet. 9130 Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum) 847,26 ha mini|Der Schlossberg bei Markershausenmini|Buchenwald am Hollstein Waldmeister-Buchenwälder haben den größten Gebietsanteil. Großflächig kommen sie von den Bereichen um Alberberg und Hasenkopf bis zur Ostgrenze am Kielforst vor. Die Rotbuche dominiert überall und wird von weiteren Baumarten wie Esche und Ahorn begleitet. Vereinzelt tritt auch die Elsbeere auf. Am Kielforst kommen zusätzlich Stieleichen sowie einzelne Bergulmen, Vogelkirschen, Mehlbeeren und Sommerlinden hinzu. In der Zeit der Datenerfassung beeindruckten die Wälder durch ihre Altholzbestände, die aber zu einem großen Teil verjüngt werden sollen, wodurch das Vorkommen mächtiger Bäume abnehmen wird.

Pflanzensoziologisch werden die Bestände dem Verband der mesophilen Buchenwälder zugeordnet. Die Kennarten Einblütiges Perlgras und Waldmeister sind weit verbreitet. Auch in geschlossenen Buchenbeständen ist meistens eine ausgeprägte Krautschicht vorhanden, die besonders im Frühjahr durch die Geophyten beeindruckt. Dann bilden sich hier teilweise große Teppiche aus Buschwindröschen, Hohlem Lerchensporn, Bärlauch oder Schlüsselblumen. Zu den floristischen Besonderheiten gehören die Vorkommen des Türkenbunds und des Gelben Eisenhuts am Ottilienberg, die Orchideen Breitblättrige und Schmallippige Stendelwurz, Nestwurz, Rotes und Weißes Waldvöglein sowie der Großblütige Fingerhut. 9150 Mitteleuropäischer Kalk-Buchenwald (Cephalanthero-Fagion) 71,13 ha Dieser Lebensraumtyp, der den zweitgrößten Flächenanteil besitzt, kommt verstreut auf den trockeneren Standorten über Kalk in dem gesamten Gebiet vor. Er unterscheidet sich von dem Waldmeister-Buchenwald durch die geringere Wuchshöhe der Bäume und das Auftreten wärmeliebender Arten. Die größten zusammenhängenden Bereiche befinden sich am Iberg bei Markershausen, am Ottilienberg, nördlich von Gut Hohenhaus und nördlich von Holzhausen. Die Baumschicht wird als lückig und reich strukturiert beschreiben. Neben der auch hier dominanten Buche sind Elsbeere, Spitzahorn, Esche, Mehlbeere, Eibe sowie vereinzelt Traubeneiche und Hainbuche vertreten. Kennzeichnend für den Waldtyp sind die Vorkommen des Weißen Waldvögleins, der Nestwurz und der Finger-Segge. Den floristischen Kern der Bodenvegetation bilden die typischen Ordnungskennarten. Besonders häufig unter ihnen sind Seidelbast, Frühlings-Platterbse, Waldmeister, Wald-Labkraut und Wald-Veilchen sowie die Orchideenarten Purpur-Knabenkraut, Rotes Waldvöglein, Rotbraune und Breitblättrige Stendelwurz. 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Carpinetum) 5,59 ha Der Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald kommt im nordwestlichen Teil auf flachgründigen Böden mit teilweise anstehendem Fels vor. Die Bestände werden deutlich von der Traubeneiche und der Hainbuche dominiert, die von licht- und wärmeliebenden Baum- und Straucharten wie Elsbeere, Mehlbeere, Feldahorn, Liguster, Wolliger Schneeball, Rote Heckenkirsche, Ackerrose und Seidelbast begleitet werden. Die Krautschicht prägen anspruchsvolle Arten wie Wald-Bingelkraut, Wald-Labkraut, Schwalbenwurz, Finger-Segge, Wald-Knäuelgras, Frühlings-Platterbse und Echter Schlüsselblume. Häufig sind auch die Orchideen Männliches Knabenkraut, Rotes und Weißes Waldvöglein anzutreffen. Die gut ausgebildete und artenreiche Krautschicht wie auch der mehrschichtige Aufbau und die lichte Struktur gelten als wertbestimmend für die Wälder. 9180* Schlucht- und Hangmischwälder (Tilio-Acerion) 3,43 ha mini|Holstein und Stein von Osten Dieser Waldtyp wächst im FFH-Gebiet auf steilem Gelände mit Hangneigungen bis um die 40 Prozent am Kielforst, am Iberg bei Markershausen, am Fernberg beim Gut Hohenhaus und am Holstein bei Weißenborn. Häufig sind die Böden ihrer Wuchsorte in Bewegung und mit Hangschutt und Geröll bedeckt. Wegen der ständig nachrutschenden Hänge sind die meisten Bäume krummschäftig. Berg- und Spitzahorn, Bergulme und Sommerlinde sind die vorherrschenden Edellaubholzarten. An den unterschiedlichen Standorten ist auch die Vegetation unterschiedlich ausgebildet. 91 E0* Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae) 0,07 ha Ein Biotop, das diesem Lebensraumtyp zugeordnet werden kann, liegt in dem Talgrund zwischen Petersberg und Iberg. Die Erlenanpflanzung entlang des Baches wird allerdings wegen des geringen Alters der Bäume und der geringen Flächengröße von weniger als 0,1 Hektar als nicht signifikant eingestuft.

Lebensraumtypen des Offenlands